Mobiles Bezahlen Corona treibt das Mobile Payment an

Mann zahlt mit Smartphone
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Die Corona-Krise beflügelt selbst in Deutschland den Trend zum mobilen Bezahlen. Davon profitieren Dienstleister und Kreditkartenanbieter.

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Nur Bares ist Wahres: So war das in Deutschland – zumindest bis Corona die Welt veränderte. Denn die Bundesbürger galten weltweit als traditionsbewusste Barzahler. Vor allem bei kleineren Beträgen zückten sie Münzen und Scheine und griffen nicht zur Bank- bzw. Kreditkarte oder gar einem Online-Bezahlsystem via Smartphone. Deutschland galt daher in den Augen anderer Nationen als rückständig. Anders ist die Situation beispielsweise in Schweden. Dort akzeptieren viele Läden und Lokale seit Jahren kein Bargeld mehr, Plastik- oder elektronisches Geld haben längst die Führungsrolle inne. In einer Studie der Königlichen Technischen Hochschule Stockholm kommen die Experten zu der Ansicht, dass das Bargeld in Schweden bis 2030 verschwindet. Schon heute dominiert hier der Bezahldienst Swish, der von vier schwedischen Großbanken entwickelt wurde.

Boomendes Online-Geschäft

Mit dem Übergriff des Virus nach Europa und dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen veränderte sich aber auch in Deutschland das Bild. Aus Hygienegründen und zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden galt die Empfehlung, Barzahlungen auf ein Minimum zu beschränken. Zudem nahmen die Internet-Einkäufe, bei denen ohnehin eine digitale Bezahlung erfolgt, enorm zu. Auch deshalb erhöhte sich die Zahl der Online-Transaktionen. Der Online-Einkauf boomt ohnehin schon seit Jahren. So ermittelte der Handelsverband Deutschland, dass im Jahr 2019 rund 58 Milliarden Euro mit dem Warenverkauf im Internet erwirtschaftet wurden. Gegenüber dem Jahr 2000 ist dies das 44-Fache. Für 2020 prognostizierten die Experten einen Anstieg auf 63 Milliarden Euro, der wegen Corona höchstwahrscheinlich deutlich übertroffen wird. Die globalen Zahlen sind noch beeindruckender. So erwartet das Online-Portal Statista ein weltweites Transaktionsvolumen für mobiles Bezahlen für 2020 von rund 1,3 Billionen Euro, nach 956 Milliarden Euro im Jahr 2019.

Davon profitieren in erster Linie die Zahlungsabwickler, die im Hintergrund die Geldströme lenken und dabei nur mit minimalen Beträgen, dafür aber an jeder Transaktion mitverdienen. Da das Geschäft lukrativ ist, haben viele große Konzerne längst eigene Bezahlsysteme auf den Markt gebracht. Dazu gehören Apple (WKN 865985) mit Apple Pay, Alphabet (WKN A14Y6F) mit Google Pay und Samsung (WKN 881823) mit Samsung Pay ebenso wie die chinesischen Riesen Tencent (WKN A1138D) (WeChat Pay) und Alibaba (WKN A117ME) (AliPay). Deren Aktien werden aber von anderen Geschäften deutlich stärker beeinflusst.

Der Zuverlässige und das deutsche Sorgenkind

Ein Profiteur des Online-Booms ist auch der einst von Ebay abgespaltene Bezahldienst Paypal, der auch in Deutschland seit Jahren zu den beliebtesten Zahlungsmethoden im Online-Handel gilt. Die Paypal-Aktie (WKN A14R7U) des US-Unternehmens erreichte nach einem kurzen Corona-Durchhänger sogar ein neues Rekordhoch. Dazu haben neben ordentlichen Quartalszahlen auch neue Kooperationen beigetragen. Norbert Kalliwoda, Gründer des Analysehauses Dr. Kalliwoda Research GmbH, überzeugt bei Paypal die gute Marktstellung und die hohe internationale Ausbreitung.

In Deutschland ist vor allem Wirecard (WKN 747206) als Zahlungsabwickler bekannt. Allerdings ist der einstige Shooting-Star und DAX-Aufsteiger nach dem Bilanzskandal komplett abgestürzt. Spätestens mit der Verdrängung von Paypal als erstem Zahlungsabwickler von Ebay wurde Adyen (WKN A2JNF4) auch in Deutschland bekannter. „Der holländische Wirecard-Konkurrent kommt zudem ohne größere Negativschlagzeilen aus“, sagt Kalliwoda.

Kreditkarten bleiben gefragt

Schon fast ein Dino des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist das Kreditkarten-Unternehmen Visa (WKN A0NC7B). Der US-Konzern kam erst 2008 an die Börse, damals allerdings als der bis dahin weltgrößte Börsengang. Von Januar bis März 2020 steigerte Visa Umsatz und Ertrag recht deutlich. Für das 2. Quartal befürchten die Manager zwar eine Konsumzurückhaltung, die auch das Transaktionsvolumen negativ beeinträchtigt. Ab dem Sommer aber dürften sich Nachholeffekte positiv bemerkbar machen.

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