Bayer Monsanto-Kauf belastet noch immer

Das Logo von Bayer auf dem Haus des Betriebsgeländes.
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2021 will der Leverkusener Konzern das operative Ergebnis stabilisieren. Die Analysten glauben an Bayer.

Bayer ist durch den Zukauf von Monsanto unangefochtener Weltmarktführer in der Agrarchemie geworden. Die Aktie ist weiterhin niedrig bewertet und kein einziger Analyst votiert aktuell für den Verkauf. Der Ausblick für das Jahr 2021 hat sich verbessert. Allerdings bilanzierte Bayer für 2020 wegen der Rückstellungen für die Monsanto-Risiken einen Rekordverlust. Währungsbelastungen dauern an und sorgten auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021 für einen Umsatz- und Gewinnrückgang. Weiterhin lasten operative und vor allem Reputationsrisiken wegen des Monsanto-Kaufs auf dem Konzern.

Pro Bayer (WKN BAY001)

  • Weltmarktführer in der Agrarchemie: Der einstige klassische Mischkonzern Bayer konzentriert sich nach der Trennung von den Kunststoffen auf die beiden verwandten Sparten Pharma und Healthcare sowie auf die Agrarchemie (Crop Science). In der Agrarchemie ist der Leverkusener Konzern seit der äußerst umstrittenen Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Monsanto unangefochtener Weltmarktführer.
  • Günstige Bewertung: Die Bayer-Aktie ist nach der durchwachsenen Kursentwicklung der vergangenen Jahre im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt niedrig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 liegt bei rund neun. Die Dividendenrendite liegt mit 3,7 % deutlich über dem DAX-Durchschnitt.
  • Analystenvertrauen: Bayer ist trotz der Querelen um den Monsanto-Deal bei den Experten aktuell hoch angesehen. 13 von 17 Analysten stufen die Bayer-Aktie aktuell als „Kauf“ ein. Vier sehen sie als Halteposition. Kein einziger setzt das Papier zurzeit auf „Verkauf“. Damit liegt der Analystenscore bei 76 % und in der Spitzengruppe des DAX.
  • Positiver Ausblick: Netto verdiente Bayer im 1. Quartal 2021 dank Bewertungseffekten und einem besseren Finanzergebnis mit 2,1 Milliarden Euro rund 40 % mehr als ein Jahr zuvor. Auch den positiven Jahresausblick bestätigte der Konzern. Bei einem Umsatz von rund 41 Milliarden Euro sollen rund 27 % als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verdient werden.

Contra Bayer (WKN BAY001)

  • Rekordverlust 2020: Die Übernahme des US-Rivalen Monsanto hat Bayer den höchsten Verlust seiner Unternehmensgeschichte eingebrockt. Für das Gesamtjahr 2020 lag das Konzernergebnis aufgrund von Wertberichtigungen und Prozessrückstellungen bei minus 10,5 Milliarden Euro. Die Dividende wurde wegen des Milliardenverlustes von 2,80 Euro auf 2,00 Euro je Aktie gesenkt.
  • Umsatz und Gewinnrückgang 2021: Trotz Verbesserungen im Kerngeschäft mit der Agrarchemie fiel der Konzernumsatz von Bayer im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 % auf 12,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sowie vor Sondereinflüssen sank um gut 6 % auf 4,1 Milliarden Euro.
  • Anhaltende Währungsbelastungen: Wie schon im Vorjahr belasteten auch zu Jahresbeginn der schwache US-Dollar und die nachgebenden Währungen in Lateinamerika die Konzernbilanz. Ohne Währungs- und Portfolioeffekte wäre der Umsatz in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 3 % gewachsen. Die schwache Währungstendenz hält aktuell an.
  • Image- und Prozessrisiken: Die Monsanto-Übernahme belastet Bayer und seinen Konzernchef Werner Baumann weiterhin schwer. Zwar macht die Sparte aktuell operativ weniger Sorgen als 2020. Aber neben dem Reputationsverlust ist die Höhe der Schadenersatzzahlungen für Glyphosat-Schäden weiter unklar. Im Mai lehnten US-Gerichte einen Vorschlag von Bayer ab, mit dem Bayer das Gesamtrisiko auf rund elf Milliarden US-Dollar beschränken wollte.

Über Bayer

Der Vorläufer der heutigen Bayer AG wurde 1863 in Wuppertal von Friedrich Bayer und Johann Friedrich Weskott gegründet. Die ersten wichtigen chemischen Produkte waren Fuchsin und Anilin. 1866 zog das Unternehmen nach Elberfeld um und baute unter dem Chemiker Carl Duisberg die chemische Forschung aus. Gleichzeitig arbeiteten Duisberg und Felix Hoffmann an pharmazeutischen Produkten. Drei große Entdeckungen wurden in Elberfeld gemacht. Die vielversprechendste schien zunächst Diacetylmorphin zu sein, das unter dem Markennamen Heroin in den Markt kam und später aus gutem Grund verboten wurde. Mit der Acetylsalicylsäure (Aspirin) ist Bayer heute noch bei rezeptfreien Schmerzmitteln vertreten. Das Sulfonamid Prontosil schließlich war das weltweit erste Chemotherapeutikum und brachte dem Forscher Gerhard Domagk 1939 den Nobelpreis für Medizin.

Schon um die Jahrhundertwende verlegte Bayer die Produktion Zug um Zug in das Dorf Wiesdorf nahe Köln. In den nächsten Jahrzehnten entstand hier aus mehreren Kleindörfern die Stadt Leverkusen. Bayer entwickelte sich zu einem der größten deutschen Chemie- und Pharmakonzerne und betrieb seine Geschäfte mit BASF, Agfa und Hoechst in der IG Farben AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Konglomerat von den Alliierten aufgelöst. 1953 ging die Bayer AG wieder allein an die Börse und entwickelte sich im Nachkriegsdeutschland auch durch zahlreiche Zukäufe zu einem Global Player mit den vier Standbeinen Pharma, Pflanzenschutz, Chemie und Kunststoffe. Im Wendejahr 1990 arbeiteten 171.000 Mitarbeiter für den Konzern.

Nach der Jahrtausendwende stellte Bayer das Geschäftsmodell um. Das Spezialchemiegeschäft wurde als „Lanxess“ abgespalten und im Jahr 2005 an die Börse gebracht. Zehn Jahre später trennte sich Bayer auch von der Kunststoffsparte, die seit Oktober 2015 unter dem Namen Covestro börsennotiert ist. Von den ursprünglichen Geschäftsbereichen blieb der Pharmasektor, unterteilt in rezeptpflichtige Pharmaceuticals und rezeptfreie Consumer-Health-Produkte, zu denen so bekannte Marken wie Aspirin, Bepanthen und Claritin gehören.

Zunehmend entwickelte sich in den vergangenen 20 Jahren der Pflanzenschutz (Crop Science) zum neuen Bayer-Geschäftsschwerpunkt. 2001 übernahm Bayer für über sieben Milliarden Euro die Pflanzenschutz-Sparte von Aventis. Ungleich größer war der Monsanto-Deal. Nach rund zwei Jahren Verhandlungen um Kaufpreis und Kartellgenehmigungen übernahm Bayer den amerikanischen Konkurrenten im Juni 2018 für rund 66 Milliarden US-Dollar (60 Milliarden Euro). Der Kauf war bei den Bayer-Aktionären hoch umstritten. Sie haben bisher recht behalten. Wegen zahlreicher Klagen gegen das Monsanto-Produkt Glyphosat hat sich der Aktienkurs von Bayer bis heute nicht von dem Deal erholt. Mit einer Marktkapitalisierung von zuletzt gut 50 Milliarden ist der Konzern aktuell an der Börse weniger wert, als für Monsanto bezahlt wurde.

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