Online-Handel Amazon: Auf zu neuen Höhen?

Amazon-Schriftzug auf Gebäude
© Sundry Photography via Getty Images/iStockphoto

Im Weihnachtsquartal dürfte das Unternehmen erstmals in der Geschichte die Umsatzgrenze von 100 Milliarden US-Dollar geknackt haben.

Amazon hat den Handel revolutioniert und erschließt stetig neue Einnahmequellen. Umsatz und Gewinn steigen in der Coronavirus-Krise besonders stark. Die Cloud-Sparte Amazon Web Services liefert stetige Zuwachsraten. Bei den Experten ist die Stellung des Unternehmens von Jeff Bezos unumstritten. Allerdings ist das Unternehmen erheblich höher bewertet als andere Tech-Größen. Aktuell drohen empfindliche Kartellstrafen von der Europäischen Kommission, und das Image ist wegen regelmäßiger Konflikte mit Angestellten und Gewerkschaften beeinträchtigt. Zudem ist die Aktie nach den früheren Kursanstiegen bei einer Börsenkorrektur besonders anfällig.

Pro Amazon (WKN 906866)

  • Nummer eins im Handel: Amazon hat seit 1994 den Handel revolutioniert. Der Konzern bietet als Eigenanbieter oder als Plattform Waren aus fast allen Konsumgüterbranchen. Mit dem Kindle Reader, Amazon Prime Video und Amazon Web Services erschloss er stetig neue Einnahmequellen. Unternehmensgründer Jeff Bezos ist mittlerweile der zweitreichste Mann der Welt – auch nach der Scheidung, die seiner Exfrau rund 38 Milliarden US-Dollar bescherte.
  • Umsatz- und Gewinnplus: Amazon steigerte den Umsatz im dritten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 37 % auf 96 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn konnte auf einen Rekord von 6,3 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppelt werden. Für das Weihnachtsgeschäft erwartet Amazon Erlöse zwischen 112 und 121 Milliarden US-Dollar. Zum ersten Mal könnte der Konzern damit in einem Quartal die Marke von 100 Milliarden US-Dollar geknackt haben.
  • Zukunftssektor Cloud-Sparte: Neben gestiegenen Umsatzmargen trug besonders die Cloud-Sparte Amazon Web Services zur annähernden Verdopplung des Gewinns bei. Mit IT-Services und Speicherplatz im Internet wurden zwischen Juli und September 2020 11,6 Milliarden US-Dollar erlöst – 29 % mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Überzeugte Experten: Die Marktposition von Amazon sorgt für Euphorie bei den Analysten. Alle acht bei comdirect gelisteten Experten sehen die Amazon-Aktie aktuell als „Kauf“, eine Halte- oder Verkaufsempfehlung gibt kein einziger ab. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei perfekten 100 %.

Contra Amazon (WKN 906866)

  • Hohe Bewertung: Jahrelang konnte für die Amazon-Aktie kein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ausgewiesen werden, weil das Unternehmen keine schwarzen Zahlen schrieb. Inzwischen ist das anders. Gleichwohl liegt das KGV 2021 aktuell bei 70. Damit liegt die Bewertung von Amazon deutlich über anderen Tech-Größen wie Alphabet, Apple oder Microsoft.
  • Kartellprobleme: Amazon verstößt nach Einschätzung der EU-Wettbewerbshüter gegen Kartellvorschriften. Das Unternehmen soll nicht öffentliche Geschäftsdaten von Händlern systematisch für eigene Angebote genutzt haben. Amazon riskiert damit eine Milliardenstrafe. Zuletzt musste Amazon schon in Frankreich 35 Millionen Euro für unerlaubte Cookies bezahlen.
  • Streit um Arbeitsbedingungen: Regelmäßig stehen die Arbeitsbedingungen bei Amazon in der Diskussion. Zuletzt legten deutsche Beschäftigte zum Black Friday wieder einmal die Arbeit nieder, weil sie die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels forderten. Das beeinträchtigt das Image des Online-Giganten immer wieder.
  • Erhebliche Rückschlagrisiken: Amazon war in den vergangenen Jahren wesentlich für die Rekorde an der NASDAQ mitverantwortlich. Nach dem starken Kursanstieg ist die Aktie aber auch anfällig für Korrekturen. Eine länger andauernde Baisse an den Märkten würde sich bei Amazon vermutlich deutlicher stärker bemerkbar machen als bei zyklischen Werten, die zuletzt ohnehin zurückgeblieben sind.

Über Amazon

Amazon.com wurde 1994 von Jeff Bezos als Online-Buchhandlung gegründet. Bereits 1997 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von knapp 150 Millionen US-Dollar. 1998 übernahm Amazon den deutschen Internetversandbuchhändler Telebook und leitete damit die internationale Expansion ein. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Amazon zum international führenden Online-Versandhändler. Die Angebotspalette wurde weit über Bücher und andere Medien ausgeweitet. Bei Amazon finden Käufer neue und gebrauchte Waren aus beinahe allen Bereichen der Konsumgüterindustrie – Elektronikprodukte, Fotos, digitale Downloads, Software, PC- und Videospiele, aber auch Geräte für Küche, Haus und Garten, Spielwaren, Sport- und Freizeitartikel, Schuhe und Schmuck, Kleidung und Autos.

Dabei werden längst nicht alle Produkte von Amazon selbst verkauft. Auch private und vor allem gewerbliche Verkäufer vermarkten ihre Produkte über Amazon. Der Online-Händler expandierte im Laufe der Zeit in andere Geschäftsfelder – etwa mit dem E-Reader Kindle sowie dem Video-on-Demand-Angebot von Amazon Prime Video oder dem Streaming-Service Fire TV. Als Zukunftsgeschäft gilt vor allem die Cloud-Plattform Amazon Web Services (AWS). Über Amazon Fresh können Kunden frische Lebensmittel online bestellen. Im Juni 2017 übernahm Amazon zudem die weltgrößte Biosupermarktkette Whole Foods Market.

Amazon gehört heute mit 840.400 Angestellten zu den weltweit größten Arbeitgebern. Im Jahr 2019 erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 280 Milliarden US-Dollar – Tendenz stark steigend. Nachdem das Unternehmen über viele Jahre keine Gewinne erzielte, weil die Erlöse in immer neue Geschäftsfelder investiert wurden, ist es seit einigen Jahren profitabel. Das hat der Aktie zusätzlichen Schub gegeben. Schon 1997 war Amazon an die Börse gegangen und hatte die Dotcom-Krise überlebt. In den vergangenen Jahren gab es einen vehementen Kursaufschwung. So notierte Amazon zwischenzeitlich sogar als teuerstes Unternehmen der Welt. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei rund 1,6 Billionen US-Dollar.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 20.01.2021; Quelle: comdirect.de