BMW Corona verschärft die Probleme

Turm BMW Hauptsitz
© servickuz via Getty Images

Hohe Investitionen in die Elektromobilität und das autonome Fahren belasten BMW. Die Aussichten sind nicht rosig.

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Der BMW-Konzern ist in fast allen Segmenten mit seinen Premiumfahrzeugen vertreten. Nach dem glücklosen Vorgänger Harald Krüger soll der neue Vorstandschef Oliver Zipse für frischen Wind sorgen. In der Elektromobilität ist BMW im Vergleich zur deutschen Konkurrenz am besten aufgestellt. Die Analysten haben wieder mehr Zutrauen in die BMW-Aktie gefasst. Allerdings ging der Absatz schon im 1. Quartal 2020 deutlich zurück. Für das 2. Quartal sind aufgrund der Corona-Krise sogar rote Zahlen zu befürchten. Hohe Investitionen in die Elektromobilität und das autonome Fahren belasten das Unternehmen. Und die einstmals so solide Dividendenausschüttung ist in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen.

Pro BMW (WKN 519000)

  • Breite Abdeckung: BMW ist im Premiumsegment breit vertreten. Die Stammmarke BMW deckt eine breite Spanne von der unteren Mittelklasse bis zu hochmotorisierten Fahrzeugen mit verschiedenen Antrieben ab. Rolls-Royce steht für Luxusklasse bei Limousinen, Konzerntochter Mini wiederum ist die begehrteste Marke im Kleinwagensegment. Auch BMW-Motorräder haben weltweit hohes Prestige.
  • Neuer Vorstand sorgt für neuen Spirit: Oliver Zipse trat 2019 die Nachfolge des glücklosen Harald Krüger an. Unter seiner Ägide will BMW wieder stärkster deutscher Premiumhersteller werden. Deshalb hält das Unternehmen auch in der Corona-Krise weitgehend an seinen Investitions-plänen fest. Insgesamt sollen bis 2025 mehr als 30 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden.
  • Erfahrung mit Elektroautos: Schon 2008 begann bei BMW das Elektrozeitalter. Obwohl der Sportwagen i8 und der i3 die Erwartungen nicht voll erfüllen konnten, liegt der Konzern unter den deutschen Anbietern vorn. Gegen den Trend konnte BMW bei den Verkäufen von E-Autos im 1. Quartal um rund 14 % zulegen. Im laufenden Jahr will der Konzern die CO2-Vorgaben der EU-Kommission erfüllen und die Emissionen um 20 % gegenüber dem Vorjahr reduzieren.
  • Experten sehen wieder Potenzial: Nach einem langen Tief hat sich die Einschätzung der Experten wieder etwas verbessert. Der comdirect Analystenscore stieg binnen eines Jahres von 4 % auf 39 %. Aktuell empfiehlen acht der 18 Experten die Aktie zum Kauf, neun sehen BMW als Halteposition. Nur ein einziger empfiehlt das Papier zurzeit zum Verkauf.

Contra BMW (WKN 519000)

  • Schwache Quartalszahlen zu Jahresbeginn: Im 1. Quartal 2020 waren die Auswirkungen der Pandemie bei BMW bereits deutlich zu spüren. Der Absatz ging weltweit um 20,6 % auf rund 477.000 Fahrzeuge zurück, vor allem aufgrund des frühen Lockdowns in China. Der Umsatz dagegen schrumpfte „nur“ um 6,4 %, weil BMW vergleichsweise viele hochpreisige Autos verkaufen konnte.
  • Ausblick empfindlich getrübt: Die Zahlen im 2. Quartal dürften wegen des weltweiten Lockdowns inklusive Produktionsstopp und Ladenschließungen noch deutlich schlechter ausfallen. Unter dem Strich könnte BMW durchaus rote Zahlen für den Frühling ausweisen. Der Vorstand geht nicht davon aus, dass sich der Absatz schnell erholt und das Vorjahresergebnis von fast 2,54 Millionen verkauften Fahrzeugen erreicht wird.
  • Zukunftsprobleme in der Autoindustrie: BMW steht wie alle Automobilkonzerne nicht nur wegen der Corona-Krise unter massivem Druck. Handelsstreitigkeiten und mögliche Zollschranken drücken auf die Stimmung. Für Zukunftsthemen wie Elektromobilität und autonomes Fahren sind Milliardeninvestitionen notwendig. Kleinere Hersteller wie BMW müssen dafür einen größeren Umsatzanteil aufwenden.
  • Höhere Bewertung und weniger Dividende: Auf Basis der Schätzungen für das Jahr 2020 ist BMW mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 16 höher bewertet als in der jüngeren Vergangenheit. Auch der Nimbus des soliden Dividendenzahlers hat nach zwei Kürzungen in Folge gelitten. Im Mai hat BMW 2,50 Euro pro Aktie ausgezahlt, vor zwei Jahren waren es noch 4 Euro pro Aktie. Tendenz: weiter fallend.

Über BMW

Die Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft (BMW AG) feierte im Jahr 2016 ihren 100. Geburtstag. Ursprünglich als Motorenhersteller unter dem Namen Rapp Motorenwerke gegründet, gehört das Münchner Unternehmen heute zu den weltweit größten Automobil- und Motorradherstellern der Luxusklasse. Mit weltweit rund 133.000 Mitarbeitern erzielte der DAX-Konzern im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von über 104 Milliarden Euro.

BMW konnte sich zunächst vor allem als Motorrad- und Kleinwagenhersteller (Isetta) profilieren. In den 1950er-Jahren folgte der Versuch, auch bei den Autos im Luxussegment Fuß zu fassen. 1959 allerdings stand BMW vor der Insolvenz und der Übernahme durch den Konkurrenten Daimler Benz. Kleinaktionäre und Belegschaft verhinderten das und als neuer Großaktionär trat der Industrielle Herbert Quandt in den Konzern ein. Mit seinem Kapital und unter der Ägide des langjährigen Konzernchefs Eberhard von Kuenheim gelang der wirtschaftliche Aufschwung als Hersteller sportlicher Mittelklasse- und Oberklasselimousinen.

In den 1990er-Jahren versuchte sich BMW mit dem Kauf des britischen Rover-Konzerns als Massenhersteller zu profilieren. Das ging spektakulär schief: Von den übernommenen Marken Rover, MG und Land Rover trennte sich BMW noch vor der Jahrtausendwende mit hohen Verlusten. Allein die Marke Mini verblieb im Konzern und entwickelte sich zu einer erfolgreichen Lifestyle-Marke. 2003 rundete BMW mit der Übernahme der Markenrechte des Nobelherstellers Rolls-Royce das Portfolio nach oben ab.

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