Familie beim Wandern.
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© nadezhda1906 via GettyImages/iStockphoto

Urlaubsgeld: Alle Infos zu Anspruch und Höhe

Key Takeaways
  • Das Urlaubsgeld ist eine freiwillige Zusatzleistung deines Arbeitsgebers.
  • Ein Rechtsanspruch auf Urlaubsgeld kann jedoch vertraglich begründet werden.
  • Als Minijobber hast du in der Regel Anspruch auf ein anteiliges Urlaubsgeld.
  • Im Falle der Kündigung kann der Arbeitgeber das Urlaubsgeld manchmal zurückverlangen.

Definition: Was ist Urlaubsgeld?

Das Urlaubsgeld ist eine Zusatzleistung, die dein Arbeitgeber dir freiwillig zu deinem regulären Lohn oder Gehalt zahlt. Weitere gängige Bezeichnungen sind Urlaubsgratifikation oder 14. Monatsgehalt. Wie beim Weihnachtsgeld handelt es sich beim Urlaubsgeld um eine freiwillige Leistung deines Arbeitgebers. Das bedeutet: Du hast keinen gesetzlichen Anspruch auf die Zahlung von Urlaubsgeld. Unter bestimmten Umständen ist dein Arbeitgeber aber verpflichtet, dir Urlaubsgeld zu zahlen.

Ist Urlaubsgeld eine Sonderzahlung?

Das Urlaubsgeld gehört wie das Weihnachtsgeld zu den sogenannten Sonderzahlungen. Das bedeutet, dass dein Arbeitgeber dir Urlaubs- und Weihnachtsgeld als freiwillige Leistungen zusätzlich zu deinem Lohn oder Gehalt zahlt.

Sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld Pflicht?

Eine gesetzliche Pflicht zur Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es nicht. Anders sieht es beim Urlaubsentgelt aus. Damit ist die Lohn- oder Gehaltsfortzahlung während deines Urlaubs gemeint, die der Arbeitnehmer zahlen muss. Denn nach dem Bundesurlaubsgesetz hat jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Das heißt: Urlaubstage müssen vom Arbeitgeber entlohnt werden.

Urlaubsgeld im öffentlichen Dienst

Auch Angestellte im öffentlichen Dienst haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bzw. der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) sehen allerdings eine Jahressonderzahlung vor. Diese wird Arbeitnehmenden im öffentlichen Dienst jedes Jahr als zusätzliche Vergütung für erbrachte Leistung und Betriebstreue mit dem Novembergehalt ausgezahlt.

Die Höhe der Sonderzahlung beträgt je nach Entgeltgruppe zwischen 60 % und 90 % des durchschnittlich gezahlten Tabellenentgelts der Monaten Juli, August und September. Unter bestimmten Umständen kann die Jahressonderzahlung im öffentlichen Dienst geringer ausfallen, z. B., wenn du in Elternzeit bist.

Wie hoch ist das Urlaubsgeld in der Regel?

Da das Urlaubsgeld eine freiwillige Zusatzleistung deines Arbeitsgebers ist, gibt es auch keine gesetzliche Vorgabe zur Höhe des Urlaubsgeldes. Wie viel Urlaubsgeld du bekommst, hängt vor allem von deinem Arbeitgeber und von der Branche ab, in der du arbeitest. Unterschiede in der Höhe des Urlaubsgeldes gibt es auch zwischen den einzelnen Bundesländern und vor allem zwischen Ost und West.

Das Urlaubsgeld wird häufig als jährliche Einmalzahlung mit dem Junigehalt oder zusammen mit dem Urlaubsentgelt für tatsächlich genommene Urlaubstage gezahlt. In manchen Fällen erfolgt die Zahlung des Urlaubsgelds als monatlicher Zuschlag auf das reguläre Gehalt oder den Lohn.

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Wann muss der Arbeitgeber Urlaubsgeld zahlen?

Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es nicht. Aus folgenden Verträgen oder Grundsätzen kann sich jedoch ein Anspruch auf Urlaubsgeld ergeben:

  • Tarifvertrag: Ein tarifvertraglicher Anspruch auf Urlaubsgeld ist bindend. Das bedeutet: Wenn der Tarifvertrag für deinen Betrieb die Zahlung von Urlaubsgeld vorsieht, muss dein Arbeitgeber dir Urlaubsgeld zahlen. In der Regel ist dann auch die Höhe des Urlaubsgeldes im Tarifvertrag festgeschrieben.
  • Arbeitsvertrag: Einen Rechtsanspruch auf Urlaubsgeld hast du auch, wenn dein Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel zu Urlaubsgeld enthält. Bei der Gehaltsverhandlung kommt es deshalb auch darauf an, Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld auszuhandeln.
  • Betriebsvereinbarung: Auch die Betriebsvereinbarung zwischen deinem Arbeitgeber und dem Betriebsrat kann einen Rechtsanspruch auf Urlaubsgeld begründen.
  • Betriebliche Übung: Eine betriebliche Übung entsteht dadurch, dass dein Arbeitgeber über einen längeren Zeitraum (3 Jahre in Folge) regelmäßig und vorbehaltlos auf eine bestimmte Weise handelt. Wenn dir dein Arbeitgeber also gewohnheitsmäßig Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zahlt, darfst du davon ausgehen, dass er auch künftig Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zahlen wird. Faktisch ändert sich durch eine betriebliche Übung dein Arbeitsvertrag dahingehend, dass du einen Rechtsanspruch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hast.
  • Gleichbehandlung: Beim Urlaubsgeld gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Das heißt: Wenn andere Arbeitnehmer Urlaubsgeld bekommen, darf dich dein Arbeitgeber nicht ohne sachlichen Grund von dieser Sonderzahlung ausnehmen oder dich schlechterstellen.

Ist das Urlaubsgeld brutto oder netto?

Das Urlaubsgehalt ist wie dein reguläres Gehalt oder dein regulärer Lohn steuer- und sozialversicherungspflichtig – also brutto. Bekommst du dein Urlaubsgeld als jährliche Einmalzahlung oder mit dem Urlaubsentgelt für jeden genommenen Urlaubstag, erhöht sich deine Steuerschuld im Monat der Auszahlung. Anders ist es, wenn dir das Urlaubsgeld als regelmäßiger Zuschlag monatlich ausgezahlt wird. In diesem Fall ist das Urlaubsgeld als laufendes Gehalt zu versteuern.

Bekomme ich während der Elternzeit Urlaubs- oder Weihnachtsgeld?

Während der Elternzeit ruht dein Arbeitsverhältnis. Ob du währenddessen weiterhin Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bekommst, hängt davon ab, an welche Bedingungen dein Arbeitgeber die Zahlung des Urlaubs- oder Weihnachtsgelds knüpft.

Bei einer leistungsbezogenen Gratifikation entfällt in der Regel der Anspruch auf das 13. oder 14. Monatsgehalt. Denn bei einem ruhenden Arbeitsverhältnis erbringst du keine Arbeitsleistung. Bei Sonderzahlungen, die die Betriebstreue belohnen, bleibt der Anspruch auf Urlaubsgeld während der Elternzeit möglicherweise bestehen. Allerdings kann dein Arbeitgeber die Höhe der Sonderzahlungen durch eine entsprechende Klausel in der Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag kürzen.

Bekomme ich Urlaubsgeld bei Krankheit?

Grundsätzlich hast du auch dann Anspruch auf Urlaub, wenn du das ganze Jahr über krankheitsbedingt arbeitsunfähig bist. Ob du zusätzlich Urlaubsgeld bekommst, hängt nun davon ab, ob die Zahlung an das Urlaubsentgelt geknüpft ist oder als eigenständige Sonderzahlung geleistet wirst.

Zahlt dein Arbeitgeber das Urlaubsgeld für tatsächlich genommene Urlaubstage, bekommst du das Urlaubsgeld erst, wenn du nicht mehr krankgeschrieben bist – denn während der Krankheit können dir keine Urlaubstage erteilt werden. Wird dir das Urlaubsgeld als jährlicher Festbetrag gezahlt, kann es sein, dass du auch während der Krankheit Anspruch auf Urlaubsgeld hast. Allerdings kann dein Arbeitgeber das Urlaubsgeld für jeden Tag kürzen, an dem du arbeitsunfähig bist.

Habe ich als Minijobber Anspruch auf Urlaubsgeld?

Wenn dein Arbeitgeber seinen Vollzeitbeschäftigten Urlaubsgeld zahlt, hast du auch als Minijobber Anspruch auf ein anteiliges Urlaubsgeld. Dasselbe gilt für das Weihnachtsgeld. Denn auch beim Weihnachtsgeld gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Das bedeutet, dass du als Minijobber von deinem Arbeitgeber nicht schlechtergestellt werden darfst als deine Vollzeitkollegen.

Dein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld muss also gemessen an deiner Arbeitszeit mindestens so hoch sein wie die Sonderzahlungen, die Vollzeitkräfte erhalten. Allerdings: Eine Ungleichbehandlung von Minijobbern kann dann gerechtfertigt sein, wenn dein Arbeitgeber sachliche Gründe dafür anführen kann, z. B. die Qualifikation oder die Arbeitsleistung.

Um zu vermeiden, dass dein Minijob durch Sonderzahlungen wie dem Urlaubsgeld sozialversicherungspflichtig wird, musst du vor Beschäftigungsbeginn schriftlich auf die Zahlung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten.

Kann mein Arbeitgeber das Urlaubsgeld bei einer Kündigung zurückfordern?

Manche Arbeitgeber verlangen im Fall einer Kündigung die Rückzahlung von geleistetem Urlaubsgeld. Ob die Rückzahlung des Urlaubsgelds rechtmäßig ist, hängt vor allem davon ab, zu welchem Zweck die Sonderzahlung geleistet wird. In der Regel darf dein Arbeitgeber das gezahlte Urlaubsgeld nach einer Kündigung nur zurückverlangen, wenn er damit ausschließlich die Betriebstreue belohnen möchte. Im Einzelfall kann häufig nur ein Gericht entscheiden, ob eine solche Rückzahlungsklausel in einem Arbeitsvertrag wirksam ist.

Fazit: Urlaubs- und Weihnachtsgeld – freiwillige Extras vom Chef

Mit dem Urlaubsgeld bessert dein Chef deine Urlaubskasse auf. Allerdings: Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind Sonderzahlungen, die dein Arbeitgeber dir freiwillig zusätzlich zu deinem Lohn oder Gehalt zahlt – gesetzlich zur Zahlung verpflichtet ist er nicht. Dennoch kann ein Tarif- oder Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung einen Rechtsanspruch auf Urlaubsgeld begründen. Ob du Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommst und wie hoch beides ausfällt, hängt also vor allem davon ab, in welchem Unternehmen und in welcher Branche du arbeitest.

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