CO2-Zertifikate An strengen Umweltauflagen mitverdienen

CO2 Zertifikate
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Die Dekarbonisierung ist eine enorme Aufgabe. Mit Zertifikaten auf CO2-Emissionsrechte können Anleger profitieren.

Langsam wird es für Klimasünder ernst. Die Europäische Union hat ihre Ziele für den CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr noch einmal geändert. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber den Werten von 1990 um mindestens 55 % sinken, spätestens bis 2050 will die Gemeinschaft CO2-neutral sein. Andere Industrienationen haben ähnliche Ziele verkündet. „Das Pariser Klimaabkommen stellt die Dekarbonisierung in den absoluten Vordergrund“, erklärt Ralph Rickassel, Vermögensberater bei der Düsseldorfer PMP Vermögens­management. „Sie wird unweigerlich zu hohen Investitionen und einem damit einhergehenden Wachstum im Energiesektor führen.“

Handel mit Emissionsrechten

Das zentrale Klimaschutzinstrument der EU zur Reduktion der CO2-Emissionen ist dabei der Europäische Emissionshandel. Und an diesem Handel können Anleger mitverdienen. Das Grundprinzip des Emissionshandels: Die Politik legt fest, wie viele Tonnen CO2 von einer Gruppe (zum Beispiel Unternehmen eines bestimmten Industrie­zweigs) insgesamt ausgestoßen werden dürfen. Wer zu dieser Gruppe gehört und das Klima mit CO2-Emissionen anheizt, benötigt nun für jede ausgestoßene Tonne eine Emissionsberechtigung. Diese sogenannten EUAs (European Union Allowance) können die Gruppenmitglieder kaufen und nutzen oder bei geringerem Bedarf weiterverkaufen, etwa über die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. 

Je nach Angebot und Nachfrage bildet sich so für die Emissions­rechte ein Preis, der natürlich schwanken kann. Die Zahl der Emissionsrechte wird Jahr für Jahr sinken, um das CO2-Ziel zu erreichen. Entsprechend dürfte sich aus Sicht der Berenberg Bank der Preisanstieg bei CO2-Emissionsrechten fortsetzen. Bei einem aktuellen Wert von derzeit rund 90 Euro pro Tonne rechneten die Analysten im Januar für Ende 2022 mit 130 Euro pro Tonne, ein Jahr später sogar mit Preisen um 150 Euro. Dabei stammen die Schätzungen allerdings von Mitte Januar – vor dem Krieg in der Ukraine also, der das Klimathema weit in den Hintergrund gerückt hat.

Privatanleger springen auf den Zug auf

Über CO2-Partizipations-Zertifikate können auch Privatanleger an der Preisentwicklung der Emissionsrechte teilhaben. Die von verschiedenen Banken aufgelegten Produkte beziehen sich in der Regel auf die entsprechenden Futures-Kontrakte. „Diese haben jeweils eine bestimmte Fälligkeit, sodass vor oder zum Ende der Laufzeit in den nächsten Future gerollt werden muss“, erklärt Anouch Wilhelms von der Société Générale. „Notiert der Future über dem aktuellen Preis für eine Tonne CO2-Emissionsrechte (positive Erwartungen bezüglich der zukünftigen Preisentwicklung), können im Zeitablauf Verluste auftreten, wenn die tatsächliche Preisentwicklung hinter den Erwartungen zurückbleibt.“

Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, das sogenannte Rollen in den nächsten Futures-Kontrakt in das Partizipations-Zertifikat einzupreisen. Société Générale (z. B. WKN SD54UU) führt bei ihren CO2-Zertifikaten dazu eine Erhöhung des Basispreises durch, während Vontobel (WKN VX10C0) die Rollthematik über eine Veränderung des Bezugsverhältnisses löst. Als Produkt mit fester Endfälligkeit (19.12.2022) ist diese Problematik bei dem CO2-Tracker-Zertifikat von Leonteq (WKN A2UW7Z) nicht gegeben. Es verfällt zum genannten Termin automatisch und sein Wert wird an die Besitzer ausgezahlt.

Investieren mit Hebel 

Schon die Futures und die entsprechenden Partizipations-Zertifikate sind sehr volatil. Noch mehr Chancen und deutlich höhere Risiken bergen Faktor-Zertifikate. So vollzieht das Papier mit der (WKN MA481E) von Morgan Stanley die Preisentwicklung des Carbon Emission Futures (ICE ECX EUA-Future) mit dem Faktor zwei nach. Bei der WKN MA481G werden Gewinne und Verluste sogar vervierfacht. Entsprechend höher fallen hier die Chancen und die Risiken aus. „Da es Faktor-Zertifikate auch in der Short-Version gibt, können Anleger, die am Markt eine Übertreibung erkennen, auch auf fallende Preise setzen“, erklärt Nicolai Tietze, Derivatespezialist von Morgan Stanley. Beispiele sind etwa die Produkte mit der WKN MD103B (Faktor 2x short) und der WKN MD1QA3 (Faktor 4x short). 

Partizipations-Zertifikate und Faktor-Zertifikate unterliegen Kursschwankungen. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Partizipations-Zertifikaten und Faktor-Zertifikaten besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect – einer Marke der Commerzbank AG – wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 18.05.2022; Quelle: comdirect.de