Finanzielles Ungleichgewicht in der Beziehung – Mann und Frau beim Surfen.
Finanzielles Ungleichgewicht in der Beziehung – Mann und Frau beim Surfen.
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Finanzielles Ungleichgewicht in der Beziehung: So vermeidet ihr Konflikte

Key Takeaways
  • Verdient ein Partner mehr als der andere, entsteht ein finanzielles Ungleichgewicht.
  • Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch immer weniger als Männer.
  • Ein finanzielles Ungleichgewicht in der Beziehung kann zu Konflikten führen.
  • Offene Kommunikation und ein stimmiges Kontenmodell können Streitigkeiten vermeiden.

Definition: Was ist ein finanzielles Ungleichgewicht in einer Beziehung?

In jeder ernsthaften Beziehung spielt neben Liebe und Romantik auch Geld eine Rolle. Schon beim Zahlen der gemeinsamen Restaurantrechnung stellt sich die Frage: zusammen oder getrennt? Spätestens wenn ihr euch entscheidet, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen oder sogar eine Familie zu gründen, solltet ihr offen über das Thema Finanzen sprechen.

Ein finanzielles Ungleichgewicht in einer Beziehung liegt vor allem dann vor, wenn ein Partner mehr verdient oder bereits ein größeres Vermögen mit in die Beziehung bringt. Ein finanzielles Ungleichgewicht in Beziehungen kann aber auch aus einem unterschiedlichen Ausgabeverhalten resultieren. Dabei müssen sich nicht immer extreme Haltungen wie Frugalismus oder Minimalismus und verschwenderischer Prunk gegenüber stehen. Manchmal reicht es aus, wenn ein Partner ein teures Hobby pflegt, während der andere lieber fürs Alter spart.

Wie entsteht ein finanzielles Ungleichgewicht in der Beziehung?

Einer der Hauptgründe für ein finanzielles Ungleichgewicht in Beziehungen ist das Lohngefälle zwischen Mann und Frau: der sogenannte Gender Pay Gap. 2022 verdienten Frauen in Deutschland 18 % weniger pro Stunde als Männer. Der bereinigte Gender Pay Gap, der die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern mit gleicher Qualifikation oder vergleichbarer Tätigkeit beziffert, lag im selben Jahr immerhin noch bei 7 %.

Ein weiterer Grund für eine finanzielle Ungleichheit in Beziehungen ist die klassische Rollenverteilung, die noch immer vor allem dann zum Tragen kommt, wenn das erste Kind geboren wird. Denn: Mütter gehen in der Regel länger in Elternzeit als Väter und nehmen währenddessen häufig gar nicht am Erwerbsleben teil. Anschließend arbeiten viele Frauen in Teilzeit und verzichten somit zugunsten der Familie auf ein höheres Einkommen und finanzielle Unabhängigkeit.

Was ist der Gender Wealth Gap?

Ein geringeres Durchschnittseinkommen, längere Elternzeit, weniger Teilhabe am Erwerbsleben und eine hohe Teilzeitquote – all dies führt dazu, dass Frauen beim Eintritt in den Ruhestand weniger Vermögen besitzen als Männer. Der sogenannte „Gender Wealth Gap“ – also der Vermögensunterschied zwischen Frauen und Männern im Ruhestand – lag 2022 in Deutschland bei 76 %. Das heißt: Frauen in Deutschland gingen durchschnittlich mit 24 % weniger Vermögen in den Ruhestand als Männer. Tatsächlich sind Frauen besonders häufig von Altersarmut in Deutschland betroffen.

Die private Altersvorsorge ist gleichermaßen für Frauen und Männer wichtig. Informiere dich im comdirect Magazin über die Altersvorsorge mit Fonds und die Altersvorsorge mit ETFs. Dort findest du außerdem Tipps zur Altersvorsorge für Selbstständige.

Geld in der Beziehung: Was macht finanzielle Ungleichheit mit Beziehungen?

Finanzielle Ungleichheit in Beziehungen ist nicht selten ein Grund für Konflikte und kann im schlimmsten Fall zur Trennung führen. Geld ist bekanntlich Macht und so kann eine finanzielle Ungleichheit in der Beziehung auch in ein Machtgefälle resultieren. Der Partner, der mehr Einkommen nach Hause bringt, könnte z. B. daraus für sich ableiten, bei finanziellen Entscheidungen mehr zu sagen zu haben. In jedem Fall entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis des Partners, der weniger oder gar nichts verdient – was in vielen Fällen auch heute noch die Frau ist.

Auch die emotionalen Folgen einer finanziellen Ungleichheit in Beziehungen sind nicht zu unterschätzen. Laut Studien wird der Partner mit dem geringeren Einkommen oder dem geringeren beruflichen Status häufig von Schuld- und Schamgefühlen geplagt. Dies steht einer Beziehung auf Augenhöhe im Weg und birgt Konfliktpotenzial.

Finanzen in der Beziehung regeln: getrennte Kassen oder Gemeinschaftskonto?

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Grundsätzlich solltet ihr euch gemeinsam hinsetzen und offen über eure Finanzen sprechen. Wie viel Geld bringt jeder in den gemeinsamen Haushalt ein? Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere? Wie werden größere Anschaffungen aufgeteilt? Was passiert mit gemeinsamen Anschaffungen, die einer der Partner größtenteils finanziert hat, wenn ihr euch einmal trennt? Und: Gibt es einen Ausgleich für unbezahlte Arbeit wie z. B. Haushaltsführung und Kinderbetreuung?

Neben einer offenen Kommunikation und klaren Absprachen gibt es verschiedene praktische Modelle, mit denen ihr die gemeinsamen Finanzen in eurer Beziehung regeln könnt. Diese Modelle können euch helfen, Konflikten vorzubeugen, die durch ein finanzielles Ungleichgewicht in einer Beziehung schnell entstehen.

Das 2-Konten-Modell

Das 2-Konten-Modell bedeutet nichts anderes als getrennte Kassen. Jeder hat sein eigenes Girokonto, auf dem das Gehalt und andere Einkünfte eingehen. Gleichzeitig gehen von den persönlichen Konten auch gemeinsame Ausgaben ab. So zahlt z. B. der eine Partner seinen Anteil an der Miete auf das Konto des anderen und dieser überweist die komplette Miete an den Vermieter. Oder: Ein Partner übernimmt die Kosten fürs Internet, der andere zahlt den Strom.

Das 2-Konten-Modell setzt genaue Absprachen über die gemeinsamen Ausgaben voraus, denn diese lassen sich mit getrennten Kassen nicht so leicht verwalten. Dafür ist es für beide Partner einfacher, finanziell unabhängig zu bleiben und ihre persönlichen Finanzen zu regeln.

Das 3-Konten-Modell in der Partnerschaft

Beim 3-Konten-Modell habt ihr neben eurem persönlichen Girokonto noch ein Gemeinschaftskonto, auf das ihr beide zugreifen könnt. Auf dieses Konto zahlt ihr jeweils entweder den gleichen Betrag oder einen prozentualen Anteil eures Gehalts. Alle gemeinsamen Ausgaben wie z. B. Miete, Strom, Essen und Versicherungsbeiträge gehen von diesem Konto ab.

Eine Variante des 3-Konten-Modells sieht vor, dass alle Einnahmen beider Partner auf das Gemeinschaftskonto gehen. Von dem Geld werden alle gemeinschaftlichen Ausgaben bezahlt. Die übrige Summe wird als Taschengeld auf die persönlichen Konten der beiden Partner überwiesen – für private Anschaffungen oder die individuelle Altersvorsorge. Wie genau ihr den Restbetrag untereinander aufteilt, bleibt dabei euch überlassen. Auch hier ist es wichtig, offen zu kommunizieren.

Monatliche Abrechnung

Gerade beim 2-Konten-Modell bietet es sich an, jeden Monat abzurechnen, welche gemeinsamen Kosten beide Partner übernommen haben und eventuelle Differenzen auszugleichen. Dazu sammeln beide Partner die Bons für ihre Ausgaben und erfassen, was sie in einem Monat für gemeinsame Anschaffungen bezahlt haben. Dafür könnt ihr z. B. das gute alte Haushaltsbuch oder eine entsprechende App benutzen.

Die monatliche Abrechnung eignet sich eher für monatliche variable Kosten wie z. B. Lebensmittel oder andere Haushaltsausgaben. Für Fixkosten wie Miete, Strom oder Versicherungen solltet ihr feste Absprachen treffen.

Gemeinsame Ausgaben in einem 2-Personen-Haushalt

2022 gaben Haushalte mit 2 Personen in Deutschland im Durchschnitt 3.239 Euro pro Monat für die Lebenshaltung aus. Mit 1.145 Euro entfiel mehr als 1 Drittel auf die Wohn- und Energiekosten. Bei Haushalten mit 3 oder 4 Personen betrugen die monatlichen Lebenshaltungskosten aufgrund der zusätzlichen Kinderkosten sogar 3.760 Euro bzw. 4.322 Euro.

Gemeinsame Ausgaben sind z. B.:

  • Miete (zzgl. Nebenkosten)
  • Strom
  • Lebensmittel
  • Telefon, Internet, Streaming
  • Versicherungen
  • Kfz-Kosten
  • Kosten für einen gemeinsamen Kredit oder eine Baufinanzierung.

Fazit: Geldprobleme in der Beziehung vermeiden: Über Geld spricht man doch

Zugegeben: Über Geld zu sprechen, ist nicht wirklich romantisch. Doch gerade bei diesem scheinbar nüchternen Thema kochen die Emotionen häufig hoch. Um Konflikte zu vermeiden, sind ein offener Austausch und klare Absprachen daher unerlässlich – gerade, wenn ein Partner mehr verdient oder als Hauptversorger sogar das meiste Geld nach Hause bringt.

Streit vorzubeugen, ist die eine Sache. Die andere Sache ist, auf lange Sicht gesehen ein finanzielles Gleichgewicht zu schaffen. Gerade Frauen verdienen heute im Durchschnitt noch immer weniger als Männer, leisten dafür aber mehr unbezahlte Arbeit. Deshalb haben Frauen im Ruhestand weniger Vermögen als Männer und sind häufiger von Altersarmut betroffen. Hier sollten beide Partner frühzeitig darüber sprechen, ob sie sich für Aufgaben wie Haushaltsführung und Kinderbetreuung auf einen finanziellen Ausgleich einigen, den die Partnerin als Beitrag für ihre private Altersvorsorge nutzen kann.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Vorsorgen und Versichern hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

1 Ab Kontoeröffnung sind die ersten 6 Monate kostenlos. Anschließend bleibt das Gemeinschaftskonto kostenlos bei 700 Euro monatlichem Mindestgeldeingang oder 3 Zahlungen über Apple Pay oder Google Pay pro Monat – mit der Visa-Debitkarte oder Visa-Kreditkarte oder 1 Trade/1 Wertpapiersparplanausführung pro Monat. Du zahlst ebenfalls keine Kontoführungsgebühr, wenn du unter 28 Jahre alt und Student, Schüler, Auszubildender oder Praktikant bist. Wenn nicht, fällt eine Kontoführungsgebühr von 4,90 Euro pro Monat an. Nähere Information entnimmst du bitte unserem Preis- und Leistungsverzeichnis.

2 Du erhältst mit der Girokontoeröffnung ein kostenloses Tagesgeld PLUS-Konto mit einem Tagesgeldzinssatz von 4,00 % p. a. bei einer Anlage von bis zu 1.000.000 Euro für 6 Monate. Anschließend gelten unsere Standardkonditionen zum Tagesgeld PLUS-Konto, die du jederzeit auf der Startseite unserer Website www.comdirect.de einsehen kannst. Für Guthaben ab 1.000.000,01 Euro gelten die aktuellen Standardkonditionen. Das Angebot gilt für volljährige Personen mit Wohnsitz in Deutschland, die in den letzten 6 Monaten vor Kontoeröffnung nicht bereits Kunde von comdirect – eine Marke der Commerzbank AG waren. comdirect behält sich vor, dieses Angebot jederzeit zu modifizieren, zu verlängern oder zu beenden. Nähere Informationen entnimmst du bitte unserem Preis- und Leistungsverzeichnis. Die Kontoführung des Tagesgeld PLUS-Konto ist, abweichend von unserem Preis- und Leistungsverzeichnis, dauerhaft kostenlos.

Autor
comdirect Redaktion
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