Deutsche Aktienwerte Henkel: Wachstum in Sicht

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Die Pandemie hat das Geschäft des Düsseldorfer Konzerns stark getroffen. Allein der Hygienesektor konnte sich gut behaupten.

Henkel ist in drei Sparten mit alteingesessenen Markennamen bei Privat- und Firmenkunden global vertreten. In der Pandemie bewiesen insbesondere Hygieneprodukte und die globalen Wachstumsregionen Stärke. Im laufenden Jahr sollen Umsatz, Gewinn und operative Marge wieder anziehen. Allerdings blieben Gesamtumsatz und vor allem Gesamtgewinn 2020 hinter dem Vorjahr zurück. Die Klebstoffsparte litt besonders unter den Lockdowns. Die Aktie des Konzerns ist überdurchschnittlich hoch bewertet und als Vorzugsaktie bei institutionellen Anlegern weniger gefragt. Die meisten Analysten sehen Henkel zurzeit nur als Halteposition.

Pro Henkel (WKN 604843)

  • Breit aufgestellt: Der Traditionskonzern Henkel hat drei solide Standbeine. Bei Privatkunden im Sektor „Laundry & Home Care“ mit bekannten Namen wie Pril und Persil, bei „Beauty Care“ mit Fa und Schauma. Zur Klebstoffsparte „Adhesive Technologies“ gehören Konsummarken wie Pritt oder Pattex, aber auch innovative Klebstoffe für die Automobilindustrie.
  • Positiver Gewinntrend: Anders als die pandemiegeschädigten Sparten Klebstoffe und Kosmetik konnte der Unternehmensbereich „Laundry & Home Care“ im Gesamtjahr 2020 ein starkes organisches Umsatzwachstum von 5,6 % erzielen. Das lag an erfolgreich eingeführten Innovationen, vor allem an der stärkeren Nachfrage nach Hygieneprodukten in Pandemiezeite.
  • Neue Märkte laufen gut: Anders als in den Industrieländern konnten die Umsätze in den sogenannten Wachstumsregionen in der Pandemiezeit organisch um 3,0 % zulegen. In Osteuropa und auch in Afrika/Nahost lag das Plus sogar bei rund 7 %. So konnte das Minus von 1,6 % in der Region Asien/Pazifik mehr als ausgeglichen werden.
  • Positiver Ausblick: Henkel erwartet ein Abflauen der Pandemie ab dem zweiten Quartal. Unter diesen Voraussetzungen soll das Geschäftsjahr 2021 wieder bessere Ergebnisse bringen – mit einem Plus beim organischen Umsatzwachstum von 2 % bis 5 % und einer auf 13,5 % bis 14,5 % gesteigerten bereinigten Umsatzrendite (EBIT-Marge).

Contra Henkel (WKN 604843)

  • Umsatz- und Gewinnrückgang: Der Konzernumsatz lag im Geschäftsjahr 2020 mit 19,2 Milliarden Euro um 4,3 % unter dem Wert von 2019. Bereinigt um Wechselkurs- und Portfolioeffekte betrug das Minus nur noch 0,7 %. Deutlich stärker ging der Gewinn zurück. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) lag mit 2,58 Milliarden Euro um 20 % unter dem Vorjahr.
  • Rückgang bei professioneller Kundschaft: Unter der Pandemiekrise litten vor allem die Geschäftsbereiche mit professioneller Kundschaft. Der Umsatz bei Klebstoffen verringerte sich organisch um 4,2 %. Der Umsatz des Unternehmensbereichs „Beauty“ ging um 2,8 % zurück. Hier wirkten sich die Geschäftsschließungen bei Friseuren negativ aus.
  • Weiterhin hohe Bewertung: Trotz des schwierigen Jahres 2020 liegt die Bewertung der Henkel-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 von 20 über dem DAX-Durchschnitt. Die Dividendenrendite notiert mit 2 % darunter. Zudem ist das Henkel-Papier als Vorzugsaktie bei institutionellen Investoren wegen der eingeschränkten Mitbestimmungsrechte weniger gefragt.
  • Experten wenig euphorisch: Mehr als die Hälfte der Analysten sieht die Aktie von Henkel aktuell nur als Halteposition. Elf von 17 Experten stufen sie auf „Halten“. Fünf Kaufempfehlungen stehen derzeit einer Verkaufsempfehlung gegenüber. Der comdirect Analystenscore liegt bei 24 % und gehört damit zu den schwächeren im DAX.

Über Henkel

Schon im Jahr 1876 gründete Fritz Henkel in Aachen die Waschmittelfabrik Henkel & Cie. Als erstes Produkt stellte der Unternehmer ein Pulverwaschmittel her, das er Universalwaschmittel nannte. Zwei Jahre später verlegte Henkel den Unternehmenssitz nach Düsseldorf und begann dort mit der Produktion von Bleichsoda. 1907 debütierte die Marke Persil, heute noch der bekannteste Name des Konzerns. 1922 startete Henkel mit der Produktion von Klebstoff, der zum zweiten wichtigen Standbein des Konzerns werden sollte. Schließlich wurden auch die Sektoren Schönheitsprodukte forciert.

Henkel hat heute drei Standbeine. Im Sektor Wasch- und Reinigungsmittel sind Marken wie Persil, Perwoll und Weißer Riese für die Waschmaschine, Somat, Sidolin und Ata für die Reinigung besonders bekannt. Für die Schönheitspflege stehen vor allem Schwarzkopf, Fa und Schauma. Dicht- und Klebstoffe werden für die Industrie und für den Privatgebrauch vermarktet. Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt und vor allem die Automobilbranche vertrauen auf Marken wie Bonderite, Loctite, Technomelt und Teroson. In der breiten Öffentlichkeit bekannter sind Klebstoffnamen wie Pritt, Ponal oder Pattex. Henkel ist global mit Produktionsstätten vertreten. 2013 eröffneten die Düsseldorfer in Schanghai die weltgrößte Klebstoff-Fabrik. Insgesamt erwirtschaften aktuell mehr als 50.000 Mitarbeiter rund 20 Milliarden Euro Umsatz.

Nach fast 100 Jahren als Familienunternehmen wurde die Henkel GmbH 1975 in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt und ging 1985 an die Börse. Henkel gab dabei zunächst nur Vorzugsaktien ohne Stimmrecht aus, sodass die Familie die Macht im Konzern behielt. Dennoch wurde Henkel schon bei der Auflage des DAX im Jahr 1988 in den neuen Auswahlindex aufgenommen und ist dort bis heute vertreten. Über viele Jahre war Henkel einer der kleineren DAX-Werte. Unter den Vorsitzenden Ulrich Lehner und dem heutigen Adidas-Chef Kasper Rorsted steigerte sich der Unternehmenswert seit der Jahrtausendwende deutlich.

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