Continental Reifengeschäft sorgt für Stabilität

Continental Reifen
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Nach einem guten ersten Halbjahr kam der Automobilzulieferer im dritten Quartal unter Druck. Es fehlt an Halbleitern.

Continental gehört zu den Weltmarktführern unter den Automobil­zulieferern und Reifenherstellern. In den ersten neun Monaten des Jahres 2021 stiegen Umsatz und Gewinn gegenüber dem Vorjahres­zeitraum deutlich an. Insbesondere das Reifengeschäft präsentierte sich stabil. Die Analysten sind für die Continental-Aktie wieder optimistischer geworden. Allerdings verschlechterte sich das Ergebnis im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere das Zukunftsgeschäft „Automotives“ schwächelt. Angesichts der Halbleiterkrise wurden auch die Ziele für das Gesamtjahr 2021 nach unten korrigiert. Die Aktie ist zurzeit bei den Analysten nicht sehr beliebt.

Pro Continental (WKN 543900)

  • Breit aufgestellt: Continental gehört schon seit Jahrzehnten zu den Weltmarktführern bei Fahrzeugreifen. Inzwischen liefert das Unternehmen aus Hannover auch Komponenten und Module für Brems- und Luftfederungssysteme, Fahrdynamikregelungen und Passagiersicherheit.
  • Umsatzanstieg 2021: Die Continental AG steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,8 % auf fast 25 Milliarden Euro. Der operative Gewinn, das EBIT, kehrte mit 1,55 Milliarden Euro in die schwarzen Zahlen zurück. Im Jahr 2020 hatte es noch bei minus 780 Millionen Euro gelegen.
  • Stabilitätsanker Reifengeschäft: Das traditionsreiche Reifengeschäft bleibt aktuell der Gewinnbringer von Continental. Der Umsatz der Sparte lag in den ersten neun Monaten bei mehr als 13 Milliarden Euro und damit rund 15 % über dem Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn legte sogar von 672 Millionen auf 1,63 Milliarden Euro zu.
  • 2022 dürfte besser werden: Als Zulieferer für die Automobilindustrie wurde Continental zuletzt vom Produktionsengpass und von teuren Rohmaterialien doppelt getroffen. Der Peak in der Halbleiterkrise scheint überschritten. Im 1. Quartal dürfte die Produktion wieder anziehen. Dementsprechend sollten Umsatz und vor allem Gewinne des Konzerns nach Analystenschätzungen 2022 deutlich zulegen.

Contra Continental (WKN 543900)

  • Schwaches Quartal: Zuletzt ließen die Continental-Zahlen wieder nach. Im dritten Quartal (zum 30.9) lag der Konzernumsatz mit 8,0 Milliarden Euro um 7,4 % unter dem Vorjahr. Grund war die deutlich geringere Fahrzeugproduktion in der Automobilindustrie. Das bereinigte operative Ergebnis ging um 42 % auf 419 Millionen Euro zurück.
  • Zukunftsgeschäft schwächelt: Zum Halbjahr war der Bereich Automotive Technologies in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Drei Monate später rutschte er wieder mit 200 Millionen Euro ins Minus. Das lag vor allem an der Verschärfung des Engpasses bei Halbleitern, der nach Einschätzung des Vorstands bis 2022 anhalten dürfte.
  • Erwartungen reduziert: Nach dem schwachen dritten Quartal bestätigte Continental die revidierte Gewinnprognose vom Oktober 2021. Der Konzernumsatz wird danach nur noch zwischen 32,5 und 33,5 Milliarden Euro liegen. Zuvor lag die Range eine Milliarde höher. Stärker fiel die Revision bei der bereinigten Gewinnmarge aus – statt 6,5 % bis 7 % erwartet Continental nur noch 5,2 % bis 5,6 %.
  • Pessimistische Experten: Die Chipkrise hat nach Einschätzung der Analysten auch die Aussichten des Zulieferers Continental empfindlich beeinträchtigt. Aktuell empfehlen nur vier von 14 Experten die Aktie zum Kauf. Acht setzen Continental auf „Halten“, zwei empfehlen gar den „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt bei mageren 14 %.

Über Continental

Die Geschichte der heutige Continental AG begann vor mehr als 150 Jahren. Im Jahr 1869 übernahm der Bankier Moritz Magnus die Konkursmasse der „Neue Hannoversche Gummi-Warenfabrik“. Magnus gewann 1871 Investoren und Fabrikanten als Gründungs­gesellschafter der „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“. Das neue Unternehmen sollte Weichgummiwaren produzieren. Ab 1891 wurden die „Continental-Pneumatics“ hergestellt – Luftreifen für die boomende Fahrradbranche. Nach dem Ersten Weltkrieg kooperiert Conti mit dem amerikanischen Reifenhersteller Goodrich und wurde durch neue Rezepturen und Fließbandfertigung zum führenden deutschen Reifenhersteller. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte Continental von internationalen Kooperationen und verteidigte trotz zwischenzeitlicher Schwierigkeiten seine Weltmarktposition.

Um die Abhängigkeit vom Reifengeschäft zu reduzieren, baute Continental ab 1995 den Unternehmensbereich Automotive Systems auf. Elektronisch gesteuerte Fahrwerk- und Sicherheitssysteme für Bremsen, Reifendruck, ESP, Airbags etc. machen seitdem einen zunehmend wichtigen Teil des Konzerngeschäfts aus. Der Geschäftsbereich Automotive wurde systematisch durch Zukäufe ausgebaut. Die teuerste Übernahme erfolgte 2007 mit dem Kauf der Siemens VDO für über elf Milliarden Euro.

Im Jahr 2008 wollte die kleinere Schaeffler-Gruppe Continental übernehmen. Nach Übernahmekämpfen gelang dies Anfang 2009. Aktuell hält die Familie Schaeffler rund 46 % der Aktien. Durch die Übernahme entstand der drittgrößte Autozulieferer der Welt. Im Jahr 2020 erzielte Conti einen Umsatz von 37,7 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 3 Milliarden Euro. Durch die Ausgliederung und den Börsengang der Tochter Vitesco wird der Umsatz 2021 allerdings abnehmen und auch die Zahl der Mitarbeiter zum Jahresende 2021 unter 200.000 sinken.

Continental gehörte schon bei der Einführung des DAX im Jahr 1988 zum Kreis der 30 ausgewählten Titel. Nach einer Schwächephase stieg Conti 1996 in den MDAX ab. Dem Wiederaufstieg 2003 folgte ein erneuter Abstieg im Jahr 2008. Im Jahr 2012 schaffte Continental als erstes und bisher einziges Unternehmen zum zweiten Mal den Wiederaufstieg und ist seitdem ununterbrochen im DAX vertreten. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 19 Milliarden Euro ist das Unternehmen von einem erneuten Abstieg aus dem nunmehr auf 40 Werte aufgestockten DAX weit entfernt.

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