Deutsche Börse Rekordquartal durch Corona

Hochhäuser in Frankfurt in der Sonne
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In der Corona-Krise stiegen Volatilität und Handelsaktivität drastisch an. Die Deutsche Börse verzeichnet Umsatz- und Gewinnrekorde.

Die Deutsche Börse ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Die Corona-Krise brachte einen zusätzlichen Umsatz- und Gewinnschub. Besonders groß fiel der Sprung beim umsatzstärksten Segment, den Finanzderivaten an der Eurex, aus. Als eines von wenigen DAX-Unternehmen steigert die Deutsche Börse seit 2015 kontinuierlich die Dividende. Trotz des herausragenden Jahresanfangs hat der Vorstand den Gewinnausblick allerdings nicht angehoben. Größere Übernahmen sind anders als bei der Konkurrenz von der Londoner LSE nicht in Sicht. Durch den Kursanstieg liegt die Bewertung der Aktie deutlich über dem DAX-Durchschnitt. Weniger als die Hälfte der Analysten sieht die Aktie zurzeit als Kauf.

Pro Deutsche Börse (WKN 581005)

  • Solide Führung: Als Nachfolger des umstrittenen Vorstandsvorsitzenden Carsten Kengeter führt Theodor Weimer seit 2018 die Deutsche Börse wieder mit ruhiger Hand. Die Neuordnung in sieben Segmente (zwischenzeitlich neun) hat sich bewährt. Die größte Börse Kontinentaleuropas konnte 2019 ihren Gewinn um rund 10 % auf einen neuen Rekordwert von gut 1,1 Milliarden Euro steigern.
  • Gewinner der Krise: Die Deutsche Börse ist einer der wenigen Profiteure der Corona-Krise. Das erste Quartal brachte einen Umsatzsprung um 27 % auf 915 Millionen Euro. Auch im 2. Quartal lagen die Umsätze mit 777 Millionen Euro um 7 % über dem Vorjahreswert.
  • Starkes Standbein Eurex: Alle sieben Konzernsegmente trugen im 1. Quartal zum Umsatz- und Gewinnzuwachs der Deutschen Börse bei. Besonders stark aber präsentierte sich die Eurex. Im dort angesiedelten Handel mit Finanzderivaten stiegen die Nettoerlöse um fast 100 Millionen Euro (38 %) auf 346 Millionen Euro. Auch im 2. Quartal legten die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6 % zu.
  • Stabile Dividenden: Als eines von nur wenigen DAX-Unternehmen steigert die Deutsche Börse seit 2015 stetig ihre Ausschüttung von 2,10 Euro auf 2,90 Euro. Die Dividendenrendite liegt zwar aktuell mit rund 2 % unter dem DAX-Durchschnitt. Das liegt auch an der guten Kursentwicklung – und Anleger können vorerst auf Dividendenstabilität hoffen.

Contra Deutsche Börse (WKN 581005)

  • Enttäuschender Ausblick: DieDeutsche Börse hat ihren Jahresausblick trotz des starken Jahresauftakts und der anhaltenden geschäftsfördernden Volatilität nicht angehoben. Sie erwartet weiterhin „nur“ einen bereinigten Jahresüberschuss von rund 1,2 Milliarden Euro, weil sie bei Nettozinserträgen und im Abwicklungssegment Clearstream von Einbußen im weiteren Jahresverlauf ausgeht.
  • Fehlende Wachstumsperspektiven: Nach den gescheiterten Fusionsversuchen mit der London Stock Exchange hat die Deutsche Börse zwar eine volle Kriegskasse, aber keine geeigneten großen Übernahmekandidaten in Sicht. Nach dem Kauf der US-Softwarefirma Axioma soll es im Laufe des Jahres noch weitere kleinere Merger geben.
  • Überdurchschnittlich hohe Bewertung: Die Aktie der Deutschen Börse hat nur kurz unter der Covid-19-Krise gelitten und notiert inzwischen nahe dem Allzeithoch. Dieses Comeback wirkt sich auf die Bewertung des Papiers aus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2020 liegt bei gut 23. Damit liegt die Deutsche Börse deutlich über dem DAX-Durchschnitt.
  • Vorsichtige Analysten: Die Aktie der Deutschen Börse befindet sich bei den Analysten zurzeit nicht unter den Favoriten. Fünf von 15 Experten sehen das Papier zurzeit als „Kauf“, neun empfehlen „Halten“. Ein Analyst setzt die Aktie auf „Verkauf“, der comdirect Analystenscore liegt nur bei durchschnittlichen 27 %.

Über die Deutsche Börse AG

Die Deutsche Börse AG ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ging 1992 aus der Frankfurter Börse GmbH hervor. Das Unternehmen ist mit zahlreichen internationalen Dependancen auf den wichtigsten Handelsplätzen der Welt präsent und beschäftigt aktuell fast 7.000 Mitarbeiter, viele davon am Stammsitz in Frankfurt. Seit Dezember 2002 ist die Aktie der Deutschen Börse im Deutschen Aktienindex (DAX) vertreten.

Die Deutsche Börse hat die DAX-Familie und zahlreiche andere Indizes kreiert. Nach der jüngsten Neuordnung gibt es sieben Unternehmenssegmente. Das Kerngeschäft ist die Entwicklung und der Betrieb von Handelsplattformen sowie die Bereitstellung von Marktdaten und Abwicklungssystemen für Börsen. Mit der European Exchange (Eurex) gehört eine der weltweit größten Terminbörsen für Futures und Optionen zum Unternehmen. Als Trägerin der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse ist die Deutsche Börse auch für den Handel auf dem Parkett in Frankfurt verantwortlich – dem letzten Börsenhandelssaal in Europa, in dem noch aktiv gehandelt wird.

Seit Jahren bemüht sich die Deutsche Börse um weiteres Wachstum durch Akquisitionen. Mehrmals versuchte sie vergeblich, die Euronext zu übernehmen. Nach wiederholten Anläufen scheiterte zwischen 2016 und 2017 auch der Zusammenschluss mit der London Stock Exchange Group (LSE) am Streit über Zuständigkeiten, dem Brexit und schließlich auch am Veto der EU-Kommission. Nach dieser Enttäuschung wurde der umstrittene Vorstandsvorsitzende Carsten Kengeter abgelöst und im Januar 2018 durch Theodor Weimer ersetzt.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 26.08.2020; Quelle: comdirect.de