Social Media Facebook: Wachstum auch in Corona-Zeiten

Das Gebäude des europäischen Hauptsitzes von Facebook im Grand Canal Dock von Dublin.
© Derick Hudson via Getty Images/iStockphoto

Facebook steigert Umsatz und Gewinn deutlich. Allerdings gibt es Ärger mit den Kartellbehörden.

Facebook ist unumstrittener Marktführer bei sozialen Medien, auch dank der Töchter WhatsApp und Instagram. Der Umsatz und vor allem der Gewinn legten auch im schwierigen zweiten Quartal 2020 deutlich zu, das von der Corona-Pandemie geprägt wurde. Die Aktie gehört zu den absoluten Analystenlieblingen. Allerdings hat Facebook Probleme mit den US-Kartellbehörden und es könnte noch in diesem Jahr zu einer Anklage kommen. Der Facebook-Boykott im Juli zog weite Kreise und auch die vergangenen Datenskandale belasten noch die Reputation des Unternehmens. Ob die Digitalwährung Libra ein Erfolg wird, ist zweifelhaft. Außerdem ist die Aktie hoch bewertet und Dividenden sind vorerst nicht zu erwarten.

Pro Facebook (WKN A1JWVX)

  • Dominator im Netz: Facebook hat sich seit der Gründung im Jahr 2004 zur weltweit wichtigsten Social-Media-Plattform entwickelt. Aktuell verzeichnet das Netzwerk 2,7 Milliarden monatliche Nutzer. Mit den frühzeitigen Zukäufen von WhatsApp und Instagram ist zudem die Zukunft bei jungen Kunden gesichert. Durch die drei starken Marken gibt es überdies Synergieeffekte.
  • Umsatzwachstum intakt: Der Umsatz von Facebook lag im zweiten Quartal 2020 mit 18,3 Milliarden US-Dollar um 1,8 Milliarden US-Dollar oder 10,7 % über dem Vorjahresquartal. Die Zahl der monatlichen Nutzer nahm um 12 % auf 2,7 Milliarden zu. Rund die Hälfte des Umsatzes wurde in Nordamerika erzielt, wo Facebook rund 36,5 US-Dollar pro User Umsatz macht – deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt (7,05 US-Dollar).
  • Überdurchschnittlicher Gewinnanstieg: Der operative Gewinn (EBIT) betrug im zweiten Quartal 5,96 Milliarden Dollar. Er lag damit um satte 29 % über dem Vorjahreswert. Der Gewinn nach Steuern stieg sogar um 98 % auf 5,2 Milliarden US-Dollar, da im Vorjahr sehr hohe Steuern angefallen waren. Der Gewinn pro Aktie von 1,80 US-Dollar überraschte die Analysten positiv, sie hatten im Schnitt nur mit 1,39 Dollar gerechnet.
  • Optimistische Experten: Facebook ist bei den Experten weiterhin hoch angesehen. Acht von neun Analysten sehen die Aktie zurzeit als Kauf. Kein einziger gibt eine Halteempfehlung ab. Bei einer Verkaufsempfehlung liegt der comdirect Analystenscore bei hervorragenden 78 %.

Contra Facebook (WKN A1JWVX)

  • Probleme mit dem Kartellrecht: Die US-Handelskommission FTC beschäftigt sich bereits seit über einem Jahr mit Facebook. Im Wesentlichen geht es um die Frage, ob die Übernahmen von Instagram und WhatsApp den Wettbewerb behindert haben. Dazu wurde auch Mark Zuckerberg von der Behörde befragt. Die Eröffnung eines Verfahrens gegen Facebook könnte noch im laufenden Jahr erfolgen.
  • Anhaltende Reputationsrisiken: Im Juli 2020 wurde Facebook im Rahmen der Kampagne „StopHateforProfit“ weltweit von vielen namhaften Unternehmen boykottiert. Zwar ist dieser Boykott inzwischen beendet. Aber neben dem für viele unzureichenden Umgang mit Hass und Diskriminierung wirken auch noch die Datenskandale der Vergangenheit nach.
  • Hohe Bewertung: Trotz der stetigen Gewinnsteigerungen und der breiten Marktmacht ist Facebook mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 von rund 33 sehr hoch bewertet. Zudem ist die Ausschüttungspolitik wenig aktionärsfreundlich. Bei Facebook können die Anleger trotz Rekordgewinnen weiterhin nicht mit Dividenden rechnen.
  • Libra-Zukunft ungewiss: Die Genfer Libra Association hat im Frühjahr eine Lizenz für das neue Zahlungssystem Libra beantragt. Beim stark überarbeiteten Projekt von Facebook, Finanz- und Digitalfirmen soll jetzt ein Kollegium von Zentralbanken, Aufsehern und Behörden Mitspracherechte bekommen. Allerdings sind wichtige Partner wie Visa und MasterCard, Ebay und PayPal längst nicht mehr an Bord.

Über Facebook

Facebook wurde im Jahr 2004 von Mark Zuckerberg und einigen Freunden gegründet. Facebook ermöglicht die Erstellung von Profilen der eigenen Person, von Unternehmensseiten zur geschäftlichen Präsentation und von Gruppen. Facebook ist das größte Netzwerk weltweit, mit 2,7 Milliarden monatlichen Nutzern. Zusammen mit den Facebook-Töchter Instagram und WhatsApp liegt die monatliche Userzahl weit über drei Milliarden Menschen. 2020 arbeiten mehr als 50.000 Menschen für das Unternehmen, ein Drittel mehr als im Vorjahr. 2012 kaufte Facebook für eine Milliarde US-Dollar die damals noch wenig bekannte Fotocommunity Instagram. Zwei Jahre später zahlte Facebook rund 16 Milliarden US-Dollar für WhatsApp Inc.

Facebook finanziert sich über zielgruppengerechte Werbung. Die Erstellung der Zielgruppenprofile wird dabei durch die User selbst, ihre Angaben zu Alter, Geschlecht und Bildung, Interessen und Arbeitsplätzen, erleichtert. Mit Facebook-Ads können Unternehmen gezielt auf Profilseiten werben. Eine andere Werbemöglichkeit sind „Sponsored Stories“. So kann ein auf Facebook empfohlenes Unternehmen gegen Gebühr die positive Kritik weiterverbreiten.

Schon seit Unternehmensgründung steht Facebook wegen mangelnden Datenschutzes in der Kritik, vor allem durch europäische Verbraucherschützer. 2018 ergaben Sonderermittlungen, dass russische Agenten auf Facebook den US-Wahlkampf beeinflusst hatten. Außerdem hatte das britische Unternehmen Cambridge Analytica Daten von mehreren Millionen Facebook-Nutzern missbräuchlich verwendet. Aktuell wird Facebook vorgeworfen, zu wenig gegen rassistische Kommentare zu unternehmen. Im Juli 2020 wurde Facebook deshalb im Rahmen der Kampagne „StopHateforProfit“ einen Monat lang von vielen namhaften Unternehmen boykottiert.

Trotz der Kritik ist Facebook für Aktionäre eine Erfolgsgeschichte. Am 18. Mai 2012 ging Facebook zum Ausgabepreis von 38 US-Dollar an die Börse. Danach sank der Kurs zwar einige Zeit unter das Ausgabeniveau, legte dann aber schnell wieder den Vorwärtsgang ein. Achteinhalb Jahre nach dem Börsengang hat sich der Kurs der Facebook-Aktie annähernd versiebenfacht. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 640 Milliarden US-Dollar gehörte Facebook im September 2020 zu den wertvollsten Unternehmen im NASDAQ 100.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 21.10.2020; Quelle: comdirect.de