Drei Fragen an Baki Irmak: „Die KI-Revolution ist bereits im Gange“

Key Takeaways
  • Die gesamte technologische Infrastruktur wird sich durch künstliche Intelligenz ändern.
  • Nvidia, Hardware- und Softwarehersteller sowie Cloud-Unternehmen profitieren.
  • Europa muss sich schnell auf die KI-Revolution einstellen.
Porträt von Baki Irmak, Fondsmanager und Gründer von Pyfore Capital
Porträt von Baki Irmak, Fondsmanager und Gründer von Pyfore Capital
Baki Irmak
Fondsmanager und Gründer von Pyfore Capital
Baki Irmak begann seine Karriere als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust. Nach Stationen als Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro war er lange in leitender Funktion für die Deutsche Bank und DWS tätig. 2018 legte er als Gründer von Pyfore Capital den Digital Leaders Fund auf.

Wird die KI eine solche Revolution auslösen wie das Internet?

Diese Revolution ist bereits seit einiger Zeit im Gange. Es herrscht zu Recht eine Goldgräberstimmung. Die gesamte technologische Infrastruktur wird sich ändern – von Rechenzentren über Server bis zum Laptop oder Mobiltelefon. Den gewaltigen Rechenansprüchen durch die künstliche Intelligenz ist die heutige Hardware einfach nicht gewachsen. Sie muss mit hohem Investitionsaufwand ausgetauscht werden. Gleichzeitig beschleunigt sich der Innovationszyklus bei den Chips und den Anwendungsmöglichkeiten. Unternehmen, die nicht in KI investieren, werden in den nächsten Jahren ihre Existenzgrundlage verlieren. Das betrifft alle Wirtschaftsbereiche – vom Handel bis hin zur Automobilindustrie.

Wer profitiert am stärksten von der KI-Revolution?

Allen voran ist natürlichVordenker Nvidia mit der Monopolstellung bei den GPUs dergroße Gewinner. Auch Lieferanten wie SK Hynix und Auftragsfertiger wie TSMC gehören zu den Profiteuren. Erstausrüster wie Dell, Super Micro Computer und auch HP verbessern ihre Auftragslage enorm. Cloud-Anbieter wie Google, Amazon und Microsoft müssen jetzt massiv investieren, um keine Marktanteile zu verlieren. Das zahlt sich auch aus. Die Cloud-Anbieter kaufen GPUs und verkaufen Rechenleistung an Unternehmen, um KI-Modelle zu trainieren. Für jeden in Nvidia-Chips investierten Dollar prophezeit deren Chef Jensen Huang fünf Dollar Erlöse. Wenn die KI-Modelle trainiert sind und darauf basierend weltweit Anwendungen ausgerollt werden, sollten ab 2025 viel mehr Unternehmen von der KI-Revolution profitieren.

Fast alle Unternehmen, die Sie genannt haben, kommen aus den USA. Spielt die KI-Musik vor allem dort oder auch in Europa und Asien?

Amerika steht für „Innovation“, China für „Imitation“ und Europa leider nur für „Regulation“. Wie bei der Digitalisierung und beim Internet liegen die USA bei der künstlichen Intelligenz mit weitem Abstand vorne. Allerdings gibt es in China und anderen asiatischen Ländern vielversprechende Entwicklungen, die sich bisher noch nicht am Aktienmarkt niedergeschlagen haben. Europa dagegen hinkt weit hinterher, Unternehmen wie ASML und Arm sind Ausnahmen. In Deutschland ist im internationalen Maßstab allein SAP als KI-affines Technologieunternehmen erwähnenswert. Frankreich ist da durch die Technologieinitiative von Präsident Macron deutlich weiter. Grundsätzlich gilt: Wenn Länder wie Deutschland die Technologien nicht entwickeln, so müssen sie zumindest bei der Adaption weit vorne liegen. Das kann ich im Moment noch nicht erkennen.

Bei diesem Interview handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der nicht die Meinung der comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wiedergibt. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Stand: 12.06.2024. Quelle: comdirect.de.

Heinz-Peter Arndt, Diplomvolkswirt und Diplomjournalist, schreibt seit über 30 Jahren über Konjunktur, Finanzmärkte und private Geldanlage
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Heinz-Peter Arndt
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