Berufsunfähigkeitsversicherung Was ist eine Berufsunfähigkeits­versicherung?

Ein Handwerker schleift ein Brett in einer Werkstatt ab
© leszekglasner via Getty Images/iStockphoto

Den Beruf bis ins Rentenalter ausüben können – das ist der Traum aller Erwerbstätigen. Doch viele Berufstätige werden aufgrund von schweren physischen oder psychischen Erkrankungen dauerhaft berufsunfähig und können ihren Beruf nicht länger ausüben. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz BU-Versicherung) sichert genau diesen Fall ab und zählt damit zu einer wichtigen Versicherung für Arbeitnehmer und Selbstständige. Wir erklären, was genau eine Berufsunfähigkeitsversicherung absichert, wie hoch die Kosten für eine solche Versicherung sind und welche Leistungen die BU-Versicherung übernimmt.

Definition Berufsunfähigkeit

Als Berufsunfähigkeit (kurz BU) wird in Deutschland eine langfristige Beeinträchtigung bezeichnet, die aufgrund von Krankheit oder Invalidität daran hindert, den bisherigen Beruf dauerhaft auszuüben. Gesetzlich ist die Berufsunfähigkeit in Deutschland in §172 Abs. 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) definiert:

Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

Kann ein Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im vollen Umfang am Erwerbsleben teilnehmen, so zahlt die gesetzliche Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Dafür müssen Arbeitnehmer täglich weniger als 6 Stunden, egal in welchem Beruf, arbeiten können. Zudem müssen Arbeitnehmer mindestens 5 Jahre Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung sein und mindestens 3 Jahre in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Allerdings folgt die gesetzliche Rentenversicherung dem Grundsatz „Reha vor Rente“, weshalb zuvor umfassend die Möglichkeit verschiedener Rehabilitationsmaßnahmen geprüft wird. Laut der Deutschen Rentenversicherung betrug die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente im Jahr 2019 rund 853 Euro.

Unterschiede Berufsunfähigkeit – Erwerbsunfähigkeit – Arbeitsunfähigkeit

Wer sich mit dem Thema Berufsunfähigkeit auseinandersetzt, wird schnell auf die Begriffe Erwerbsunfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit stoßen.

Arbeitsunfähigkeit

Bei der Arbeitsunfähigkeit ist der Arbeitnehmer vorübergehend nicht mehr in der Lage seinen Beruf auszuüben – es besteht jedoch die Aussicht auf Besserung. Während der Arbeitsunfähigkeit erhalten Arbeitnehmer 6 Wochen weiter Gehalt vom Arbeitgeber. Danach zahlt die gesetzliche Krankenversicherung ein Krankengeld in Höhe von 70 % des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 % des Nettoverdienstes (§ 47 SGB V) für einen Zeitraum von maximal 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren.

Erwerbsunfähigkeit

Im Unterschied zur Berufsunfähigkeit kann bei der Erwerbsunfähigkeit weder der bisherige Beruf noch irgendein anderer Beruf ausgeübt werden. Unterschieden wird zwischen der vollen Erwerbsunfähigkeit, bei der ein Erwerbstätiger nicht mehr in der Lage ist, 3 Stunden täglich zu arbeiten und der teilweisen Erwerbsunfähigkeit, bei der der Erwerbstätige noch mindestens 3 Stunden täglich, aber keine 6 Stunden mehr arbeiten kann.

Typische Ursachen für die Berufsunfähigkeit

Die Gründe für eine Berufsunfähigkeit sind vielfältig. Nach einer Studie der Unternehmensgruppe MORGEN & MORGEN werden rund 33 % der Berufsunfähigen aufgrund einer Nervenkrankheit berufsunfähig und knapp 20 % aufgrund einer Erkrankung des Skelett- und Bewegungsapparates. Rund 16 % der Berufsunfähigen können in Folge einer Krebs- oder sonstigen Tumorerkrankung nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten und knapp 9 % aufgrund eines vorangegangenen Unfalls. Rund 16 % fallen auf sonstige Erkrankungen.

Infografik über die Ursachen für eine Berufsunfähigkeit
Quelle: MORGEN & MORGEN, MAI 2020
Ursachen für eine Berufsunfähigkeit.

Wie funktioniert eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Kann der zuletzt ausgeübte Beruf nicht mehr länger ausgeübt werden und liegt eine Berufsunfähigkeit im Sinne des § 172 Abs. 2 VVG vor, so zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung eine monatliche Rente – die sogenannte Berufsunfähigkeitsrente. Diese wird dann bis zu einem vorher bestimmten Zeitpunkt (Lebensalter) gezahlt.

Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Für die Versicherung ist der Grund für die Berufsunfähigkeit in der Regel egal. Entscheidend ist vielmehr, ob der Versicherte in der Regel mindestens die Hälfte seiner Leistungsfähigkeit verloren hat und dadurch wichtige Tätigkeiten seines Berufes nicht mehr ausüben oder generell nur noch wenige Stunden am Tag arbeiten kann. Der Berufsunfähigkeitsgrad kann je nach Versicherung oder Tarif variieren. Die Berufsunfähigkeit muss bei der Versicherung durch entsprechende Unterlagen nachgewiesen werden. Dazu zählen beispielsweise ausführliche Arztberichte und Dokumentationen, aber auch eine genaue Beschreibung der bisherigen beruflichen Tätigkeit und der genauen Einschränkungen. Die Versicherung legt dann anhand der vorgelegten Unterlagen und der Prüfung durch einen Gutachter fest, ob und inwieweit eine Berufsunfähigkeit vorliegt.

Gut zu wissen: Viele Versicherer bieten Tarife auch ohne abstrakte Verweisung an. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Tarifes darauf.

Einige BU-Versicherungen enthalten zudem eine sogenannte abstrakte Verweisung. Damit muss die Versicherung für den Fall, dass der Versicherte theoretisch noch eine andere Tätigkeit ausüben kann, keine Leistungen erbringen. Allerdings muss die alternative Tätigkeit der Ausbildung und den Fähigkeiten des Versicherten entsprechen – einen sozialen Abstieg müssen Versicherte hingegen nicht akzeptieren.

Was zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Höhe der monatlichen Berufsunfähigkeitsrente hängt von den gewählten Konditionen ab und ist damit unabhängig vom Einkommen. Versicherungen empfehlen etwa 75 % des Nettoeinkommens, jedoch aber mindestens 50 % abzusichern. Häufig wird eine Versicherungssumme von mindestens 1.000 Euro empfohlen. Auch die Laufzeit richtet sich nach dem gewählten Tarif. Bei den meisten Versicherungen ist jedoch eine maximale Versicherungsdauer bis zum 67. Lebensjahr möglich. Danach greift in der Regel die gesetzliche Rente und die private Altersvorsorge zur Finanzierung des Lebensunterhaltes. Einige Versicherer legen in ihren Versicherungsbedingungen zudem eine sogenannte Karenzzeit fest. In diesem Fall muss der Versicherer beim Eintritt einer Berufsunfähigkeit erst nach Ablauf der Karenzzeit leisten. Damit besteht kein Versicherungsschutz während der Karenzzeit.

Gut zu wissen: Wie hoch die BU-Versicherung maximal sein darf, hängt vom Versicherer ab. In der Regel werden maximal 60-80 % des Brutto- oder Nettogehalts abgesichert.

Was passiert mit den gezahlten Beiträgen bei Nicht-Eintritt der Berufsunfähigkeit?

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung handelt es sich um eine sogenannte Risikoversicherung. Tritt im Laufe der Versicherungszeit keine Berufsunfähigkeit ein, so erhalten Versicherungsnehmer in der Regel auch ihre gezahlten Beiträge nicht zurück. Diese werden zur Finanzierung der Berufsunfähigkeitsrenten anderer Versicherungsnehmer genutzt. Viele Erwerbstätige schreckt dieser Umstand ab, weshalb einige Versicherer mittlerweile in ihren Verträgen eine Beitragsrückgewähr anbieten. Bei dieser Form investiert der Versicherer einen Teilbetrag der monatlichen Beiträge und zahlt wiederum einen Teil dieser Summe bei Kündigung oder Ablauf der Versicherung aus. Die konkrete Höhe hängt jedoch stark von der gewählten Investitionsart des Versicherers ab. Im Vergleich zu herkömmlichen Berufsunfähigkeitsversicherung sind die monatlichen Beiträge für derartige Tarife meist deutlich teurer.

Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten, Selbstständige und Beamte

Gut zu wissen: Auch Beamte können eine entsprechende Dienstunfähigkeitsversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung mit Dienstunfähigkeitsklausel abschließen.

Die Berufsunfähigkeit kann grundsätzlich alle Erwerbstätigen treffen – egal, ob Angestellte oder Selbstständige. Wie wichtig eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein kann, stellen viele Berufstätige jedoch erst nach Eintritt der Berufsunfähigkeit fest. Dabei lohnt es sich in der Regel möglichst früh in die Berufsunfähigkeitsversicherung einzusteigen, um vergleichsweise niedrige Beiträge zu zahlen. Deshalb empfehlen Versicherungsexperten eine Berufsunfähigkeitsversicherung bereits als Student abzuschließen, um so von günstigeren Beiträgen und einem besseren Gesundheitszustand zu profitieren.

Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Die BU-Versicherung zahlt für den Fall, dass Erwerbstätige berufsunfähig werden – egal, aus welchem Grund. Die Beitragshöhe errechnen Versicherungen anhand einer umfassenden Risikobewertung und verschiedenen Faktoren, wie das Alter des Versicherungsnehmers, die gewünschte Versicherungsdauer und die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente. Ein weiterer entscheidender Punkt für die Beitragsberechnung ist die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit für die jeweilige Berufsgruppe. Denn die Beitragshöhe unterscheidet sich je nach Berufsgruppe deutlich. So zahlen Maurer und Dachdecker beispielsweise häufig bis zu 4 Mal so viel wie ein Diplom-Ingenieur oder Mathematiker, der überwiegend am Schreibtisch arbeitet. Erwerbstätige in Handwerksberufen zahlen einen höheren Beitrag da, sie statistisch meist seltener bis zum Rentenalter arbeiten.

Neben dem Beruf spielen auch Hobbys und der Gesundheitszustand eine entscheidende Rolle für die Beitragshöhe. Wer risikoreiche Sportarten, wie Klettern oder Reiten ausübt, muss häufig auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung höhere Beitrage zahlen. Und auch der Gesundheitszustand spielt bei Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung eine wichtige Rolle. Erwerbstätige mit Erkrankungen, wie Diabetes Typ 1 oder Epilepsie haben es in der Regel schwer, überhaupt eine BU-Versicherung zu finden. Aber auch vermeintlich harmlosere Erkrankungen, wie Allergien, Rücken – oder Gelenkbeschwerden können höhere Beiträge nach sich ziehen. Einige Versicherer schließen die betroffenen Körperregionen in solchen Fällen sogar aus.

Unser Tipp: Wird der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durch die Versicherer verweigert, so stellt eine Schwere-Krankheiten-Versicherung eine mögliche Alternative dar.

Gut zu wissen: Wer eine BU-Versicherung abschließt, muss einen ausführlichen Fragebogen zum Gesundheitszustand ausfüllen und ab einer bestimmten Versicherungshöhe unter Umständen auch mit einer ärztlichen Untersuchung rechnen. Wer Fragen bewusst falsch beantwortet, riskiert unter Umstände den Versicherungsschutz und damit den Vertragsrücktritt und die Verweigerung der Leistung durch die Versicherung.

Fazit: Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Egal, ob Unfall oder Krankheit – eine Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Zwar leistet der Staat unter Umständen eine Erwerbsminderungsrente, die reicht jedoch den wenigstens zum Bestreiten des Alltags. Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung können Erwerbstätige für den Ernstfall vorbeugen. Um möglichst niedrige Beiträge zu zahlen, raten Experten dazu die Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen. Dadurch sind die monatlichen Beiträge niedriger und die Chance aufgrund des Gesundheitszustands abgelehnt zu werden geringer. Wie bei jeder Versicherung lohnt sich auch bei der BU-Versicherung ein Vergleich. Denn die Grundbeiträge für verschiedene Berufsgruppen sowie die Zuschläge für Vorerkrankungen oder risikoreiche Hobbies variieren sehr stark von Versicherer zu Versicherer.

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