Corona-Pandemie Impfstoffe: Newcomer mischen ganz vorne mit

Ein Arzt hält den Impfstoff in den Händen.
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Impfungen geben Hoffnung im Corona-Lockdown. Überraschend haben junge Biotechschmieden die ersten Vakzine an den Start gebracht.

Der Anfang war zäh: Als erstes Land in Europa startete Großbritannien am 8. Dezember 2020 mit den Impfungen, auch die USA und Israel legten früh los. Die ersten Impfungen in Deutschland erfolgten am 27. Dezember. Mittlerweile ist die größte Impfaktion aller Zeiten in Europa angelaufen. Bis zum Herbst sollen alle impfwilligen Europäer ihre Vakzine erhalten haben. Im Laufe des Jahres dürfte auch genügend Impfmaterial vorhanden sein, denn die Europäische Kommission hatte schon vor dem Jahreswechsel bei sechs Unternehmen auf Verdacht erst einmal rund 1,3 Milliarden Dosen geordert, plus Optionen für weitere 660 Millionen Dosen. Inzwischen wurde bereits nachbestellt. Alle sechs Anbieter sind an der Börse notiert, viele Anleger vermuten ein Riesengeschäft. Allerdings ist Vorsicht geboten. „Der schnelle Durchbruch bei der Impfstoffforschung war ein großer Erfolg“, erklärt Kristoffer Unterbruner, Molekularbiologe und Analyst bei der Fondsberatung Medical Strategy. „Der langfristige Wert der Unternehmen hängt aber eher von den Erfolgen ihrer Therapeutika für die Behandlung von anderen Erkrankungen ab.“

Die sechs Unternehmen, die aktuell ganz vorne bei den Impfstoffen mitmischen, sind Biotech- und Pharmaunternehmen, kleine wie Biontech oder Riesen wie Johnson & Johnson. Ein Überblick über die Firmen, bei denen die Europäische Kommission bestellt hat:

Biontech: Sieger im Impfrennen

Der Durchbruch gelang überraschenderweise den Forschern der Mainzer Biontech (WKN A2PSR2). Das Gründerehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci, ihre über 1.000 Mitarbeiter und ihr Kooperationspartner Pfizer setzen auf einen sogenannten mRNA-Impfstoff. mRNA steht für Messenger Ribonucleic Acid (Boten-Ribonukleinsäure). Diese Impfung enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper dann ein Viruseiweiß herstellt. Ziel ist es, das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anzuregen, um das Virus Sars-CoV-2 im Falle einer Infektion abzufangen.

Weltweit war der Impfstoff von Biontech/Pfizer schon um die Jahreswende in rund 50 Staaten zugelassen. Er hat mit 95 % Wirksamkeit die Erwartungen übertroffen. Ein Nachteil: Der Biontech-Impfstoff ist extrem wärmeempfindlich und muss bei minus 70 Grad transportiert werden. Deshalb wird er in erster Linie in spezialisierten Impfzentren verimpft. Die EU hat inzwischen die Bestellung bei Biontech verdoppelt. Im Jahr 2020 hat Biontech wie in den Vorjahren noch Verluste erwirtschaftet, für 2021 rechnen die Analysten aber durch das Impfstoffgeschäft mit einem Sprung in die schwarzen Zahlen. Bei dem zurzeit durchschnittlich für das laufende Jahr geschätzten operativen Gewinn von rund drei Milliarden Euro läge das KGV 2021 nur noch bei rund sieben. Ab 2022 rechnen die Analysten aber wieder mit einem Rückgang der Gewinne.

Moderna: Platzhirsch in den USA

Der zweite Gewinner des Virus-Rennens ist die amerikanische Moderna (WKN A2N9D9), die in Größe und Schwerpunkt Biontech ähnelt. Moderna hatte als erstes Unternehmen weltweit Mitte März 2020 eine Phase-I-Studie mit einem Corona-Impfstoff gestartet und erhielt als zweiter Impfstoffhersteller nach Biontech/Pfizer in den USA kurz vor Weihnachten eine Notfallzulassung. Auch der Moderna-Impfstoff beruht auf dem mRNA-Ansatz und soll eine Wirksamkeit von rund 95 % erreichen. US-Vizepräsidentin Kamala Harris wurde schon vor der Jahreswende öffentlichkeitswirksam geimpft.

Die EU hatte zunächst nur 80 Millionen Dosen bestellt und inzwischen auf 160 Millionen verdoppelt. Im Gegensatz zum Vakzin von Biontech benötigt der Moderna-Impfstoff nur eine Lagerungstemperatur von minus 20 Grad und könnte damit einfacher ausgeliefert werden. Der Aktienkurs von Moderna hat in den vergangenen Monaten ähnlich stark reagiert wie Biontech. Auch bei Moderna sind die kurzfristigen Gewinnerwartungen hoch und aus einem deutlichen Verlust 2020 könnten nach Analystenschätzungen 2021 ein hoher Gewinn und ein KGV von gut fünf erwachsen.

AstraZeneca: DNA-Impfstoff

Im Sommer vergangenen Jahres setzte die EU-Kommission die größten Hoffnungen auf die europäischen Pharmagiganten AstraZeneca (WKN 886455) und Sanofi. Deren Impfstoffe sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Ein Adenovirus, ein für den Menschen harmloses Virus, dient dabei als Transportmittel (Vektor) für einen ungefährlichen Teil der Erbinformation des Corona-Virus. Das Vakzin des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca wird seit Anfang Januar in Großbritannien genutzt. Die Wirksamkeit liegt nach Studien zwischen 60 und 90 % und ist damit geringer als bei den neuartigen mRNA-Impfstoffen.

Im Gegenzug hat das AstraZeneca-Produkt aber auch eindeutige Vorteile: Es ist deutlich preiswerter als die Vakzine von Biontech und Moderna. Und es kann bei normalen Kühlschrank-Temperaturen gelagert und transportiert werden. So ist es auch in Arztpraxen und in Ländern wie Indien besser einsetzbar, die die für mRNA-Impfstoffe erforderlichen Kühlketten kaum flächendeckend einhalten können. AstraZeneca testet zudem aktuell die Antikörper-Kombination AZD7442 in einer Phase-III-Studie. Die Hoffnung: Anders als eine erst nach Wochen wirksame Impfung könnte das neue Medikament sogar Schutz gegen Covid-19 bieten, wenn man einem Infizierten bereits ausgesetzt war – eine ähnliche Wirkungsweise wie bei der „Pille danach“. „Ein sehr teurer Antikörpercocktail der Firma Regeneron hat Donald Trump bei seiner Corona-Infektion möglicherweise das Leben gerettet. Patienten müssen aber früh nach der Infektion damit behandelt werden“, erklärt Professor Florian Wurm, Gründer und wissenschaftlicher Leiter der Schweizer Firma ExcellGene, die ausgewählte Corona-Virusproteine herstellt.

Sanofi: Enttäuschende Studien

Vor allem Frankreich hatte große Hoffnungen auf den Impfstoff von Sanofi (WKN 920657) gesetzt. Aber im Dezember vergangenen Jahres mussten Sanofi und der britische Partner GlaxoSmithKline enttäuschende Zwischenergebnisse melden. Der vorgesehene Impfstoff führte zwar bei jüngeren Testpersonen zu einer zufriedenstellenden Reaktion. Bei älteren Erwachsenen, die die Immunisierung besonders brauchen, fiel die Reaktion jedoch nicht ausreichend groß aus. Wann die Europäische Union die bereits bestellten 300 Millionen Impfdosen bekommt, ist fraglich. Sanofi peilt zurzeit das vierte Quartal 2021 an. Derweil will das Unternehmen bei der Abfüllung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs helfen.

Johnson & Johnson: Nur einmal impfen nötig

Johnson & Johnson (WKN 853260) könnte im ersten Quartal dieses Jahres zum Zuge kommen. Der amerikanische Gigant hat seine Phase-III-Wirksamkeitsstudie Ende September mit 45.000 Teilnehmern gestartet und hat in den USA bereits eine Notfallzulassung erhalten. Europa dürfte bald nachziehen. Auch Johnson & Johnson nutzt einen Vektorimpfstoff auf der Grundlage eines Adenovirus. Das Produkt von Johnson & Johnson könnte nach Einschätzung des führenden US-Virologen Anthony Fauci ab dem Frühjahr die Zahl der verfügbaren Impfdosen deutlich erhöhen. Ein großer Vorteil des Johnson & Johnson-Vakzins: Im Gegensatz zu den anderen Produkten soll nur eine einzige Impfung notwendig sein.

Curevac: Kooperation mit Bayer

Etwas ins Hintertreffen geraten ist die Tübinger Curevac (WKN A2P71U). Dabei hatte der Impfstoffentwickler mit seinem Ankeraktionär Dietmar Hopp schon im Juni mit der klinischen Erprobung seines Vakzins begonnen und bei 250 Probanden gute Immunantworten erreicht. Der Bund stieg im Sommer mit 300 Millionen Euro bei Curevac ein. Allerdings startete die entscheidende Phase-III-Studie erst vor Weihnachten. Mitte August 2020 war Curevac an die New Yorker Börse gegangen und dort fulminant gestartet. Zuletzt hat sich die Euphorie gelegt, weil sich Curevac anders als Biontech oder Moderna immer noch in der Studienphase befindet. Erst die Anfang des Jahres verkündete Kooperation mit Bayer sorgte für eine Trendwende. Wann der Impfstoff an den Markt kommt, ist allerding weiterhin fraglich. Laut Management ist eine Zulassung im zweiten Quartal des Jahres möglich.

Breite Investitionen mindern die Risiken

Bei den Big Playern der Pharmabranche wie AstraZeneca, Sanofi oder Johnson & Johnson hat das Impfgeschäft zwar großen Einfluss auf das Renommee, aber einen kleinen auf die Geschäftszahlen. Selbst der herbe Rückschlag im Dezember sorgte bei Sanofi nur für einen kleinen Kursrückgang an der Börse. Bei den Biotech-Newcomern Biontech, Moderna und Curevac schwankten die Kurse in den vergangenen Monaten dagegen erheblich und hängen aktuell entscheidend von den Vakzinen ab. „Außerhalb der absoluten Krisensituationen ist das Impfgeschäft allerdings ein schwieriges Geschäft, weil gesunde Menschen selten bereit sind, hohe Preise zu zahlen“, weiß Professor Florian Wurm. Zudem seien die mRNA-Vakzine wegen ihrer besonderen Lagerungsbedingungen und des höheren Preises in vielen Weltregionen nicht zum Einsatz geeignet.

Einzelne Direktinvestments sind mit großen Verlustrisiken verbunden. Alternativ können Anleger auf ein Zertifikat von HypoVereinsbank onemarkets auf den Global Anti Virus Health Net Return Index (WKN HR09BX) setzen. Enthalten sind 20 europäische und nordamerikanische Unternehmen aus dem Pharma-, Biotech- und Medizinbereich. „Diese Verteilung reduziert das Einzelaktienrisiko deutlich“, erklärt Sebastian Bleser, Zertifikate-Experte bei HypoVereinsbank onemarkets. Im Index vertreten sind unter anderem Bayer (WKN BAY001) und BASF (BASF11) sowie die Impfstoffproduzenten AstraZeneca, Johnson & Johnson und Sanofi.

Das Zertifikat konzentriert sich vor allem auf die Big Player der Branche und ist im Gegensatz zu Fonds nicht insolvenzgeschützt. Newcomer wie Moderna, Biontech und Curevac sind nicht vertreten. Sie finden sich eher in klassischen Biotech-Aktienfonds, machen dort allerdings selten die größten Positionen aus. „Auch wenn aktuell Corona alles überstrahlt, sind innovative Unternehmen in den Bereichen Onkologie, genetische Medizin oder seltene Erkrankungen noch deutlich wichtiger“, erklärt Kristoffer Unterbruner von Medical Strategy. „Mit Unternehmen, die Geißeln der Menschheit wie Krebs oder Multiple Sklerose erfolgreich bekämpfen, dürfte man langfristig breiter und besser aufgestellt sein.“ Anleger sollten allerdings beachten, dass bei Zertifikaten als Schuldverschreibung ein Emittentenrisiko besteht. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten.

Alternativ können Anleger auch in Biotechnologie-Fonds investieren. Zu den Fonds mit mindestens vier Sternen im Morningstar-Rating gehören neben dem Candriam Equities L Biotechnology – C USD DIS Fonds (WKN 939839) der Franklin Biotechnology Discovery A (WKN 937444), der Polar Capital Funds Biotechnology – R USD DIS Fonds (WKN A1W70F) und der UBS (Lux) Equity Fund-Biotech (USD) – P ACC Fonds (WKN 986327). Besonders auf kleinere und mittelgroße Biotechwerte spezialisiert ist der Medical BioHealth – EUR DIS Fonds (WKN 941135).

Aktien, ETF- und Investmentfonds sowie Partizipations-Zertifikate unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Partizipations-Zertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 10.03.2021; Quelle: comdirect.de