Familienunternehmen Langfristig auf Kurs

Eigentümer haben die langfristige Entwicklung im Blick. Anleger können davon profitieren.
© Beiersdorf PR

Eigentümer haben die langfristige Entwicklung im Blick. Anleger können davon profitieren.

Empirische Untersuchungen belegen: Klassische Familienunternehmen erwirtschaften im Schnitt auf lange Sicht höhere Erträge und weisen eine bessere Aktienkursentwicklung auf als typische Publikumsgesellschaften. Der Grund: Sie sind nicht auf eine kurzfristige Performance am Kapitalmarkt ausgerichtet, sondern haben viel stärker die langfristige Entwicklung im Blick. Effiziente Unternehmensführung und ein diszipliniertes Kostenmanagement sind für familienkontrollierte Firmen deshalb oft wichtiger als für Manager, die nach ihrer Amtszeit zu einem anderen Konzern wechseln. Zudem decken sich die Entscheidungen der Vorstände aufgrund ihres Anteilsbesitzes oft besser mit den Interessen der außenstehenden Aktionäre.

Als typische Beispiele für derartige Gesellschaften werden aus dem DAX regelmäßig der Konsumgüterhersteller Beiersdorf (WKN 520000) und der Chemiekonzern Henkel (WKN 604843) genannt, an denen die Eigentümerfamilien mit jeweils mehr als 50 % beteiligt sind. Noch offensichtlicher sind die Verhältnisse bei Sixt (WKN 723132). 1969 übernahm der charismatische Erich Sixt von seinem Vater eine lokale Verleihstation mit 200 Pkws und baute diese zusammen mit seiner Frau Regine zur größten Autovermietung Deutschlands aus. Aktuell hält der Vorstandsvorsitzende noch 60,1 % der Stammaktien.

Breite Streuung, reduziertes Risiko

Statt auf einzelne Familienunternehmen zu setzen, können Anleger die Risiken streuen und von der Entwicklung eines ganzen Korbs entsprechender Werte profitieren. So hat die UBS Mitte Juni ein Open End IndexZertifikat (WKN UBS1FA) auf den Solactive Global Family Owned Companies Index emittiert. Das Marktbarometer bildet die Wertentwicklung von 50 internationalen familienkontrollierten Unternehmen ab. Als Basis für das Aktienuniversum dient der Global Family Business Index, der die 500 umsatzstärksten Familienunternehmen der Welt umfasst.

Deutsche Familienunternehmen dominieren

Schon deutlich älter und sehr viel stärker auf Deutschland fokussiert sind zwei andere Marktbarometer, die ebenfalls das Thema „Familienunternehmen“ abdecken. So umfasst der DAXplus Family 30 Index die 30 größten und liquidesten Unternehmen aus dem Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse, bei denen die Gründerfamilie über einen Stimmrechtsanteil von mindestens 25 % verfügt oder alternativ mindestens 5 % der Stimmrechte hält und gleichzeitig im Vorstand oder Aufsichtsrat der Gesellschaft sitzt. Investierbar ist diese Strategie durch ein Index-Zertifikat von Vontobel, welches die Entwicklung des DAXplus Family 30 Kursindex annähernd eins zu eins nachvollzieht (WKN VT0DL4). Da sich das Papier auf die Kursvariante des Index bezieht, verbleiben etwaige Dividendenzahlungen beim Emittenten.

Jung und dynamisch

Der German Entrepreneurial Index, kurz GEX, bildet dagegen die Wertentwicklung der im Prime Standard notierten deutschen mittelständischen Gesellschaften in der Wachstumsphase ab. Bedingung für eine Aufnahme in den derzeit 27 Werte umfassenden Index ist deshalb, dass die entsprechenden Aktien weniger als zehn Jahre börsennotiert sind. Zweites Kriterium ist auch hier die maßgebliche Beteiligung der Unternehmensleitung an ihrer Gesellschaft (Eigentümerdominanz). Derzeitige und ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte sowie deren Familien müssen deshalb insgesamt über mindestens 25 % der Stimmrechte verfügen. Um andererseits überhaupt einen einigermaßen liquiden Handel zu gewährleisten, ist ihr maximaler Anteil bei GEX-Unternehmen auf 75 % begrenzt. Passende Index-Zertifikate finden sich unter anderem im Angebot der HypoVereinsbank (WKN HV0A09) und der Société Générale (WKN SG16HM).

Aktien und Index-Zertifikate unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Index-Zertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Die Beschreibung der Wertpapiere stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Stand: 05.10.2016.