Hermès : Aufstieg in Europas Elite

Hermes-Geschäft in Wien
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Der französische Luxuskonzern ist eine der Top-Marken der Welt. Umsatz und Gewinn liegen über Vor-Pandemie-Werten. 

Hermès gehört zu den bekanntesten Marken der Welt und steht für höchste handwerkliche Qualität. Umsatz und Gewinn notierten zuletzt deutlich über dem Niveau des Vorjahres und sogar höher als im Jahr 2019, also vor der Pandemie. Mit den Kurssteigerungen der vergangenen Jahre gelang dem Konzern im Dezember 2021 der Aufstieg in den Euro STOXX 50. Allerdings konnte Hermès im Stammgeschäft mit den Lederwaren zuletzt gar nicht so viel produzieren wie gewünscht. Die Umsätze in China blieben jüngst wegen der Covid-19-Einschränkungen hinter den anderen Weltregionen zurück. Die Dividendenrendite ist niedrig, und die Bewertung der Aktie liegt auf einem sehr hohen Niveau. Bei den Analysten ist die Aktie weiterhin beliebt.  

Pro Hermès (WKN 886670)

  • Führender Luxuskonzern: Hermès gehört zu den bekanntesten Luxusmarken der Welt. Das französische Familienunternehmen steht seit der Gründung im Jahr 1837 für höchste handwerkliche Qualität. Lederwaren machen immer noch rund die Hälfte des Umsatzes aus. Mit Uhren und Schmuck, Damen- und Herrenmode sowie Parfüms ist die Marke aber auch in anderen Luxus­segmenten vertreten. 
  • Umsatzrekorde trotz Pandemie: Hermès verzeichnete 2021 ein absolutes Rekordjahr. Der Umsatz wuchs um fast 42 % auf 8,9 Milliarden Euro. Der positive Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2022 fort. Die Erlöse stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf rund 2,8 Milliarden Euro, vor allem dank der robusten Nachfrage in den Regionen Amerika und Europa. 
  • Neue Bestmarke bei den Gewinnen: Der rasante Umsatzzuwachs drückt sich bei Hermès auch in hohen Gewinnsteigerungen aus. Bei einer außergewöhnlich hohen operativen Marge von 39,3 % konnte der Luxuskonzern im Jahr 2021 einen Nettogewinn von 2,4 Milliarden Euro erwirtschaften. Damit lag der Gewinn um 76,5 % über dem Vorjahreswert und um 33 % über dem Wert des Jahres 2019. 
  • Aufstieg in den Euro STOXX 50: Lange blieb Hermès der Aufstieg in den europäischen Auswahlindex verwehrt. Weil nur die Aktien im Streubesitz angerechnet werden, war die Marktkapitalisierung zu niedrig. Das hat sich durch die gute Kursentwicklung im Jahr 2021 geändert. Im Dezember stieg Hermès in den Euro STOXX 50 auf und ist damit international nicht nur mit den Produkten, sondern auch als Aktie sichtbar. 

Contra Hermès (WKN 886670)

  • Nachholbedarf bei Lederwaren: Hermès produziert selbst im Heimatland Frankreich: Lieferprobleme durch die Pandemie und das eingeschränkte Angebot an Arbeitskräften bremsten zuletzt die Umsätze des wichtigsten Produkts Lederwaren. Sie gingen im Abschlussquartal 2021 leicht zurück und wuchsen auch im ersten Quartal 2022 mit währungsbereinigt rund 15 % deutlich weniger stark als andere Sektoren. 
  • Covid bremst in China: Das asiatische Geschäft (ohne Japan) legte im ersten Quartal dieses Jahres zwar um ein Fünftel zu. Allerdings hat Hermès nach guten Verkäufen zum chinesischen Neujahrsfest seit Mitte März in China wieder mit Restriktionen im Zusammen­hang mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Das zeigt sich insbesondere rund um den Lockdown in Schanghai. 
  • Hohe Bewertung: Die Aktie von Hermès ist trotz des Kursrückgangs seit Jahresbeginn immer noch sehr hoch bewertet. Aktuell notiert sie bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 39. Die Dividendenrendite liegt nur bei mageren 0,9 %. 
  • Skeptische Analysten: Die Experten sind angesichts des jüngsten Aufschwungs bei Hermès skeptisch geworden. Von sechs Experten im comdirect Analystenranking geben zurzeit vier eine Halteempfehlung ab. Jeweils einer gibt eine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung ab. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei 0 % und gehört zu den schwächsten im französischen CAC 40. 

Über Hermès

Hermès (heute Hermès International SCA) wurde bereits im Jahr 1837 von dem in Deutschland geborenen Sattler Thierry Hermès gegründet und befindet sich seither weitgehend in Familienbesitz. Damals eröffnete er in Paris sein erstes Geschäft nahe der Madeleine und verkaufte dort zunächst hochwertiges Pferde-Geschirr, ab 1867 auch Sättel. Sein Sohn Charles-Émile Hermès erweiterte das Sortiment ab Anfang der 1890er-Jahre um Koffer- und Ledertaschen und wurde unter anderem zum offiziellen Hoflieferanten des russischen Zaren ernannt. Bereits ab Ende der 1920er-Jahre gab es auch Haute-Couture-Bekleidung von Hermès. 1937 wurden erstmals handbedruckte Seidentücher verkauft, die noch heute zu den Absatzschlagern gehören.  

Die hervorragende handwerkliche Bearbeitung, die luxuriösen Materialien und ihre lange Haltbarkeit machten die Hermès-Produkte rasch in ganz Europa bekannt. In den 1950er-Jahren brachte Hermès mit Eau d’Hermès und Calèche die ersten Parfüms auf den Markt. Nach einer Krise in den 1970er-Jahren stiegen die Umsätze in den Jahrzehnten danach mit der Prêt-à-porter-Mode und Designstars wie Martin Margiela und Jean-Paul Gaultier, dem Uhrengeschäft, Schuhen und ikonischen Taschen wie der Kelly-Bag oder der Birkin-Bag sowie dem Ausbau der eigenen Boutiquen wieder. Hermès setzt weiterhin vorrangig auf in Handarbeit in Frankreich und Europa hergestellte Luxuswaren und beschäftigt dafür neben eigenen Sattlern auch weiterhin eigene Parfümeure.  

Von den rund 18.000 Hermès-Mitarbeitern, die zuletzt einen Jahresumsatz von knapp neun Milliarden Euro erwirtschafteten, sind immer noch mehr als die Hälfte in Frankreich ansässig. Lederwaren machen nach wie vor fast die Hälfte der Erlöse aus. 1993 ging das Familienunternehmen Hermès an die Pariser Börse. Mit einem Anteil von 80 % der Aktien behielt die Eigentümerfamilie aber die Kontrolle. Aufgrund des geringen Streubesitzes dauerte es eine Weile, bis die Hermès-Aktie den Sprung in den CAC 40 schaffte. Ähnlich wie andere Luxuswerte wie LVMH und Kering hat sie sich seit der Jahrtausend­wende allerdings sehr positiv entwickelt. So schaffte Hermès im Dezember 2021 sogar den Sprung in den europäischen Auswahlindex Euro STOXX 50. 

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – eine Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore errechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 06.07.2022; Quelle: comdirect.de