Halbleiter: Wachstumsbranche mit starken Schwankungen

Computer-Mikrochips und Prozessoren auf elektronischer Leiterplatte. Zusammenfassung der Technologie Mikroelektronik Konzept Hintergrund. Makro-Schuss, flacher Fokus.
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Der aktuelle Boom der Chipindustrie ebbt ab, aber mittelfristig bleibt die Branche auf Wachstumskurs. Eine Chance für mutige Anleger.

In den Hochzeiten der Corona-Pandemie waren sie knapp wie kaum ein anderes Gut: Halbleiter. Autohersteller konnten Fahrzeuge nicht ausliefern, weil ihnen Mikrochips fehlten. Sie sind die Basis für die Digitalisierung, die sich mit der Pandemie beschleunigt hat. Aber die kleinen Steuereinheiten werden nicht nur in Autos benötigt, sie sind überall: in Waschmaschinen, Smartphones oder in der boomenden Spielebranche. Laut einer McKinsey-Studie soll die Halbleiter-Industrie bis 2030 jährlich um 6 bis 8 % wachsen. Doch die wirtschaftlich eher trüben Aussichten machen sich auch in der Halbleiterbranche bemerkbar: „Der Markt kühlt sich ab und der Chipmangel findet langsam ein Ende“, sagt Richard Gordon, Vizepräsident beim IT-Beratungsunternehmen Gartner. Auch wenn die Auftragsbücher vieler Hersteller noch prall gefüllt sind, kamen viele Aktien der Halbleiter-Industrie in den vergangenen Monaten stark unter Druck. Und der Zinsanstieg übte weiteren Druck auf die Technologiewerte und damit auch auf die Mikrochip-Hersteller aus. Dennoch wittern antizyklische Investoren ihre Chance.

Mittelfristig hervorragende Aussichten

Mittelfristig steigt der Bedarf an Halbleitern ohnehin enorm: „Die Digitalisierung aller Lebensbereiche und aller Unternehmen hat sich durch die Corona-Pandemie noch einmal deutlich beschleunigt“, sagt Ondrej Burkacky, Leiter der globalen Halbleiterberatung bei McKinsey. In der Automobilindustrie rechnen die Unternehmensberater sogar mit einem jährlichen Zuwachs von 13 bis 15 %. Zu den wichtigen Megatrends zählt Burkacky auch Metaverse. Virtuelle Aktivitäten sind nur dank leistungsfähiger Mikrochips möglich. „Halbleiter und Halbleitertechnik werden die Grundlage für das Web 3.0 sein.“ Auch Sammy Simnegar, Fondsmanager des Aktienfonds Fidelity Magellan, sieht in den nächsten fünf Jahren große Chancen durch maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz und autonomes Fahren. Die schlechteren kurzfristigen Perspektiven seien in den Kursen schon eingepreist: „Langfristig bin ich sehr bullish. Deshalb halte ich an TSMC und ASML fest: Sie sind Quasimonopole“, erklärt der Fondsmanager.

Marktführer aus Asien, USA und Europa

Wer in Halbleiter investiert, sollte in Unternehmen mit führenden Technologien investieren. Ganz vorn dabei ist das taiwanesische Unternehmen Taiwan Semiconductor Manufacturing, kurz TSMC (WKN 909800). Der wichtigste Auftragsfertiger für Mikrochips produziert mehr als 60 % aller Halbleiter weltweit. Die Geschäfte laufen aktuell glänzend. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 43 %, während sowohl der Nettogewinn als auch der bereinigte Gewinn je Aktie um 76 % stiegen. Der zunehmende Druck von China auf Taiwan nach dem Besuch der amerikanischen Politikerin Nancy Pelosi hat sich nicht noch weiter negativ im TSMC-Kurs niedergeschlagen.

Das niederländische Unternehmen ASML (WKN A1J4U4) gehört ebenfalls zu den führenden technologischen Unternehmen der Mikrochipbranche. Mit der EUV-Lithografie kann das Unternehmen Halbleiter mit Leiterbahnen mit einer Größe unter sieben Nanometer herstellen. So sind auf kleinstem Raum leistungsfähigere Strukturen möglich. ASML kann sich derzeit vor Anfragen kaum retten. „Die größte Herausforderung, die wir derzeit sehen, ist, dass die Nachfrage unsere Kapazität deutlich übersteigt. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Peter Wennink, Vorstandschef von ASML. Das Unternehmen könnte derzeit 40 bis 50 % mehr Produkte verkaufen. Allerdings fehlt es am Personal und an Fabriken. Analysten sehen die Aktie im comdirect Analystenranking weiter sehr positiv.

Wer am Computer spielt, nutzt häufig Chips, die der US-Konzern Nvidia (WKN 918422) konzipiert hat. Er zählt zu den führenden Entwicklern von Grafik- und Spielechips. Das Unternehmen erzielte im zweiten Quartal (zum 31. Juli 2022) einen Umsatz in Höhe von 6,7 Milliarden US-Dollar – das waren rund 1,4 Milliarden Dollar weniger als angekündigt. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Nettogewinn um knapp 57 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar zurück. Kein Wunder also, dass der Konzern bereits vor Veröffentlichung der Zahlen eine Gewinnwarnung herausgeben hatte – und der Kurs in den vergangenen Wochen gen Süden rauschte.

Beim Münchner Chiphersteller Infineon (WKN 623100) ist die Nachfrage trotz schwächerer Konjunktur ungebrochen. Seit 1. April hat Infineon mit Jochen Hanebeck einen neuen Vorstandschef. Wie sein Vorgänger Reinhard Ploss kommt der Elektroingenieur von der technischen Seite. Seine wichtigsten Ziele: Probleme in der Lieferkette reduzieren, die Rentabilität steigern und das Portfolio weiter vorantreiben. Infineon hat seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2021/22 (zum 30.06.2022) präsentiert. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um 10 % auf 3,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal liegt der Zuwachs sogar bei 33 %.

Geballt investieren

In zahlreichen Technologiefonds ist der Halbleitersektor prominent vertreten. In die Chipindustrie können Anleger aber auch geballt investieren. Vontobel hat im vergangenen Jahr ein Zertifikat (WKN VQ72Y7) auf den Solactive Global Semiconductor Leaders Index aufgelegt. Der Index vereint die Aktien von 20 führenden Unternehmen aus der Halbleiterbranche. Enthalten sind neben TSCM, ASML, Nvidia und Infineon unter anderem Intel (WKN 855681), Samsung (WKN 881823) und Texas Instruments (WKN 852654). Die Zusammensetzung des Index wird halbjährlich überprüft und gleichgewichtet. Die jährlichen Gebühren für den Anleger betragen 1,2 %.

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