Healthcare-Aktien - OP-Saal mit Roboter
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Healthcare-Aktien: Investieren in Gesundheit

  • Eli Lilly ist als erster Pharmawert mehr als 1 Billion Dollar wert.
  • Healthcare bleibt weiterhin eine globale Wachstumsbranche.
  • Die Bewertungen von Pharma- und Biotechwerten sind noch niedrig.

Bewertungen von über 1 Billion US-Dollar erreichten bisher fast nur Technologie-Highflyer wie Apple, Microsoft oder Nvidia. Im November dieses Jahres gehörte kurzfristig erstmals auch ein Gesundheitsunternehmen zum exklusiven Klub – Eli Lilly. Das traditionsreiche Pharmaunternehmen forscht schon seit mehr als 100 Jahren an Medikamenten gegen die Stoffwechselkrankheit Diabetes und gehört seit Langem zu den teuersten Healthcare-Werten weltweit. Aktuell profitiert Eli Lilly besonders von seinen Diabetesmitteln Mounjaro und Zepbound, die nicht nur gegen die Zuckerkrankheit eingesetzt werden, sondern auch stark als Abnehmspritzen zur Gewichtsreduzierung nachgefragt sind – eine Nutzung, die über den ursprünglich vorgesehenen Zweck hinausgeht. Dieser Nebeneffekt treibt den Umsatz und die Kursfantasie maßgeblich an, was auch Risiken birgt: Sollten Regulierungsbehörden die Nutzung als Abnehmmedikament beschränken, hätte dies möglicherweise starke Auswirkungen auf den Kurs, selbst wenn der ursprüngliche Zweck der Medikamente davon unberührt bleibt. Durch den Erfolg der Blockbuster steigerte das Unternehmen im 3. Quartal 2025 den Umsatz im Jahresvergleich um mehr als die Hälfte auf 17,6 Milliarden Dollar. Eli Lilly zeigt, was im Gesundheitssektor möglich ist. Der Erfolg des US-Unternehmens deutet gleichzeitig an, dass die magere Zeit für die Healthcare-Branche dem Ende entgegengeht.

Gesundheitssektor ist ein Wachstumsmarkt

Traditionell hatten Pharma- und Healthcare-Werte im Durchschnitt immer etwas besser abgeschnitten als der breite Markt. Aber seit dem Abflauen der Coronavirus-Pandemie waren sie ins Hintertreffen geraten. Erschwerend kamen in diesem Jahr noch ein Dekret von Präsident Trump zur Preisdeckelung von Medikamenten und angedrohte Importzölle auf pharmazeutische Produkte hinzu. Für Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei der Osnabrücker Vermögensverwaltung Spiekermann & CO AG, sprechen strukturelle Gründe für eine Erholung der Gesundheitsbranche: Zum einen wachse der Anteil der über 60-Jährigen weltweit bis 2050 von 12 % auf 22 %. Das erfordere mehr Medikamente und eine breitere medizinische Versorgung. In Schwellenländern wie China und Indien wachse zudem die Mittelschicht, die sich teurere Gesundheitsleistungen leisten könne: „Schließlich ist die Integration künstlicher Intelligenz ein besonders dynamischer Wachstumstreiber. KI-Systeme können Genome durchforsten und komplexe Zusammenhänge zwischen Krankheiten aufdecken“, erklärt Kohlbrecher.

Pharmakonzerne günstig bewertet

Die großen Pharmaunternehmen sind das Rückgrat der Branche. Mit Ausnahme von Eli Lilly sind sie zurzeit historisch günstig bewertet. „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt etwa 16, verglichen mit über 22 für den Gesamtmarkt“, erklärt Kohlbrecher. Zu den Aufholkandidaten gehört etwa das US-Unternehmen Pfizer mit einem KGV 2025 von 12 und einer Dividendenrendite von 7 %. Die traditionell äußerst stabilen Schweizer Pharmagiganten Roche und Novartis haben in den vergangenen Monaten bereits wieder den Aufwärtsgang eingelegt. Darauf warten die Anleger und Anlegerinnen noch bei Novo Nordisk. Der dänische Spezialist für Diabetes und Pionier der Abnehmspritze hat im lukrativen Geschäft um Gewichtsreduzierung den Anschluss an Eli Lilly verloren und seinen Rang als teuerstes europäisches Unternehmen längst eingebüßt. Bei der Behandlung von Diabetes ist Novo Nordisk aber weiter up to date.

Biotechnologie im Aufholmodus

Eine Aufholjagd starteten zuletzt bereits die Unternehmen aus dem Biotechsektor. Sie litten zuvor stark unter höheren Zinsen, schwierigen Finanzierungsbedingungen und dem Einfluss des US-Gesundheitsministers und Impfskeptikers Robert Kennedy. „Seit Mitte des Jahres aber hat sich der Wind gedreht“, erklärt Alexander Jenke, Fondsmanager des MEDICAL BioHealth – EUR ACC. Inzwischen hat der NASDAQ Biohealth Index sogar wieder sein altes Allzeithoch aus den Zeiten der Corona-Krise übertroffen. Die Biotechbranche mit ihren Aushängeschildern wie Gilead und Amgen liefert seit Jahren die Mehrzahl neuer Wirkstoffe zur Behandlung von Krebs und Atemwegserkrankungen, aber auch von seltenen Krankheiten. Besonders stark profilieren konnte sie sich in der Corona-Krise, als den Newcomern wie BioNTech und Moderna die entscheidenden Durchbrüche bei den Impfstoffen gelangen. Durch das Revival der Gesundheitsbranche sind auch die Small und Mid Caps des Biotechsektors wieder in den Fokus geraten: „Bei Übernahmen durch große Pharma- und Biotechunternehmen konnten Anlegende 2-stellige Zusatzgewinne erzielen“, erklärt Jenke.

Medizintechnik integriert KI

Bei Operationen und Implantaten macht sich der technische Fortschrift besonders stark bemerkbar. „Durch den Einsatz von KI und Robotik verbessert sich die Qualität; Komplikationen und damit auch zusätzliche Kosten werden seltener“, erklärt Christoph Gretler, Fondsmanager des Variopartner SICAV – MIV Global Medtech Fund – N1 CHF ACC. Der Medizintechnikmarkt wächst stetig und hat sich in den vergangenen 15 Jahren auf mehr als 550 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Führend sind US-Unternehmen, die hohe Gewinnmargen erzielen. Dazu gehören Medtronic mit der Spezialisierung auf Wirbelsäulenchirurgie, Boston Scientific mit medizinischen Geräten für die Kardiologie, Endoskopie, Urologie und Gynäkologie und Intuitive Surgical mit dem „Da Vinci Surgical System“ für minimalinvasive Operationen. In Deutschland sind mit Siemens Healthineers und Qiagen 2 Medizintechnikwerte im DAX vertreten. Der Waagen-Hersteller und Biotech-Zulieferer Sartorius  ist dagegen zuletzt in den MDAX abgestiegen.

Per ETF und Fonds in den Gesundheitsmarkt investieren

Neben Einzelwerten können Anlegerinnen und Anleger über Fonds und ETFs auch in den gesamten Gesundheitsmarkt investieren. Per ETF können Anlegerinnen und Anleger mit dem Xtrackers MSCI USA Health Care UCITS ETF – 1D USD DIS auf den amerikanischen Gesundheitsmarkt, mit dem iShares MSCI Europe Health Care Sector UCITS ETF – EUR ACC und dem Xtrackers MSCI Europe Health Care Screened UCITS ETF – 1C EUR ACC auf die europäische Branche setzen. Eine aktive Auswahl nehmen die Manager des Janus Henderson Global Life Sciences Fund – A2 USD ACC und des JPMorgan Funds – Global Healthcare Fund – A EUR DIS vor. Bei beiden rund 4 Milliarden schweren Fonds dominieren unter den wichtigsten Portfoliopositionen große Werte wie Eli Lilly und Johnson & Johnson. Der kleinere Fidelity Funds – Global Healthcare Fund – A EUR DIS  mischt in stärkerem Maße Biotech- und Medtech-Werte zu.

Stärker spezialisiert sind Biotechnologiefonds. Trotz zwischenzeitlicher Rückschläge hat der Janus Henderson Horizon Biotechnology Fund – A2 USD ACC in den vergangenen 5 Jahren den Anteilswert nahezu verdoppelt. Auch der Polar Capital Funds plc – Biotechnology Fund – R USD DIS gehört zu den performancestärkeren Fonds der Gattung. Mit dem MEDICAL BioHealth – EUR ACC können Anlegende vor allem auf Small und Mid Caps setzen. Kostengünstig via ETF ist die Investition in den iShares NASDAQ US Biotechnology UCITS ETF – USD ACC möglich. Am stärksten vertreten sind hier Vertex Pharmaceuticals, Gilead und Amgen. Schwankungsärmer als die Biotechnologie präsentiert sich traditionell der Sektor der Medizintechnik. Zu den etablierten Fonds gehören der Bellevue Funds (Lux) – Bellevue Medtech & Services – B EUR ACC und der Variopartner SICAV – MIV Global Medtech Fund – N1 CHF ACC. Sie konzentrieren sich auf Medizintechnik, spezielle Verbrauchsprodukte und Digital Health. Der MIV-Fonds hat zurzeit Stryker und Boston Scientific am höchsten gewichtet.

Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich deine selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhältst du auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 08.12.2025; Quelle: comdirect.de

Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
Autor
Heinz-Peter Arndt
Der Diplomvolkswirt und Diplomjournalist schreibt seit mehr als 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage.
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