Rentensystem – ein Ensemble aus alten Windmühlen bei Sonnenuntergang.
Rentensystem – ein Ensemble aus alten Windmühlen bei Sonnenuntergang.
© Paulo via Adobe Stock

Das deutsche Rentensystem – das musst du wissen

Key Takeaways
  • Das deutsche Rentensystem basiert auf dem sogenannten Umlageverfahren.
  • Die heutigen Beitragszahler finanzieren die Bezüge der aktuellen Rentenempfänger.
  • Der demografische Wandel stellt das Rentensystem vor große Herausforderungen.
  • Um die Rentenlücke zu schließen, solltest du frühzeitig privat vorsorgen.

Wie funktioniert das Rentensystem in Deutschland?

Das Rentensystem in Deutschland basiert auf dem sogenannten Umlageverfahren. Das bedeutet: Die aktuelle Generation der Erwerbstätigen finanziert mit ihren Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung die Bezüge der aktuellen Rentengeneration. Gleichzeitig erwirbt sie damit den Anspruch, ihrerseits später eine Rente zu beziehen. Man spricht im Zusammenhang mit dem deutschen Rentensystem daher auch vom Generationenvertrag. Anders als bei einem kapitalgedeckten Rentensystem werden die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung nicht angespart.

Aktuell liegt der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland bei 18,6 % vom Bruttolohn. Der Beitrag wird jeweils zur Hälfte von dir und deinem Arbeitgeber finanziert. Wie hoch deine Rente am Ende ausfällt, hängt von der Höhe und Dauer der Einzahlungen ab. Je mehr und länger du Beiträge zahlst, desto höher ist deine spätere Rente.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um Anspruch auf eine Rente zu haben?

Um einen Anspruch auf Rentenleistungen zu haben, musst du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Du musst mindestens 5 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen.
  • Für die Altersrente musst du je nach Geburtsjahr entweder 64 oder 66 Jahre alt sein.
  • Auch für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen werden dir Rentenpunkte gutgeschrieben.

Die sogenannte Rentenaltersgrenze wird in Deutschland bis zum Jahr 2029 stufenweise auf 67 Jahre angehoben. Gemeint ist das Alter, mit dem du regulär in Rente gehen kannst.

Was ist das 3-Schichten-Rentensystem?

Die individuelle Altersversorgung in Deutschland basiert traditionell auf 3 Säulen. Heutzutage spricht man auch vom 3-Schichten-Modell der Altersvorsorge. Die 3 Säulen oder Schichten beziehen sich auf die verschiedenen Bausteine der Altersvorsorge.

3-Schichten-Rentensystem: Basisvorsorge

Die 1. Schicht des 3-Schichten-Rentensystems umfasst die gesetzliche Rentenversicherung und weitere gesetzliche Pflichtsysteme wie z. B. die Beamtenversorgung. Auch die Rürup-Rente wird zur 1. Schicht gezählt.

Alle Vorsorgearten der 1. Schicht haben gemeinsam, dass sie nicht als Einmalleistung, sondern nur als lebenslange Rente ausgezahlt werden können. Außerdem kannst du einmal eingezahltes Kapital in der Regel nicht mehr entnehmen. Seit 2023 sind die Rentenbeiträge der 1. Schicht in der Ansparphase steuerfrei. Dafür steigt der Anteil der Rente, den du später versteuern musst, bis 2040 auf 100 % an.

3-Schichten-Rentensystem: Zusatzvorsorge

Zur Zusatzvorsorge gehören die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge. Die Beiträge zu beiden Vorsorgeformen sind steuerbegünstigt. Dafür musst du die Bezüge aus abgeschlossenen Verträgen zu 100 % versteuern.

Anders als z. B. bei der gesetzlichen Altersrente hast du bei der Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge die Wahl zwischen einer lebenslangen Rente oder einer Einmalzahlung. Auch bei der Riester-Rente kannst du dir 30 % des Kapitals in einer Summe auszahlen lassen, ohne die staatliche Förderung zurückzahlen zu müssen.

Als Arbeitnehmer hast du Anspruch auf die sogenannte Entgeltumwandlung. Das bedeutet, dass ein Teil deines Lohns oder Gehalts für eine spätere Betriebsrente angespart wird. Außerdem kannst du für deine betriebliche Altersversorgung die Riester-Förderung bekommen.

3-Schichten-Rentensystem: Private Vorsorge

Zur privaten Altersvorsorge gehören Lebens- und Rentenversicherungen, die du privat abschließt, aber auch Wertpapiere wie z. B. Aktien, Fonds und ETFs. Diese Säule oder Schicht des 3-Schichten-Rentensystems bietet dir das höchste Maß an Freiheit bei der Gestaltung deiner individuellen Altersvorsorge.

Die Sparbeträge bezahlst du zwar aus deinem versteuerten Einkommen, dafür ist die Auszahlung in der Entnahmephase steuerbegünstigt. Außerdem kannst du auch schon vor dem Renteneintritt jederzeit Kapital entnehmen.

Bei einem aktuellen Rentenniveau von 48 % steht dir im Ruhestand weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Bruttoeinkommens zur Verfügung. Um diese Rentenlücke zu schließen, spielt die private Altersvorsorge eine immer wichtigere Rolle. Informiere dich im comdirect Magazin über die Altersvorsorge mit ETFs und die Altersvorsorge mit Fonds. Dort findest du auch Tipps zur Altersvorsorge für Selbstständige.

Was sind die Vor- und Nachteile des deutschen Rentensystems?

Das Umlageverfahren ist der größte Vorteil des deutschen Rentensystems. Im Zuge des demografischen Wandels entpuppt es sich jedoch auch als sein größter Nachteil. Einerseits hat sich das deutsche Rentensystem als umlagefinanziertes Rentensystem im Vergleich zu kapitalgedeckten Modellen bei Finanzkrisen und hoher Inflation als sicherer und krisenfester erwiesen. Andererseits gerät es durch den demografischen Wandel zunehmend an seine Grenzen. Um das Rentenniveau stabil zu halten, müssen schon jetzt der staatliche Bundeszuschuss erhöht und das Renteneintrittsalter angehoben werden.

Die gesetzliche Rentenversicherung und der demografische Wandel

Deutschland befindet sich mitten im demografischen Wandel. Einer steigenden Lebenserwartung steht eine niedrigere Geburtenrate gegenüber – die Bevölkerung wird insgesamt immer älter. Diese Entwicklungen stellen das umlagefinanzierte Rentensystem in Deutschland vor große Herausforderungen.

Denn wenn sich der demografische Wandel fortsetzt, gibt es immer weniger Beitragszahler und gleichzeitig mehr Rentenbezieher – der Generationenvertrag gerät ins Bröckeln. Hinzu kommt, dass die Menschen immer älter werden und dementsprechend auch länger Rente beziehen. Die möglichen Folgen sind, dass die Rentenbeiträge langfristig steigen oder die Menschen immer länger arbeiten müssen.

Du träumst vom Vorruhestand? Informiere dich im comdirect Magazin über den Frugalismus und wie du Geld sparen kannst, um möglichst früh in Rente zu gehen.

Was sieht die deutsche Rentenreform 2024 vor?

Mit dem Rentenpaket II will die aktuelle Bundesregierung das deutsche Rentensystem reformieren. Ziel ist es, das Rentenniveau bis 2035 auf 48 % zu stabilisieren und den Anstieg der Rentenbeiträge abzudämpfen. Zur Finanzierung wird das umlagefinanzierte Rentensystem um eine kapitalgedeckte Säule ergänzt.

Das sogenannte Generationenkapital – ehemals Aktienrente – sieht den Aufbau eines Kapitalstocks von ca. 200 Mrd. Euro bis Mitte der 2030er vor. Die Mittel dafür stellt der Bund schuldenfinanziert und aus Eigenmitteln zur Verfügung – Rentenbeiträge fließen nicht in das Generationenkapital ein. Der aufgebaute Kapitalstock wird renditeorientiert und breit gestreut am Aktienmarkt angelegt. Ab Mitte der 2030er Jahre sollen ausschließlich die erzielten Erträge als dritte Finanzierungssäule in die gesetzliche Rentenversicherung einfließen.

Das Rentenniveau bezeichnet das Verhältnis zwischen der gesetzlichen Altersrente und dem Durchschnittseinkommen. Ein Rentenniveau von 48 % bedeutet dementsprechend, dass eine Person, die 45 Jahre lang rentenversichert war und durchschnittlich verdient hat, eine Altersrente in Höhe von 48 % des Durchschnittseinkommens erhält.

Alternative Rentensysteme: Welche internationalen Alternativen gibt es und wie funktionieren sie?

In der politischen Debatte über ein neues Rentensystem in Deutschland werden immer wieder die Rentensysteme anderer Länder als Vorbilder herangezogen.

Österreichisches Rentensystem

Manche deutsche Politikerinnen und Politiker sprechen sich für ein Rentensystem nach österreichischem Vorbild aus. Im Vergleich zu Deutschland fallen die Renten in Österreich nämlich höher aus – und werden sogar 14 anstatt nur 12 Mal im Jahr ausgezahlt. Obwohl das Land eine ähnliche demografische Entwicklung vollzieht, ist die gesetzliche Rente in Österreich noch immer darauf ausgelegt, den Lebensstandard abzusichern. Ziel ist ein Rentenniveau in Höhe von 80 % des Bruttoeinkommens nach 45 Versicherungsjahren und bei Renteneintritt mit 65 Jahren.

Anders als in Deutschland zahlen in Österreich auch staatliche Angestellte und Selbstständige in das Rentensystem ein. Außerdem sind sowohl die Sozialbeiträge als auch der staatliche Bundeszuschuss höher als in Deutschland. Die betriebliche Altersvorsorge ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers und spielt ebenso wie die private Vorsorge eine eher untergeordnete Rolle.

Das schwedische Rentensystem

Schweden hat sein Rentensystem 1999 um eine kapitalgedeckte Säule ergänzt und damit als eines der ersten europäischen Länder eine Aktienrente eingeführt. Seitdem fließen 2,5 % der Beitragszahlungen in Höhe von insgesamt 18,5 % in einen Fonds. Die übrigen 16 % der Rentenbeiträge werden der Einkommensrente zugerechnet.

Dabei können die Beitragszahlenden selbst auswählen, in welchen Fonds das Geld investiert wird. Treffen sie keine Entscheidung, wird der Beitragsanteil für die kapitalgedeckte Säule automatisch im staatlichen Aktienfonds AP7 angelegt.

Das niederländische Rentensystem

Auch das niederländische Rentensystem wird manchmal als mögliches Vorbild für das deutsche Rentensystem genannt. In den Niederlanden erhält jeder, der mindestens 1 Jahr in den Niederlanden gelebt hat, eine beitragsfinanzierte Grundrente – auch wenn er selbst keine Beiträge eingezahlt hat. Wer 50 Jahre in den Niederlanden gelebt hat, bekommt die volle Grundrente. Alleinstehende beziehen 70 % des Mindestlohns, Paare pro Partner 50 % des Mindestlohns. 2023 belief sich die volle Grundrente auf 1.430 Euro.

Ähnlich wie das deutsche Rentensystem basiert das niederländische Rentensystem auf 3 Säulen: der staatlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Der Beitragssatz liegt bei 18 %. Allerdings zahlen Arbeitnehmer die Beiträge komplett allein. Nur bei der 2. Säule – der betrieblichen Rente – übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte. Rund 90 % der Arbeitnehmer in den Niederlanden zahlen in die Betriebsrente ein.

Das Schweizer Rentensystem

Das Schweizer Rentensystem basiert wie das deutsche Rentensystem auf 3 Säulen: der staatlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge. Im Schweizer Rentensystem sind sowohl Säule 1 als auch Säule 2 obligatorisch: Neben den Beiträgen in die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) sind Angestellte auch in einer Pensionskasse pflichtversichert. Ziel ist es, dass die Bezüge aus Säule 1 und 2 im Alter rund 60 % des durchschnittlichen Bruttoeinkommens ausmachen.

Das Schweizer Rentensystem basiert ebenfalls auf dem Umlageverfahren. Auch in der Schweiz altert die Bevölkerung, die Lebenserwartung ist hoch und viele Menschen lassen sich frühpensionieren. Daher gerät auch das Schweizer Rentensystem zunehmend unter Druck.

Fazit: Das Rentensystem in Deutschland – ohne private Vorsorge droht Altersarmut

Durch den demografischen Wandel gerät das umlagefinanzierte Rentensystem in Deutschland zunehmend unter Druck. Wer allein auf die gesetzliche Rente setzt, hat schon jetzt eine vergleichsweise große Rentenlücke zu schließen, um seinen Lebensstandard im Alter zu halten. Um Altersarmut vorzubeugen, spielt das Sparen fürs Alter – also die private Altersvorsorge als 3. Säule des deutschen Rentensystems – daher eine immer wichtigere Rolle.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Vorsorgen und Versichern hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

Autor
comdirect Redaktion
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