Notgroschen und Notfallfonds Finanzielle Grundlage für schwierige Zeiten

Ein Mann hält seine Freundin im Arm und trägt ein Fahrrad.
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Unerwartete Ereignisse werden schnell zur finanziellen Belastung: Sei es der plötzliche Verlust des Arbeitsplatzes oder nur eine kostspielige Autoreparatur – ohne finanzielle Rücklagen wird es schwierig, solche unerwarteten Ausgaben zu stemmen. Wir erklären Ihnen, warum ein Notgroschen sinnvoll ist und wie viel Sie ansparen sollten, damit ein Notfall Sie nicht aus der Bahn wirft.

Was sind Notgroschen und Notfallfonds?

Notgroschen und Notfallfonds zielen beide auf das gleiche Ergebnis ab: die finanzielle Absicherung im Notfall. Denn Krisen- und Notfallsituationen treffen uns oft ohne Vorwarnung. Das können schwere Einschnitte wie eine Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes sein. Aber auch kleinere Unregelmäßigkeiten wie eine teure Reparatur oder eine Steuernachzahlung reißen schnell ein Loch in die Kasse. Wer sich absichern will, sollte deshalb mit Notgroschen und Notfallfonds finanzielle Rücklagen aufbauen, um im Notfall finanziell gut aufgestellt zu sein.

Notgroschen: Ein „Polster“ für unerwartete Ausgaben

Der berühmte Notgroschen soll vor allem die Kosten für plötzliche kleinere Anschaffungen abdecken. Dazu zählt beispielsweise der Kauf neuer Haushaltsgeräte, der Ersatz für ein verlorenes oder gestohlenes Handy und kostspielige Reparaturen. Solche Ausgaben sind zwar ärgerlich, aber nun mal notwendig. Im deutschen Sprachgebraucht existieren für den Begriff Notgroschen zahlreiche Synonyme. Egal, ob Omas Sparpfennig oder die berühmte eiserne Reserve – hinter allen Begriffen versteckt sich die gleiche Bedeutung: finanzielle Rücklagen. Dabei beschreiben der Begriff Sparpfennig den Sinn sehr deutlich, wohingegen der Begriff der eisernen Reserve ursprünglich aus dem Krieg stammt und die Verpflegungsreserve der Soldaten bezeichnete.

Notfallfonds: Finanzielle Rücklage für Krisenzeiten

Notfallfonds sollen im Vergleich zum Notgroschen dazu dienen, höhere und langfristigere Kosten abzudecken. Dabei geht es nicht um kleinere Reparaturen oder Neuanschaffungen, sondern Kosten, die beispielsweise in Folge einer schweren Krankheit oder des Verlusts des Arbeitsplatzes entstehen. Wer mit einem Notfallfonds vorsorgt, kann so womöglich auf Überziehungskredite und Darlehen verzichten.

Wichtig: Der Begriff Notfallfonds wird in Deutschland nicht einheitlich verwendet. Er bezeichnet in der Regel staatliche oder private Fonds, die Privatpersonen und Unternehmen unterstützen sollen. Als Notfallfonds werden jedoch auch private Ersparnisse bezeichnet, die kostspielige und längerfristige Ereignisse, wie den Verlust des Arbeitsplatzes, abfedern sollen.

Unter bestimmten Umständen haben Sie Anspruch auf Gelder aus staatlichen oder privaten Notfallfonds – etwa bei globalen Ereignissen, die die Wirtschaft in eine tiefe Rezession rutschen lassen. So beschloss die Bundesregierung im Jahr 2020 beispielsweise einen Notfallfonds für Studenten, die auf Grund der Corona-Pandemie ihre Nebenjobs verloren hatten. Aber auch Massenentlassungen oder Unternehmensschließungen können Notfallfonds auf den Plan rufen. Mittlerweile bieten auch immer mehr Unternehmerverbände ihren Mitgliedern und Privatpersonen Hilfe in Form von Notfallfonds an. Wer auf Grund von langer Krankheit oder unvorhergesehenen Ereignissen plötzlich erwerbslos wird kann also unter Umständen Unterstützung aus privaten Fonds erhalten.

Unterschied Notgroschen und Notfallfonds
Quelle: eigene Darstellung

Wie hoch sollte der Notgroschen sein?

Für die Höhe des Notgroschens gibt es keine pauschalen Vorgaben. Manche bevorzugen 3 bis 6 Monatsgehälter, anderen reicht wiederum ein Monatsgehalt. Und wieder andere legen ihr persönliches Sparziel ganz individuell und nach eigenem Risiko fest. Generell kann man sich für die Höhe der eigenen Rücklagen an den persönlichen Lebenshaltungskosten orientieren. Hierzu zählen neben Miete und Nebenkosten auch die Kosten für Versicherungen und Mitgliedschaften, Auto oder den Öffentlichen Nahverkehr. Aber auch die persönliche Lebenssituation spielt eine wichtige Rolle. So benötigen Familien mit Kindern in der Regel höhere finanzielle Ersparnisse als Singles. Und auch bei Arbeitnehmern und Selbstständigen kann die Höhe des Notgroschens variieren.

Familien mit Kindern und Alleinerziehende

Besonders Eltern sollten sich mit dem Thema Notgroschen und Notfallfonds auseinandersetzen. Denn gerade mit Kindern kommen häufig ungeplante Ausgaben hinzu. Ein Notfall, der hohe Kosten nach sich zieht, kann schnell ein Loch in die Familienkasse reißen und so beispielsweise den lange geplanten Familienurlaub platzen lassen. Damit Kinder später mit einem eigenen Notgroschen starten können, bieten sich spezielle Geldanlagen und Sparpläne für Kinder an. So bilden Sie schon frühzeitig Rücklagen, zum Beispiel für die Reparatur des ersten eigenen Autos.

Arbeitnehmer und Selbstständige

Wie hoch der Notgroschen sein sollte, kann sich auch bei Arbeitnehmern und Selbstständigen unterscheiden. So werden sich Beamte in der Regel weniger Gedanken um finanzielle Rücklagen machen als Selbstständige. Für die Höhe sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wie sicher ist mein Job bei meinem Arbeitgeber?
  • Wie krisensicher ist die Branche, in der ich tätig bin?
  • Bin ich als Selbstständiger anderweitig abgesichert?

Anhand dieser Fragen lässt sich beurteilen, wie risikobehaftet das eigene Leben ist. Wenn Sie sich Gedanken über Ihr persönliches Risiko gemacht haben, können Sie meist auch die Höhe Ihres Notgroschens besser einschätzen.

Studenten, Rentner und Immobilieneigentümer

Besonders Studenten sind oft knapp bei Kasse. Eine kostspielige Reparatur ist für das knapp bemessene Budget oft ein Tiefschlag. Deshalb sollten gerade Studenten finanzielle Rücklagen aufbauen. Mit einfachen Spartipps für Studenten lässt sich auch mit einem geringen Budget ein Notgroschen anlegen. Auch für Rentner ist ein Notgroschen empfehlenswert, damit sie unvorhergesehene Ausgaben nicht aus der wertvollen Altersvorsorge bestreiten müssen. Wer auf eine Immobilie als Kapitalanlage setzt weiß, dass jeder Euro, der übrig ist, in die Immobilie gesteckt wird. Doch gerade bei Immobilien können schnell unerwartete Kosten entstehen. Deshalb empfiehlt es sich auch für Eigentümer von Immobilien, einen Notgroschen für kleinere Reparaturen und Ausgaben anzulegen.

Wie kann man Notgroschen und Notfallfonds aufbauen und anlegen

Notgroschen und Notfallfonds sollen bei Bedarf sofort verfügbar sein. Es bietet sich deshalb an, Erspartes für den Notfall auf einem gesonderten Girokonto oder Sparkonto anzulegen. Wer seine finanziellen Reserven in Sparpläne anlegt, läuft unter Umständen Gefahr, nicht sofort darauf zugreifen zu können. Und genau das ist im Notfall entscheidend. Zudem kann ein Notgroschen, der mit Hilfe von ETFs oder Aktien aufgebaut wird, auch zu unerwünschten Verlusten führen.

Machen Sie zum Aufbau Ihrer Ersparnisse einen Plan, der festlegt, wie viel Geld Sie im Monat zurücklegen. Natürlich kann es sein, dass Sie in manchen Monaten mehr zurücklegen können als in anderen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken: Ob 30 oder 300 Euro – im Notfall zählt jeder Cent.

5 Tipps fürs Ansparen von Notgroschen und Notfallfonds

Mit unseren 5 Tipps gelingt der erste Schritt in Richtung finanzielle Absicherung.

  1. Einnahmen und Ausgaben erfassen: Um einen Überblick über die laufenden Kosten zu erhalten, sollten Sie über einen Zeitraum von mindestens einem Monat Ihre Einnahmen und Ausgaben erfassen. Wer es genau nimmt, kann seine Ausgaben auch nach Kategorien sortieren – etwa Lebensmittel, Versicherungen und Beiträge sowie Freizeitausgaben. So erhalten Sie ganz nebenbei auch einen Überblick über Ihre Finanzen.
  2. Fixe und variable Kosten optimieren: Um fixe Kosten wie Miete und Strom kommen Sie nicht drumherum. Aber auch können Sie sparen – zum Beispiel indem Sie Stromanbieter vergleichen und das Ersparte in Notfallgroschen und Notfallfonds investieren. Auch variable Kosten wie Freizeitaktivitäten lassen sich auf diese Weise optimieren.
  3. Notgroschen und Notfallfonds getrennt ansparen: Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen möchten, sollten Sie Notgroschen und Notfallfonds getrennt ansparen und anlegen. So vermeiden Sie, dass Sie auch für kleinere Ausgaben der Notfallfonds antasten und Ihre finanziellen Rücklagen aufbrauchen.
  4. Dauerauftrag einrichten: Wenn Sie monatlich einen festen Betrag sparen, können Sie einen Dauerauftrag einrichten. So gehen Sie sicher, dass Sie die monatliche Sparsumme nicht vernachlässigen.
  5. Jeder Euro zählt: Gerade zu Beginn ist es oft schwierig, eine konkrete Sparstrategie zu entwickeln und monatlich die gleiche Summe zur Seite zu legen. Machen Sie sich keinen Druck – auch Kleinbeträge lassen den Notgroschen wachsen.

Fazit: Finanzielle Absicherung ernst nehmen

Jahrelang passiert nichts und dann kommt alles ganz plötzlich: Notfälle und damit verbundene Folgekosten können jeden treffen. Grund genug, die finanzielle Absicherung ernst zu nehmen. Wer in Notfallgroschen und Notfallfonds investiert, schafft sich ein finanzielles Polster und ist im Notfall gut gerüstet.

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