Autobranche Die Zukunft ist elektrisch

Nahaufnahme einer Ladestation für Elektrofahrzeuge
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Über ein Viertel der Neuzulassungen in Deutschland waren zuletzt elektrisch. Das sind gute Rahmenbedingungen für europäische Autobauer.

Über Leistung oder Pferdestärken wurde im Hause Rolls-Royce früher nicht gesprochen. „Genug“ ließen die distinguierten Briten interessierte Kunden und Journalisten auf Nachfrage wissen. Wichtiger war den Autobauern nobles Leder, perfekter Komfort und ein flüsterleiser Motor. Unter der Ägide vom BMW-Konzern, zu dem RR seit 1998 gehört, wurden PS-Zahlen zwar nicht mehr verschwiegen. Aber Faktoren wie „flüsterleise“ blieben entscheidender. Künftig wird es noch stiller. Denn 2023 kommt mit dem „Spectre“ (Gespenst) das erste Elektroauto von Rolls-Royce auf den Markt: „Der E-Antrieb passt perfekt zur Marke. Er ist drehmomentstark und leise“, erklärt RR-Chef Torsten Müller-Ötvös. Ab 2030 will Rolls-Royce keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr produzieren und verkaufen.

Frau mit Brille nachdenklich denkt nach hält roten Kugelschreiber an die Lippen
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Wir fragen unsere Leser: Welchen Antrieb werden Sie bei Ihrem nächsten Autokauf wählen – konventionell mit Diesel oder Benziner, den Kompromiss via Plug-in-Hybrid oder ausschließlich elektrisch?

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„Die Elektromobilität hat endgültig den Durchbruch geschafft. Sie ist mit großer Wahrscheinlichkeit die dominierende Technik der nächsten Jahrzehnte“, meint Frank Schwope, Branchenexperte der NordLB. Noch 2018 fuhren gerade einmal 83.000 Elektroautos auf deutschen Straßen. Nur unwesentlich weniger (81.000) wurden allein im Dezember 2021 zugelassen – trotz Chipmangel. Insgesamt waren 2021 rund 680.000 Auto oder 26 % aller Zulassungen elektrisch unterwegs; knapp die Hälfte davon als Plug-in-Hybrid: „Wenn die Wachstumsdynamik bei den E-Auto-Verkäufen anhält, erscheint das ambitionierte Ziel einer vollständig emissionsfreien Fahrzeugflotte in der EU bis 2035 erreichbar“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlage­stratege der Deutschen Bank.

Auto-Aktien „spottbillig“

Die Akzeptanz von E-Autos unter den Konsumenten ist stark gestiegen: „Das sind gute Rahmenbedingungen für europäische Autobauer, die Anleger auch wegen ihrer noch relativ günstigen Bewertung im Blick behalten sollten“, erklärt Stephan. Für Peter Huber, Vermögensverwalter und Fondsmanager bei Taunus Trust, sind die Aktien sogar „spottbillig“. Denn die Hersteller konnten 2021 wegen des Chipmangels zwar längst nicht so viele Autos bauen, wie sie hätten verkaufen können. Gleichwohl stieg der Absatz der Elektroautos deutlich an, weil sie wie die besonders margenstarken Luxusmodelle bevorzugt Chips bekamen. So konnten die Konzerne trotz Mengenrückgängen höhere Gewinne erzielen.  

Deutsche Hersteller zunehmend stärker

Beispiel Volkswagen (WKN 766403): Mit gerade mal 8,9 Millionen Autos hat der Wolfsburger Vielmarkenkonzern 2021 nicht mehr Autos abgesetzt als zehn Jahre zuvor. Beim Gewinn jedoch sind nach blendenden Neunmonatszahlen sogar neue Rekorde in Sicht. Statt des Dieselskandals steht inzwischen die Plattform für die Elektromobile im Fokus. Nach den Massenmodellen ID.3 (Golfklasse) und ID.4 (Tiguan-Klasse) soll noch in diesem Jahr der ID. Buzz kommen – als Hommage an den legendären Bulli. Bei den Analysten steht die VW-Aktie mit ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2022 von nur fünf und ihrer Dividendenrendite von rund 5,3 % hoch im Kurs. Der comdirect Analystenscore der Volkswagen-Aktie liegt bei 86 % und damit in der Spitzengruppe des DAX.

Der BMW-Konzern (WKN 519000) setzt bei der Stammmarke auf eine Mehr-Antriebsstrategie. BMW war ursprünglich mit dem i3 und i8 der deutsche Vorreiter bei der E-Mobilität, hatte diese aber unter dem ehemaligen Vorstandschef Harald Krüger vernachlässigt. Anders als viele Konkurrenten hat der Konzern sogar mit einem weltweiten Absatz von 2.521.525 Fahrzeugen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce im Jahr 2021 einen neuen Bestwert aufgestellt und damit das Rekordjahr 2019 übertroffen. Vielleicht wichtiger noch: Erstmals seit 2015 lag die Stammmarke BMW mit rund 2,2 Millionen Autos vor dem Erzkonkurrenten Mercedes.

Der zweite Premiumplatz hinter BMW ist zwar für Mercedes (WKN 710000) nicht erfreulich, schmerzt aber angesichts der Erfolge des Vorjahres kaum. Das operative Ergebnis vervierfachte sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 auf 14 Milliarden Euro. Zudem kam die Aufspaltung des Daimler-Konzerns in Mercedes-Benz (Pkw und Vans) und Daimler Truck (Lkw und Busse) am Markt gut an. Die Mercedes-Aktie ist im historischen Vergleich mit einem KGV von rund sechs und einer Dividendenrendite von fast 7 % attraktiv bewertet. Wie bei Volkswagen sind die Analysten auch für Mercedes wieder sehr positiv gestimmt.

Tesla und Hightech im Fokus

Die positive Stimmung für Automobilwerte beschränkt sich nicht auf Deutschland. So ist die zunächst mit viel Skepsis begleitete Fusion von Fiat Chrysler und Peugeot PSA (inklusive Opel) zu Stellantis (WKN A2QL01) bisher für Aktionäre ein Erfolgserlebnis. Der neue Multimarkenkonzern mit 14 Marken von Fiat, Opel, Peugeot, Citroën, Jeep, Maserati bis Alfa Romeo hat nun die nötigen Mittel, um in die Elektrowende zu investieren. Wer als Anleger geballt in die europäische Automobilindustrie investieren will, kann auf den iShares STOXX Europe 600 Automobiles & Parts ETF (WKN A0Q4R2) setzen. Neben Stellantis und den drei deutschen Marken ist hier Ferrari (WKN A2ACKK) hoch gewichtet. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine hat der ETF wie viele Automobilaktien deutlich nachgegeben, bei einer Entspannung der Kriegslage könnte der positive Trend wieder aufgenommen werden.

Vorbild für die europäischen Autobauer bleibt in der Elektromobilität Tesla. Als einzigem Hersteller gelangen Tesla (WKN A1CX3T) 2021 kräftige Zuwächse beim Absatz. Mit einem Plus von 87 % auf 936.000 Autos rückt die Millionen-Marke sehr nahe. Unter seinem charismatischen Chef Elon Musk schaffte das Unternehmen zudem nachhaltig den Sprung in die schwarzen Zahlen. „Tesla legt weiterhin starkes Wachstum vor und kann mit jedem neuen Werk nach der Anlaufphase im Jahr bis zu 500.000 Autos mehr produzieren“, erklärt Frank Schwope. „Außerdem wird die Marke wegen ihrer Innovatoren-Rolle als Trendsetter und Premiummarke gesehen.“ Allerdings wird die Aktie aktuell höher bewertet als die gesamte europäische und amerikanische Konkurrenz zusammen. Das halten die meisten Branchenanalysten dann doch für übertrieben. Eine Alternative für Anleger, die geballt auf Elektromobilität setzen wollen, kann der BNY Mellon Mobility Innovation Fund (WKN A2N61N) sein. Er legt in Aktien von Unternehmen an, die auf Innovationen im Transportwesen und verbundenen Technologien ausgerichtet sind. Zu den zehn am höchsten gewichteten Werten im Portfolio gehört neben Alphabet (WKN A14Y6H) und dem Grafikprozessor-Spezialisten Nvidia (WKN 918422) der Halbleiterproduzent Marvell Technology (WKN A3CNLD).

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