E.ON Der Umbruch ist vollzogen

Gebäude von E.ON
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E.ON will mit dem neuen Kerngeschäft aus Netzen, Stromverkäufen und Energielösungen höhere Gewinne erwirtschaften.

E.ON hat seine Neustrukturierung abgeschlossen und konzentriert sich nunmehr auf Energienetze. Die Gewinne sind im ersten Halbjahr 2021 wieder gestiegen. Die Bewertung der Aktie und vor allem die Dividendenrendite sind attraktiv. Die Jahresziele dürften nach Einschätzung der Unternehmensführung auch im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld erreicht werden. Allerdings gingen im vergangenen Jahr die Gewinnmargen zurück. Die Verschuldung des Unternehmens liegt bei über 40 Milliarden Euro. Die Bedeutung der Aktie im DAX ist in den vergangenen Jahren geschrumpft und die Analysten beurteilen sie aktuell verhalten.

Pro E.ON (WKN ENAG99)

  • Konzentration aufs Kerngeschäft: E.ON hat sich nach der Abgabe des Kraftwerksgeschäfts an RWE und der Übernahme der RWE-Tochter Innogy wieder auf die Geschäftsfelder Energienetze und Kundenlösungen konzentriert. Das umfasst die Versorgung der Kunden in Europa mit Strom, Gas und Wärme sowie neue Produkte und Dienstleistungen zur Steigerung der Energieeffizienz.
  • Gewinne steigen wieder: E.ON profitierte im ersten Halbjahr vom Winterwetter und der Sanierung des Großbritannien-Geschäfts und konnte das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich verbessern. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 45 % auf 3,2 Milliarden Euro, der bereinigte Konzernüberschuss kletterte sogar um 86 % auf rund 1,8 Milliarden Euro.
  • Attraktive Bewertung: Nach den vergangenen Verlustjahren hat die Aktie 2021 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 13. Damit liegt E.ON unter dem DAX-Durchschnitt. Die Ausschüttungen sind attraktiv. Mit einer Dividendenrendite von 4,4 % liegt E.ON in der Spitzengruppe des DAX.
  • Aussicht auf Synergien: Im wichtigen Auslandsmarkt Großbritannien hat E.ON sein Geschäft nach der Übernahme der RWE-Tochter Innogy bereits neu strukturiert. Auch in anderen Märkten und vor allem in Deutschland will das Unternehmen von Synergien profitieren. Die Integration soll künftig 740 bis 780 Millionen Euro Kostenersparnis pro Jahr bringen.

Contra E.ON (WKN ENAG99)

  • Gesunkene Margen: Durch die Übernahme von Innogy stieg der Umsatz von E.ON im Geschäftsjahr 2020 um fast 50 % auf 61 Milliarden Euro an. Das bereinigte Ebitda legte jedoch nur um gut 20 % auf 6,9 Milliarden Euro zu und der bereinigte Konzernüberschuss nur um etwas mehr als 5 % auf 1,64 Milliarden Euro. Die Gewinnmargen sanken also deutlich.
  • Hohe Verschuldung: Die Neustrukturierung des Unternehmens macht sich in der Bilanz bemerkbar. Die wirtschaftliche Nettoverschuldung lag bei E.ON zum Halbjahr bei 40,9 Milliarden Euro. Damit liegt sie bei rund dem sechsfachen Ebitda. Auf mittlere Sicht will E.ON den Faktor fünf erreichen, um das Unternehmensrating abzusichern.
  • Geschwundene Bedeutung: E.ON gehörte noch vor zehn Jahren zu den größten Werten im DAX. Die Energiewende hat das Unternehmen stark getroffen. Heute gehört E.ON mit einer Marktkapitalisierung von rund 29 Milliarden Euro zu den kleineren DAX-Werten.
  • Analystenvertrauen noch instabil: Die Einschätzungen der Analysten haben sich in Bezug auf die E.ON-Aktie verbessert, sind aber noch relativ verhalten. Acht von 16 Experten sehen das Papier zurzeit als Kauf, sieben geben eine „Halteempfehlung“ ab, einer empfiehlt den „Verkauf“. Der Analystenscore liegt bei durchschnittlichen 44 %.

Über E.ON

E.ON entstand im Jahr 2000 aus der Fusion der beiden Mischkonzerne VEBA und VIAG und konzentrierte sich schnell auf die Energiewirtschaft. Ab dem Jahr 2001 wurden der britische Stromversorger Powergen, die schwedische Sydkraft und mehrere privatisierte Energieversorger in Osteuropa übernommen. Nach einer langen Auseinandersetzung mit dem Kartellamt gelang 2003 auch die Übernahme des größten deutschen Gasversorgers Ruhrgas. Parallel verkaufte E.ON zahlreiche Beteiligungen wie den Mobilfunkanbieter VIAG Interkom, Gelsenwasser oder die Immobiliengesellschaft Viterra. 2005 war der Umbau des Konzerns weitgehend abgeschlossen, und E.ON gehörte an der Börse zu den am höchsten bewerteten deutschen Konzernen.

In den Jahren danach startete E.ON ein Investitionsprogramm von rund 60 Milliarden Euro. Dazu gehörten die Expansion in neue europäische Märkte, Investitionen in erneuerbare Energien, verflüssigtes Naturgas und die Beteiligung am Bau der Pipeline Nord Stream 1. Der Atomunfall in Fukushima und der anschließend verkündete schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland waren harte Schläge für das Unternehmen und die E.ON-Aktie. Als Befreiungsschlag spaltete E.ON sich auf. 2016 bracht E.ON die Tochter Uniper an die Börse, die die fossilen Energieträger und die Atomenergie übernahm. Von 2018 bis 2020 schließlich ordneten E.ON und der langjährige Konkurrent RWE ihre Geschäfte neu. E.ON übernahm das Netzgeschäft der RWE-Tochter Innogy und gab im Gegenzug die erneuerbaren Energien an RWE ab.

E.ON konzentriert sich damit inzwischen auf die Bereiche Energienetze und Kundenlösungen. Im Geschäftsfeld Energienetze werden die Verteilnetze für Strom und Gas und die damit verbundenen Aktivitäten zusammengefasst – Instandhaltung, Betrieb und Erweiterung. Kundenlösungen umfassen Beratung und Dienstleistung rund um die Energieeffizienz. Insgesamt arbeiten zurzeit knapp 80.000 Mitarbeiter für E.ON, die zuletzt einen Umsatz von etwa 60 Milliarden Euro erwirtschafteten. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 29 Milliarden Euro gehört E.ON nicht mehr zu den Eckpfeilern des DAX.

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