Rentenpunkte berechnen Wie berechnen sich die Rentenpunkte?

Portrait einer kurzhaarigen Frau, die mit einem Becher und einem Smartphone auf der Terrasse sitzt
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Wer fleißig in die Rentenkasse einzahlt, sammelt im Laufe seines Berufslebens sogenannte Rentenpunkte. Welchen Einfluss diese auf die Höhe Ihrer Rente haben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wir erklären, wie sich die Rentenpunkte berechnen, wie viel man verdienen muss, um einen Entgeltpunkt zu erhalten und wie viel ein solcher Punkt später wert ist. Auch die Formel zur Berechnung der Rentenhöhe stellen wir vor. Zudem gehen wir darauf ein, ob man Rentenpunkte auch kaufen kann.

Was sind Rentenpunkte?

Wer als Angestellter in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist oder als Selbständiger freiwillig in die Rentenkasse einzahlt, sammelt im Laufe seines Erwerbslebens Rentenpunkte bzw. Entgeltpunkte an. Diese kann man sich wie ein Guthaben auf dem persönlichen Rentenkonto vorstellen. Die Rentenpunkte sind quasi die „Währung“ der gesetzlichen Rentenversicherung und entscheiden zu einem erheblichen Teil mit, wie hoch die Rente später ausfallen wird.

Wie wird ein Entgeltpunkt berechnet?

Die Entgeltpunkte berechnen sich in erster Linie nach dem Arbeitsentgelt im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen. Wie viele Rentenpunkte gutgeschrieben werden, hängt also davon ab, wie viel man in einem Jahr im Vergleich zu allen anderen Versicherten in Deutschland verdient. Das Durchschnittsentgelt ist von der Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter abhängig und fällt dementsprechend Jahr für Jahr unterschiedlich hoch aus. Generell gilt:

  1. Wer genau so viel wie das Durchschnittsentgelt verdient, bekommt 1 Rentenpunkt.
  2. Wer doppelt so viel wie das Durchschnittsentgelt verdient, bekommt 2 Rentenpunkte.
  3. Bei niedrigerem Einkommen werden nur anteilige Rentenpunkte vergeben.

Wie viel muss ich verdienen, um einen Rentenpunkt zu bekommen?

Das vorläufige Durchschnittsentgelt für das Jahr 2020 beträgt 40.551 Euro (Stand Oktober 2020).¹ So viel müssten Rentenversicherte also in diesem Jahr verdienen, um einen Rentenpunkt auf ihrem Rentenkonto gutgeschrieben zu bekommen. Da die Löhne in den neuen Bundesländern niedriger sind als in den alten Ländern, gibt es momentan noch unterschiedliche Durchschnittsentgelte für Ost und West. Das Durchschnittseinkommen für die neuen Bundesländer wird als fiktives Einkommen auf Basis des westdeutschen Durchschnittsentgelts errechnet. Für 2020 beträgt der Umrechnungsfaktor für die Gehälter im Osten 1,07 (Stand Oktober 2020). In den alten Bundesländern müssen Rentenversicherte dementsprechend 37.898 Euro verdienen, um einen vollen Rentenpunkt gutgeschrieben zu bekommen. Der nachstehenden Tabelle können Sie entnehmen, wie die Durchschnittsentgelte in früheren Jahren in Ost und West ausfielen.

Durchschnittsentgelte und Umrechnungsfaktoren für die Jahre 2018 –2020, Ost und West

JahrWestOstUmrechnungsfaktor
202040.551 €37.898 €1,0700
201938.901 €35.887 €1,0840
201838.212 €33.699 €1,1339

Gut zu wissen: Rentenpunkte gibt es ausschließlich für das versicherte Arbeitsentgelt. Übersteigt dieses Entgelt die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze, werden für den übersteigenden Teil keine Rentenpunkte gutgeschrieben. 2020 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung jährlich 82.800 Euro und monatlich 6.900 Euro (Stand Oktober 2020). Für das Jahr 2020 können also maximal 2,04 Rentenpunkte erwirtschaftet werden.

Wie viele Rentenpunkte bekomme ich?

Bei der Rentenberechnung steht die individuelle Leistung des Einzelnen in einem solidarischen System im Mittelpunkt. Wer länger arbeitet oder mehr verdient, kann auch mehr Rentenpunkte sammeln und bekommt dementsprechend in der Regel später eine höhere Rente. Um auszurechnen, wie viele Rentenpunkt für ein bestimmtes Jahr vergeben werden, muss man einfach nur das tatsächliche Entgelt durch das jeweilige Durchschnittsentgelt teilen. Die folgende Übersicht zeigt beispielhaft an drei verschiedenen Jahreseinkünften, wie viele Rentenpunkte für 2020 jeweils vergeben werden würden. Die Berechnung erfolgt anhand des vorläufigen Durchschnittsentgelt für 2020 in Höhe von 40.551 Euro.

Beispielhafte Berechnung der Rentenpunkte für 2020 anhand verschiedener Jahreseinkommen

Jahreseinkommen 2020Rentenpunkte für 2020
32.000 €0,79
40.551 €1,0
45.000 €1,11

Entgeltpunkte ergeben sich jedoch nicht nur aus dem versicherten Arbeitsentgelt – auch Solidarbeiträge wie Kindererziehung, Pflege und Ausbildung werden bei der Rentenberechnung berücksichtigt.

Rentenpunkte für Kindererziehung

Als Ausgleich für die entgangene Arbeitszeit werden Kindererziehungszeiten auf die Rente angerechnet. Für die Zeit der Kindererziehung werden für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, pro Kind bis zu 2 Jahre und 6 Monate gutgeschrieben (Stichwort: Mütterrente). Für die Kinder, die 1992 oder danach auf die Welt gekommen sind, beträgt die Gutschrift bis zu 3 Jahre pro Kind. Da Kindererziehung in etwa so gewertet wird, als hätte man in dieser Zeit Beiträge entsprechend dem Durchschnittsentgelt eingezahlt, ist jedes angerechnete Erziehungsjahr einen Rentenpunkt wert.

Gut zu wissen: Wer Kinder erzieht und nebenbei noch arbeitet, bekommt die Entgeltpunkte für die Kindererziehung zusätzlich zu den Punkten für die geleisteten Beiträge gutgeschrieben.

Rentenpunkte für Pflegezeiten

Die nicht erwerbsmäßige Pflege von Familienangehörigen wirkt sich ebenfalls auf die Rente aus. So wird die Pflegezeit als Beitragszeit gezählt und zusätzlich auf die sogenannte Wartezeit angerechnet. Dafür müssen jedoch verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. So müssen eine oder mehrere Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 oder höher gepflegt werden. Dabei muss die Pflege mindestens 10 Stunden, verteilt auf wenigstens zwei Wochentage, ausgeübt werden. Außerdem darf die pflegende Person nebenbei nicht mehr als 30 Stunden arbeiten.

Rentenpunkte für Schule und Ausbildung

Bei Auszubildenden werden bis zu drei Jahre ihrer Ausbildungszeit in der Rentenberechnung höher bewertet. Konkret bedeutet das, dass diese Zeit mit bis zu 75 Prozent des Durchschnittsentgelts angesetzt wird. Azubis bekommen also für eine begrenzte Zeit mehr Rentenpunkte angerechnet als ihnen nach ihrem versicherten Arbeitsentgelt zustehen würde. Das gilt für alle tatsächlichen Ausbildungen, die bis zum 25. Lebensjahr absolviert und in denen Pflichtbeiträge entrichtet werden. Der Besuch einer Fachhochschule oder Hochschule bzw. Universität wird frühestens ab dem 17. Geburtstag auf die Rente angerechnet. Ein Abschluss muss nicht nachgewiesen werden. Maximal können insgesamt acht Jahre für Schul- und Studienzeiten angerechnet werden.

Tipp: Trotz der Anrechnung von Schul- und Ausbildungszeiten lohnt es sich, frühzeitig damit zu beginnen, fürs Alter zu sparen. Einen guten Einstieg in die Geldanlage und das Sparen bietet das Depot von comdirect.

Wie viel ist ein Rentenpunkt wert?

Wie viel ein Rentenpunkt wert ist – also in welcher Höhe sich ein Punkt später auf die Rente pro Monat auswirkt –, lässt sich am aktuellen Rentenwert ablesen. Auch diese Zahl wird jährlich angepasst. Seit Juli 2020 beträgt der aktuelle Rentenwert in Westdeutschland 34,19 Euro und in Ostdeutschland 33,23 Euro (Stand Oktober 2020). Für jeden gesammelten Rentenpunkt gibt es später also den jeweiligen Betrag an Rente pro Monat.

Wie berechnet man die Rentenhöhe?

Die Entgeltpunkte sind für die individuelle Rentenhöhe zwar der entscheidende, aber nicht der einzige Faktor. Zur Berechnung der Altersrente wird folgende Formel angewendet:

Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor = monatliche Rentenhöhe

Mit den Entgeltpunkten und dem aktuellen Rentenwert haben wir uns in diesem Artikel bereits ausführlich beschäftigt. Der Zugangsfaktor dient der Berücksichtigung von Zu- oder Abschlägen bei der Rentenberechnung. Ohne Zu- oder Abschläge beträgt dieser Faktor 1,0. Wer früher in Rente geht, muss Abschläge von 0,3 Prozent für jeden Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme in Kauf nehmen. Von einem höheren Zuschlagsfaktor und somit von Zuschlägen zur Rente profitiert dagegen, wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze zunächst auf seine Rente verzichtet und weiterarbeitet. Der Rentenartfaktor bestimmt schließlich die Rentenhöhe nach Art der Rente. Für die reguläre Rente wegen Alters und der Rente wegen voller Erwerbsminderung beträgt er 1,0. Bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung ist der Rentenartfaktor 0,5 und bei der Halbwaisenrente beläuft er sich auf 0,1.

Tipp: Um später nicht an Altersarmut zu leiden, sollte man neben der gesetzlichen Rente auch privat vorsorgen – eine Möglichkeit ist die Altersvorsorge mit ETFs.

Kann man Rentenpunkte kaufen?

Gut zu wissen: Rentenminderungen, die bei einer Erwerbsminderungsrente entstehen, können nicht ausgeglichen werden.

Tatsächlich ist es möglich, Abschläge durch frühzeitige Inanspruchnahme ganz oder teilweise auszugleichen. Der „Kauf“ von Rentenpunkten durch sogenannte Sonderzahlungen ist allerdings erst ab dem 50. Lebensjahr und bei Erreichen von mindestens 35 Versicherungsjahren bis zum geplanten Rentenbeginn möglich. Wie hoch der Betrag ist, der zum Ausgleich der Rentenminderung gezahlt werden könnte, erfährt man auf Antrag vom zuständigen Rentenversicherungsträger. Darüber hinaus gilt: Wenn Sie in Erwägung ziehen, Sonderzahlungen zu leisten, sollten Sie sich vorab bei Ihrem Rentenversicherungsträger beraten lassen, inwieweit sich solche Ausgleichszahlungen in Ihrem individuellen Fall lohnen.

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¹ Quelle: Referentenentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales