- Ab 2027 ist es nicht mehr möglich, neue Riester-Verträge abzuschließen.
- Es gibt 3 Optionen: Vertrag ruhen lassen, weiter besparen oder Guthaben übertragen.
- Für viele kann sich die Übertragung ins neue Altersvorsorgedepot lohnen.
Reform der Altersvorsorge 2027: Was passiert mit der Riester-Rente?
Die Bundesregierung plant seit geraumer Zeit eine Reform der privaten Altersvorsorge. 2027 fällt der Startschuss für das Altersvorsorgedepot (AVD) – und der bedeutet gleichzeitig den Anfang vom Ende der Riester-Rente: Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Verträge mehr abgeschlossen werden.
Die Riester-Rente war das wichtigste Standbein der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland. Sie wurde 2002 eingeführt, um das Sparen fürs Alter staatlich zu fördern und die drohende Rentenlücke zu schließen.
Aufgrund schwacher Rendite, hohen und intransparenten Kosten, einer komplexen Förderlogik und geringer Flexibilität ist die Tendenz jedoch seit vielen Jahren rückläufig. Die Bundesregierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, die staatlich geförderte Altersvorsorge zeitgemäßer und lukrativer zu gestalten. Herausgekommen ist das Altersvorsorgedepot.

Alle aktuellen Entwicklungen zu der verabschiedeten Reform haben wir dir in unserem Ratgeber zum Altersvorsorgedepot zusammengefasst.
Die Sparerinnen und Sparer der rund 15 Millionen Riester-Verträge fragen sich verständlicherweise: Was passiert mit meinem Riester-Vertrag? Muss oder sollte ich aktiv werden?
Was mache ich mit meiner laufenden Riester-Rente?
Grundsätzlich gilt: Kein bestehender Riester-Vertrag wird automatisch aufgelöst. Besitzt du einen laufenden Riester-Vertrag stehen dir verschiedene Optionen zur Verfügung, zum Beispiel:
- Riester-Rente in Altersvorsorgedepot umwandeln
- Riester-Rente zu alten Konditionen weiter besparen
- Riester ruhen lassen

Die Riester-Rente zu kündigen, ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll, da alle staatlichen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen. Welche weiteren Möglichkeiten es gibt, haben wir im Beitrag „Riester-Rente kündigen“ zusammengefasst.
Riester-Rente zu alten Konditionen weiter besparen
Wer einen bestehenden Riester-Vertrag hat, genießt sogenannten Bestandschutz. Das heißt, die abgeschlossene Riester-Rente kann in der vereinbarten Fördersystematik weiterlaufen, inklusive der Beitragsgarantie und den vollen staatlichen Zulagen. Wirst du nicht aktiv, bleibt dein Vertrag einfach bestehen.
Riester ruhen lassen
Es ist ebenfalls möglich, die Riester-Rente beitragsfrei zu stellen. Es werden also keine weiteren Einzahlungen von dir geleistet und du erhältst andersherum auch keine weiteren staatlichen Zulagen. Das angesparte Guthaben bleibt jedoch bestehen. Bei dieser Option können jedoch einige Verwaltungskosten für vorhandenes Guthaben weiterlaufen.
Diese Lösung könnte interessant für dich sein, wenn du die zukünftigen Beiträge renditestärker anlegen willst, jedoch das angesparte Kapital nicht dem Marktrisiko aussetzen möchtest. Ergänzend können Sparende ab Start im Januar 2027 ein neues Altersvorsorgedepot eröffnen und dort mit voller Förderung weitersparen.
Das Altersvorsorgedepot kommt
Sei von Anfang an dabei und lass dir die staatliche Förderung nicht entgehen.
Riester-Rente in Altersvorsorgedepot umwandeln
Für Riester-Sparende, die von den Chancen des Kapitalmarktes profitieren möchten, ist es ab dem 1. Januar 2027 möglich, das angesparte Riester-Guthaben in das neue, flexiblere Altersvorsorgedepot zu übertragen. Die bisher erhaltenen Zulagen und Steuererleichterungen bleiben vollständig erhalten. Ab Start gilt dann die neue Fördersystematik inkl. aller möglichen Zuschüsse und Steuervorteile.
Der Staat fördert Einzahlungen gestaffelt: Für die ersten 360 Euro gibt es 50 Cent Zuschuss je eingezahltem Euro. Danach beträgt die Förderung 25 Cent pro Euro – bis zur Fördergrenze von 1.800 Euro. Neben einem garantiefreien Produkt wird es für sicherheitsorientiertere Anlegende auch Garantieprodukte mit 80 oder 100 % Beitragsgarantie geben.
Für den Übertrag ist ein formloses Schreiben an den bisherigen Anbieter ausreichend – in vielen Fällen wird dies unkompliziert über den neuen Anbieter möglich sein. Abschluss- und Vertriebskosten können ggf. anfallen, sollen aber gesetzlich auf 150 Euro begrenzt sein.
Wenn du nicht bis zur Einführung des Altersvorsorgedepots warten möchtest, kannst du bereits heute mit dem langfristigen Vermögensaufbau am Kapitalmarkt beginnen. Dafür kannst du jetzt schon ein Depot eröffnen und in Wertpapiere wie Aktien, ETFs oder Fonds, z. B. über einen Wertpapiersparplan investieren.
Vergleich: Was ist der Unterschied zwischen Riester-Rente und Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot gilt als vielversprechender Nachfolger der Riester-Rente. Wir werfen einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der geförderten Altersvorsorge.
| Riester-Rente | Altersvorsorgedepot | |
| Förderart | Staatliche Zulagen + Steuervorteile (z. B. nachgelagerte Besteuerung im Alter) | Staatliche Zulagen + Steuervorteile (z. B. nachgelagerte Besteuerung, Günstigerprüfung) |
| Anlageform | Versicherungsbasiert, oft sicherheitsorientiert – produktabhängig (oft eingeschränkt) | Wertpapierbasiert (z. B. ETFs, Fonds) – frei wählbar |
| Zulagen | Einkommensabhängige Grundzulage bis max. 175 Euro/Jahr | Betragsabhängige Grundzulage bis max. 540 Euro/Jahr Sonderzulage von 200 Euro/Jahr für Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen bis 25 Jahre |
| Kinderzulage | Volle Förderung ab Einzahlung von 60 Euro/Jahr Bis zu 300 € pro Kind/Jahr | Volle Förderung ab Einzahlung von 25 Euro/Monat 100 % der geleisteten Beiträge, max. 300 Euro pro Kind/Jahr |
| Mindesteigenbeitrag für alle Zulagen (inkl. Kinderzulage) | Einkommensabhängig, mind. 60 Euro/Jahr | 120 Euro/Jahr |
| Kosten | Oft höher und komplex (produktabhängig) | Tendenziell günstiger (je nach Anbieter) – max. 1 % im Standarddepot |
| Beitragsgarantie | 100 % der eingezahlten Beiträge (Pflicht) | Keine im Standarddepot / 80-100 % bei Garantieprodukten |
| Auszahlung | Ab 63 Jahre: mind. 70 % als lebenslange Rente | Ab gesetzlichem Renteneintrittsalter, spätestens ab 65 Jahre: Leibrente oder befristeter Auszahlungsplan bis mind. 85 Jahre |
| Selbständige | Meist ausgeschlossen | Förderberechtigt |
| Auszahlung vor Rentenbeginn | Möglich mit Rückzahlung der Förderung | Mit Einschränkungen möglich |
| Vererbbarkeit | Eingeschränkt (Verlust der Förderung möglich) | Vollständig vererbbar (Verlust der Förderung möglich), außer bei einer Leibrente |

Selbständige waren bei der Riester-Rente oft von der Förderung ausgeschlossen. Welche Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge es für Selbständige gibt, erklären wir im comdirect Magazin.
Riester-Rente vs. Altersvorsorgedepot: Was passt zu mir?
Mit dem Altersvorsorgedepot soll die staatlich geförderte Altersvorsorge ab 2027 moderner und flexibler werden. Ob sich ein Wechsel für dich lohnt, hängt vor allem von der persönlichen Situation und den eigenen Anlagezielen ab.
Wann kann ein Übertrag von der Riester-Rente zum Altersvorsorgedepot sinnvoll sein?
Das Altersvorsorgedepot schlägt eine andere Richtung ein als die bisherige Riester-Förderung, nämlich hin zum Kapitalmarkt. Eine Umwandlung kann insbesondere sinnvoll für diejenigen sein, die:
- Sich mehr Kapitalmarktchancen wünschen
Einer der Hauptgründe für die geringe Rendite vieler Riester-Verträge ist die gesetzliche Beitragsgarantie. Wer bereit ist, stärkere Schwankungen am Kapitalmarkt auszuhalten, kann mit einem breit gestreuten ETF-Portfolio langfristig von höheren Renditechancen profitieren.
- Eine lange Restlaufzeit bis zur Rente haben
Der Wechsel kann sich insbesondere für jüngere Riester-Sparende lohnen. Durch die Investition in renditeorientierte ETFs können sie langfristig stärker vom Zinseszinseffekt profitieren und haben zudem genügend Zeit, Kursschwankungen auszugleichen.
- Einen renditeschwachen Vertrag besitzen
Viele Riester-Verträge investieren aufgrund der gesetzlichen Garantievorgaben sehr defensiv und erzielen deshalb nur geringe Erträge. Wer mit der bisherigen Entwicklung seines Vertrags unzufrieden ist, könnte durch einen Wechsel in ein kapitalmarktorientiertes Altersvorsorgedepot langfristig bessere Renditechancen erhalten. Und: Je höher das vorhandene Riester-Guthaben, desto stärker wirkt die höhere ETF-Rendite im AV-Depot.
- Hohe Kosten im Altvertrag haben
Viele ältere Riester-Verträge enthalten hohe Abschluss-, Verwaltungs- oder Fondskosten, die die Rendite erheblich schmälern können. Ein Wechsel in ein kostengünstigeres Altersvorsorgedepot mit ETFs kann langfristig zu einem höheren Vermögensaufbau führen. Besonders bei provisionsbasierten Altverträgen kann ein Vergleich sinnvoll sein.
- Keine Kinderzulagen erhalten
Singles und Gutverdiener ohne Kinder können vom Altersvorsorgedepot profitieren, da ihren hohen Kosten im Riester-System keine hohen Kinderzulagen gegenüberstehen.
Beispiel: Wer kinderlos ist und mehrere hundert Euro pro Jahr selbst in den Riester-Vertrag einzahlt, könnte langfristig stärker von den Renditechancen eines Altersvorsorgedepots profitieren.
- Höhere Eigenbeiträge leisten
Wer deutlich mehr als den Mindestbeitrag in die Riester-Rente einzahlt, könnte langfristig stärker von den höheren Renditechancen des Altersvorsorgedepots profitieren.
- Die Auszahlung flexibler gestalten wollen
Das Riester-System erlaubt nur eine Auszahlung von maximal 30 % des angesparten Kapitals als Einmalbetrag, während mindestens 70 % als lebenslange monatliche Rente ausgezahlt werden müssen. Beim Altersvorsorgedepot soll dagegen mehr Flexibilität möglich sein – etwa durch einen Auszahlungsplan, eine Leibrente oder einen höheren Einmalbetrag. Auch für Personen kurz vor der Auszahlungsphase kann ein Wechsel daher interessant sein, wenn sie sich mehr Flexibilität bei der späteren Auszahlung wünschen.

Wer einen Wechsel erwägt, sollte den Start der Rentenzahlung nach Möglichkeit auf die Zeit nach dem geplanten AVD-Start am 1. Januar 2027 verschieben.
- Bereit sind, Schwankungen auszuhalten
Am Kapitalmarkt sind Schwankungen normal. Anders als bei klassischen Riester-Produkten sind beim Altersvorsorgedepot zwischenzeitliche Verluste möglich. Wer langfristig investiert und Schwankungen aushalten kann, profitiert dafür von höheren Renditechancen.
Für wen lohnt sich ein Wechsel von Riester-Rente zum Altersvorsorgedepot nicht?
Ein Verbleib bei der Riester-Rente kann insbesondere sinnvoll sein für Personen, die:
- Nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben
Wer kurz vor dem Ruhestand steht und großen Wert auf Garantien und Planungssicherheit legt, kann mit der klassischen Riester-Rente weiterhin gut fahren.
- Hohe Kinderzulagen erhalten
Wer nur geringe Eigenbeiträge leistet, aber mehrere Kinder hat, kann im aktuellen Riester-System weiterhin stark von den staatlichen Zulagen profitieren. Besonders bei niedrigem Einkommen und mehreren Kindern kann Riester weiterhin attraktiver sein als das Altersvorsorgedepot.
Beispiel: Eltern mit mehreren Kindern können bereits mit sehr niedrigen Eigenbeiträgen hohe staatliche Zulagen erhalten. So sind bei einer Einzahlung von nur 60 Euro pro Jahr staatliche Zulagen von über 1.000 Euro möglich. Im Altersvorsorgedepot wären dafür meist deutlich höhere eigene Einzahlungen notwendig.
Allerdings kann sich die Situation später ändern: Läuft das Kindergeld aus, sinken auch die Zulagen deutlich. Dann kann ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot attraktiver werden.

Für Kinder und junge Leute bis 18 plant die Bundesregierung zudem die sogenannte Frühstart-Rente. Hierbei sollen Kinder monatlich 10 Euro vom Staat für ihr Depot erhalten, um die frühzeitige private Altersvorsorge zu fördern. Alle Infos findest du im Ratgeber.
- Wohnriester nutzen möchten
Wer das angesparte Guthaben später für eine selbstgenutzte Immobilie einsetzen möchte, fährt mit der klassischen Riester-Rente aktuell möglicherweise besser. Nach aktuellem Stand muss das Altersvorsorgedepot die Wohnriester-Funktion nicht zwingend anbieten.
- Sehr gute Altverträge besitzen
Einige ältere Riester-Verträge bieten noch vergleichsweise hohe Garantiezinsen oder besonders günstige Vertragskonditionen, die bei einem Wechsel verloren gehen könnten.
Kann man Riester und Altersvorsorgedepot parallel nutzen?
Nach aktuellem Stand ist eine parallele staatliche Förderung von Riester-Rente und Altersvorsorgedepot nicht vorgesehen. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt und künftig die neue Förderung nutzen möchte, muss sich daher voraussichtlich zwischen dem bestehenden Vertrag und einem Wechsel ins Altersvorsorgedepot entscheiden.
Riester-Rente übertragen: Wie kann ich den Wechsel ins Altersvorsorgedepot vorbereiten?
Bis zum Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 kannst du den Wechsel vorbereiten, indem du:
- deine aktuellen Vertragsunterlagen prüfst
- Kosten, Garantien und bisherige Rendite vergleichst
- klärst, ob dein Vertrag hohe Abschluss- oder Verwaltungskosten enthält
- prüfst, wie viele Zulagen du aktuell erhältst
- deinen Anbieter fragst, zu welchen Bedingungen ein Übertrag möglich sein wird
- dir überlegst, wie viel Risiko du mit einem kapitalmarktorientierten Depot eingehen möchtest
Wichtig: Eine Kündigung ist meist nicht der beste Weg, da sonst Förderungen oder Steuervorteile verloren gehen können. Sinnvoller ist es, den Vertrag zunächst zu prüfen und den offiziellen Start des Altersvorsorgedepots abzuwarten.

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Fazit: Lohnt sich der Wechsel von Riester-Rente zum Altersvorsorgedepot?
Mit dem Altersvorsorgedepot startet ab 2027 eine neue Form der staatlich geförderten Altersvorsorge, die stärker auf Kapitalmarktchancen und Flexibilität setzt als die klassische Riester-Rente. Bestehende Riester-Verträge bleiben zwar erhalten, für viele Sparerinnen und Sparer kann ein Wechsel ins neue Fördersystem jedoch attraktiv sein.
Vor allem jüngere Menschen mit langer Restlaufzeit bis zur Rente sowie Personen mit teuren oder renditeschwachen Altverträgen könnten von den höheren Renditechancen des Altersvorsorgedepots profitieren. Gleichzeitig bietet das neue Modell mehr Flexibilität bei Anlage und Auszahlung. Wer hohe Kinderzulagen erhält, kurz vor dem Ruhestand die Planungssicherheit schätzt oder besonders gute Alt-Konditionen besitzt, kann weiterhin von der klassischen Riester-Rente profitieren. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt immer von der individuellen Situation ab. Entscheidend sind unter anderem Alter, Einkommen, Kinderzulagen, Vertragskosten und bereits angespartes Guthaben.
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