- Die gesetzliche Rente reicht für den gewohnten Lebensstandard wahrscheinlich nicht aus.
- Die Rentenlücke ist der Fehlbetrag zwischen gesetzlicher Rente und Wunschrente.
- Um die Rentenlücke zu schließen, solltest du frühzeitig beginnen, privat vorzusorgen.
Definition: Was ist die Rentenlücke?
Als Rentenlücke bezeichnet man die Differenz zwischen deinem bisherigen Nettoeinkommen und dem Geld, das dir im Ruhestand zur Verfügung steht. Als Faustregel benötigst du im Alter etwa 80 % deines letzten Nettoeinkommens, um deinen Lebensstandard zu halten. Dieses Niveau lässt sich aus der gesetzlichen Rente allein in der Regel nicht halten.
Deshalb basiert das deutsche Rentensystem auf 3 Säulen: Neben der staatlichen Rente als 1. Säule gibt es noch die betriebliche und die private Altersvorsorge. Um deine Wunschrente zu erzielen und im Alter keine großen Abstriche beim Lebensstandard zu machen, solltest du daher frühzeitig beginnen, privat fürs Alter vorzusorgen.
Warum reicht die gesetzliche Rente oft nicht aus?
Das Rentenniveau in Deutschland liegt derzeit bei 48 %. Das bedeutet: Wer 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt und dabei jedes Jahr exakt das Durchschnittseinkommen verdient, bezieht – statistisch gesehen – eine Rente von 48 % des aktuellen Durchschnittseinkommens.
Das heißt jedoch nicht, dass jeder Rentenbeziehende in Deutschland 48 % seines letzten Einkommens als Rente bezieht. Tatsächlich fällt die Höhe der Rente bei jeder Person unterschiedlich aus – und somit auch die Rentenlücke. Denn: Nicht alle Erwerbstätigen zahlen 45 Jahre lang in die Rentenkasse ein und erzielen durchgehend das Durchschnittseinkommen. Daher sind bestimmte Gruppen besonders von der Rentenlücke betroffen.

Das deutsche Rentensystem basiert auf dem Umlageverfahren. Die Berufstätigen, die heute in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, finanzieren diejenigen, die jetzt schon Rente beziehen. Dieser „Generationenvertrag“ wird durch eine alternde Gesellschaft infrage gestellt. Denn auf weniger Berufstätige kommen immer mehr Rentner. Das Geld in der Rentenkasse wird also knapp.
Wen betrifft die Rentenlücke besonders?
Die Rentenlücke betrifft grundsätzlich alle Arbeitnehmenden und Selbstständigen, deren Rente nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.
Es gibt jedoch Personengruppen, die besonders von Altersarmut betroffen sind:
- Frauen: Selbst bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt immer noch 6 % weniger als Männer. Diese geschlechtsspezifische Lohnlücke – der Gender-Pay-Gap – führt zu geringeren Rentenansprüchen im Alter. Hinzu kommt, dass Frauen mehr unbezahlte Care-Arbeit leisten und aufgrund von Kindererziehung und Pflege von Angehörigen häufiger Brüche in der Erwerbsbiografie aufweisen.
- Geringverdienende: Wer wenig verdient oder gar keiner sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nachgeht, sammelt weniger oder keine Rentenpunkte und erwirbt dementsprechend geringere oder keine Ansprüche aus der gesetzlichen Rente.
- Selbstständige: Gewerbetreibende sowie Freiberuflerinnen und Freiberufler sind häufig nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert und haben somit keinen Anspruch auf eine staatliche Rente. Sie müssen privat vorsorgen, was ein hohes Maß an Eigeninitiative erfordert und aufgrund des schwankenden Einkommens herausfordernd sein kann.
Wie berechne ich meine persönliche Rentenlücke?
Die persönliche Rentenlücke zu berechnen, ist der 1. Schritt, um deine private Altersvorsorge zu planen.
Bedarf ermitteln
Als erstes solltest du ermitteln, wie viel Geld du im Alter voraussichtlich brauchen wirst. Eine Faustregel besagt, dass 80 % deines aktuellen Nettoeinkommens erforderlich sind, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wenn du netto 2.500 Euro mit nach Hause nimmst, bräuchtest du also eine monatliche Rente von 2.000 Euro.

Die reinen Lebenshaltungskosten könntest du wahrscheinlich auch mit 50 % deines letzten Einkommens decken. Mit 80 % steht dir vermutlich genügend Geld zur Verfügung, um auch einmal in den Urlaub zu fahren und Hobbys nachgehen zu können.
Gesetzliche Rente ermitteln
Im nächsten Schritt geht es darum, herauszufinden, wie viel Geld dir im Alter voraussichtlich zur Verfügung stehen wird. Als pflichtversicherte Person erhältst du ab dem 27. Lebensjahr und 5 Beitragsjahren automatisch die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Darin findest du deine bisher erworbenen Rentenansprüche sowie die voraussichtliche Rentenhöhe bei gleichbleibender Beitragszahlung.
Zusätzliche Einnahmen auflisten
Berücksichtige auch weitere erwartete Einnahmen aus der betrieblichen Altersvorsorge, privaten Rentenversicherungen, Immobilien oder anderen Formen der Geldanlage.
Rentenlücke berechnen
Deine persönliche Rentenlücke ergibt sich aus der Differenz deiner benötigten Rentenbezüge oder deiner Wunschrente und den zu erwartenden Zuflüssen aus der gesetzlichen Rente sowie einer möglichen betrieblichen und privaten Altersvorsorge.

Bei unserer Berechnung der Rentenlücke handelt es sich lediglich um eine grobe Einschätzung. So sind beispielsweise weder künftige Rentensteigerungen noch die Entwicklung der Inflation berücksichtigt.
Wie kann ich die Rentenlücke schließen?
Die gesetzliche Rente allein wird höchstwahrscheinlich nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Daher gilt es, frühzeitig mit der privaten Altersvorsorge zu beginnen. Wir stellen dir hier die wichtigsten Strategien und Möglichkeiten vor, um deine Rentenlücke zu schließen.
Rentenbeiträge nachzahlen
Pflichtversicherte, die nicht älter als 45 Jahre alt sind, können auf Antrag freiwillige Rentenbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung nachzahlen. Die Höhe ist zwischen mindestens 112,16 Euro und höchstens 1.571,70 Euro pro Monat frei wählbar.
Freiwillige Nachzahlungen können beispielsweise sinnvoll sein, wenn du dir ein langes Studium oder Kindererziehungszeiten als Wartezeiten anrechnen lassen oder früher in Rente gehen willst, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen.
Betriebliche Altersvorsorge
Als Angestellte oder Angestellter hast du Anspruch auf Entgeltumwandlung. Das bedeutet, dass du einen Teil deines Bruttogehalts für eine betriebliche Altersvorsorge verwenden lassen kannst. Dieses Geld muss dein Arbeitgeber bis zu einer bestimmten Höhe steuer- und sozialabgabenfrei in ein Altersvorsorgeprodukt investieren.
Rürup-Rente
Die Rürup- oder Basisrente ist eine Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge für Selbstständige. Die Beiträge sind in der Ansparphase in voller Höhe als Sonderausgaben steuerlich absetzbar, wovon vor allem Gutverdienende mit hohem Steuersatz profitieren.
Bei Renteneintritt wird das angesparte Kapital zzgl. einer möglichen Rendite als lebenslange monatliche Rente ausgezahlt. Die Rürup-Rente unterliegt der nachgelagerten Besteuerung und ist je nach Jahr des Renteneintritts beinahe in voller Höhe zu versteuern.
Wertpapiersparplan
Sparpläne werden als Möglichkeit der privaten Altersvorsorge mit ETFs, Fonds oder anderen Wertpapieren immer beliebter. Mit einem Wertpapiersparplan kannst du schon mit kleinen Beträgen regelmäßig an der Börse investieren. Voraussetzung für die Geldanlage mit Sparplänen ist ein Wertpapierdepot.
ETF-Sparpläne zeichnen sich durch vergleichsweise niedrige Kosten und eine breite Diversifizierung aus. Mit einem Sparplan kannst du langfristig vom Cost-Average-Effekt profitieren. Die höheren Renditechancen gehen jedoch stets mit Verlustrisiken einher.
Altersvorsorgedepot
Ab 2027 kannst du mit dem Altersvorsorgedepot staatlich gefördert in ETFs und Fonds investieren. Je nach Höhe deiner Einzahlungen erhältst du eine staatliche Grundzulage von maximal 540 Euro sowie ggf. eine Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr. Junge Sparende unter 25 Jahren erhalten einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.
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Für den staatlich geförderten Teil des Altersvorsorgedepots gelten besondere Vorgaben: Dein Kapital ist grundsätzlich bis zum vollendeten 65. Lebensjahr bzw. bis zu einem früheren Beginn der gesetzlichen Altersrente gebunden. Unter bestimmten Voraussetzungen gelten Ausnahmen für selbstgenutztes Wohneigentum.
Zu Beginn der Auszahlungsphase kannst du dir bis zu 30 % des angesparten Kapitals auf einmal auszahlen lassen. Die übrigen 70 % werden als lebenslange Rente oder über einen monatlichen Auszahlplan ausgezahlt. Für den ungeförderten Teil können abweichende Regelungen gelten.
Zudem ist die Auswahl an investierbaren Anlagen beschränkt. Schließlich unterliegt dein Kapital den üblichen Schwankungen der Kapitalmärkte, sodass auch Verluste nicht ausgeschlossen sind.

Das Altersvorsorgedepot ist das staatliche geförderte Nachfolgemodell der Riester-Rente. Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge können jedoch weitergeführt werden. Ob du einen bestehenden Riester-Vertrag kündigen solltest und ob sich der Übertrag von der Riester-Rente zum Altersvorsorgedepot lohnt, kannst du im comdirect Magazin nachlesen.
Wann sollte ich anfangen, die Rentenlücke zu schließen?
Um die Rentenlücke zu schließen, solltest du möglichst früh anfangen, privat vorzusorgen. Schon Studierende oder Berufseinsteigende können mit dem Sparen fürs Alter beginnen. Mit der Frühstart-Rente sollen schon Kinder ab 6 Jahren staatlich gefördert an die private Altersvorsorge herangeführt werden.
Ein Grund, warum es sich lohnt, schon frühzeitig mit dem Vermögensaufbau zu beginnen, ist der Zinseszinseffekt. Dieser greift umso stärker, je länger du dein Geld für dich arbeiten lässt.
Spätestens mit 50 Jahren solltest du deine individuelle Rentenlücke ermitteln und handeln, da dir nur noch 10 bis 15 Jahre bis zum Ruhestand bleiben. Wenn du planst, in den Vorruhestand zu gehen, kannst du ab 50 Jahren Abschläge bei der gesetzlichen Rente durch Sonderzahlungen ausgleichen.
Welche Fehler sollte ich vermeiden, wenn ich meine Rentenlücke schließen will?
Um deine individuelle Rentenlücke zu schließen, solltest du diese Fehler möglichst vermeiden:
- Vorsorge aufschieben: Der größte Fehler besteht darin, zu spät mit dem Sparen zu beginnen. Je früher du anfängst, desto weniger Eigenkapital brauchst du, da dein Vermögen durch den Zinseszinseffekt überproportional wächst.
- Rentenlücke ignorieren: Die gesetzliche Rente allein reicht sehr wahrscheinlich nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Deshalb ist es wichtig, die persönliche Rentenlücke frühzeitig zu ermitteln und gegenzusteuern, um Altersarmut zu verhindern.
- Konservativ sparen: Die Verzinsung klassischer Sparprodukte wie Tages- oder Festgeld reicht in der Regel nicht aus, um die Inflation auszugleichen. Wer langfristig von höheren Renditechancen profitieren möchte, kommt um den Wertpapierhandel nicht herum.
- Förderung liegen lassen: Von der Betriebsrente bis zum neuen Altersvorsorgedepot gibt es verschiedene Möglichkeiten, staatlich gefördert und steuervergünstigt vorzusorgen. Informiere dich deshalb rechtzeitig, welche Förderung für dich infrage kommt.
Fazit: Rentenlücke schließen – frühzeitig beginnen, staatliche Förderung nutzen
Auch wenn die Rente vielleicht noch lange hin ist, lohnt es sich, schon jetzt mit dem Sparen zu beginnen. Sparmethoden wie die 50-30-20-Regel oder das Terrassenmodell der Geldanlage helfen dir, den Anfang zu machen und das richtige Gleichgewicht zwischen Genuss und Vorsorge zu finden.
Das neue Altersvorsorgedepot verbindet die höheren Renditechancen von Kapitalanlagen mit staatlicher Förderung und ist eine von mehreren Möglichkeiten, deine persönliche Rentenlücke zu schließen.
Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.
Wenn du noch Fragen zu den Themen Vorsorgen und Versichern hast, nutze gerne unsere Volltextsuche auf www.comdirect.de. Dort findest du schnell und einfach viele Antworten auf die häufigsten Fragen. Solltest du dort keine passende Antwort finden, stehen wir dir gerne zur Verfügung – entweder über unser Kontaktformular auf der Website oder telefonisch unter 04106 – 708 25 00. Als comdirect Kundin oder Kunde halte bitte deine Zugangsdaten bereit.

