Automobilwirtschaft Durchbruch der Elektromobilität

Eine Frau steckt den Ladestecker an ein Elektrofahrzeug.
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Die Corona-Krise sorgte für einen Absatzeinbruch in der Autoindustrie und hat die Wende zur E-Mobilität beschleunigt. 2021 dürfte der Markt wieder anziehen.

Beharrlichkeit und Weitsicht gehören zu den Stärken von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Jahr 2009 prophezeite sie, dass im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren würden. Das Publikum war skeptisch und fühlte sich in den Jahren danach bestätigt. 2017 sah das auch die Kanzlerin ein und sagte, „das Ziel von einer Million Elektroautos werde Deutschland nun nicht 2020 schaffen, aber 2022“. Immer noch fehlte der Glaube. Aber in Corona-Zeiten scheint die E-Mobilität den Durchbruch zu schaffen: Wo sich noch vor fünf Jahren einige wenige Exoten mit geringer Batterieleistung wie Renault Zoe oder Nissan Leaf und Mitsubishi i‐MiEV sowie First Mover wie BMW i3 und Tesla am Markt tummelten, setzen inzwischen fast alle Autohersteller auf E-Mobil. Und während die gesamten Zulassungszahlen 2020 um 19 % auf 2,92 Millionen sanken, legten Elektroautos um satte 207 % auf rund 194.000 Zulassungen zu – Tendenz weiter steigend: „Inklusive Hybrid-Technologie könnte die Elektromobilität bei den Neuzulassungen die klassischen Motorisierungen schon im Jahr 2025 übertreffen“, prophezeit Frank Schwope, Automobilanalyst bei der Nord/LB.

Boom dank Umweltprämien

Ermöglicht wurde diese rasante Entwicklung durch preiswertere Batterien – vor allem aber durch die großzügigen Umweltprämien. Deutschland liegt mit 9.000 Euro für rein batteriebetriebene Elektroautos und 6.750 Euro für Plug-in-Hybride ganz weit vorn im internationalen Vergleich. Dazu kommt: Ab 2021 dürfen nach EU-Verordnung die neu zugelassenen Autos der jeweiligen Hersteller im Durchschnitt nur noch maximal 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. „Das ist nur mit einer deutlichen Erhöhung der Elektromobilität zu schaffen“, urteilt Experte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Noch können sich zwar nur 35 % der Deutschen den Kauf eines E-Mobils vorstellen. Das ist ein Ergebnis der Continental-Mobilitätsstudie 2020, die das DAX-Unternehmen mit dem Sozialforschungsinstitut Infas regelmäßig durchführt. Indes: Seit 2013 hat sich die Bereitschaft zum Kauf eines Elektroautos in Deutschland von 17 % mehr als verdoppelt. Fehlende Ladestationen sind noch der wichtigste Grund für die Menschen gegen das elektrische Fahren: „Wirklich attraktiv wird die Elektromobilität mit intelligenter Vernetzung“, sagt Continental-Vorstand Helmut Matschi. „Gerade beim Thema Reichweite ist die Vernetzung ein wesentlicher Lösungsbaustein für mehr Akzeptanz unter den Autofahrern. Richtig vernetzt wird aus der schon klassischen Ladesäulensuche das Finden der effizientesten Route.“ Dafür will jetzt die Bundesregierung den Aufbau eines Schnellladenetzes für Elektroautos vorantreiben. 1.000 Standorte sind bis zum Jahr 2023 geplant.

Deutsche Autobauer: Zulassungen sinken, Elektroabsatz steigt

Die deutschen Autobauer haben im vergangenen Jahr zwar bei den herkömmlichen Verbrennern Federn lassen müssen, aber zumindest bei den Elektroautos zugelegt.

  • BMW (WKN 519000) konnte im vierten Quartal 2020 mit gut 686.000 Wagen im Vergleich zum Vorjahr rund 3,2 % mehr Autos verkaufen. Einen Push gab das China-Geschäft, wo der Absatz um rund 10 % auf knapp 218.000 Autos zulegte. In Europa und Amerika ging der Absatz hingegen noch jeweils um rund 4 % zurück. Der konzernweite Absatz im Gesamtjahr fiel im Vergleich zu 2019 um 8,4 % auf 2,32 Millionen Autos. Bei den elektrifizierten Fahrzeugen gab es dagegen ein Plus von fast 32 % auf 193.000 Einheiten.
  • Bei Daimler (WKN 710000) zeigt sich ein ähnliches Bild. Trotz eines neuen Absatzrekords in China kam der Premiumhersteller im vergangenen Jahr nicht an die Gesamtzahlen des Jahres 2019 heran. Von der Kernmarke Mercedes-Benz verkaufte das Unternehmen weltweit rund 2,16 Millionen Fahrzeuge, 7,5 % weniger als im Vorjahr. Besser sah die Bilanz bei elektrifizierten Fahrzeugen aus – von rund 160.000 waren allerdings gut 115.000 Hybride. Das erste reine Mercedes-Elektroauto EQC verkaufte sich dagegen nur ungefähr 20.000-mal.
  • Bei Volkswagen (WKN 766403) brachen die Auslieferungen 2020 um 15,2 % auf 9,3 Millionen Fahrzeuge ein. Damit verlor der Konzern nach vier Jahren die Position als Nummer eins im Weltmarkt an den Dauerrivalen Toyota. Nur in China/Asien konnte Volkswagen den Verlust einstellig halten. Von den Konzernmarken schnitten Audi (-8 %) und Porsche (-3 %) noch am besten ab. Diesen mageren Zahlen steht aber die erfolgreich eingeleitete Elektrowende entgegen. Die Auslieferungen vollelektrischer Autos (ohne Plug-in-Hybride) legten 2020 um satte 214 % auf 231.600 Einheiten zu: „Schon im Jahr 2022 könnte der Volkswagen-Konzern mehr reine Elektroautos zulassen als Tesla“, sagt Frank Schwope.

Der Pionier Tesla (WKN A1CX3T) hat von der Elektrowende 2020 besonders profitiert. Zwar haben sich die Zulassungszahlen bei Tesla „nur“ um 36 % auf rund 500.000 erhöht. Dennoch explodierte der Aktienkurs. Tesla konnte 2020 zum ersten Mal schwarze Zahlen schreiben. Trotz der operativen Erfolge sehen Analysten den Höhenflug der Aktie skeptisch. Im comdirect Analystenscore notiert Tesla mit minus 33 % und ist damit eine der schwächsten Wertungen. Auch stand die Aktie mehrfach im Visier von Leerverkäufern: „Allerdings sahen Shortseller im Kampf gegen Tesla bisher immer alt aus“, erklärt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Mit erzwungenen Aktieneindeckungen haben sie den Tesla-Kurs sogar noch weiter steigen lassen.“

Deutlich schlechter als bei Tesla entwickelten sich in den vergangenen Jahren die Kurse von PSA und Fiat Chrysler, die Anfang des Jahres zur Multimarke Stellantis (WKN A2QL01) fusionierten. Gemessen an den Zulassungen ist der viertgrößte Autokonzern der Welt entstanden. Aber es gibt kein echtes Zugpferd im Konzern. Fiat Chrysler ist nur noch mit der Retro-Ikone „Cinquecento“ wirklich präsent. Die einstmals so stolzen Marken Lancia, Alfa Romeo und Maserati sind dagegen ins Hintertreffen geraten. Chrysler wiederum ist traditionell in Krisen anfällig. „Mit gemeinsamer Entwicklung bei Motoren und im Einkauf kann Stellantis durchaus Synergien ernten“, erklärt Frank Schwope. „Aber das größte Manko bei fast allen Konzernmarken ist das China-Geschäft – für BMW, Daimler, VW, Toyota ist das der stärkste Absatzmarkt, bei Stellantis wohl nicht.“

Risiko breit streuen

Tesla und die positive Entwicklung der Elektromobilität haben das Jahr 2020 geprägt. Auf diese neuen Spezialisten setzt der noch junge BlackRock Global Funds – Future of Transport (WKN A2N4K3). Er legt vor allem in Unternehmen an, die in der Erforschung, Entwicklung und Produktion von Transporttechnologien der Zukunft tätig sind. Zu den zehn wichtigsten Werten im Portfolio gehören neben Infineon (WKN 623100) auch Samsung (WKN 881823) und Alphabet (WKN A14Y6F). Die Werte mit Fokus auf das E-Mobil sind im Durchschnitt deutlich höher bewertet als die klassischen Autobauer. Das zeigt sich auch an den Werten im klassischen Branchenindex STOXX Europe 600 Automobiles & Parts. Dieser Index liegt aktuell noch unter seinem Hoch aus dem Jahr 2015, hat sich zuletzt aber deutlich erholt. Mit einem ETF (WKN 965868) auf den Index könnten Anleger profitieren, wenn die Konjunktur im laufenden Jahr wieder anzieht und den breiten Markt mitzieht.

Aktien, ETF- und Investmentfonds unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Bei Investitionen außerhalb der EU können Währungsrisiken bestehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allein verbindliche Grundlage des Kaufs bei Fonds sind die derzeit gültigen Verkaufsunterlagen des Fonds („Wesentliche Anlegerinformationen“, Verkaufsprospekt sowie Jahres- und Halbjahresberichte, soweit veröffentlicht). Diese Unterlagen erhalten Sie auf der Fonds-Detailseite unter www.comdirect.de oder direkt beim Emittenten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 07.04.2021; Quelle: comdirect.de