Biontech Belohnung für den Impfstoff

Ansicht des Biontech-Gebäudes
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Biontech profitiert mit extremen Umsatz- und Gewinnsteigerungen vom erfolgreichen Kampf gegen die Corona-Virus-Pandemie.

Biontech ist durch den Durchbruch beim Impfstoff zu einem der wachstumsstärksten Unternehmen der Welt geworden. Umsatz- und Gewinnzahlen legten in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum enorm zu. Trotz des ebenfalls stark gestiegenen Aktienkurses ist Biontech nicht hoch bewertet. Allerdings wird der Unternehmensgewinn im kommenden Jahr nach Einschätzung der Analysten zurückgehen. Im Stammbereich der Krebsbekämpfung wurde der Durchbruch noch nicht geschafft. Die Analysten sind vorsichtig gestimmt und nach der starken Performance an den Märkten ist ein Rückschlag nicht auszuschließen.

Pro Biontech (WKN A2PSR2)

  • Durchbruch mit Impfstoff: Noch vor gut einem Jahr kannten nur Insider Biontech. Seitdem hat sich das ursprünglich auf individualisierte Krebstherapie spezialisierte Biotech-Unternehmen aus Mainz um die Bekämpfung der Corona-Virus-Pandemie verdient gemacht. Mit einem der ersten zuverlässigen Impfstoffe gegen das Virus wuchs Biontech zu einem der wachstumsstärksten Unternehmen der Welt.
  • Enormes Umsatzwachstum: Der Umsatz von Biontech im 2. Quartal 2021 lag bei 5,3 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen in den ersten drei Monaten 2020 gerade einmal 45 Millionen Euro erlöst. Das rasante Umsatzwachstum beruht nahezu ausschließlich auf der Produktion und weltweiten Lieferung des Impfstoffes gegen Covid-19.
  • Sprung in die Gewinnzone: Parallel zum Umsatzanstieg explodierte auch der Nettogewinn. Im 2. Quartal betrug er 2,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren noch 53 Millionen Verlust angefallen. Der Gewinn und ein Finanzpolster von geschätzt rund sechs Milliarden Euro zum Jahresende erlauben große Investitionen. So soll bis 2023 ein Produktionsstandort in Singapur entstehen.
  • Günstige Bewertung: Noch im Jahr 2019 erwirtschaftete Biontech deutliche Verluste. Das hat sich geändert. Für 2021 und 2022 werden Milliardengewinne erwartet. Entsprechend ist die Bewertung auf Basis der für 2021 erwarteten Gewinne günstig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund acht.

Contra Biontech (WKN A2PSR2)

  • Sinkender Gewinn 2022: Für das Geschäftsjahr 2021 erwarten die Analysten im Durchschnitt einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 9,2 Milliarden Euro. 2022 allerdings soll diese Kennzahl nach ihren Schätzungen auf 6,5 Milliarden Euro zurückgehen. Die Prognose ist mit vielen Unsicherheiten behaftet. Sie hängt von der Entwicklung der Pandemie und den Fortschritten der Konkurrenz ab.
  • Zweites Standbein fehlt noch: Biontech hat zwar zahlreiche Produkte in der Pipeline. Ob allerdings in der Krebsbekämpfung kurz- und mittelfristig ähnliche Erfolge wie im globalen Impfgeschäft möglich sind, ist unklar. Zudem ist die Nachfrage in diesen Forschungsgebieten längst nicht so breit wie bei den Impfstoffen gegen das Corona-Virus, die die gesamte Welt benötigt.
  • Vorsichtige Analysten: Biontech steht bei den Experten trotz des großen Impfstofferfolgs noch nicht hoch im Kurs. Zwar gibt es keine Verkaufsempfehlung, aber zwei von drei Einschätzungen lauten zurzeit auf „Halten“, einer sieht die Aktie als Kauf. Damit liegt der comdirect Analystenscore bei unterdurchschnittlichen 33 %.
  • Rückschlaggefahren: Die Aktie von Biontech hat sich seit dem Börsengang 2019 insgesamt hervorragend entwickelt. Allerdings war sie gleichzeitig auch sehr volatil. Neue Nachrichten von der Corona-Virus-Pandemie und von unterschiedlichen Impferfolgen sorgten für Ausschläge in beide Richtungen. Wenn die Pandemie abebbt, könnte auch das Interesse an der Biontech-Aktie erlahmen.

Über Biontech

Biontech wurde 2008 vom Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci in Mainz als Biontech RNA Pharmaceuticals GmbH gegründet. Das Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf die Entwicklung und Herstellung von Technologien und Medikamenten für die individualisierte Krebsimmuntherapie. Die Schwerpunkte der Forschungsarbeit liegen heute in der Erforschung von Medikamenten auf der Basis von Messenger Ribonucleic Acid (Boten-Ribonukleinsäure) für den Einsatz als individualisierte Krebstherapien, als Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten und als Proteinersatztherapien bei seltenen Erkrankungen.

Schon 2009 startete Biontech klinische Phase-1-Studien. Zwischen den Jahren 2014 bis 2018 erfolgten umfangreiche Publikationen der Forschungsergebnisse und Patentanmeldungen. Gleichzeitig startete Biontech zahlreiche Kooperationen mit Universitäten und Unternehmen wie Eli Lilly and Company, Sanofi, Bayer, Regeneron und Pfizer. Aktuell sind rund 20 Produktkandidaten in der Pipeline oder bereits in klinischen Studien. Der große Durchbruch blieb in der Krebstherapie bisher verwehrt, ganz anders als auf dem Gebiet der Impfstoffe. Gemeinsam mit dem US-Pharmagiganten Pfizer gelang Biontech der Durchbruch bei der Bekämpfung des Corona-Virus. Der Wirkstoff auf Basis der mRNA-Technologie erwies sich als hochwirksam für die Bildung von Antikörpern, die das Virus Sars-CoV-2 im Falle einer Infektion abfangen. Weltweit war der Impfstoff von Biontech/Pfizer schon um die Jahreswende in rund 50 Staaten zugelassen. Insbesondere in der Europäischen Union gilt er als Impfstoff der Wahl.

Im Oktober ging Biontech 2019 mit einem Emissionspreis von 15 US-Dollar an die New Yorker Börse. Die wichtigsten Aktionäre sind neben dem Gründerehepaar vor allem die Brüder Andreas und Thomas Strüngmann (ehemals Hexal), die 2008 eine Anschubfinanzierung leisteten und rund 50 % der Aktien halten. Seit dem Börsengang hat sich die Aktie hervorragend entwickelt – besonders seit dem Durchbruch in der Impfstoffforschung. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 80 Milliarden Euro.

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