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Betriebliche Altersvorsorge Vor- und Nachteile – Segelyacht auf dem Meer.
Betriebliche Altersvorsorge Vor- und Nachteile – Segelyacht auf dem Meer.
© Caue Zanin via Adobe Stock

Betriebliche Altersvorsorge – was sind die Vor- und Nachteile?

  • Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) bietet eine Zusatzrente zur gesetzlichen Rente.
  • Gesetzlich Pflichtversicherte dürfen einen Teil ihres Gehalts für die bAV umwandeln.
  • Ob sich die Betriebsrente lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Definition: Was ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV)?

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) — auch Betriebsrente genannt — ist eine freiwillige Zusatzrente über den Betrieb. Die bAV wird vom Arbeitgeber organisiert und durchgeführt und ist neben der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge die zweite Säule der Altersabsicherung in Deutschland.

Wer hat Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge?

Anspruch auf den Aufbau einer Betriebsrente haben alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, zum Beispiel:

  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
  • Auszubildende
  • Beschäftigte in Teilzeit
  • Minijobberinnen und Minijobber, die nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit sind

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Wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge?

Bei der bAV sparst du über deinen Arbeitgeber Geld für deinen Ruhestand. Deine Einzahlungen werden staatlich gefördert. Zusätzlich ist dein Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, deine Beiträge zur bAV zu bezuschussen.

Entgeltumwandlung

Jeder Arbeitnehmende, der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, einen Teil seines Lohnes oder Gehalts für den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge zu verwenden. Dieser Anspruch besteht jedoch nur, wenn du den Aufbau selbst finanzierst. Dafür gibt es die sogenannte Entgeltumwandlung.

Entgeltumwandlung bedeutet, dass dein Arbeitgeber auf deinen Wunsch hin einen bestimmten Teil deines Bruttogehalts als Beitrag für eine betriebliche Altersvorsorge verwendet. Die Umwandlung ist auch aus deinem Netto-Gehalt möglich. Für beide Formen der Entgeltumwandlung kannst du staatliche Unterstützung erhalten.

Zuschüsse vom Arbeitgeber

Wenn Beschäftigte einen Teil ihres Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge umwandeln, muss der Arbeitgeber die Beiträge in der Regel mit mindestens 15 % bezuschussen. Das liegt daran, dass auch der Arbeitgeber bei der Entgeltumwandlung aus dem Brutto-Entgelt Sozialabgaben spart.

Die betriebliche Altersvorsorge kann auch teilweise oder vollständig vom Arbeitgeber finanziert werden. Dabei handelt es sich jedoch um eine freiwillige Leistung, die in der Regel der Mitarbeiterbindung dient – ein gesetzlicher Anspruch besteht nicht. In manchen Fällen besteht eine tarifvertragliche Regelung, die eine vollständige oder teilweise Finanzierung der betrieblichen Altersvorsorge durch den Arbeitgeber vorsieht.

Staatliche Unterstützung

Die Umwandlung deines Lohns oder Gehalts in Ansprüche auf eine Betriebsrente wird staatlich gefördert.

Erfolgt die Entgeltumwandlung aus deinem Brutto-Entgelt, kannst du jährlich bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung steuerfrei umwandeln. 2026 entspricht dies einem Betrag von 8.112 Euro pro Jahr oder 676 Euro pro Monat.

Zudem sind Beiträge von 4 % der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 4.056 Euro oder 338 Euro pro Monat) sozialabgabenfrei. Auf diesen Betrag sparst du also Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

Icon Glühbirne

Erfolgt die Entgeltumwandlung aus dem Netto-Entgelt, kannst du dafür die staatliche Riester-Förderung in Anspruch nehmen. Mehr Infos zum Altersvorsorgedepot als Riester-Nachfolge findest du ebenfalls bei uns im comdirect Magazin. Dort kannst du auch nachlesen, ob der Übertrag eines Riester-Vertrags auf das Altersvorsorgedepot sinnvoll ist.

Durchführungswege: Welche Formen der betrieblichen Altersvorsorge gibt es?

Dein Arbeitgeber kann bei der Durchführung der betrieblichen Altersvorsorge zwischen fünf verschiedenen Formen oder Wegen wählen:

  • Direktversicherung
  • Pensionskasse
  • Pensionsfonds
  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse

Direktversicherung

Die Direktversicherung ist der am häufigsten genutzte Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge. Dabei schließt der Arbeitgeber für die Beschäftigten eine Lebens- oder Rentenversicherung bei einem Versicherungsunternehmen ab.

Die Beiträge können vom Arbeitgeber, durch Entgeltumwandlung oder von beiden gemeinsam finanziert werden. Die Leistungen stehen später den Beschäftigten oder ihren Hinterbliebenen zu. Bei einer durch Entgeltumwandlung finanzierten Direktversicherung kann der Vertrag häufig zu einem neuen Arbeitgeber mitgenommen werden.

Pensionskasse

Eine Pensionskasse ist eine rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtung, die die Beiträge der Beschäftigten verwaltet und daraus später die Betriebsrente auszahlt. Der Arbeitgeber zahlt die Beiträge an die Pensionskasse ein, die den Versorgungsanspruch für die Beschäftigten aufbaut. Die Leistungen erhalten die Beschäftigten im Ruhestand oder ihre Hinterbliebenen im Todesfall.

Pensionsfonds

Ein Pensionsfonds ist eine vom Unternehmen unabhängige Versorgungseinrichtung. Die eingezahlten Beiträge werden stärker am Kapitalmarkt investiert als bei anderen Durchführungswegen. Dadurch bestehen höhere Renditechancen, aber auch größere Wertschwankungen. Ab dem vereinbarten Rentenbeginn haben die Beschäftigten Anspruch auf die vertraglich vereinbarten Leistungen, meist in Form einer lebenslangen Rente.

Unterstützungskasse

Die Unterstützungskasse als älteste Form der betrieblichen Altersvorsorge wird häufig für Führungskräfte und Gutverdienende genutzt. Denn: Die Einzahlungen in der Ansparphase sind grundsätzlich nicht durch gesetzliche Höchstgrenzen limitiert.

Ein gesetzlicher Anspruch auf Entgeltumwandlung besteht bei diesem Durchführungsweg allerdings nicht. Zudem lässt sich der Versorgungsvertrag bei einem Arbeitgeberwechsel häufig nicht ohne Weiteres übertragen.

Direktzusage

Bei einer Direkt- oder Pensionszusage verpflichtet sich der Arbeitgeber, den Beschäftigten im Ruhestand eine bestimmte Betriebsrente zu zahlen. Anders als bei den anderen Durchführungswegen wird die Altersvorsorge nicht über eine externe Einrichtung organisiert, sondern unmittelbar vom Unternehmen zugesagt. Die späteren Leistungen werden daher direkt aus dem Vermögen des Arbeitgebers erbracht.

Was sind die Vor- und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge?

Die betriebliche Altersvorsorge bietet sowohl Vor- als auch Nachteile. Diese solltest du abwägen, bevor du dich entscheidest, einen Teil deines Bruttogehalts für den Aufbau einer Betriebsrente zu verwenden.

Pro Betriebsrente

  • Zusatzrente:
    Mit Renteneintritt erhalten Arbeitnehmende eine zusätzliche Rente zur gesetzlichen Rente – entweder als Einmalzahlung oder lebenslange Rente.
  • Steuerliche Vergünstigung:
    Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge sind bis zu bestimmten Höchstbeträgen steuer- und sozialabgabenfrei.
  • Arbeitgeberzuschuss:
    Unter bestimmten Voraussetzungen muss der Arbeitgeber die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge mit mindestens 15 % bezuschussen.
  • Kein Aufwand:
    Der Arbeitgeber kümmert sich um die Organisation und Durchführung der betrieblichen Altersvorsorge.
  • Flexible Beitragshöhe:
    Beschäftigte können häufig selbst festlegen, welchen Teil ihres Gehalts sie für den Aufbau einer Betriebsrente verwenden möchten.
  • Insolvenzschutz:
    Bei Insolvenz des Arbeitgebers ist die Betriebsrente über den sogenannten Pensionsversicherungsverein abgesichert.

Contra Betriebsrente

  • Geringeres Gehalt:
    Bei der Entgeltumwandlung aus dem Bruttogehalt verzichtest du zugunsten der Altersvorsorge auf einen Teil deines Gehalts.
  • Geringere gesetzliche Rente:
    Wenn die Beiträge aus dem Bruttogehalt kommen, führt dein Arbeitgeber weniger Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung ab. Dadurch sinkt dein Anspruch auf eine spätere gesetzliche Rente.
  • Kein Zugriff auf das Geld:
    Die gezahlten Beiträge sind in der Ansparphase gebunden und stehen dir in der Regel erst mit Renteneintritt zur Verfügung.
  • Fehlende Wahlmöglichkeit:
    In der Regel gibt der Arbeitgeber den Anbieter und Durchführungsweg für die betriebliche Altersvorsorge vor.
  • Nachgelagerte Besteuerung:
    Bei der Auszahlung im Alter wird die Betriebsrente grundsätzlich mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
  • Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge:
    Für Leistungen aus der betrieblichen Altersvorsorge fallen Beiträge in voller Höhe zur Kranken- und Pflegeversicherung an, wobei ein monatlicher Freibetrag von 197,75 Euro gilt.
  • Eingeschränkte Mitnahme bei Jobwechsel:
    Viele Verträge können bei einem Arbeitgeberwechsel nicht ohne Weiteres weitergeführt oder auf den neuen Arbeitgeber übertragen werden.

Worauf sollte ich bei der betrieblichen Altersvorsorge achten?

Bei der Entscheidung, ob sich eine betriebliche Altersvorsorge für dich lohnt, solltest du die folgenden Punkte beachten:

  • Höhe des Arbeitgeberzuschusses: Der Aufbau einer Betriebsrente lohnt sich umso mehr, je höher die Zuschüsse deines Arbeitgebers sind. Denn je mehr dein Chef zahlt, desto mehr Geld wird für deine spätere Betriebsrente angelegt, ohne dass du selbst mehr einzahlen musst.
  • Berufliche Zukunft: Wenn du absehen kannst, dass du den Arbeitgeber häufiger wechseln wirst, solltest du prüfen, ob du den Vertrag für eine betriebliche Altersvorsorge bei einem Jobwechsel unkompliziert mitnehmen kannst.
  • Dein Verdienst: Als Gutverdienender solltest du genau prüfen, ob sich die Entgeltumwandlung lohnt. Liegt dein Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung, zahlst du ohnehin den Höchstbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung, sodass dir die Ersparnis bei den Sozialabgaben teilweise verloren geht.
  • Kosten des Produkts: Abschluss- und Verwaltungskosten können eine mögliche Rendite des gewählten Produkts deutlich schmälern.
  • Garantierte oder erwartbare Leistungen: Je nach Durchführungsweg unterscheiden sich Garantien, Renditechancen und die Höhe der späteren Betriebsrente.
  • Steuern und Sozialabgaben im Alter: Beachte, dass du eine spätere Betriebsrente grundsätzlich zu deinem im Alter geltenden persönlichen Steuersatz versteuern musst. Zudem fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an.
  • Auswirkungen auf die gesetzliche Rente: Durch die Entgeltumwandlung aus dem Bruttoentgelt sinkt das sozialversicherungspflichtige Einkommen. Dadurch können die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung geringer ausfallen.

Fazit: Lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge?

Ob sich die betriebliche Altersvorsorge lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Besonders wichtig ist die Höhe des Arbeitgeberzuschusses. Je höher dieser ausfällt, desto mehr Geld fließt in den Aufbau einer späteren Betriebsrente, ohne dass du selbst mehr einzahlen musst. Übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge sogar vollständig, ist die betriebliche Altersvorsorge in vielen Fällen besonders attraktiv.

Entscheidend sind auch die Kosten, Garantien und Renditechancen des gewählten Produkts. Auch die steuerliche Behandlung in der Rentenphase sowie mögliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung solltest du bei deiner Entscheidung berücksichtigen.

Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, die betriebliche Altersvorsorge mit anderen Formen der Altersvorsorge zu vergleichen oder zu kombinieren. Mögliche Alternativen sind die Altersvorsorge mit ETFs oder Fonds, die ab 2027 mit dem neuen Altersvorsorgedepot staatlich gefördert wird – auch für Selbstständige.

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Autor
comdirect Redaktion

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