Ausblick Gold im Fokus

Mit Goldbarren und -münzen setzen Anleger auf Werterhalt. Minenaktien oder ETCs können zusätzlich Rendite bringen. Wie Profis mit Gold umgehen.

Je zittriger die Hände, desto fester halten sie sich am Gold. Diese alte Regel bestätigte sich 2016 einmal mehr. Noch im Januar vergangenen Jahres hatten viele Experten den Sturz unter die 1.000-US-Dollar-Marke für eine Feinunze (31,1 Gramm) prophezeit. Dann stieg der Goldpreis schon vor dem Brexit im Juni an. Die Chronik des angekündigten Ausstieges der Briten ließ Gold weiter glänzen. In den Tagen rund um die US-Präsidentschaftswahl stiegen die Notierungen auf neue Jahreshochs. Und den Überraschungssieg von Donald Trump quittierte der Goldpreis noch einmal mit einem Plus.

Das war zwar nicht von Dauer, denn entgegen den Erwartungen und ersten Reaktionen sahen die Aktien- und Rohstoffmärkte Trump doch nicht mehr als Inkarnation des Bösen. Aber nach den US-Angriffen auf Syrien zog der Goldpreis wieder an – auf den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Gold als Krisenwährung

Gold bleibt die Krisenwährung par excellence. Und das Edelmetall schützt im Umfeld niedriger Zinsen und steigender Inflation vor Geldentwertung. „Der Inflationsschutz von Goldanlagen ist so unbestritten wie der Umstand, dass die globale Geldmenge schneller wächst als der weltweit zur Verfügung stehende Goldbestand“, sagt Alexander Posthoff, Senior-Portfoliomanager bei Bantleon. Mag der Goldkurs auch kurzfristig schwanken, langfristig gilt er als wertstabil. Mit einer Unze Gold ließ sich im alten Rom eine Tunika bezahlen oder heute ein guter Herrenanzug.

Gold bringe weder Dividende noch Zinsen, monierten Goldgegner zu Zeiten, als selbst mit Bundesanleihen noch attraktive Renditen zu erzielen waren. Aus und vorbei. Das Argument hat sich ins Gegenteil verkehrt. „Gold kostet keine Zinsen“, sagen Goldliebhaber wie Eugen Weinberg heute. „In Zeiten negativer Zinsen gehen die Opportunitätskosten gegen null“, so der Leiter des Rohstoff-Researchs der Commerzbank. Seine Prognose: „Der Goldpreis wird im Jahresverlauf auf 1.500 US-Dollar steigen, auch wenn wir zwischendurch mal wieder 1.200 US-Dollar sehen.“

Deutsche horten mehr Gold als die Bundesbank

Nachgefragt wird das Edelmetall vor allem von der Schmuckindustrie, gefolgt von Investoren und Notenbanken. Die Milliardenstaaten China und Indien sind die Supermächte der Goldnachfrage. Gold glänzt aber auch in den Augen der Deutschen. Bundesbürger besitzen laut einer aktuellen Studie des Steinbeis-Institutes im Auftrag der Reisebank inzwischen rund 8.700 Tonnen Gold. Das sind 500 Tonnen mehr als noch 2014 und insgesamt mehr als doppelt so viel wie die Deutsche Bundesbank hält, die mit 3.400 Tonnen nach den USA die größten staatlichen Goldreserven der Welt besitzt. Drei von vier Deutschen besitzen Gold als Schmuck, Barren oder Münzen. Inklusive der Investments in Gold-ETFs sind die privaten Goldreserven 376 Milliarden Euro wert.

Physisches Gold, so Weinberg, stehe für Sicherheit und Werterhalt. „Auch wenn der Preis steigt, sollten Anleger ihre Versicherung nicht verkaufen“, so der Rohstoffanalyst. Eine sinnvolle Ergänzung für Renditejäger könne sogenanntes Papiergold bringen. „Gold- ETCs sind liquide und leicht zu handeln.“ Exchange Traded Commodities (ETCs) sind vergleichbar mit Exchange Traded Funds (ETFs) – mit einem wichtigen Unterschied: Das investierte Kapital ist kein Sondervermögen, das im Falle einer Insolvenz des Emittenten geschützt ist. Um die Risiken für Anleger zu reduzieren, sind die Papiere in der Regel mit Gold hinterlegt und damit über den Emittenten besichert.

Mit Hebel

Die Aussicht auf gehebelte Goldrendite bieten Goldminenaktien. Die Unternehmen haben ihre Produktionskosten in den vergangenen Jahren deutlich senken können. Steigt der Goldpreis bei konstant bleibenden Förderkosten, steigen automatisch auch die Margen. Allerdings sollten Anleger beachten, dass mit diesen Investments auch Verluste gehebelt werden, wenn der Goldpreis fällt.

Wer Einzelwertrisiken scheut, kann breit gestreut in Goldfonds oder ETFs investieren, die die großen Goldminen bündeln. Die Commerzbank etwa hat einen ETF auf den NYSE Arca Gold Bugs Index aufgelegt (WKN ETF091). Neben Barrick Gold (WKN 870450) und Newmont Mining (WKN 853823) gehören weitere wichtige Produzenten wie Goldcorp (WKN 890493) und Agnico Eagle Mines (WKN 860325) mit zum Index. Aktives Management bieten dagegen Edelmetallfonds mit Goldschwerpunkt.

Gold im Depot

NameWKNArt
1. Bakersteel Global Funds – Precious MetalsA1CXBSEdelmetallfonds
2. Stabilitas – Pacific Gold + Metals – PA0ML6UEdelmetallfonds
3. ComStage NYSE Arca Gold BugsETF091ETF
4. Euwax GoldEWG0LDETC phys. besichert

Auswahl: Fonds mit mindestens vier Morningstar-Sternen nach Fünf-Jahres-Wertentwicklung.

Für alle Aktien, Fonds, ETFs und ETCs, die in der Tabelle und/oder im Text genannt wurden, gilt: Aktien, Fonds, ETFs und ETCs unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Anlagen außerhalb des Euro-Raumes bestehen Währungsrisiken. ETCs unterliegen als Schuldverschreibungen zudem einem Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis zum Totalverlust eintreten. Allein verbindliche Grundlage des Kaufes eines Fonds oder ETF sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen, die in deutscher und/oder englischer Sprache vorliegen, erhalten Sie auf der Wertpapier-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand 26.04.2017; Quelle: comdirect.de