Daimler Mehr Gewinn als erwartet

Daimler Gebäude
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Der Daimler-Umsatz litt stark unter der Pandemie, der Gewinn zog dennoch an. Die Trennung von den Trucks bietet neue Möglichkeiten.

Daimler ist die weltweit absatzstärkste Premiummarke. Der Gewinn zog im Pandemiejahr 2020 überraschend an. Die Analysten sind aktuell für das Unternehmen sehr positiv gestimmt. Auch die Trennung von Pkw/Vans und Lkw/Bussen kommt am Markt gut an. Allerdings brach 2020 der Umsatz stark ein. Die Dividende liegt weit unter den alten Höchstwerten. Bei der Elektromobilität hat Daimler die Erwartungen nicht erfüllen können. Zudem wird es nach dem schwierigen Jahresstart bis 2022 dauern, bis alte Umsatz- und Gewinnzahlen erreicht werden können.

Pro Daimler (WKN 710000)

  • Premiummarke immer noch stark: Daimler ist traditionsbewusst und weiterhin die weltweit absatzstärkste Premiummarke. Insbesondere im wichtigen Absatzmarkt China hat die Konjunktur schon 2020 wieder Fahrt aufgenommen.
  • Positive Ergebnisüberraschung: Daimler legte erstaunlich gute Eckdaten für das Geschäftsjahr 2020 vor. Trotz starker Umsatzrückgänge stieg der operative Gewinn (EBIT) auf 6,6 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatte er nur bei 4,3 Milliarden Euro gelegen. Im ersten Quartal 2021 setzte sich der Trend fort. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn lag bei 4,3 Milliarden Euro nach nur 94 Millionen Euro im Vorjahr.
  • Analysten optimistisch: Die Daimler-Aktie findet bei den Analysten wieder Anklang. Aktuell sprechen sich 14 von 17 Experten für den „Kauf“ der Aktie aus. Zwei empfehlen „Halten“, ein einziger setzt die Aktie auf „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich erholt und liegt bei überdurchschnittlichen 76 %.
  • Trennung von Trucks: Ähnlich wie Siemens mit seinen Gesellschaften Siemens Healthineers und Siemens Energy wird Daimler im Laufe dieses Jahres den Konzern in zwei Unternehmen aufspalten. Als Spin-off soll der Bereich Daimler Truck eine eigenständige Börsennotierung erhalten. Die Summe beider Teile könnte – ähnlich wie bei Siemens – mehr wert sein als das Ganze.

Contra Daimler (WKN 710000)

  • Deutlicher Umsatzrückgang 2020: In einem herausfordernden, von der Covid-19-Pandemie geprägten Umfeld lag der Konzernabsatz um 15 % unter Vorjahresniveau. Bei den Sparten Cars & Vans betrug der Absatzrückgang jeweils rund 13 %. Bei den Trucks & Buses lag das Minus bei den Stückzahlen jedoch bei 27 %. Der Umsatz ging wegen höherer Durchschnittspreise nur um 11 % auf 154 Milliarden Euro zurück.
  • Mittelmäßige Dividende: Daimler hat für das abgelaufene Jahr eine Dividende von 1,35 Euro ausgezahlt. Vor drei Jahren lag die Dividende allerdings noch rund dreimal so hoch. Im nächsten Jahr sollen die Ausschüttungen allerdings wieder zulegen.
  • Ziele bei der E-Mobilität verpasst: Gegen Jahresende hat der Schwung bei E-Autos zwar zugenommen. Rund die Hälfte von 160.000 im Jahr 2020 verkauften Daimler-Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb wurde im vierten Quartal abgesetzt. Insgesamt entfielen 2020 rund 7,4 % des Absatzes auf rein elektrische oder Plug-in-Hybride. Geplant waren allerdings 9 %.
  • Nachhaltige Erholung erst 2022: Trotz der überraschend gut ausgefallenen Zahlen im ersten Quartal 2021 ist eine echte Normalisierung des operativen Geschäfts frühestens im Sommer 2021 zu erwarten. Die Rückkehr zum weltweiten Absatzniveau des Jahres 2019 scheint nicht vor dem Jahr 2022 möglich.

Über Daimler

Die Daimler AG gehört zu den ältesten deutschen Unternehmen. Sie entstand 1926 als Daimler-Benz AG in Berlin aus der Fusion von zwei Firmen, die für den Durchbruch des Automobils in Deutschland und in der Welt entscheidend verantwortlich waren: die Daimler-Motoren-Gesellschaft und Benz & Cie. Schon 1883 hatte sich Gottlieb Daimler Patente für einen Gasmotor gesichert. Daraus entwickelte sich der erste schnelle Verbrennungsmotor. Carl Benz wiederum hatte sich 1886 ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung als „Automobil“ patentieren lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg profilierte sich der Konzern als Premium-Automobilhersteller und technologischer Marktführer. Zu den wichtigsten Innovationen gehörten 1951 die Sicherheitsfahrgastzelle mit Knautschzonen, 1978 das elektronische Bosch-Antiblockiersystem (ABS) und 1981 der Airbag sowie der Gurtstraffer. Dem neuen Konzernchef Edzard Reuter reichte der Erfolg im Autobusiness jedoch nicht mehr. Er baute ab den 1980er-Jahren mit dem Kauf von Dornier, MTU, Fokker und AEG einen integrierten Industriekonzern auf. Sein Nachfolger Jürgen Schrempp kippte diese Politik und wollte stattdessen einen weltweiten Autokonzern kreieren. Neben einer Beteiligung am japanischen Hersteller Mitsubishi fusionierte er daher Daimler-Benz 1998 mit Chrysler zur DaimlerChrysler AG und förderte den Kleinwagen Smart. Diese Politik schlug jedoch fehl. Nach neun Jahren Fusion und Milliardenverlusten wurde Chrysler im Jahr 2007 verkauft und ist inzwischen Teil von Stellantis.

Nach der Finanzkrise konnte sich Daimler unter Dieter Zetsche als weltgrößte Premiummarke stabilisieren. Mit über 150 Milliarden Euro Umsatz und fast 300.000 Beschäftigten gehört der Konzern zu den größten Unternehmen Deutschlands. 2019 spaltete Daimler seine Tätigkeiten in drei eigenständige Unternehmen auf – die Mercedes-Benz AG für Pkw und Vans, Daimler Truck für Lkw und Busse und Daimler Mobility für Fahrzeugfinanzierungen, Flottenmanagement und Mobilitätsdienstleistungen. Die Daimler Truck AG soll zeitnah an die Börse gebracht werden. Neben der Daimler AG, die seit Auflage des DAX unter verschiedenen Namen zum deutschen Auswahlindex gehört, könnte dann ein zweites Unternehmen aus dem Konzern in den DAX aufrücken.

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