- Wer einen Riester-Vertrag kündigt, muss mit finanziellen Verlusten rechnen.
- Alle staatlichen Zulagen und Steuervorteile fließen zurück an den Staat.
- Bevor du einen Riester-Vertrag kündigst, solltest du daher mögliche Alternativen prüfen.
Warum sollte man seine Riester-Rente kündigen?
Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um das Sparen fürs Alter staatlich zu fördern. Ziel war es, das sinkende Rentenniveau in Deutschland auszugleichen. Gesetzlich Versicherte sollten die Möglichkeit bekommen, eine drohende Rentenlücke zu schließen und ein Abrutschen in die Altersarmut zu verhindern.
Die Riester-Rente ist als Zusatzrente vorgesehen, die man sich mit Beginn der gesetzlichen Rente lebenslang auszahlen lassen kann. Sparerinnen und Sparer werden durch jährliche Zulagen und Steuervorteile gefördert.
Zwischenzeitlich war die Enttäuschung über die Riester-Rente jedoch so groß, dass die aktuelle Bundesregierung beschlossen hat, die Riester-Rente zu reformieren. Ab 2027 wird die Riester-Rente durch das Altersvorsorgedepot ersetzt.
Was spricht gegen Riester?
Die wichtigsten Kritikpunkte an der Riester-Rente aus Sicht von Sparerinnen und Sparern sind:
- Hohe Kosten: Die hohen und intransparenten Verwaltungsgebühren und Provisionen der Anbieter schmälern die Rendite teilweise erheblich.
- Niedrige Renditen: Die gesetzliche Beitragsgarantie zwingt Anbieter dazu, das angesparte Guthaben in sehr sichere, aber kaum rentable Anlagen zu investieren. So blieb vor allem in Zeiten von Niedrigzinsen und hoher Inflation eine Rendite oftmals aus.
Ist es sinnvoll, meinen bestehenden Riester-Vertrag zu kündigen?
Ob aus Unzufriedenheit über die Konditionen oder wegen eines finanziellen Engpasses – immer mehr Menschen denken darüber nach, ihren Riester-Vertrag zu kündigen. Der bevorstehende Start des Altersvorsorgedepots als Nachfolge der Riester-Rente dürfte viele in ihrer Entscheidung noch bestärken.
Grundsätzlich ist es möglich, einen Riester-Vertrag zu kündigen und sich das angesparte Guthaben auszahlen zu lassen. Sofern du jedoch über weitere Rücklagen verfügst und es dir finanziell möglich ist, solltest du zum aktuellen Zeitpunkt davon absehen, eine überstürzte Entscheidung zu treffen.
Die Kündigung deines Riester-Vertrags gilt nämlich als „förderschädliche Verwendung“ und bringt mehrere Nachteile mit sich.
Welche Nachteile hat es, die Riester-Rente zu kündigen?
- Zulagen: Alle staatlichen Zulagen und Steuervorteile fließen zurück an den Staat. Nach Abzug der Abschlusskosten, der laufenden Fondsgebühren und der Verwaltungsentgelte bleibt dir im schlimmsten Fall unterm Strich weniger als das, was du eingezahlt hast.
- Steuerrückzahlung: Das Finanzamt fordert nachträglich alle Riester-Beiträge ein, die du als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht hast.
- Kapitalertragsteuer: Die eigentliche Rendite deines Riester-Vertrages wird nach Abzug der staatlichen Zulagen komplett versteuert.
- Mögliche Stornokosten: Für die vorzeitige Kündigung deines Riester-Vertrags zieht der Anbieter in der Regel ein Entgelt ein.
- Verzicht auf lebenslange Zusatzrente: Die Riester-Rente ist als lebenslange Zusatzrente zur gesetzlichen Rente gedacht. Wenn du deinen Riester-Vertrag kündigst, verlierst du diesen Anspruch und musst dich anderweitig um deine private Altersvorsorge kümmern.
Welche Alternativen gibt es zur Riester-Kündigung?
Anstatt deinen Riester-Vertrag zu kündigen, hast du noch andere Optionen, mit deinem Riester-Vertrag zu verfahren, bis die geplante Reform zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt.
- Option 1: Beiträge reduzieren
- Option 2: Riester-Vertrag beitragsfrei stellen
- Option 3: Anbieter oder Tarif wechseln
- Option 4: In Wohn-Riester umwandeln
- Option 5: Guthaben umschichten
- Option 6: Auf Altersvorsorgedepot übertragen
Beiträge zur Riester-Rente reduzieren
Um deine monatlichen Kosten zu senken, kannst du die monatlichen Einzahlungen in deinen Riester-Vertrag senken. Der Mindestbetrag beträgt 4 % deines versicherungspflichtigen Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr, begrenzt auf maximal 2.100 Euro. Davon werden die staatlichen Zulagen noch abgezogen. Es gilt jedoch ein Sockelbetrag von 60 Euro pro Jahr bzw. 5 Euro pro Monat.
Riester-Vertrag beitragsfrei stellen
Als 2. Option kannst du deinen Riester-Vertrag beitragsfrei stellen. Solange der Vertrag ruht, zahlst du keine Beiträge, erhältst aber auch keine staatlichen Zulagen oder Steuervorteile.
Die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie bleibt für dein bisheriges Guthaben erhalten. Eine Beitragsfreistellung ist in der Regel jederzeit formlos und kostenlos möglich.

Sobald sich deine finanzielle Situation verändert hat, kannst du einen ruhenden Riester-Vertrag jederzeit reaktivieren und erneut Beiträge einzahlen.
Anbieter oder Tarif wechseln
Ein Anbieter- oder Tarifwechsel kann sinnvoll sein, wenn du mit den Konditionen deines bestehenden Riester-Vertrags unzufrieden bist und bei einem anderen Anbieter bei gleichen Beiträgen mit Rentenbeginn mehr Riester-Rente erhalten würdest.
Informiere dich vorab über mögliche Wechsel- oder Abschlusskosten. Die staatlichen Zulagen bleiben bei einem Anbieterwechsel in der Regel erhalten. Um dir die Zulagen vom Staat auch für den neuen Vertrag zu sichern, musst du nach dem Wechsel beim neuen Anbieter einen Zulageantrag stellen.
Riester-Guthaben in Eigenheim investieren
Du kannst dein angespartes Guthaben aus einem klassischen Riester-Vertrag zu 100 % entnehmen, um eine Immobilie zu finanzieren. Das Geld ist zweckgebunden und muss für den Kauf, den Bau, die Entschuldung oder den altersgerechten Umbau einer selbst genutzten Immobilie genutzt werden.
Riester-Vertrag in Wohn-Riester umwandeln
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, deinen klassischen Riester-Vertrag in Wohn-Riester umzuwandeln. Dabei überträgst du dein komplettes angespartes Riester-Kapital in einen Wohn-Riester-Bausparvertrag.
Auch Wohn-Riester kannst du nutzen, um eine eigengenutzte Immobilie zu kaufen oder zu bauen, altersgerecht und barrierefrei umzubauen, energetisch zu sanieren, Genossenschaftsanteile zu erwerben oder einen Kredit zurückzuzahlen.
Verbraucherschützer warnen vor jedoch einer überstürzten Umwandlung in Wohn-Riester, weil für den Abschluss eines Wohnriester-Vertrags Gebühren von bis zu 3 % der Bausparsumme anfallen können.

Wohn-Riester basiert auf dem Prinzip des mietfreien Wohnens im Alter und ist somit eine Form der privaten Altersvorsorge. Auch hier kannst du eine förderschädliche Verwendung auslösen, wenn du deine Immobilie vor Rentenbeginn verkaufst oder vermietest.
Angespartes Guthaben umschichten
Wenn du dich entschieden hast, schnell aus deinem Riester-Vertrag rauskommen zu wollen, hast du auch die Möglichkeit, dein angespartes Riester-Guthaben für deine Altersvorsorge renditeorientiert in Wertpapiere wie Aktien, ETFs oder Fonds umzuschichten. Dazu benötigst du ein klassisches Wertpapierdepot.
Beachte jedoch, dass eine Kündigung deines Riester-Vertrags unumgänglich ist, um dir dein Kapital frühzeitig auszahlen zu lassen – jedoch bei Rückerstattung aller staatlichen Zulagen und Steuervorteile. Zudem birgt der Wertpapierhandel zum Teil hohe Verlustrisiken bis hin zum Kapitalverlust deines investierten Geldes.
Alternativ kannst du deinen Riester-Vertrag, wie oben beschrieben, beitragsfrei stellen und die freien monatlichen Beträge bis zur Einführung des Altersvorsorgedepots 2027 in einen Wertpapiersparplan investieren.
Das Altersvorsorgedepot kommt
Sei von Anfang an dabei und lass dir die staatliche Förderung nicht entgehen.
Aufs Altersvorsorgedepot übertragen
Mit dem Start des Altersvorsorgedepots im Januar 2027 hast du schließlich auch die Möglichkeit, deinen bestehenden Riester-Vertrag in das neue Altersvorsorgedepot zu übertragen. Für die Übertragung reicht ein formloses Schreiben an den bisherigen Anbieter. Die Umwandlung ist in der Regel kostenfrei möglich oder etwaige Gebühren auf 150 Euro gedeckelt.
Beim Übertrag bleiben alle bisherigen staatlichen Zulagen und Steuervorteile vollständig erhalten. Nach dem Wechsel greifen die neue staatliche Bezuschussung und etwaige Boni.

Ob sich der Übertrag eines Riester-Vertrags auf das Altersvorsorgedepot lohnt, erfährst du ebenfalls bei uns im comdirect Magazin.
Wie kündige ich meinen Riester-Vertrag?
Wenn du entschieden hast, dass die Kündigung deines Riester-Vertrags die beste Option für dich ist, solltest du dich an diese 3 Schritte halten:
Schritt 1: Rückkaufswert erfragen
Um zu ermitteln, wie viel Geld du zurückbekommst, wenn du deine Riester-Rente kündigst, solltest du vorab beim Anbieter erfragen, wie hoch der aktuelle Rückkaufswert ist. Erkundige dich außerdem, ob dein Guthaben ausreicht, um alle staatlichen Zulagen und Steuervorteile sowie eventuelle Gebühren des Anbieters zu decken. Andernfalls wird der Anbieter den Restbetrag direkt von dir zurückfordern.
Schritt 2: Kündigungsfrist prüfen
Die Kündigungsfrist einer Riester-Rente beträgt in der Regel 6 Wochen zum Ende eines Monats. Für manche Verträge gilt auch eine Frist von 3 Monaten zum Ende des Quartals.
Schritt 3: Formloses Kündigungsschreiben
Um deinen Riester-Vertrag zu kündigen, genügt ein formloses Kündigungsschreiben an deinen Anbieter – entweder per Mail oder als klassisches Einwurf-Einschreiben.
Folgende Angaben sollten unbedingt darin enthalten sein:
- Name und Anschrift des Versicherers
- Deine persönlichen Daten (Name, Anschrift)
- Vertrags- oder Versicherungsnummer
- Kündigungsformel: „Hiermit kündige ich meinen Riester-Vertrag mit der Versicherungsnummer XY fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“
- Widerruf der Einzugsermächtigung
- Bankverbindung für die Auszahlung des Rückkaufswerts
- Bitte um schriftliche Kündigungsbestätigung und Angabe des Auszahlungstermins
Fazit: Riester-Vertrag kündigen – zuerst Alternativen prüfen
Mit dem beschlossenen Start des Altersvorsorgedepots stellt sich für viele die Frage, ob es sinnvoll ist, einen bestehenden Riester-Vertrag zu kündigen. Auch ein finanzieller Engpass kann ein Anreiz sein, sich das angesparte Guthaben auszahlen zu lassen.
Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, muss jedoch mit erheblichen finanziellen Verlusten rechnen. Denn die staatlichen Zulagen und Steuervorteile fließen vollständig an den Staat zurück. Im schlimmsten Fall reicht das Guthaben nicht aus, um alle Kosten zu decken.
Daher ist es sinnvoll, zunächst mögliche Alternativen zu prüfen und eine Kündigung nur zu erwägen, wenn es finanziell nicht anders geht. Ab 2027 besteht dann auch die Option, das Riester-Guthaben aufs neue Altersvorsorgedepot zu übertragen.
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