Geldanlagen bergen Risiken
Hormus-Blockade – Blick auf ein Containerschiff auf dem Meer.
Hormus-Blockade – Blick auf ein Containerschiff auf dem Meer.
© Media via Adobe Stock

Hormus-Blockade: Bekannte und heimliche Gewinner

  • Helium und Düngemittel werden knapp und teuer.
  • Energiekonzerne kassieren gewaltige Zusatzerträge.
  • Mit Fonds und ETFs können Anlegende teilhaben.

Coca-Cola ist weltweit ein Megaseller – auch auf dem indischen Subkontinent. Aber in den zurückliegenden Wochen mussten sich kalorienbewusste Inderinnen und Inder umstellen. Zunehmend verschwand die beliebte Cola Light aus den Regalen der Supermärkte und Getränkekioske. Der Grund: Während andere Cola-Varianten auch in Plastikflaschen erhältlich sind, gibt es Cola Light bzw. Diet Coke nur in Aluminiumdosen. Aluminium aber wird durch anhaltende Lieferengpässe wegen des Iran-Kriegs knapp und zunehmend teurer. Im April stieg der Preis für eine Tonne Aluminium über 3.600 Dollar pro Tonne – rund ein Drittel mehr als 12 Monate zuvor. Das Leichtmetall wird unter anderem in MacBooks und iPhones, in Solarpanels und Flugzeugen benötigt. Die Hersteller dieser hochpreisigen Produkte können und wollen trotz Preisanstieg nicht auf Aluminium verzichten, Getränkedosen dagegen kann man in der Regel durch Glas- oder Plastikflaschen ersetzen – nur eben in Indien nicht so schnell bei Diet Coke.

Nicht nur beim Aluminium wirken sich der Krieg im Iran und die Sperre der Straße von Hormus auf die weltweite Versorgung aus. Eine Vielzahl von Rohstoffen wird knapp, und das lässt die Preise weltweit steigen. Hormus als Route steht für rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs und knapp ein Fünftel des globalen LNG-Handels. „Aber auch bei Jet Fuel/Mitteldestillaten, LPG/Naphtha, Ammoniak/Harnstoff, Schwefel/Schwefelsäure gibt es Produktions- und Lieferausfälle, die zu Preissteigerungen führen“, erklärt Volker Schilling, Vorstand der Greiff capital management AG. „Schon seit dem Vorjahr wurden Metalle und Rohstoffe wegen der Energiewende und Elektrifizierung der Welt immer teurer. Der Iran-Krieg gibt dieser Tendenz einen zusätzlichen Schub.“

Helium wird knapp

Anlegerinnen und Anleger können von der Knappheit profitieren. Allerdings gehen sie auch Risiken ein. Beispiel Helium: Helium wird in der Halbleiterindustrie benötigt. Die KI-Revolution hat die Chip-Nachfrage massiv angefacht. Entsprechend reagierten Helium-Aktien auf die Sperrung der Straße von Hormus mit teils exorbitanten Sprüngen, denn rund ein Drittel des weltweiten Heliumangebots fällt nun aus. Vor allem kleinere Helium-Nebenwerte wie Avanti Helium und Pulsar Helium profitierten. Sie können aber zum Teil nicht einmal funktionierende Produktionsstätten vorweisen. Entsprechend korrigierten die Papiere, als die Angst vor der Helium-Knappheit etwas abebbte. Mit deutlich weniger Risiken verbunden sind die großen Anbieter von Industriegasen, bei denen Helium nur einen kleineren Teil des Gesamtgeschäftes ausmacht: die französische Air Liquide, die amerikanische Air Products & Chemicals sowie die traditionsreiche deutsche Linde, die inzwischen ihren Firmensitz in Großbritannien und ihre Börsen-Erstnotiz in den USA hat. Air Liquide bezieht bis zu 75 % seines Heliums aus Katar. Entsprechend kann das Unternehmen zwar die Preise erhöhen, muss aber die Lieferungen kürzen. Linde und Air Products & Chemicals bekommen nur rund ein Viertel ihres Heliums vom Golf. Entsprechend stärker können sie aktuell profitieren. Bei Air Products & Chemicals macht Helium einen größeren Umsatzanteil aus als bei Linde. Linde allerdings gilt als die Top-Marke unter den Industriegase-Spezialisten. Im 1. Quartal 2026 konnte das Unternehmen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 8 % auf rund 8,8 Milliarden US-Dollar steigern. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie legte sogar um 10 % auf 4,33 US-Dollar zu. In den vergangenen 5 Jahren legte der Linde-Aktienkurs um mehr als 70 % zu.

Düngemittel werden knapp und teuer

Auch der Markt für Düngemittel wurde durch den Krieg empfindlich getroffen, weil mehr als 20 % der weltweiten Schwefel- und Ammoniakproduktion in der Gegend rund um den Golf von Hormus hergestellt werden. Einige Anlagen wurden getroffen, andere stehen still. Die Auswirkungen: Die Düngemittelpreise sind in der Aussaat-Saison deutlich gestiegen. Die Weltbank erwartet den Düngemittelpreisindex 2026 mehr als 30 % höher als im Vorjahr. Bauern müssen entweder deutlich teurer oder weniger düngen mit entsprechend geringerer späterer Ernte. Von den höheren Preisen profitieren zunächst die Düngemittel-Hersteller. Nummer 1 auf dem Weltmarkt ist der kanadische Konzern Nutrien, dessen Aktienkurs nach einer längeren Durststrecke wieder Fahrt aufgenommen hat. Die norwegische Yara International ist einer der größten Anbieter von mineralischem Stickstoffdünger und unterhält eigene Ammoniak- und Düngerfabriken und Phosphat-Minen. Mit einer Dividendenrendite von über 5 % und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2026 von unter 8 ist die Yara-Aktie trotz des jüngsten Kursanstiegs noch günstig bewertet. Die Gewinne und der Aktienkurs des deutschen Bergbaukonzern K + S haben ebenfalls in der Iran-Krise wieder angezogen. Das operative Ergebnis des MDAX-Unternehmens lag im 1. Quartal 2026 mit rund 280 Millionen Euro um fast 40 % über dem Vorjahreswert. In den gesamten Sektor können Anlegerinnen und Anleger mit dem Aktienfonds DWS Invest Global Agribusiness – LC EUR ACC investieren, der nach einer Stagnation in den vergangenen 5 Jahren zuletzt wieder angezogen hat.

Ölversorgung bleibt noch länger gestört

Die größten Krisen-Gewinner sind angesichts der kräftig gestiegenen Energiepreise die Öl- und Gaskonzerne aus dem Westen. Schon im Jahr 2022, als der Angriff Russlands auf die Ukraine die Preise für Öl und Gas steigen ließ, erzielten sie fantastische Rekordgewinne. Das ist in diesem Jahr kaum anders. Wenn der Preis für ein Barrel (159 Liter) Erdöl von rund 60 US-Dollar auf über 100 US-Dollar steigt, kassieren die Konzerne gigantische Extragewinne. Wie die Preispolitik an den Tankstellen zeigte, können sie zudem die Preise ruckzuck anheben. Bei der Weitergabe von Erleichterungen wie etwa dem Steuerrabatt in Deutschland lassen sie sich dagegen deutlich mehr Zeit.

Selbst bei einem schnellen Ende des Krieges und/oder einer reibungslosen Durchfahrt bei Hormus wird der globale Ölmarkt nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) frühestens im Oktober wieder ins Gleichgewicht kommen. Mindestens bis in den Herbst dürfte es daher keine Entspannung an der Preisfront geben. Zudem ist die Ölnachfrage trotz der globalen Energiewende sehr stabil, meint Christian Steiner, Leiter Fonds-Strategien bei der Bayerischen Vermögen Management AG in Kempten. „Während die Elektromobilität den Kraftstoffbedarf künftig dämpfen könnte, wächst der Bedarf an Öl für Kunststoffe, Düngemittel und Textilien rasant.“ Die aktuelle Krise verschärft die Knappheit, weil im vergangenen Jahrzehnt die jährlichen Investitionen in die Ölförderung um rund ein Drittel zurückgegangen sind. Und neue Ölfelder brauchen in der Regel mehr als ein Jahrzehnt Zeit, bevor das erste Öl fließt.

Öl- und Gaswerte weiter favorisiert

In diesem Marktumfeld können Öl- und Gasunternehmen außergewöhnlich hohe Erträge erzielen. Das gilt für amerikanische Unternehmen wie Chevron oder Occidental Petroleum, an denen Investmentlegende Warren Buffett umfangreiche Beteiligungen hält. Aber auch europäische Gesellschaften wie die französische TotalEnergies oder die britischen BP und Shell verdienen prächtig und haben für das laufende Jahr neue Rekordgewinne avisiert. Sie sind zudem mit teilweise einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen für das Jahr 2026 immer noch günstig bewertet und liefern Dividendenrenditen bis zu 5 %. In den Öl- und Gasmarkt sowie andere Rohstoffe können Anlegende nicht nur mit Einzelwerten, sondern auch mit aktiv gemanagten Fonds wie dem ALTIS Fund Global Resources – B und dem JPMorgan Funds – Global Natural Resources Fund – A USD ACC investieren. Als kostengünstige passive Alternative steht zum Beispiel der Xtrackers MSCI World Energy UCITS ETF zur Wahl, der in den vergangenen 5 Jahren rund 150 % zugelegt hat. Die größten Positionen in diesem ETF sind zurzeit ExxonMobil, Chevron und Shell.

Der comdirect Investment-Talk mit Martin Kerscher

Warum die Hormus-Krise weit über den Energiemarkt hinausreicht und was sie für Anlegende bedeutet – das diskutieren auch Martin Kerscher und Markus Sievers, Geschäftsführer von Apano Investments, im comdirect Investment-Talk.

Im comdirect Investment-Talk spricht Martin Kerscher regelmäßig mit Expertinnen und Experten über aktuelle Entwicklungen an den Finanzmärkten. Alle Folgen findest du auf unserem YouTube-Kanal.

Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich deine selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhältst du auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 08.06.2026; Quelle: comdirect.de

Portrait von Michael Reitz, Diplomvolkswirt und unabhängiger Finanzexperte
Portrait von Michael Reitz, Diplomvolkswirt und unabhängiger Finanzexperte
Autor
Michael Reitz

Der Diplom-Volkswirt beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem internationalen Börsengeschehen. Seine ersten schmerzhaften Erfahrungen hat er beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gemacht.

Portrait von Martin Kerscher, Wirtschafts-Journalist, Moderator, Medientrainer und systemischer Coach.
Portrait von Martin Kerscher, Wirtschafts-Journalist, Moderator, Medientrainer und systemischer Coach.
YouTube-Host
Martin Kerscher

Als Wirtschafts-Journalist und Moderator führt Martin Kerscher Video-Interviews für comdirect. Dabei greift er auf die Erfahrung aus mehr als 1.000 Gesprächen zu Finanz-, Wirtschafts- und Kapitalmarktthemen zurück.

top