Indexumstellung Neue Regeln für DAX-Aufnahme

Frankfurter Geschäftsviertel
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Der Deutsche Aktienindex soll durch zusätzliche Qualitätskriterien gestärkt werden. Anleger könnten profitieren, wenn der DAX im September 2021 auf 40 Titel aufgestockt wird.

Nach der Wirecard-Insolvenz haben viele Investoren eine grundlegende Reform des DAX als wichtigstem deutschen Aktienindex gefordert. Die Deutsche Börse als Eigentümer des DAX und anderer Indizes nimmt die Kritik ernst. Nach einer Befragung von Marktteilnehmern hat sie nun wichtige Änderungen für eine Aufnahme in die höchste Aktienliga angekündigt. Diese werden nunmehr sukzessive umgesetzt. Dabei geht es vor allem um erhöhte Qualitätsanforderungen. Beispielsweise müssen Neulinge bereits ab Dezember vor Aufnahme in den Index in den vorangegangenen beiden Finanzberichten ein positives EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ausgewiesen haben. Ab März müssen zudem alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes (DAX, MDAX, TecDAX und SDAX) testierte Geschäftsberichte und vierteljährliche Quartalsmitteilungen veröffentlichen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss. Hätte dies bisher schon gegolten, wäre Wirecard viel früher aus dem DAX geflogen.

Die bedeutendste Änderung ist aber wohl die Aufstockung von 30 auf 40 Unternehmen im September 2021. Wer sich frühzeitig positioniert, könnte insbesondere hiervon profitieren – denn die Aufnahme in den DAX ist mit mehr Aufmerksamkeit und Zukäufen von institutionellen Anlegern verbunden, die oft für Kurssteigerungen sorgen. Gleichzeitig wird der MDAX dann übrigens von 60 auf 50 Werte reduziert.

Umschichtungen programmiert

Rund 80 % der Marktkapitalisierung am deutschen Aktienmarkt liegen allein in den 30 DAX-Aktien. Häufig investieren Anleger dabei über Exchange Traded Funds (ETFs), die das Marktbarometer eins zu eins abbilden. Allein diese Produkte bringen es auf ein Volumen von annähernd 15 Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere Anlageprodukte wie Zertifikate, die sich ebenfalls auf den DAX beziehen. Ändert sich nun dessen Zusammensetzung, sind die Manager von ETFs und Zertifikaten (automatisch) gezwungen, einen Teil des von ihnen verwalteten Vermögens entsprechend der neuen Gewichtung in die neuen Werte umzuschichten. Dadurch entsteht zusätzliche, in der Regel kurstreibende Nachfrage.

Welche Aktien von einer Aufstockung des DAX auf 40 Titel im Herbst kommenden Jahres partizipieren können, lässt sich noch nicht exakt sagen. Neben den genannten Ausschlusskriterien wird die Marktkapitalisierung aber nach wie vor die wesentliche Rolle spielen, während der Börsenumsatz als bisher zweites wichtiges Auswahlkriterium bei der Erstellung der DAX-Rangliste keine Berücksichtigung mehr findet. Stattdessen ist nur noch eine gewisse Mindestliquidität erforderlich. Insofern lassen bereits heute durchaus einige heiße Kandidaten nennen.

Eindeutige Favoriten

So billigen beispielsweise die Analysten der DZ Bank den Aktien von Airbus (WKN 938914) besonders gute Chancen zu, bei der DAX-Aufstockung dabei zu sein. Der Flugzeugbauer würde es mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 52 Milliarden Euro auf Anhieb auf den sechsten Platz im DAX bringen. Auch der Modehändler Zalando (WKN ZAL111), der Duft- und Geschmackstoff-Anbieter Symrise (WKN SYM999) und der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius (WKN 716563) liegen mit den Plätzen 25-27 auf der aktuellen DAX-Rangliste – was die Marktkapitalisierung anbelangt – sehr gut im Rennen. Knapp werden könnte es dagegen für die Hannover Rück (WKN 840221) oder auch für Siemens Healthineers (WKN SHL100), die aktuell die Plätze 37 und 38 belegen.

Zur Aufstockung des DAX auf 40 Werte wird es erst im September 2021 kommen. Das ist zwar noch eine ganze Zeit hin. Umschichtungen in den Portfolios setzen aber oft bereits weit vor dem Zieltermin ein. Zudem dürften die entsprechenden Titel bereits deutlich vor der eigentlichen Umstellung an Aufmerksamkeit gewinnen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 02.12.2020; Quelle: comdirect.de