- Die japanische Politik unterstützt das Wirtschaftswachstum.
- KI- und Hightech-Unternehmen steigern ihre Bewertungen.
- Maschinenbauer profitieren von günstigen Exportbedingungen.
Wenn es läuft, dann läuft es: 35 Jahre benötigte der japanische Nikkei-225-Index, um sein Allzeithoch aus dem Jahr 1989 zu überschreiten. Seit die 40.000-Punkte-Marke im Jahr 2024 endlich geknackt wurde, geht es Schlag auf Schlag. Trotz des Iran-Krieges strebte der japanische Aktienmarkt immer neuen Höhen entgegen. Im Juni fiel sogar die 70.000-Punkte-Marke. Selbst die 5. Leitzinserhöhung in Folge konnte den Aufwärtstrend an der Börse nicht stoppen. Warum auch: Immerhin liegen die Leitzinsen mit 1,0 % weiterhin unter der Inflationsrate und sind im internationalen Vergleich extrem niedrig. „Das hält den Yen-Kurs niedrig, unterstützt die japanische Exportwirtschaft und damit auch die Aktienkurse“, erklärt Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank.
KI und Hightech treiben die Kurse in Japan an
Ein Ende des Börsenbooms ist aktuell nicht abzusehen: Premierministerin Sanae Takaichi setzt auf eine Politik der Stärkung der heimischen Hightech-Industrie im Wettbewerb mit China. Entsprechend stehen Technologie und KI am japanischen Aktienmarkt aktuell besonders im Fokus. Einer der Favoriten ist Tokyo Electron. Als einer der führenden Hersteller von Halbleiterproduktionsanlagen konkurriert der japanische Konzern mit der niederländischen ASML. Der absolute Gipfelstürmer an der japanischen Börse ist die Kioxia Holdings Corporation. Kioxia war früher Teil des Toshiba-Konzerns und wurde nach wechselvoller Geschichte erst Ende des Jahres 2024 wieder an die Börse gebracht. Mit SSD, Flash-Speichern und NAND-Speicherchips gehört Kioxia zu den weltweit größten Herstellern und profitiert massiv von der KI-Welle. Seit dem Going-public hat sich der Preis der Aktie vervielfacht und im Frühjahr hat Kioxia die SoftBank als teuerstes japanisches Unternehmen entthront.
Dabei hat auch die SoftBank zuletzt hervorragend abgeschnitten. Allein in den vergangenen 12 Monaten hat sich der Kurs des Beteiligungsunternehmens mehr als verdoppelt. Nach einem ersten Hype um die Jahrtausendwende und anschließendem Kurssturz verdient die SoftBank inzwischen bestens an der KI-Revolution. So profitiert das Unternehmen aktuell von seiner Mehrheitsbeteiligung an dem britischen Halbleiter-Designer Arm Holdings. Auch die Beteiligungen an der chinesischen Alibaba und T-Mobile US haben sich in den vergangenen Jahren äußerst positiv entwickelt. Ein noch größerer Renditeturbo ist jedoch die Beteiligung an OpenAI. SoftBank hält mehr als 10 % an der KI-Schmiede, die in den nächsten Monaten an die Börse gehen soll und voraussichtlich eine Marktkapitalisierung von über 1 Billion US-Dollar erzielen wird.
Maschinenbau verdient am Export
Japanische Traditionsbranchen profitieren ebenfalls von den guten Rahmenbedingungen. So bietet der japanische Maschinenbausektor zahlreiche Weltmarktführer in der Automatisierung, der Robotik und der Schwerindustrie. Zu den bekanntesten Firmen gehört Fanuc, Weltmarktführer bei CNC-Steuerungen und Fabrikautomation. In den vergangenen 12 Monaten hat die Aktie rund 65 % zugelegt. Komatsu ist einer der größten Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen weltweit. Er profitiert vom zunehmenden Rohstoffhunger der Weltwirtschaft. Der Maschinenbauer Mitsubishi Heavy Industries ist breit diversifiziert. Er bietet unter anderem Kraftwerkstechnik und die auch in Japan vermehrt nachgefragten Produkte für Rüstung und Luftfahrt an. Dem weltgrößten Autobauer Toyota Motor machte dagegen der Iran-Krieg zu schaffen. Der VW-Konkurrent erwartet, dass der operative Gewinn im laufenden Geschäftsjahr 2026/27 (zum 31. März) um rund ein Fünftel auf umgerechnet 16 Milliarden Euro zurückgeht. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als bei den deutschen Autobauern. Experten hatten aber mit einem deutlich höheren Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr gerechnet.
Investitionen in Japan via Fonds und ETF
Japanische Aktien werden auch in Deutschland zunehmend populärer. Zahlreiche Bluechips können inzwischen in ausreichender Menge gehandelt werden. Noch einfacher ist es für Anlegerinnen und Anleger, über ETFs und aktiv gemanagte Fonds in Nippon zu investieren. Fast 1.000 Japan-Fonds können bei comdirect gekauft werden, einige mit Morningstar-Bewertungen von mindestens 4 Sternen sind auch im Sparplan erhältlich. Dazu gehören der BNP Paribas Funds Japan Equity – Classic JPY DIS und der M&G (Lux) Japan Fund – A EUR ACC. Sogar 5 Sterne im Morningstar-Rating hat der Fidelity Funds – Japan Value Fund – A. Das Fondsmanagement legt den Schwerpunkt vor allem auf Industriewerte, auch Finanzen und IT-Werte sind stark vertreten. Die am höchsten gewichteten Einzelwerte im Portfolio sind Mitsubishi Electric, Mizuho Financial und Kioxia Holdings Corporation.
Der bekannteste japanische Index ist der Nikkei 225. Allerdings wird er wie der Dow Jones nur nach dem Preis der einzelnen Aktien gewichtet. Am stärksten vertreten sind zurzeit der Händler Fast Retailing mit seiner Marke Uniqlo und Werbe-Ikone Roger Federer. Danach folgen mit den Halbleiter-Spezialisten Tokyo Electron und Advantest sowie der SoftBank Unternehmen, deren Aktienkurse in den vergangenen Monaten und Jahren dank der blühenden KI-Fantasie deutlich angezogen haben. Anlegerinnen und Anleger können zum Beispiel mit dem Xtrackers Nikkei 225 ETF in den Index investieren. Beim Amundi Japan TOPIX II UCITS ETF ist dagegen wie bei anderen modernen Indizes wie dem S&P 500, dem DAX 40 oder dem Euro STOXX 50 die Marktkapitalisierung entscheidend. Besonders stark vertreten sind Mitsubishi Financial, Toyota Motor und Hitachi.
Der comdirect Investment-Talk mit Martin Kerscher
Über den Japan-Boom spricht auch Martin Kerscher mit Stefan Riße von ACATIS Investment im comdirect Investment-Talk.

Im comdirect Investment-Talk spricht Martin Kerscher regelmäßig mit Expertinnen und Experten über aktuelle Entwicklungen an den Finanzmärkten. Alle Folgen findest du auf unserem YouTube-Kanal.
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