Adidas Kredit vom Staat

Adidas store Bekleidung
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Die Corona-Krise erfasst auch kerngesunde Unternehmen. Nach einem Rekordjahr 2019 muss Adidas jetzt Umsatzverluste durch den Lockdown kompensieren.

Adidas wuchs im Jahr 2019 auf allen Weltmärkten. Auch ohne sportliche Großereignisse konnte der Konzern bei Umsatz und Gewinn neue Rekordwerte erzielen. Der E-Commerce legte dabei deutlich stärker zu als der Gesamtumsatz. Dann kam die Corona-Krise und Adidas geriet in Liquiditätsschwierigkeiten. Ein drei Milliarden Euro schwerer Überziehungskredit unter Beteiligung des Staats und die langsame Wiedereröffnung der Ladengeschäfte sollen die Liquidität des Konzerns sichern. Allerdings brachte das erste Quartal 2020 zunächst in China und dann weltweit einen erheblichen Umsatzeinbruch. Es ist unsicher, ob die Absatzverluste im laufenden Jahr aufgeholt werden können. Die Aktie von Adidas gehört weiterhin zu den am höchsten bewerteten Papieren im DAX und der Konzern darf für die Dauer der staatlichen Kredithilfe keine Dividenden zahlen. Die Analysten sind daher zurzeit wenig optimistisch.

PRO Adidas (WKN A1EWWW)

  • Starke Marktstellung: Adidas hat sich als Nummer zwei des Sportartikel-Weltmarktes hinter Nike etabliert. Der Däne Kasper Rorsted hat die beiden Konzernmarken Adidas und das langjährige Sorgenkind Reebok bis zum Ausbruch der Corona-Krise in allen Weltmärkten auf den Wachstumspfad geführt. Im Stammmarkt Europa wurde die Stagnation im vergangenen Jahr überwunden.
  • Rekordergebnisse 2019: Vor der Corona-Krise präsentierte sich Adidas in Bestform. Auch ohne Großereignisse wie Fußball-WM oder Olympische Spiele stieg der währungsbereinigte Umsatz 2019 um 6 % auf 23,6 Milliarden Euro, die Absätze in China wuchsen zweistellig. Die operative Marge verbesserte sich auf 11,3 % und der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen um 12 % auf 1,92 Milliarden Euro.
  • Online-Geschäft wächst: Nach Vertriebskanälen wuchs das sogenannte Direct-to-Consumer-Geschäft in eigenen Läden und via Internet im Geschäftsjahr 2019 mit 18 % am stärksten. Dazu trug der E-Commerce mit einer Steigerung um 34 % auf fast drei Milliarden Euro besonders deutlich bei. Auf dem Online-Handel ruhen im Corona-Jahr 2020 die Hoffnungen des Konzerns.
  • Liquidität gesichert: Mit Staatshilfe hat sich Adidas dringend benötigte Liquidität gesichert. Mitte April beteiligte sich die staatliche Förderbank KfW mit 2,4 Milliarden Euro an einem insgesamt drei Milliarden Euro schweren Überziehungskredit eines Bankenkonsortiums. Diese Spritze dürfte nach Schätzungen von Experten als Polster für Adidas reichen, zumal auch langsam wieder die Ladengeschäfte öffnen.

Contra Adidas (WKN A1EWWW)

  • Hart getroffen von der Corona-Krise: Während des Lockdown fielen die Einbußen bei Adidas so stark aus, dass das Unternehmen zunächst keine Mieten für geschlossene Geschäfte mehr zahlen wollte. Erst nach heftiger Kritik machte das Unternehmen einen Rückzieher. Im ersten Quartal 2020 sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19 % auf 4,75 Milliarden Euro, der Gewinn sackte gar um 97 % auf 20 Millionen Euro ab.
  • Unsicherer Ausblick: Das zweite Quartal wird nach Adidas-Angaben noch schwächer ausfallen. Den global vernetzten Konzern trifft die Unsicherheit an zahlreichen Fronten. Die internationalen Lieferketten sind anfällig für Störungen. Bekleidung gehört zu den Posten, an denen Haushalte in Rezessionen in der Regel sparen. Schließlich drohen bei einer zweiten Pandemiewelle erneute Ladenschließungen und Umsatzeinbrüche.
  • Sehr hohe Bewertung: Adidas gehört seit Jahren zu den am höchsten bewerteten Aktien im DAX. Das hat sich auch in der Corona-Krise nicht geändert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2020 von rund 67 steht zudem unter dem Vorbehalt der Corona-Einflüsse. Die Dividende sollte eigentlich um 15 % auf 3,85 Euro steigen. Während der Laufzeit des Konsortialkredits sind Dividendenzahlungen jedoch ausgesetzt.
  • Skeptische Analysten: Schon vor der Corona-Pandemie sahen die Analysten Adidas nicht allzu positiv, die Einschätzung ist durch die Krise nicht besser geworden. Von 19 Experten spricht sich aktuell eine relative Mehrheit von neun dafür aus, die Aktie zu halten. Acht sehen das Papier als „Kauf“, zwei empfehlen den „Verkauf“. Der comdirect Analystenscore liegt damit bei unterdurchschnittlichen 32 %.

Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 03.06.2020; Quelle: comdirect.de