Daimler Gewinn bricht ein

Daimler Gebäude
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Der Dieselskandal und Investitionen in Elektromobilität wirkten sich schon 2019 negativ aus. In Zeiten von Corona wird die Lage nicht besser.

Daimler ist immer noch eine starke Marke und verkaufte zuletzt unter den Premium‐Herstellern die meisten Autos. Im Geschäftsjahr 2019 zog der Umsatz um mehr als 3 % an. Die Aktie ist nach gängigen Kennzahlen günstig bewertet und zunehmende Fusionsfantasien könnten für Auftrieb sorgen. Allerdings brach schon 2019 der Unternehmensgewinn deutlich ein. Im laufenden Jahr wird sich die Corona‐Krise zusätzlich auswirken. Bei der Elektromobilität ist Daimler im Rückstand und die Analysten trauen der Aktie zurzeit wenig zu.

Pro Daimler (WKN 710000)

  • Marke immer noch stark: Daimler profitiert von einem Jahrzehnte alten Nimbus und konnte 2019 unter dem neuen Konzernchef Ola Källenius Platz eins im Markt der Premium‐Autos verteidigen. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern 2,38 Millionen Pkw. Lkw, Nutzfahrzeuge, Vans und Busse runden das Portfolio des Stuttgarter Unternehmens ab.
  • Steigender Umsatz: Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro oder 3,2 % auf 172,7 Milliarden Euro. Das dürfte in diesem Jahr kaum möglich sein. Allerdings fiel der Umsatz im 1. Quartal 2020 „nur“ um 6,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, weil Daimler überdurchschnittlich viele teure Fahrzeuge verkaufen konnte.
  • KBV auf Schnäppchenniveau: Das Kurs‐Gewinn‐Verhältnis 2020 der Daimler-Aktie liegt wegen des absehbaren Gewinneinbruchs inzwischen bei fast 30. Das erscheint teuer. Aber der Buchwert pro Aktie betrug zum Jahresende 2019 immerhin 57 Euro pro Aktie. Angesichts des deutlich gesunkenen Aktienkurses liegt das Kurs‐Buchwert‐Verhältnis (KBV) damit bei rund 0,5. Schon bei Werten unter 1,0 wittern Value‐Investoren ein Schnäppchen.
  • Fusion möglich: Bisher hat sich Daimler nach den schlechten Erfahrungen mit Chrysler gegen Zusammenschlüsse gewehrt. Angesichts der schwierigen Situation am Automarkt könnte eine Fusion jetzt aber auch wie ein Befreiungsschlag wirken. Möglich scheint Experten eine Vertiefung der Kooperation mit BMW, ein deutsch‐französisches Bündnis mit Renault oder ein deutsch‐chinesisches mit Geely.

Contra Daimler (WKN 710000)

  • Massiver Gewinneinbruch: Aufgrund hoher Investitionen und Rückstellungen für den Dieselskandal ging der operative Gewinn (EBIT) des Konzerns schon 2019 um 61 % auf 4,33 Milliarden Euro zurück. Dieser Trend setzte sich im 1. Quartal 2020 aufgrund der Corona-Krise fort. Das Konzern-Ebit schrumpfte um mehr als zwei Drittel auf nur noch 617 Millionen Euro, die EBIT-Marge ging von 7,0% auf nur noch 1,7 % zurück.
  • Schwacher Ausblick wegen Corona‐Krise: Der Einbruch des chinesischen Automarktes im Februar um mehr als 80 % war extrem. Durch den weltweiten Lockdown wird das 2. Quartal noch schwächer ausfallen. Für das gesamte Jahr 2020 erwartet der Vorstand inzwischen, dass der Absatz, der Umsatz und der operative Gewinn unter dem bereits schwachen Vorjahresniveau liegen werden.
  • Stottern bei der Elektromobilität: Schon vor der Einführung von Kurzarbeit gab es Meldungen, dass Daimler das für 2020 anvisierte Produktionsziel von 60.000 Elektro‐SUV Mercedes‐Benz EQC aufgrund von Lieferschwierigkeiten bei den Batteriezellen verfehlen würde. Angesichts der aktuellen Entwicklung dürfte Daimler auch 2020 den Durchbruch bei der Elektromobilität nicht schaffen.
  • Skeptische Analysten: Daimler hat in den vergangenen zwei Jahren bei den Analysten deutlich an Ansehen verloren. Aktuell sprechen sich zehn Experten von 18 für „Halten“ aus. Dagegen empfehlen gerade einmal sechs die Aktie als „Kauf“, zwei votieren für einen „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei schwachen 22 %.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 20.05.2020; Quelle: comdirect.de