Tech-Giganten Alibaba: Anleger werden vorsichtig

Hauptsitz von Alibaba in Hangzhou, Provinz Zhejiang in China, einem der größten E-Commerce-Unternehmen der Welt
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Alibaba konnte zuletzt Umsatz und Gewinn deutlich steigern. Aber der vorerst geplatzte Börsengang der Tochter Ant Group belastet.

Alibaba ist das dominierende E-Commerce-Unternehmen in China und profitiert vom stürmisch wachsenden Markt. Die Umsätze stiegen im Weihnachtsquartal deutlich an. Auch das kontinuierlich stärker werdende Cloud-Geschäft trug zum überproportionalen Gewinnwachstum bei. Der zunehmende Fokus auf den stationären Einzelhandel soll das Unternehmensportfolio weiter diversifizieren. Allerdings sorgte die Verschiebung des Börsengangs der Alibaba-Finanztochter Ant Group für einen Dämpfer. Wenn die Ant Group sich wie geplant den eher restriktiven Regelungen für Finanzunternehmen unterwirft, dürfte sich der Wert vermindern. Die Bewertung der Alibaba-Aktie ist weiterhin hoch. Firmengründer Jack Ma zog sich nach kritischen Äußerungen gegenüber der Politik für einige Monate aus der Öffentlichkeit zurück. Dies zeigt den weiterhin starken Einfluss der Regierung auf Chinas Unternehmen und führt zur Zurückhaltung internationaler Investoren.

Pro Alibaba (WKN A117ME)

  • Dominierend in China: Alibaba ist das dominierende chinesische E-Commerce-Unternehmen. Es vereint die Geschäfte von amerikanischen Vorbildern wie Amazon, Ebay und Paypal und investiert laufend in neue Geschäftsfelder wie zum Beispiel in stationäre Mega-Supermärkte. Dominierend sind aber weiterhin der Online-Handel und das Online-Bezahlgeschäft der Tochter Ant Group mit ihren 1,3 Milliarden Kunden.
  • Rasantes Umsatzwachstum: Alibaba hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2020/2021 (zum 31. Dezember 2020) mit den Umsatzzahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Erlöse stiegen in den drei Monaten bis Ende Dezember 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp 37 % auf 221,1 Milliarden Yuan (28,3 Milliarden Euro). Alibaba profitierte besonders vom starken Geschäft am chinesischen „Singles’ Day“ (11. November).
  • Cloud-Geschäft treibt die Gewinne: Die Cloud-Sparte von Alibaba wächst kontinuierlich. Auch im abgelaufenen Quartal legten die Erlöse um 50 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Zusammen mit den steigenden Erlösen aus dem Einzelhandel kletterte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn auf 79,4 Milliarden Yuan (10,1 Milliarden Euro) – 52 % mehr als ein Jahr zuvor.
  • Ausbau des Präsenzhandels: Ende 2020 kündigte Alibaba an, seinen Anteil an der Sun Art Retail Group, der größten chinesischen Supermarktkette, auf 72 % zu verdoppeln. Für die Anteile sind insgesamt 3,6 Milliarden US-Dollar fällig. Mit den knapp 500 Supermärkten will Konzernchef Daniel Zhang im stationären Einzelhandel und vor allem im Lebensmittelgeschäft kräftig wachsen.

Contra Alibaba (WKN A117ME)

  • Börsengang verschoben: Der Börsengang der Ant Group wurde im vergangenen Jahr verschoben. Grund: Der Börsenprospekt der Mutter des mobilen Bezahldienstes Alipay muss neu erstellt werden. Inzwischen wurde eine Strafe von rund 3,3 Milliarden Euro verhängt und die Tochter muss zu einer Finanzholding umgebaut werden. Der endgültige Zeitpunkt des Börsengangs der Ant Group ist noch ungewiss.
  • Wert der Ant Group gemindert: Inzwischen hat sich Alibaba mit den Behörden auf einen neuen Modus Vivendi geeinigt. Die Ant Group soll künftig nicht als Technologieunternehmen, sondern als Finanzholding bewertet werden. Als bankähnliches Unternehmen soll der Börsengang möglich sein. Der Nachteil: Das Unternehmen müsste zulasten der Profitabilität deutlich mehr Kapital bereithalten.
  • Hohe Bewertung: Alibaba ist seit 2014 an der New Yorker Börse notiert. Der Kurs ist seitdem deutlich gestiegen. Mit einer Marktkapitalisierung von über 600 Milliarden Dollar gehört Alibaba zu den Top Ten der teuersten Unternehmen der Welt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 liegt aktuell bei rund 19. Dividenden wurden bisher nicht gezahlt und sind vorerst auch nicht zu erwarten.
  • Politikeinfluss bedroht Börsenkurs: Mit dem Stopp des Börsengangs von Ant Group und dem mehrmonatigen Verschwinden des Unternehmensgründers Jack Ma von der Bildfläche hat die chinesische Regierung ihren Vormachtanspruch untermauert. Das kommt bei Börsianern nicht gut an. So hat sich etwa die Gates-Stiftung im vierten Quartal 2020 von allen Alibaba-Aktien getrennt.

Über Alibaba

Die Website Alibaba.com und die gleichnamige Unternehmensgruppe wurden 1999 unter Führung des ehemaligen Englischlehrers Jack Ma gegründet. Schon ein Jahr später bekam die Alibaba Group 20 Millionen Dollar Kapital von Investoren unter Führung der japanischen Softbank und konnte ihre Palette an Dienstleistungen deutlich erweitern. 2003 wurde das Portal Taobao eröffnet. Zwischen 2004 und 2007 entstanden weitere Online-Dienste wie Alipay, Alisoft und Alimama, die an die beiden Internet-Portale anknüpften. Im Jahr 2005 kaufte der amerikanische Internet-Pionier Yahoo 40 % von Alibaba. 2007 ging Alibaba.com erstmals an die Börse.

Einen deutlichen Aufschwung nahm Alibaba während der globalen Finanzkrise. Entgegen dem Trend senkte Jack Ma die Preise und konnte so den Kundenstamm deutlich vergrößern. 2012 verkaufte Yahoo die Hälfte seiner Anteile für rund sieben Milliarden Dollar an Alibaba. Jack Ma nahm Alibaba für zwei Jahre von der Börse und startete im Jahr 2014 ein beeindruckendes Comeback. Vom Ausgabepreis bei 68 US-Dollar stieg die Aktie steil an. Seit November 2019 wird die Alibaba-Aktie auch in

Einen deutlichen Aufschwung nahm Alibaba während der globalen Finanzkrise. Entgegen dem Trend senkte Jack Ma die Preise und konnte so den Kundenstamm deutlich vergrößern. 2012 verkaufte Yahoo die Hälfte seiner Anteile für rund sieben Milliarden Dollar an Alibaba. Jack Ma nahm Alibaba für zwei Jahre von der Börse und startete im Jahr 2014 ein beeindruckendes Comeback. Vom Ausgabepreis bei 68 US-Dollar stieg die Aktie steil an. Seit November 2019 wird die Alibaba-Aktie auch in Hongkong gehandelt. Kurz zuvor hatte sich Jack Ma aus der operativen Führung des Unternehmens zurückgezogen.

Alibaba ist inzwischen auch mit einer Beteiligung an der Sun Art Retail Group an SB-Warenhäusern und Supermärkten im stationären Handel aktiv. Kerngeschäft bleiben jedoch die E-Commerce-Dienstleistungen. Schon im Jahr 2020 sollte die Ant Financial Services Group (ehemals Alipay) mit ihren weltweit 1,3 Milliarden Nutzern an die Börse gehen. Dieser Spin-off wurde jedoch von den chinesischen Regulierungsbehörden vorerst auf Eis gelegt. Das bremste die Entwicklung des Börsenkurses. Dennoch gehört Alibaba mit seinen rund 117.000 Mitarbeitern mit einem Börsenwert von über 600 Milliarden US-Dollar zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt.

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