Delivery Hero Aufstieg in den DAX?

Frau auf Lieferservice-Fahrrad
© South_agency via Getty Images/iStockphoto

Der Lieferservice aus Berlin steigert seit Jahren den Umsatz durch Zukäufe. Trotz ausbleibender Gewinne ist die Aktie gefragt.

Delivery Hero ist innerhalb von knapp zehn Jahren stürmisch gewachsen und durch Zukäufe inzwischen in mehr als 40 Ländern präsent. Die Umsätze stiegen in der Corona-Krise kräftig an. Neben dem Geschäft mit Essensbestellungen werden zunehmend auch andere Produkte, wie zum Beispiel Medikamente, zugestellt. Bei den Analysten ist die Aktie hoch angesehen, und im September könnte sogar der Sprung in den DAX gelingen. Allerdings ist Delivery Hero nach dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts auf dem Heimatmarkt nicht mehr vertreten. Operative Gewinne konnte der Konzern bisher nicht schreiben. Gemessen daran ist die Aktie sehr hoch bewertet. Zudem könnten einige der Altaktionäre Kasse machen und damit den Aktienkurs unter Druck setzen.

Pro Delivery Hero (WKN A2E4K4)

  • International aufgestellt: Delivery Hero betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter. Das Berliner Unternehmen ist stark in bevölkerungsreichen Märkten wie Südkorea und dem Nahen Osten vertreten, in denen die Take-away-Kultur etabliert ist. Sein Deutschland-Geschäft mit Marken wie Foodora, Lieferheld oder Pizza.de hat der Konzern allerdings 2019 an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com verkauft.
  • Wachstum in der Corona-Krise: Delivery Hero konnte in der Corona-Krise sein ohnehin starkes Wachstumstempo noch einmal erheblich beschleunigen. Im 1. Quartal zog der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 92 % auf 515 Millionen Euro an, im zweiten Quartal kletterte er sogar um 96 % auf 612 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartete das Unternehmen beim Umsatz ein Plus von rund 80 % auf 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro.
  • Trend zu Quick Commerce: Delivery Hero will künftig noch stärker von Lieferungen anderer Waren profitieren. Beim sogenannten Quick Commerce können über die eigene Plattform neben Lebensmitteln zum Beispiel Medikamente binnen einer Stunde zum Kunden gebracht werden. In Asien und Amerika betreibt Delivery Hero bereits mehr als 100 lokale Lagerhäuser für einen solchen Quick Commerce.
  • Optimistische Experten: Delivery Hero ist bei den Experten unangefochten. Aktuell gibt es elf Einschätzungen im comdirect Analystenranking. Sie lauten allesamt auf „Kaufen“. Kein einziger Experte setzt dagegen auf „Halten“ oder „Verkaufen“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei perfekten 100 % – ein Wert, den kein DAX-Wert erreicht. In den DAX könnte Delivery Hero möglicherweise im September aufsteigen.

Contra Delivery Hero (WKN A2E4K4)

  • Anhaltende operative Verluste: Delivery Hero hat 2019 zwar dank des Verkaufs des Deutschland-Geschäfts einen Gewinn von 230 Millionen Euro erzielt. Im fortgeführten Geschäft hätte der Verlust aber bei 690 Millionen gelegen. Auch für das laufende Jahr werden aufgrund der hohen Investitionen und Corona-Belastungen keine operativen Gewinne erwartet. Das Unternehmen erwartet eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen minus 14 % und minus 18 % des Umsatzes.
  • Keine Basis mehr in Deutschland: Delivery Hero ist zwar ein deutsches Unternehmen, hat aber hierzulande keine Basis mehr. Mit dem Verkauf der Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den niederländischen Rivalen Takeaway.com konnten zwar im vergangenen Jahr erstmalig schwarze Zahlen in der Jahresbilanz geschrieben werden. Allerdings fehlt damit künftig das Geschäftsvolumen am Stammsitz.
  • Hohe Bewertung: Die Aktie ist trotz der zuletzt rasanten Umsatz- und Gewinnsteigerungen weiterhin sehr hoch bewertet. Zahlen für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis können nicht ausgewiesen werden, weil das Unternehmen noch keine Gewinne erwirtschaftet. Ebenso wenig können Aktionäre mit einer Dividende rechnen, weil Delivery Hero freien Cashflow eher in Zukäufe investieren wird.
  • Geringer Streubesitz: Der Streubesitz von Delivery Hero ist mit rund 11 % gering, sodass eine stärkere Nachfrage zu größeren Kurssprüngen führen kann. Gleichwohl gibt es nach dem Börsengang keinen Mehrheitsaktionär, sondern viele Beteiligungen zwischen 2,5 % und 7 %. Der starke Kursanstieg seit dem Börsengang könnte einige der Altaktionäre dazu verleiten, Kasse zu machen. Druck auf die Kurse ist bei einem steigenden Streubesitz nicht auszuschließen.

Über Delivery Hero

Die Delivery Hero SE gehört zu den Weltmarktführern bei Essensbestelldiensten. Das Unternehmen ist mit seinen Dienstleistungen inzwischen in mehr als 40 Ländern präsent. Auf den Internetplattformen können Kunden unter zahlreichen Lieferdiensten aus der jeweiligen Region wählen und per App oder über die Website bestellen. Neben Bestellplattformen betreibt Delivery Hero in Großstädten eigene Lieferservices, die Kunden neben Nahrung auch mit anderen Produkten, wie zum Beispiel Medikamenten, versorgen.

Delivery Hero wurde 2011 in Berlin gegründet. Einer der Gründungspartner, Niklas Östberg, ist heute noch als CEO des Unternehmens aktiv. Delivery Hero wuchs von Anfang an durch ambitionierte Zukäufe. Zu den ersten Unternehmen der Holding gehörten OnlinePizza, die britische Hungryhouse und die deutsche Plattform Lieferheld. Mit dem Einstieg des Berliner Inkubators Rocket Internet im Jahr 2015 nahm die Übernahmetätigkeit noch einmal zusätzlich Schwung auf. Der Umsatz stieg trotz des Verkaufs des Deutschland-Geschäfts im Jahr 2019 auf weit über eine Milliarde Euro. Für das laufende Jahr peilt Delivery Hero 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro an.

Obwohl das Unternehmen bisher keine operativen Gewinne geschrieben hat, sorgte es nach einer großen Emission im Jahr 2017 an der Börse dank steigender Kurse für Furore. Schon ein Jahr später stieg Delivery Hero in den MDAX auf und gehört dort aktuell mit einer Marktkapitalisierung von rund 19 Milliarden Euro zu den größten Positionen. Nach dem Absturz der Wirecard-Aktie gilt die Aktie des Berliner Lieferdienstes bereits als ernster Kandidat für den Aufstieg in den DAX.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert, und das Ergebnis wird durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 12.08.2020; Quelle: comdirect.de