Altersarmut in Deutschland Wenn das Geld im Ruhestand nicht reicht

Eine nachdenkliche Frau mit einer Brille in der Hand sitzt auf einem Sessel.
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Eines Tages unbeschwert und frei von Geldsorgen den wohlverdienten Ruhestand genießen zu können, das erhofft sich im Grunde jeder Bundesbürger. Doch viele Rentner können schon heute von ihrer Rente und sonstigen Einnahmen nicht mehr leben. Prognosen für künftige Generationen zeichnen ein noch düsteres Bild, da sie einen drastischen Anstieg an finanzschwachen Senioren voraussagen. Altersarmut in Deutschland ist damit ein echtes Problem und eine rechtzeitige Vorsorge daher wichtiger denn je.

Was ist Altersarmut?

Wovon im Alter leben, wenn das Geld nicht mehr reicht? Eine Frage, die sich immer mehr Rentner in Deutschland stellen müssen und die bereits verdeutlicht, worum es bei dem Begriff Altersarmut eigentlich geht. Wer als arm gilt und wer nicht, geben bestimmte Richtwerte der Europäischen Union vor. Alle Staatsbürger der EU, die ein Haushaltsnettoeinkommen beziehen, das unter 60 % des mittleren Einkommens liegt, gelten als arm. Bei dieser sogenannten Armutsrisikoschwelle handelt es sich um ein in der Politik und Wissenschaft anerkanntes Messverfahren.

Daneben existiert mit der politisch normativen Setzung eines Betrages, der zur Deckung des Existenzminimums eines Haushaltes nötig ist, noch eine zweite Definition von Armut. Dabei handelt es sich grundsätzlich um den Satz der Sozialhilfe bzw. der Grundsicherung im Alter. Alle Bürgerinnen und Bürger haben im Grundsatz Anspruch auf die Leistungen, die bei 416 Euro für Alleinstehende bzw. 748 Euro bei Partnerschaften im gleichen Haushalt liegen (Stand August 2020) und um die Wohnkosten ergänzt werden. Nach dieser Auffassung gelten Personen dann als arm, wenn sie mit ihrem Einkommen unterhalb der genannten Beträge liegen und daher finanziell aufstocken müssen.

Gut zu wissen: Umgerechnet liegt die Armutsrisikoschwelle in Deutschland bei einem Nettoeinkommen von 1.035 Euro im Monat für einen Ein-Personen-Haushalt und 1.553 Euro für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen. Wer mit seinen erwerbsmäßigen Einkünften unterhalb dieser Grenze liegt, ist in Deutschland per Definition von Armut betroffen.

Nimmt man beide Definitionen als Grundlage, liegt der von Armut betroffene Bevölkerungsanteil bei knapp 19 %.¹ Darunter befinden sich auch viele Menschen im hohen Alter. Ihr Mangel an Geld ist besonders schwerwiegend, denn meist sind sie nicht mehr in der Lage, ihr Einkommen durch zusätzliche Nebenjobs aufzubessern – und sollten es auch eigentlich nicht mehr müssen. Trotz oft jahrelanger Erwerbstätigkeiten haben sie nur geringe monatliche Geldbeträge für ihre Lebenshaltungskosten zur Verfügung. Zudem haben sie oft erschwerten Zugang zu essenziellen Lebensbereichen wie Wohnen, Bildung und Gesundheit.

3 Gründe für die Altersarmut in Deutschland

1. Demografischer Wandel

Insbesondere die sich ändernde Altersstruktur der Bevölkerung kennzeichnet den demografischen Wandel in Deutschland. Die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen stellen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor massive Herausforderungen. Die Entwicklung sorgt beispielsweise dafür, dass immer weniger Erwerbstätige für die Rentenbezüge immer mehr Rentner aufkommen müssen. Denn wer das Rentenalter erreicht, wird umgangssprachlich von der jüngeren Generation finanziert. Das Problem: Jede 2. Person in Deutschland ist heute schon älter als 45 Jahre – Tendenz steigend.

2. Sinkendes Rentenniveau

Eng verknüpft mit dem demografischen Wandel ist das sinkende Rentenniveau. Denn verläuft die demografische Entwicklung wie prognostiziert, sinkt auch das Rentenniveau. Grundsätzlich handelt es sich dabei um das Verhältnis zwischen einer Standardrente und einem durchschnittlichen Einkommen. Das aktuelle Rentenniveau von rund 48 % bedeutet: Nach 45 Beitragsjahren erhalten Rentner mindestens 48 % ihres Nettogehalts als Rente. Abgesehen davon, dass sich der gewohnte Lebensstandard damit schon heute kaum aufrechterhalten lässt, soll die Mindestrente in den kommenden Jahren noch weiter sinken.

3. Niedrige Zinsen

Infolge der andauernden Niedrigzinsphase sinkt bei vielen Menschen die individuelle Sparquote. Denn egal ob Versicherungen oder Sparkonten, mit vielen konservativen Anlagen lassen sich kaum noch nennenswerte Renditen erzielen. Vor allem bei der längerfristigen Altersvorsorge macht sich der geringe Zinseszinseffekt negativ bemerkbar.

Neben den gesellschaftlichen und finanzpolitischen Ursachen können auch zahlreiche persönliche Gründe für Armut im Alter sorgen. Sie reichen von langen Ausbildungen, die den Berufseinstieg verzögern bis zu regelmäßigen Teilzeitbeschäftigungen und Brüchen in der Erwerbsbiografie.

Gründe für Altersarmut aus gesellschaftlicher und finanzpolitischer SichtGründe für Altersarmut aus individueller beruflicher Perspektive
Demografischer WandelSpäter Berufseinstieg
Sinkendes RentenniveauTeilzeitbeschäftigungen/Minijobs/Leiharbeit
Anhaltende NiedrigzinsphaseUnbeständige Arbeitsverhältnisse

Altersarmut in Deutschland kann verschiedene Ursachen haben.

Gut zu wissen: Politiker ringen seit Jahren um Lösungen, um der drohenden Altersarmut vieler Menschen entgegenzuwirken. Doch nach Ansicht von Wirtschaftsexperten wird sich die Situation in den nächsten Jahren eher verschärfen. Der jungen Generation bleibt oftmals noch genügend Zeit, um mit geeigneten Geldanlagen selbst vorzusorgen und sich gegen eine mögliche Altersarmut zu wappnen. Es gilt wie so oft: Je früher Sie die passenden Sparmaßnahmen ergreifen, desto besser.

Wer ist von Altersarmut in Deutschland besonders betroffen?

Wie viele Rentner von Altersarmut tatsächlich gefährdet sind, lässt sich nur schwer vorhersagen. Denn Untersuchungen betrachten häufig nur das Einkommen, nicht aber das Vermögen und andere Finanzquellen. Neben der gesetzlichen Rente spielen beispielsweise auch private und betriebliche Vorsorge sowie das Einkommen des Partners eine entscheidende Rolle. Und dennoch sind bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders bedroht:

1. Frauen

Der Anteil an Frauen, die von Altersarmut betroffen sind, ist in Deutschland überdurchschnittlich hoch. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zum einen erhalten Frauen trotz gleicher Arbeit oft weniger Lohn als ihre männlichen Berufskollegen. Zum anderen wirken sich Auszeiten aufgrund von Schwangerschaft, Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen genauso negativ auf die Rentenhöhe aus wie Teilzeitbeschäftigungen. Frauen benötigen deshalb mehr Geld für eine private Altersvorsorge – jedoch sind sie häufig finanziell schlechter abgesichert als Männer.

2. Langzeitarbeitslose und Geringverdiener

Wer aufgrund einer Arbeitslosigkeit keiner erwerbsmäßigen Tätigkeit nachgeht, zahlt automatisch auch weniger bzw. gar keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Je länger die Arbeitslosigkeit anhält, desto geringer fällt später die Rente aus. Und auch alle, die viele Jahre arbeiten, dabei aber nur wenig verdienen, sind durchaus von Altersarmut bedroht. Denn in der Regel reicht der Mindestlohn bei Weitem nicht aus, um eine angemessene Rente beziehen zu können.

3. Selbstständige und Freiberufler

Grundsätzlich handelt es sich bei der gesetzlichen Rentenversicherung um eine Pflichtversicherung für jeden Arbeitnehmer. Selbstständige und Freiberufler sind jedoch unter bestimmten Voraussetzungen davon befreit. Was nach Wahlfreiheit klingt, kann sich als Trugschluss erweisen. Denn kümmern sich Selbstständige und Freiberufler nicht frühzeitig um alternative Vorsorgemöglichkeiten, können auch sie von Altersarmut betroffen sein.

Gut zu wissen: Auch wer über einen langen Zeitraum hinweg gut verdient und konstant in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, muss unter Umständen mit Altersarmut rechnen. Denn aufgrund der demografischen Entwicklung können die jüngeren Generationen möglicherweise nicht mehr ausreichend Geld erwirtschaften, um die klammen Rentenkassen für die steigende Anzahl an Rentnern zu füllen.

Die 3 Säulen der Altersvorsorge als Maßnahme gegen Altersarmut

Die Altersversorgung basiert in Deutschland auf 3 Säulen: der gesetzlichen, der betrieblichen sowie der privaten Altersvorsorge. Vor allem Letztere soll dazu beitragen, die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels auf das gesetzliche Rentensystem auszugleichen.

1. Gesetzliche Altersvorsorge

Als wichtigste Einnahmequelle im Alter gilt die gesetzliche Rente, die für viele Senioren die existenzielle Finanzgrundlage ist. Die Beiträge orientieren sich am jeweiligen Einkommen und sind entscheidend für die Höhe der Rentenbezüge. Zwar bildet die gesetzliche Altersvorsorge in vielen Fällen den größten Teil des Renteneinkommens, ermöglicht aber nur selten die finanzielle Absicherung des gewohnten Lebensstandards im Alter. Umso wichtiger ist es, Rentenlücken zu identifizieren und auszugleichen.

2. Betriebliche Altersvorsorge

Arbeitnehmer können mit der betrieblichen Altersvorsorge Teile ihres Gehaltes umwandeln lassen und sich so eine zusätzliche Rente aufbauen. Der jeweilige Arbeitgeber entscheidet dabei über Art und Umfang des Vorsorgemodells für Mitarbeiter. Der Vorteil: Die Beiträge werden bis zu einer jährlichen Höchstgrenze unversteuert und frei von Sozialabgaben aus dem Bruttogehalt gezahlt.

3. Private Altersvorsorge

Der privaten Altersorge wird inzwischen eine immer größere Bedeutung beigemessen, wenn es darum geht, Altersarmut effektiv vorzubeugen. Denn sie macht künftige Rentner ein Stück weit unabhängig von den zu erwartenden Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Welche Form der privaten Altersvorsorge für Sie die beste Variante ist, hängt nicht zuletzt von Ihrer individuellen Lebenssituation ab. Als eine mögliche Option hat sich bei manchen Anlegern eine Vorsorge mit Wertpapieren bewährt. Andere wiederum setzen auf Lebensversicherungen, Riester- oder Rürüp-Rentenmodellen. Und auch das Eigenheim kann als private Altersvorsorge herhalten. Hierfür spricht vor allem die langfristige Mietersparnis. Ob sich die Option aber lohnt, hängt wie so oft von der individuellen Lebensplanung ab.

Altersarmut vorbeugen mit der privaten Altersvorsorge

Experten sind sich einig: An der privaten Altersvorsorge führt heute kein Weg mehr vorbei. Sie bietet zwar keine staatlichen Zulagen oder steuerlichen Vergünstigungen, dafür aber umso aussichtsreichere Renditen bei maximaler Flexibilität – wie beispielsweise Wertpapiersparpläne. Alles was Sie dafür benötigen ist zunächst ein entsprechendes Depot. Einmal eröffnet, können Sie nun beispielsweise den Indexfonds auswählen, auf den Sie sparen möchten. Das Besondere: Bei der Altersvorsorge mit ETFs können Sie sich bereits mit kleinen monatlichen Beiträgen unter Umständen ein beträchtliches Vermögen aufbauen. Die Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn je weiter der Renteneintritt in der Ferne liegt, desto mehr kann der Zinseszins für Gewinne sorgen. Voraussetzung für eine solche Entwicklung ist aber stets, dass die Aktienkurse steigen. Passiert das nicht bzw. fallen die Kurse sogar, können Wertpapiere genauso gut auch für Verluste sorgen.

Neben ETF-Sparplänen können Sie auch mit anderen Wertpapieren wie qualitätsgeprüften Fonds aller wichtigen Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkte frühzeitig für Ihr Alter vorsorgen. Ihre Renditen erzielen die verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage ebenfalls aus den realen Erfolgen der Wirtschaft. Über Kursgewinne und Dividenden werden sie regelmäßig an Anleger weitergegeben. Mit Ihrem persönlichen Wertpapier-Favoriten können Sie so Schritt für Schritt an einer privaten Vorsorge arbeiten.

Fazit zur Altersarmut in Deutschland

Die Altersarmut in Deutschland breitet sich zunehmend aus. Wer im Alter keine böse Überraschung erleben will, sollte frühzeitig planen. Konkret bedeutet das: Lücken bei der Rente berechnen und mit geeigneten Maßnahmen die Rentenlücken schließen. Insbesondere die private Altersvorsorge bietet dabei flexible und zugleich gute Optionen, um sich finanziell auf den wohlverdienten Ruhestand vorzubereiten. Neben einem möglichst frühen Einstieg kann dafür auch eine breite Streuung in verschiedene Aktien aus unterschiedlichen Branchen entscheidend sein.

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