Britische Aktien Gelungenes Comeback

Big Ben tower on Westmister
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Alte Industrien und Brexit: Über Jahre wollte kaum jemand britische Aktien haben. Das hat sich geändert.

Lange Zeit gab es aus Großbritannien hauptsächlich negative Nachrichten – ob Brexit oder Skandale rund um Premierminister Boris Johnson. Das wirkte sich auch an der Börse negativ aus. 2022 sorgt Boris Johnson zwar weiterhin für Skandale. Im Vergleich zu vielen anderen Indizes hat sich der britische Aktienmarkt aber deutlich besser gehalten. Und viele Investmentprofis schätzen die Chancen auch im weiteren Jahresverlauf optimistisch ein. Das ist jedenfalls das Ergebnis der aktuellen Fondsmanager-Umfrage der Bank of America. Mit weitem Abstand schätzten europäische Fondsmanager im Februar 2022 den britischen als den attraktivsten Aktienmarkt in Europa ein. So möchten rund 40 % der befragten Fondsmanager den britischen Aktienmarkt auf Sicht der kommenden zwölf Monate übergewichten. Alle weiteren maßgeblichen Aktienmärkte in Europa werden seitens der Fondsmanager in den kommenden zwölf Monaten eher untergewichtet. „Britische Aktien haben den Rückstand aus der Brexit-Zeit noch nicht aufgeholt“, urteilt auch der Münchner Vermögensverwalter Michael Reuss. „Mich würde es nicht überraschen, wenn der britische FTSE 100 unter den bekannten Indizes am Ende des Jahres die beste Performance aufweist.“

Comeback der britischen Traditionswerte

Für ein Comeback des britischen Aktienmarktes gibt es mehrere Gründe. Zum einen die wirtschaftliche Erholung: „Das reale BIP des Vereinigten Königreichs lag in Q4 2021 nur knapp unter seinem Vorpandemie-Niveau“, erklärt Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Berenberg Bank. Zum anderen aber spricht die Struktur des britischen Aktienmarktes für eine Erholung. Der FTSE-100-Index ist stark in Branchen konzentriert, die in den vergangenen Jahren nicht in Mode waren. Dazu gehören große globale Finanzkonzerne, Minenunternehmen und auch die zuletzt besonders gefragten Energieproduzenten, die bei den Analysten aktuell hoch angesehen sind. Technologie­unternehmen, die in den USA maßgeblich am Aufschwung der vergangenen Jahre beteiligt waren, sind deutlich untergewichtet. 

Hoher Ölpreis hilft Shell

Die britischen Aktien aus den Traditionsbranchen sind trotz der jüngsten Trendwende zu Value-Werten immer noch günstig bewertet. Der MSCI UK weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 14 auf. Der globale MSCI World liegt mit einem Wert von annähernd 20 deutlich darüber. Gerade bei Energiekonzernen und Banken stehen die Zeichen auf Gewinnwachstum. Ölkonzerne wie BP (WKN 850517) profitieren vom stark gestiegenen Ölpreis. Shell (WKN A3C99G) hat nach den massiven Verlusten 2020 im Jahr 2021 wieder einen Gewinn von gut 20 Milliarden US-Dollar erzielt. Der hohe Ölpreis sorgte dafür, dass nahezu die Hälfte des Jahresgewinns allein im vierten Quartal erwirtschaftet wurde. Im Zuge des Krieges in der Ukraine schossen die Notierungen für das Barrel erstmals seit 2014 über die 100-Dollar-Marke.

Auch der für London sehr wichtige Finanzsektor hat sich erholt. Bei steigenden Zinsen dürften die großen Banken wie HSBC (WKN 923893) und Barclays (WKN 850403) wieder deutlich mehr verdienen. Das sorgt für Kursfantasie. Der britische Pharmakonzern AstraZeneca (WKN 886455) schließlich stand zu Beginn der Corona-Impfkampagne wegen der enttäuschenden Wirkung seines Vakzins unter Druck. Doch jetzt kann das drittgrößte Unternehmen im FTSE-100-Index mit positiven Meldungen überraschen. So bewertet der UBS-Analyst Michael Leuchten in einer aktuellen Einschätzung das weitere Potenzial eines neuen Medikaments zur Prostatakrebs-Behandlung nach einer Phase-III-Studie positiv. „Mit dem neuen Wirkstoff Lynparza ist womöglich ein größerer neuer Kurstreiber für AstraZeneca in Sicht“, mutmaßt Leuchten. 

Fonds und ETFs für die breite Abdeckung des Marktes

Neben der Auswahl von Einzelaktien können Anleger auf verschiedene gemanagte Anlagelösungen setzen. Schon seit vielen Jahren gibt es aktiv gemanagte Aktienfonds am Markt. Mehr als 20 Jahre ist der Invesco UK Equity Fund (WKN A2JLE7) am Markt. Zu den größten Positionen im Portfolio von Fondsmanager Martin Walker gehören neben den Ölkonzernen BP und Shell sowie der Pharmaaktie AstraZeneca auch der Rüstungskonzern BAE Systems (WKN 866131), Rohstoffwerte wie Glencore (WKN A1JAGV) oder Telekommunikationsunternehmen wie Vodafone (WKN A1XA83). Mit ETF-Indexfonds können Anleger auf den britischen Leitindex FTSE 100 setzen. Hier bietet beispielsweise Xtrackers einen FTSE-100-ETF (WKN DBX0NF) mit einer niedrigen Kostenquote von nur 0,09 % pro Jahr. Eine etwas andere Gewichtung bietet hingegen der L&G UK Equity ETF (WKN A2N4PP). Die Basis ist hier der Solactive Core United Kingdom Large & Mid Cap Index. Die größten Positionen sind neben Shell der Konsumartikel-Gigant Unilever (WKN A0JNE2), der Pharma-Konzern AstraZeneca, die Bank HSBC und der Spirituosen-Spezialist Diageo (WKN 851247).

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