Airbus Corona sorgt für rote Zahlen

Das Flugzeug Airbus A 350 - 900 steht am 3. Juni 2016 auf dem Flughafen in Berlin / Deutschland
© huettenhoelscher via Getty Images/istockphoto

Der deutsch-französische Konzern hat massiv Umsatz eingebüßt und hofft auf einen Turnaround.

Das deutsch-französische Unternehmen Airbus SE hat den amerikanischen Erzrivalen Boeing beim Absatz im vergangenen Jahr überrundet. Das Hubschraubergeschäft hielt sich auch in der Covid-Krise gut. Der Konzern hofft, künftig Strafzölle in den USA vermeiden zu können. Bei den Analysten ist Airbus weiterhin gut angesehen. Allerdings sind im ersten Halbjahr 2020 im Zuge der Corona-Virus-Pandemie die Umsätze um rund 40 % eingebrochen und der Konzern ist in die roten Zahlen gerutscht. Die Bewertung ist angesichts der Probleme sehr hoch. Und wann der Turnaround bei Umsatz und Ergebnis gelingen könnte, ist unklar.

Pro Airbus (WKN 938914)

  • Nummer eins im Flugzeugmarkt: Airbus ist mit der Zivil- und Rüstungssparte breit aufgestellt und kann auf die Unterstützung durch die französische und deutsche Regierung zählen. Nach der Boeing-Krise durch das Flugverbot der Boeing 737 Max löste Airbus 2019 den US-Konkurrenten erstmals als größten Flugzeugbauer ab. In der Covid-Krise leiden allerdings beide Luftfahrt-Giganten.
  • Hubschrauber halten sich gut: Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) der Sparte Airbus Helicopters stieg im Vergleich zum Vorjahr um 20 % von 125 auf 150 Millionen Euro. Das lag vor allem an einem günstigen Auslieferungsmix, insbesondere bei Militärhubschraubern. Zudem legte das Service-Geschäft zu. Diese positiven Effekte konnten die geringeren Stückzahlen überkompensieren.
  • Hoffnungszeichen im Handelsstreit: Schon seit über 15 Jahren streiten die USA und die EU über illegale Beihilfen für Airbus und Boeing. Die USA belegen deshalb Flugzeugimporte mit einer Sonderabgabe von 15 %. Zuletzt einigte sich Airbus mit Frankreich und Spanien auf Änderungen an den Verträgen über die Rückzahlung von Subventionen für den A350. Airbus hofft, dass die USA deshalb die Strafzölle aufheben könnten.
  • Hoffnung bei den Experten: Trotz der beträchtlichen Einschränkungen durch Corona steht Airbus bei den Analysten noch relativ gut im Kurs. Von zwölf Einschätzungen lauten zurzeit sieben auf „Kauf“, zwei Experten optieren für „Halten“, drei empfehlen den Verkauf der Aktie. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei 33 %.

Contra Airbus (WKN 938914)

  • Dramatischer Umsatzeinbruch: Der konsolidierte Konzernumsatz sank gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um rund 40 % von 30,9 auf 18,9 Milliarden Euro. Die Auslieferungszahlen gingen sogar um 50 % zurück. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 196 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert, davon 157 Maschinen der Mittelstreckenflieger der A320-Familie.
  • Rote Zahlen im Konzern: Airbus ist im ersten Halbjahr 2020 tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust lag bei 1,31 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2019 hatte Airbus noch rund 2,2 Milliarden Euro verdient. Das schwache Ergebnis spiegelt den deutlichen Rückgang bei den Flugzeugauslieferungen und die geringere Kosteneffizienz im Konzern wider.
  • Hohe Bewertung: Der Airbus-Gewinn ist zuletzt noch stärker eingebrochen als der Börsenkurs. Angesichts der schwachen Erwartungen für das laufende Jahr liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 bei einem extrem hohen Wert von rund 94. Damit liegt Airbus in der Spitzengruppe des Euro STOXX 50.
  • Magere Zukunftsaussichten: Airbus hat bereits einen Abbau von 15.000 Stellen angekündigt. Ob das ausreicht, ist zweifelhaft und hängt vom Wiederaufschwung der Luftfahrt ab. Bei Kurz- und Mittelstreckenfliegern erwartet Airbus den Turnaround schon im kommenden Jahr, bei den Großraumflugzeugen A330 und A350 allerdings erst ab 2024. Der Megaflieger A380 wird ohnehin eingestellt.

Über Airbus

Airbus SE (ehemals EADS) entstand aus der Fusion der deutschen DaimlerChrysler Aerospace AG, der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen Construcciones Aeronáuticas (CASA). Die Airbus Group ist das mit Abstand größte Luft- und Raumfahrtunternehmen Europas und gleichzeitig einer der größten Rüstungskonzerne weltweit. Das Unternehmen ist in der zivilen Luftfahrt, bei Hubschraubern, in der Raumfahrt und bei der Konstruktion und Fertigung von Transport- und Kampfflugzeugen tätig. Im Jahr 2019 gelang es Airbus erstmals, den Konkurrenten Boeing beim Absatz als Weltmarktführer zu überflügeln. Dazu trugen neben den eigenen Absatzerfolgen auch die massiven Probleme Boeings mit der 737 Max bei.

Zur Airbus Group gehören unter anderem der zivile Flugzeugbauer Airbus, der einstige Hubschrauber-Hersteller Eurocopter und das Raumfahrtunternehmen Astrium. Insgesamt beschäftigte der Konzern im vergangenen Jahr rund 80.000 Mitarbeiter an zahlreichen Standorten in Europa. Diese Standorte entsprechen größtenteils noch denen der ursprünglich nationalen Unternehmen. In Deutschland ist der wichtigste Standort Hamburg, wo die Flugzeuge der wichtigen 320er-Familie gebaut werden. Die Zentrale des Konzerns liegt im südfranzösischen Toulouse.

Airbus ist mit der Erstnotiz an der Pariser Börse notiert. Deshalb ist sie zwar im Euro STOXX 50, nicht aber im DAX vertreten. Stattdessen notiert sie im MDAX und trug über viele Jahre zum Aufschwung des MidCap-Index bei. In der Corona-Krise hat sich dies jedoch umgekehrt. Luftfahrt und Touristik gehören zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Wirtschaftszweigen. Die Auslieferungen bei Airbus gingen im ersten Halbjahr um 50 % zurück. Der Börsenkurs brach deutlich ein. Zuletzt kündigte Airbus an, 15.000 Stellen abzubauen, um wieder in die Gewinnzone zu gelangen.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 21.10.2020; Quelle: comdirect.de