Drei Fragen an Gisela Baur: „Apple passt perfekt in Buffetts Beuteschema“

Key Takeaways
  • Zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway werden Zehntausende Aktionäre erwartet.
  • Warren Buffett ist der erfolgreichste lebende Langzeitinvestor.
  • Aktuell sieht er wenige interessante Kaufgelegenheiten.
Gisela Baur
Journalistin & Autorin
Gisela Baur ist seit 35 Jahren Journalistin und war unter anderem in der Chefredaktion von „Börse Online“ tätig. Seit 1997 kennt sie Warren Buffett und ist seitdem regelmäßig in Omaha. Über den Investor hat sie das Buch „Warren Buffett – der Jahrhundertkapitalist“ geschrieben.

Frau Baur: Sie sind seit 25 Jahren auf der Hauptversammlung in Omaha zu Gast. Was macht für Sie die Faszination von Buffett und Berkshire Hathaway aus?

Die Hauptversammlung führt Zehntausende Value-Investoren zusammen. Warren Buffett ist zum einen der erfolgreichste lebende Langzeitinvestor und zum anderen zugleich ein hervorragender Entertainer. Allerdings markiert das Jahr 2024 einen großen Einschnitt. Charlie Munger ist Ende 2023 mit 99 Jahren gestorben. Ohne seinen kongenialen Partner wird es für Buffett und alle Teilnehmer eine andere Veranstaltung sein. Die Nachfolgegeneration mit Ajit Jain und Greg Abel ist fähig und hochkompetent – aber sie werden wohl nicht so eine Show abliefern wie Buffett und Munger.

Was zeichnet die Unternehmensauswahl von Buffett aus? Findet er bei den gestiegenen Kursen noch genug Kaufgelegenheiten?

Beste Qualität zum attraktiven Preis: Diesen Maßstab legen Value-Investoren an ihre Investitionen an. Egal ob als ganze Firma oder als anteiliges Aktienpaket: Buffett kauft nur Unternehmen, bei denen er anhand der Bilanzen die Cashflows für die nächsten zehn Jahre gut abschätzen kann. Diese Analyse gelingt ihm vor allem bei Banken, Versicherungen, Energiewerten und Konsumgütern. Zudem müssen die Aktien aber auch noch unter dem vom ihm berechneten inneren Wert liegen. Nach der positiven Börsenentwicklung der letzten Jahre ist das aktuell selten der Fall. Und in solchen Zeiten ist Buffett konsequent: Er hält sein Geld zusammen oder sucht auf anderen Märkten. So ist er zuletzt bei fünf japanischen Finanzhäusern eingestiegen. Gleichwohl warten 170 Milliarden Dollar bei Berkshire auf entsprechende Kaufgelegenheiten.

Von Technologie lässt Buffett die Finger. Apple gilt als Ausnahme, die die Regel bestätigt. Ist das angesichts der KI-Euphorie noch zeitgemäß? Und sind 50 % Apple-Anteil im Aktiendepot zudem nicht ein enormes Klumpenrisiko?

Warren Buffett kann KI-Anwendungen noch nicht einschätzen. Deshalb kommen die entsprechenden Aktien für ihn nicht infrage. Bei Apple war das schon bei den ersten Käufen 2016 anders. Da war das Unternehmen längst kein Start-up mehr, sondern das teuerste Unternehmen der Welt – eine Branchengröße mit begeisterten Nutzern, sehr attraktiven Margen, finanziell solide aufgestellt und zum damaligen Zeitpunkt auch noch recht günstig bewertet. Sie passte perfekt in sein Beuteschema. Buffett sieht in Apple eher den Konsumwert mit massivem Burggraben als die Technologieaktie. Nach gängigem Verständnis von Diversifizierung ist der Anteil von Apple im Aktienportfolio natürlich viel zu hoch. Allerdings muss man bei einer Gesamtbetrachtung auch die zahlreichen nicht börsennotierten Unternehmen von Berkshire Hathaway berücksichtigen. Dann relativiert sich das etwas.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung der comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 10.04.2024. Quelle: comdirect.de.

Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
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Heinz-Peter Arndt
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