- Banken profitieren immer noch vom Ende der Nullzinsära.
- Europäische Banken haben ihre Gewinne erheblich gesteigert.
- US-Banken verdienen stark an den großen Börsengängen des Jahres 2026.
Banken in Deutschland bereiten sich auf den 01.01.2027 vor: Denn dann wird die Riester-Rente durch das sogenannte Altersvorsorgedepot ersetzt. Anlegerinnen und Anleger dürfen auf höhere Renditen hoffen. Der Grund: Garantien sind nicht mehr obligatorisch, renditeträchtigere Anlagen in ETFs und Fonds sind möglich, die Kosten sinken. Zugleich gibt es mehr Flexibilität bei den Auszahlungsplänen. Ob sich der Wechsel von Riester zu Altersvorsorgedepot lohnt, hängt stark vom Alter und vom Sicherheitsbedürfnis der Anlegenden ab, schließlich birgt die neue Anlageform auch mehr Risiken.
Gleichzeitig plant die Regierung auch die sogenannte „Frühstart-Rente“. Dabei erhalten Kinder ab dem 6. Lebensjahr bis zu ihrem 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro vom Staat auf ein persönliches Altersvorsorgedepot. Das Geld ist für den Vermögensaufbau gedacht und wird in der Regel in renditestarke Anlageformen wie Aktien-ETFs investiert.
Das neue Altersvorsorgedepot gibt deutschen Banken einen zusätzlichen Push. Für ihre Börsennotierung hätten sie den gar nicht nötig. Denn in den vergangenen Jahren gehörten deutsche Banken – genau wie ihre internationalen Konkurrenten – zu den absoluten Highflyern am Aktienmarkt. Seit dem Ende der Nullzinsphase im Jahr 2022 haben die Finanzinstitute ihre Gewinne rasant gesteigert und ähnlich hohe Aktienrenditen erzielt wie Technologiewerte. „Anders als diese Tech-Riesen gehören Banken, Versicherungen und Rückversicherer aber immer noch zu den am günstigsten bewerteten Sektoren der Weltbörsen“, erklärt Volker Schilling, Vorstand der Freiburg Greiff capital management AG. „Gleichzeitig verfügen sie über starke Bilanzen, hohe Kapitalquoten, attraktive Dividenden und milliardenschwere Aktienrückkaufprogramme.“
Deutsche Bankaktien mit starker Erholung
Der Run auf die Bankaktien zeigt sich auch in Deutschland. Beispiel: Deutsche Bank. Um die Jahrtausendwende war sie die am höchsten bewertete Bank Europas. Nach der Finanzkrise und aufgrund hoher Strafzahlungen für alte Investmentbanking-Geschäfte rutschte sie ab. Inzwischen hat die Deutsche Bank den Turnaround geschafft. Der Nachsteuergewinn stieg im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut um 8 % auf 2,2 Milliarden Euro, vor allem dank eines starken Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäfts. Trotz eines Kursanstiegs um fast 200 % in den vergangenen 5 Jahren ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2026 von rund 10 und einer Dividendenrendite von 3,6 % im internationalen Vergleich immer noch niedrig bewertet.
Noch tiefer als die Deutsche Bank war vorübergehend die Commerzbank gefallen. Nach einer zwischenzeitlichen Rettung durch die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland stieg sie sogar aus dem DAX in den MDAX ab. Längst ist die Bank in die 1. Börsenbundesliga zurückgekehrt und das Geschäft hat sich konsolidiert. Binnen 5 Jahren hat sich der Kurs der Aktie versechsfacht. Dazu trug neben der starken Gewinnentwicklung und der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen auch das Übernahmeinteresse der italienischen UniCredit bei, das 2024 bekannt wurde. Im 1. Quartal 2026 hat die Commerzbank den stärksten Jahresauftakt seit 15 Jahren hingelegt und ein operatives Rekordergebnis von rund 1,36 Milliarden Euro erzielt. Das Nettoergebnis stieg um 9 % auf 913 Millionen Euro.
Südeuropäische Banken haben aufgeholt
Auch in den europäischen Nachbarländern hatten die Banken nach der Finanz- und Eurokrise mit Kursabstürzen zu kämpfen. So tief nach unten wie in Deutschland ging es aber in der Regel nicht. Zudem haben sie in den vergangenen Jahren ihre Geschäftsmodelle modernisiert, digitalisiert und die Kosten reduziert. Neben der Zinswende in Europa und den daraus resultierenden Zusatzeinnahmen für die Banken trägt in Spanien zudem die stabile Konjunktur zu den Gewinnsteigerungen bei. Die Banco Santander hat allein in den vergangenen 3 Jahren ihren Wert nahezu vervierfacht und ist inzwischen an der Börse die wertvollste Bank Kontinentaleuropas. Auch die Konkurrenz von Banco Bilbao Vizcaya Argentaria hat inzwischen bei der Marktkapitalisierung die 100-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. Beide Institute sind mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp über 10 immer noch deutlich günstiger bewertet als der Euro STOXX 50 in seiner Gesamtheit.
US-Banken profitieren stark von der KI-Euphorie
Alle Banken profitieren zudem von der KI-Welle. Sie reduziert auf der einen Seite Arbeitskosten und vereinfacht Prozesse, auf der anderen Seite stehen zahlreiche KI-Unternehmen vor dem Börsengang (IPO) – OpenAI und Anthropic sind nur die Vorhut. Davon profitieren vor allem amerikanische Investmentbanken: „Jeder IPO erzeugt Beratungsmandate, Platzierungsprovisionen, Handelsumsätze, Derivategeschäfte, Research-Aufträge und oftmals weitere Kapitalmaßnahmen“, erklärt Volker Schilling: „Für Investmentbanken beginnt der Gewinn deshalb nicht nach dem Börsengang, sondern bereits davor.“
Zu den führenden Adressen für Börsengänge und Unternehmensfinanzierungen gehört Morgen Stanley. Zudem hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren zu einem der größten Vermögensverwalter der Welt entwickelt. Damit verdient Morgan Stanley doppelt: an den Börsengängen und am langfristigen Wachstum der globalen Vermögen. Allein in den vergangenen 12 Monaten legte der Kurs der Aktie um rund zwei Drittel zu. Ebenfalls bei Börsengängen, aber auch bei Fusionen, Übernahmen oder Kapitalerhöhungen mischt der Wall-Street-Gigant Goldman Sachs an führender Stelle mit. „Je höher die Aktivität von Unternehmen und Investoren, desto größer wird das Ertragspotenzial von Goldman Sachs“, sagt Volker Schilling. Die Börse hat das mit einem Kurssprung von 50 % binnen eines Jahres honoriert.
Mit ETFs und Fonds auf die Geldbranche setzen
Mit der Performance der Banken konnten in den vergangenen Jahren allenfalls Chip- und KI-Aktien mithalten. So erzielte der Amundi Euro Stoxx Banks UCITS ETF – EUR ACC über die vergangenen 3 Jahre einen Zuwachs von mehr als 200 %, über 5 Jahre lag das Plus sogar bei über 300 %. Das höchste Gewicht machen die spanischen Banken Banco Santander und Banco Bilbao Vizcaya aus. Danach folgen die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas. Etwas schwächer schneidet der iShares STOXX Europe 600 Banks UCITS ETF (DE) – EUR DIS ab. Der Grund: Die britischen Banken wie HSBC und Lloyds Banking Group machen rund 30 % des Portfolios aus und haben sich nach dem Brexit weniger gut entwickelt als die kontinentale Konkurrenz. Gleichwohl reichte es über 5 Jahre für ein Plus von gut 200 %. Neben den ETFs können Anlegerinnen und Anleger auch auf aktiv gemanagte Fonds für den Finanzsektor setzen. Dazu gehören etwa der BGF World Financials Fund – A2 EUR ACC und der Fidelity Funds – Global Financial Services Fund – A EUR DIS. Neben den zuletzt besonders stark gelaufenen Banken enthalten diese Fonds auch Aktien von Versicherern und Rückversicherern.
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