Aktienanleihen Hohe Zinserträge mit Risiko

Aktienverlauf
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Attraktive Zinskupons gibt es kaum noch. Eine Ausnahme sind Aktienanleihen. Aber sie bergen auch erhebliche Risiken. Sorgfältige Auswahl ist wichtig.

Schon in den vergangenen Jahren war für Zinsjäger an den europäischen Kapitalmärkten kaum etwas zu holen. Mit der Corona-Pandemie haben sich ihre Aussichten noch einmal verschlechtert. Die Schuldenquote Italiens liegt nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) inzwischen bei 162 % des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP), 27 Prozentpunkte mehr als Ende 2019. Auch Spanien und Frankreich haben mit Werten von 123 % und 119 % des BIP bedenklich hohe Werte erreicht. Damit diese Schulden tragbar bleiben, kann die Europäische Zentralbank (EZB) kaum die Zinsen erhöhen. Entsprechend rechnen professionelle Marktteilnehmer erst im Sommer 2026 wieder mit positiven Zinssätzen bei Euro-Krediten unter Banken. Ablesen lässt sich dies an den sogenannten EURIBOR-Forward-Curves. Nennenswerte Zinseinnahmen mit deutschen oder französischen Staatsanleihen oder mit Unternehmensanleihen guter Bonität rücken damit weiter in die Ferne.

Renditen auch bei leicht fallenden Kursen möglich

Auf der Suche nach attraktiven Zinskupons könnten Anleger auf Aktienanleihen ausweichen. Bei ihnen sind Zinszahlungen im mittleren oder hohen einstelligen Prozentbereich möglich. Allerdings müssen Anleger dabei ein Emittentenrisiko in Kauf nehmen. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust eintreten. Zudem drohen Aktienmarktrisiken. Denn Besitzer einer klassischen Aktienanleihe erhalten bei Fälligkeit neben den vereinbarten Zinsen entweder den Nennbetrag ausgezahlt oder aber eine vorab festgelegte Stückzahl des Basiswertes. Letzteres ist dann der Fall, wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie am Bewertungstag unter dem bei der Emission festgelegten Niveau liegt. Dann kommen Anleger in die Verlustzone. Je stärker die Aktie sinkt, umso größer fällt der Verlust aus. „Interessant sind Aktienanleihen deshalb für Anleger, die auf der einen Seite Zinseinnahmen erzielen wollen, auf der anderen Seite aber davon ausgehen, dass der Preis der ausgewählten Aktie bis zum Bewertungstag der entsprechenden Anleihe per saldo nicht zu stark nachgibt“, erklärt Matthias Hüppe, Derivatespezialist von HSBC Deutschland.

Eine Beispielrechnung

Die Funktionsweise von Aktienanleihen zeigt sich am besten an einem Rechenbeispiel: Bei Fälligkeit am 25. März 2022 erhalten Besitzer der adidas-Aktienanleihe mit der WKN TT4YCL in jedem Fall (Zahlungsunfähigkeit des Emittenten ausgeschlossen) einen Kupon in Höhe von 5,9 % p. a. gutgeschrieben. Zusätzlich wird die Anleihe zu 100 % zurückgezahlt, wenn die Anteile des Sportartikelherstellers (WKN A1EWWW) am Bewertungstag (18.03.2022) auf oder über dem Basispreis von 250 Euro notieren. Bei einem momentanen Briefkurs des Derivats von 98,65 % ergäbe sich daraus eine aufs Jahr umgerechnete Rendite von 7,3 %. Bei Kursen unter 250 Euro bekommen die Anleger jedoch statt der Barzahlung 4 adidas-Anteile je Aktienanleihe im Nominalwert von 1.000 Euro ins Depot gebucht.

Sollte der Aktienkurs des DAX-Wertes von 273,65 Euro (Stand: 07.04.2021) bis zur Fälligkeit der Anleihe per saldo um mehr als 8,6 % nachgeben, reduziert sich zunächst der Gewinn. In die Verlustzone kommen Besitzer der Anleihe unter Einrechnung des Zinskupons, wenn die adidas-Aktie Mitte März kommenden Jahres unterhalb von 232,63 Euro (-15,2 % gegenüber dem aktuellen Kurs) notiert. Anleger können das Risiko noch weiter reduzieren, indem sie einen größeren Abstand zwischen dem aktuellen Kurs des Underlyings und dem Basispreis wählen (z. B. WKN TT4JV2). Dann verringert sich entsprechend bei einem höheren Verlustpuffer von 20,1 % die maximale Rendite auf 4,8 % p. a. Anleger sollten sich vor Investments darüber im Klaren sein, dass Aktienanleihen Schuldverschreibungen sind. Damit besteht ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten.

Das Gesamtpaket entscheidet

Wie die Beispiele zeigen, kommt es bei der Auswahl von Aktienanleihen nicht allein auf die Höhe des Kupons an. Entscheidend ist vielmehr das Gesamtpaket. Dazu gehört neben der Maximalrendite und der Höhe des Verlustpuffers auch die für die Zukunft erwartete Volatilität des Basiswertes. Je volatiler das Underlying, desto höher fallen unter ansonsten unveränderten Bedingungen in der Regel auch die Maximalrenditen aus. „Denn mit stärkeren Kursschwankungen nimmt auch die Wahrscheinlichkeit dafür zu, dass das Underlying am Bewertungstag unter dem Basiswert notiert“, erklärt Experte Hüppe. Unabhängig von der impliziten Volatilität sollten Anleger aber grundsätzlich nur in Aktienanleihen auf Aktien investieren, bei denen sie im negativen Fall – also bei einem Bewertungskurs unterhalb des Basispreises – gut damit leben können, dass ihnen die jeweiligen Aktien dann tatsächlich ins Depot gebucht werden.

Aktienanleihen unterliegen Kursschwankungen. Damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Aktienanleihen besteht als Schuldverschreibung zudem ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten können Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Stand: 07.04.2021; Quelle: comdirect.de