Automobilbranche Die Zukunft gehört der Elektromobilität

Automobilbranche: Die Zukunft gehört der Elektromobilität
© Viktor Fischer via Getty Images

Die Autoindustrie steht vor großen Umwälzungen. Die deutschen Hersteller setzen auf höhere Absätze und treiben gleichzeitig die Elektromobilität voran.

Die Entscheidung war ein echtes Statement: Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt präsentierte Volkswagen im September 2019 nicht den lange erwarteten Golf 8. Im Mittelpunkt stand stattdessen der ID.3 – das neue Elektroauto der Mittelklasse, das VW die Zukunft sichern soll. „Volkswagen treibt das Thema Elektromobilität von allen Herstellern am stärksten voran“, erklärt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach (siehe auch das Interview mit Professor Dr. Stefan Bratzel). Bis 2023 will der Wolfsburger Konzern rund 30 Milliarden Euro in den technologischen Wandel investieren, weitere 14 Milliarden Euro fließen in die Vernetzung und Assistenzsysteme sowie automatisiertes Fahren.

Elektromobilität vor dem Durchbruch: Das vergangene Jahrzehnt war das Jahrzehnt der Entwicklung – das kommende soll das der Ernte werden. 2010 war der Mitsubishi i‐MiEV das einzige Serienauto am Markt. Es kostete rund 30.000 Euro für rund 100 Kilometer elektrisches Fahren. 2020 wird man mit einem Seat Mi für einen geringeren Preis die dreifache Strecke fahren können. Möglich wurde die rapide Entwicklung der Elektroautos durch bessere, vor allem aber billigere Batterien. Nach einer Bloomberg‐Studie ging der Preis für eine Kilowattstunde Batteriekapazität von 2010 bis 2019 auf ein Achtel zurück – von 1.160 US‐Dollar auf 156 US‐Dollar.

Elektroautos: In den nächsten Jahren gelingt der Durchbruch

Dennoch wurden die Ziele beim Elektroauto bisher verfehlt. Nur wo die Elektromobilität massiv gegenüber den konventionellen Antrieben bevorzugt wird (wie in Norwegen), ist der Durchbruch bereits geschafft – in anderen Ländern wie Deutschland nicht. 2009 hatte Angela Merkel eine Million reine Elektroautos auf deutschen Straßen prophezeit – zum Jahreswechsel 2018/2019 waren es gerade einmal rund 83.000. Immerhin: 2019 wurden dann über 63.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Und der Schwung wird jetzt potenziert – dank der Regelungen der Europäischen Union. Ab 2021 dürfen neu zugelassene Autos im Durchschnitt nur noch maximal 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen, sonst drohen hohe Geldbußen: „Das ist nur mit einer deutlichen Erhöhung der Elektromobilität zu schaffen“, urteilt Experte Stefan Bratzel.

Die Zukunft im Blick – aber die aktuellen Herausforderungen gibt es auch noch. Immerhin werden die meisten Autos 2020 noch mit konventionellen Antrieben gekauft. Nach dem konjunkturschwachen Jahr 2019 und dem Einbruch aufgrund des Coronavirus im 1. Quartal 2020 könnte es in China nach dem Abflauen der Epidemie mit den Zulassungszahlen wieder aufwärtsgehen. „Dafür sind die deutschen Hersteller gut aufgestellt“, meint Frank Schwope, Automobilanalyst bei der Nord/LB. Mercedes‐Benz hat 2019 zum vierten Mal in Folge die meisten Autos in der Luxusklasse verkauft: Insgesamt rund 2,34 Millionen Autos wurden weltweit ausgeliefert (+1,3 % gegenüber 2018). Unter dem neuen Chef und Nachfolger von Dieter Zetsche, Ola Källenius, will Daimler (WKN 710000) den Vorsprung halten und mit zahlreichen Hybrid‐ und Elektromodellen absichern.

Deutsche Hersteller steigern den Absatz

BMW (WKN 519000) dagegen hat unter dem damaligen Vorstandschef Harald Krüger zwischen 2015 und 2019 die E‐Mobilität vernachlässigt. „Den Vorsprung, den der Konzern mit dem i3 vor der deutschen Konkurrenz hatte, wurde verspielt“, resümiert Stefan Bratzel. Immerhin hat auch BMW (inklusive Mini und Rolls‐Royce) im abgelaufenen Jahr mit 2,52 Millionen Autos rund 1,2 % mehr verkauft als 2018. Und mit dem BMW X3 wird 2020 erstmals ein Fahrzeug des Autobauers in vier verschiedenen Antriebsvarianten verfügbar sein – als Diesel, Benziner, Plug‐in‐Hybrid und mit reinem Elektroantrieb. Bis 2023 will BMW 25 E‐Modelle im Programm haben, mehr als die Hälfte davon voll elektrisch.

Trotz guter Absatzzahlen trauten die Anleger den beiden Premiumherstellern zuletzt wenig zu. In der Fünf‐Jahres‐Performance und bei den Analysteneinschätzungen liegen sie im DAX im hinteren Drittel. Deutlich besser sieht es bei VW (WKN 766403) aus: „Der Volkswagen‐Konzern kommt besser durch das schwache Autojahr 2019 als die meisten Konkurrenten und nimmt diesen Marktanteile ab“, erklärt Frank Schwope. 2019 belegte der Konzern zum dritten Mal in Folge Platz eins der zulassungsstärksten Automobilbauer der Welt. Nach dem Dieselskandal gelang in diesem Jahr auch bei den Kursen der Aufschwung. Und die positive Einschätzung der Branchenexperten wird auch von den Analysten geteilt. Der comdirect Analystenscore der Volkswagen‐Aktie liegt bei 70 % und damit in der Spitzengruppe des DAX.

Branche niedrig bewertet

Insgesamt ist die gesamte Branche niedrig bewertet. Der STOXX Europe 600 Automobilindustrie ETF (WKN 965868) liegt weit unter seinem Hoch aus dem Jahr 2015. Die meisten traditionellen Automobilwerte haben ein Kurs‐Gewinn‐Verhältnis unter zehn. Renault und Toyota konnten die Erwartungen zuletzt nicht erfüllen. Und ob die Fusion aus den bisher unabhängigen Konzernen Fiat/Chrysler und Peugeot PSA die notwendigen Investitionen in E‐Mobilität stemmen kann, erscheint fraglich. Das fusionierte Unternehmen wird mit einem Absatz von 8,7 Millionen Fahrzeugen und einem Umsatzvolumen von rund 170 Milliarden Euro zwar zu den fünf größten Automobilherstellern der Welt zählen. Aber ob der Zusammenschluss wie geplant Synergien von rund 3,7 Milliarden Euro pro Jahr erzielen wird, bezweifelt Frank Schwope.

Tesla und Hightech im Fokus

Geglänzt an der Börse hat dagegen zuletzt Newcomer Tesla (WKN A1CX3T). Unter dem charismatischen Chef Elon Musk erfüllte das Unternehmen nach vielen Enttäuschungen zuletzt die Prognosen und setzte über 100.000 Autos pro Quartal ab. Tesla hat inzwischen eine höhere Marktkapitalisierung als BMW und Volkswagen zusammen. Trotz des technologischen Vorsprungs des Elektro‐Pioniers zweifeln aber weiterhin zahlreiche Analysten am langfristigen Erfolg des Unternehmens und halten die jüngste Euphorie für übertrieben.

Das Positivbeispiel Tesla und die vielen Probleme von klassischen Autobauern und vor allem Zulieferern belegen den Umbruch der Branche: „Es kommt darauf an, Mobilität als Ganzes neu zu denken“, erklärt Martin Stötzel, Managing Partner bei der Vermögensverwaltung Rhein Asset Management in Düsseldorf. Er rät zu strategischen Investments in einen erweiterten Automobilbegriff. Der junge BlackRock Global Funds – Future of Transport (WKN A2N4K3) etwa legt den Großteil des Kapitals in Aktien von Unternehmen an, die vor allem in der Erforschung, Entwicklung, Produktion und/oder dem Vertrieb von Transporttechnologien der Zukunft tätig sind. Zu den zehn wichtigsten Werten im Portfolio gehören neben Volkswagen daher auch Schneider Electric (WKN 860180) und Texas Instruments (WKN 852654).

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