Kosmetik-Industrie Beiersdorf: Abstieg in den MDAX

Beiersdorf: Gute Zahlen vorgelegt
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Beiersdorf musste im Pandemie-Jahr 2020 Umsatz- und Gewinnrückgänge verkraften und wird von Siemens Energy aus dem DAX verdrängt.

Beiersdorf gehört mit seinen bekannten Marken Nivea und Tesa zu den führenden Konzernen in den Sektoren Kosmetik und Klebstoffe. Im Pandemie-Jahr 2020 konnte sich die Klebstoffsparte trotz Konjunkturschwäche behaupten. Auch hochpreisige Pflegeprodukte hielten sich gut. Mittelfristig dürfte das neue Investitionsprogramm den Gewinn und die operative Marge beflügeln. Allerdings sind die Umsatz- und Gewinnzahlen für 2020 bei Beiersdorf schwach ausgefallen. Wegen des DAX-Aufstiegs von Siemens Energy steigt Beiersdorf in den MDAX ab. Die Aktie ist seit Jahren hoch bewertet und das Unternehmen steigert die Dividende nicht. Bei den Analysten herrscht Skepsis vor.

Pro Beiersdorf (WKN 520000)

  • Starke Marken: Die Hamburger Beiersdorf AG gehört zu den Weltmarktführern in den Bereichen Kosmetik und Klebstoffe. Zu den bekanntesten Marken des Konzerns zählen Eucerin, Labello, 8×4, La Prairie und die berühmte Creme Nivea. Auch Tesa ist als Markenname weltbekannt und produziert Klebstoffe für Industrie, Gewerbe und private Verbraucher.
  • Klebstoffe konnten sich verhältnismäßig gut halten: Nach einem sehr schwachen Jahresanfang infolge der Coronavirus-Pandemie konnte die Klebstoffsparte Tesa im 2. Halbjahr wieder den Vorwärtsgang einlegen. Insgesamt setzte die Sparte im Geschäftsjahr 2020 rund 1,33 Milliarden Euro um und kam damit bis auf 1,5 % an das Vorjahresergebnis heran.
  • Starker Umsatz bei Apothekenkosmetik: Im Vergleich zum insgesamt rückläufigen Absatz im Sektor Consumer entwickelte sich der Bereich Apothekenkosmetik und Dermatologie gut. Die Marken Eucerin und Aquaphor erzielten ein organisches Umsatzwachstum von 8,3 % im Vergleich zum Vorjahr. In Nordamerika, Lateinamerika und Asien legten sie sogar zweistellig zu.
  • Langfristige Investitionen: Beiersdorf beschleunigt sein Investitionsprogramm und will in den kommenden fünf Jahren zusätzlich 300 Millionen Euro für Digitalisierung, Wachstumsmärkte und Nachhaltigkeit ausgeben. Auf mittlere Sicht soll der Umsatz des Unternehmensbereichs Consumer mit den Marken Nivea, Labello, Eucerin und La Prairie um 4 % bis 6 % und die Marge zwischen 16 % und 17 % steigen.

Contra Beiersdorf (WKN 520000)

  • Umsatz und Gewinn gesunken: Die Pandemie hat die Geschäfte von Beiersdorf im vergangenen Jahr empfindlich beeinträchtigt. Der Umsatz lag 2020 mit 7,03 Milliarden Euro um 8,2 % unter dem Niveau des Jahres 2019. Umsatz- und portfoliobereinigt lag das Minus bei 5,7 %. Der Gewinn ging überproportional zurück. Er schrumpfte um fast 20 % auf 636 Millionen Euro. Die Umsatzrendite fiel um 1,4 Prozentpunkte auf 12,9 %. Daran wird sich wegen der hohen Investitionen auch 2021 wenig ändern.
  • Abstieg aus dem DAX: Lediglich gut 30 % der Beiersdorf-Aktien befinden sich im Streubesitz. Nur diese frei handelbaren Papiere gehen in die Marktkapitalisierung ein, die für die Indexzugehörigkeit entscheidend ist. Den DAX-Aufstieg von Siemens Energy bezahlte Beiersdorf deshalb im März mit dem Abstieg in den MDAX. Seit 2008 hatte Beiersdorf ununterbrochen der ersten Börsenliga angehört.
  • Hohe Bewertung: Börsianer schätzen Markenartikler sehr, entsprechend hoch sind sie bewertet. Die Aktie von Beiersdorf weist aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2021 von 30 aus. Gleichzeitig liegt die Dividende seit Jahren bei konstant 70 Cent pro Aktie und die Dividendenrendite bei mageren 0,8 %.
  • Skeptische Experten: Beiersdorf wird von Analysten aufgrund der hohen Bewertung traditionell eher skeptisch beurteilt. Aktuell empfehlen 12 von 17 Experten, die Aktie zu halten. Zwei optieren für den Kauf, drei für den Verkauf. Der comdirect Analystenscore gehört mit minus 6 % zu den schwächsten im DAX.

Über Beiersdorf

Die Beiersdorf AG ist in erster Linie Börsianern ein Begriff. Aber die wichtigsten Produkte des Hamburger Konzerns kennt in Deutschland jedes Kind. Die Geschichte des Unternehmens beginnt mit einem Patent des Apothekers Paul C. Beiersdorf. 1882 entwickelte er ein neues Verfahren zur Herstellung von medizinischen Pflastern. Acht Jahre später übernahm Oscar Troplowitz das Unternehmen und brachte 1909 Labello auf den Markt – den ersten Lippenpflegestift mit Schiebehülsen-Gehäuse. 1911 erschien die heute noch bekannteste Pflegemarke – die Creme Nivea. Noch vor dem Ersten Weltkrieg expandierte das Unternehmen und war schon 1914 weltweit präsent.

Schon vor der Jahrtausendwende hatte Troplowitz neben medizinischen Pflastern auch mit der Entwicklung von Klebebändern experimentiert. 1922 wurde Hansaplast auf den Markt gebracht, 1936 Tesa als Marke eingeführt. Nivea und Tesa sind heute noch das Synonym für die jeweilige Produktgattung. 1928 ging Beiersdorf an die Hamburger Börse. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste das Unternehmen neu anfangen und verlor die weltweiten Markenrechte an vielen Produkten. Es dauerte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, um die Rechte zurückzukaufen. 1974 übernahmen die Erben des Tchibo-Gründers Max Herz 25 % des Unternehmens und bauten diese Beteiligung über die Jahre aus. Aktuell hält die Familienstiftung Maxingvest AG eine Mehrheitsbeteiligung von 51 %.

Ab 1989 konzentrierte sich Beiersdorf auf Hautpflege, Wundversorgung und Klebetechnologien und profilierte sich als eine der größten Kosmetikmarken der Welt. Das führte auch zu einer Wertsteigerung an der Börse. Im Jahr 2008 stieg das Hamburger Unternehmen in den DAX auf, Ende März erfolgt nun der Abstieg in den MDAX. Rund 20.000 Mitarbeiter weltweit erwirtschafteten zuletzt einen Konzernumsatz von 7 Milliarden Euro.

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