- Altersarmut in Deutschland nimmt seit den 2010er-Jahren wieder zu.
- Risikogruppen sind Frauen, Selbstständige, Langzeitarbeitslose und Niedrigverdienende.
- Um Altersarmut vorzubeugen, solltest du frühzeitig privat vorsorgen.
Definition: Was genau bedeutet Altersarmut?
Die Altersarmut in Deutschland nimmt seit einigen Jahren wieder zu. Von Altersarmut spricht man, wenn Rentnerinnen und Rentner nicht genügend Geld zu Verfügung haben, um ihren Lebensunterhalt in angemessener Weise zu bestreiten.
Armut in Deutschland ist ein relatives Problem und anders als in Entwicklungsländern nicht existenziell. In Deutschland gilt man im Alter als arm, wenn man weniger als 60 % des mittleren Netto-Äquivalenzeinkommens zur Verfügung hat. Dies gilt als der Schwellenwert der Armutsgefährdung. 2025 entsprach dieser Wert bei einer alleinstehenden Person über 65 Jahren einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 1.446 Euro. Die Armutsgrenze bei Ehepaaren lag bei ca. 2.300 bis 2.400 Euro.
Ursachen: Warum steigt die Altersarmut in Deutschland?
Seit Mitte der 2010er-Jahre ist die Altersarmut in Deutschland wieder gestiegen. Laut Statistik galten 2024 knapp jede fünfte Person ab 65 Jahren als armutsgefährdet. Dies entspricht rund 3,5 Millionen Menschen. Für die Altersarmut in Deutschland gibt es sowohl strukturelle als auch individuelle Ursachen.
Demografischer Wandel
Das Rentensystem in Deutschland basiert auf dem Umlageverfahren. Die Rentenversicherungsbeiträge der aktuellen Erwerbstätigen werden auf die heutigen Rentnerinnen und Rentner umgelegt. Das Problem: Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Folglich finanzieren immer weniger Beitragszahlende immer mehr Rentenbeziehende. Dadurch fließt weniger Geld in die Rentenkasse.
Infolge dieses demografischen Wandels in Deutschland sinkt das Rentenniveau. Hinzu kommen längere Rentenbezugszeiten, weil Rentnerinnen und Rentner im Schnitt immer älter werden und dementsprechend länger Rente beziehen.

Das Rentenniveau beschreibt modellhaft das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittseinkommen. Die Standardrente ist die Rente, die du nach 45 Jahren beziehen würdest, wenn du durchweg das Durchschnittseinkommen verdienen würdest. 2026 liegt das Rentenniveau bei 48 %. Das Rentenniveau sagt aber nicht aus, wie hoch deine Rente im konkreten Einzelfall gemessen an deinem früheren Netto ausfällt.
Geschlechterungleichheit
Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt noch immer weniger als Männer. Zudem arbeiten sie häufiger in Teilzeit und übernehmen mehr unbezahlte Care-Arbeit wie Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen. All dies führt dazu, dass Frauen im Alter weniger Rente beziehen und häufiger von Altersarmut betroffen sind, wie du weiter unten noch ausführlicher erfährst.
Individuelle Erwerbsbiografie
Ein später Berufseinstieg, Brüche in der eigenen Erwerbsbiografie, Langzeitarbeitslosigkeit oder Tätigkeiten im Niedriglohnsektor sind alles Gründe dafür, dass Menschen im Laufe ihres Erwerbslebens zu wenig Rentenpunkte sammeln und somit im Alter keinen Anspruch auf eine auskömmliche Rente haben. Ohne private Altersvorsorge droht später die Altersarmut.
Niedrige Zinsen und hohe Inflation
Niedrige Zinsen und eine hohe Inflation sind zwar keine Ursachen für Altersarmut, können aber dazu beitragen, dass das Geld im Alter nicht reicht. Klassische Sparanlagen wie Sparbuch, Tages- oder Festgeld, aber auch private Rentenversicherungen werfen häufig nicht genügend Zinsen ab.
Steigende Lebenshaltungskosten schmälern eine mögliche Rendite zusätzlich und sorgen im Alter dafür, dass die Kaufkraft von angespartem Vermögen und Renteneinkünften sinkt.
Wer ist in Deutschland besonders gefährdet oder von Altersarmut betroffen?
In Deutschland sind 5 Gruppen besonders armutsgefährdet oder von Altersarmut betroffen:
- Frauen
- Selbstständige und Freiberufler, Freiberuflerinnen
- Langzeitarbeitslose
- Niedrigverdienende
- Alleinerziehende
Altersarmut bei Frauen
Frauen sind in Deutschland besonders von Altersarmut betroffen. 2023 galten 20,8 % der Frauen ab 65 Jahren als armutsgefährdet. Die geschlechtsspezifische Rentenlücke – der Gender-Pension-Gap – lag in dem Jahr bei 27,1 %.
Das bedeutet, dass Frauen im Alter durchschnittlich 27,1 % weniger Rente bezogen haben als Männer. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Während Männer im Schnitt ca. 25.600 Euro brutto pro Jahr beziehen, erhalten Frauen im Schnitt ca. 18.700 Euro.
Geht man nur von den eigenen Alterssicherungsleistungen aus – also ohne eine mögliche Hinterbliebenenrente – fällt der Gender-Pension-Gap mit 43 % für Gesamtdeutschland sogar noch höher aus.
Ursachen für Altersarmut bei Frauen:
- Frauen verdienen im Schnitt noch immer weniger als Männer.
- 2025 lag der bereinigte Gender-Pay-Gap bei 6 %.
- Damit verdienten Frauen 6 % weniger als Männer – bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie.
- Frauen haben häufiger Lücken in der Erwerbsbiografie durch unbezahlte Care-Arbeit wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen.
- Frauen arbeiten ab dem 30. Lebensjahr und auch später seltener Vollzeit und verdienen daher weniger.
- Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und sammeln deshalb weniger Rentenpunkte.
- Eine Trennung oder Scheidung erhöht das Armutsrisiko, vor allem, wenn keine eigene, auskömmliche Altersvorsorge aufgebaut wurde.
- Alleinstehende Frauen über 65 sind überdurchschnittlich häufig von Altersarmut betroffen, weil sie im Schnitt älter werden als Männer und häufig schlechter abgesichert sind.
- Deshalb ist die private Altersvorsorge für Frauen besonders wichtig.

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Selbstständige und Freiberuflerinnen oder Freiberufler
Die meisten Selbstständigen in Deutschland sind nicht verpflichtet, Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Dafür erlangen sie auch keine Ansprüche auf eine spätere Rente vom Staat. Selbstständige und Freiberuflerinnen bzw. Freiberufler müssen sich deshalb eigenverantwortlich um ihre Altersvorsorge kümmern, ansonsten droht auch ihnen die Altersarmut.

Einen ausführlichen Ratgeber zum Thema „Altersvorsorge für Selbstständige“ findest du ebenfalls bei uns im comdirect Magazin.
Langzeitarbeitslose
Arbeitslosigkeit gehört zu den Hauptursachen für Altersarmut. Denn wer keiner erwerbsmäßigen Tätigkeit nachgeht, zahlt nur geringe oder keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Dadurch mindern sich die Rentenansprüche.
Fällt die Arbeitslosigkeit in die 2. Lebenshälfte, steigt das Risiko der Altersarmut noch. Ältere Arbeitslose gehen häufig vorzeitig in den Ruhestand und müssen dafür Abschläge bei der Rente hinnehmen. Wer vor der Rente arbeitslos wird, muss häufig Rücklagen aufbrauchen, um Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
Geringverdienende
Auch Geringverdienende, die zwar viele Jahre arbeiten und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, können durchaus von Altersarmut bedroht sein. Denn in der Regel reicht der Mindestlohn bei Weitem nicht aus, um eine angemessene Rente beziehen zu können.
Alleinerziehende
Über ein Drittel der Alleinerziehenden sind armutsgefährdet. Gerade für Alleinerziehende ist es häufig schwierig, Beruf und Kindererziehung zu vereinen. Ein geringes Einkommen durch Teilzeitbeschäftigung oder Minijobs verschärft dieses Problem.

Reicht die gesetzliche Rente noch aus?
Die gesetzliche Rente allein reicht in vielen Fällen nicht mehr aus, um im Alter den gewohnten Lebensstandard zu halten. Landläufig geht man davon aus, dass man im Ruhestand 80 % des letzten Nettoeinkommens benötigt, um keine größeren Abstriche machen zu müssen. Die gesetzliche Rente liegt aber häufig unter diesem Niveau. Deshalb ist neben der gesetzlichen Rente und einer möglichen betrieblichen Absicherung die private Altersvorsorge eine wichtige Maßnahme gegen Altersarmut.
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Tipps zur privaten Altersvorsorge: Wie kann ich Altersarmut vermeiden?
- Gesetzliche Rente sichern: Versicherungslücken durch Arbeitslosigkeit oder nicht anrechenbare Ausbildungs- oder Erziehungszeiten kannst du durch freiwillige rückwirkende Zahlungen schließen. Auch als nicht pflichtversicherter Selbstständiger kannst du freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen und so Rentenansprüche erlangen.
- Frühzeitig privat vorsorgen: Je früher du anfängst, privat fürs Alter zu sparen, desto besser.
- Wertpapiersparplan: Mit einem Fonds– oder ETF-Sparplan kannst du schon ab kleinen Beträgen regelmäßig privat fürs Alter vorsorgen.
- Staatliche Förderung nutzen: Mit dem Altersvorsorgedepot fördert der Staat ab 2027 die Altersvorsorge mit ETFs und Fonds. Für Selbstständige und Freiberufler kann auch der Abschluss eines Rürup-Vertrags (Basisrente) sinnvoll sein.
- Eigene Immobilie erwerben: Eine Immobilie als Kapitalanlage kann sinnvoll sein, um im Alter mietfrei zu wohnen oder die Rente durch Mieteinnahmen aufzubessern.
- Länger arbeiten: Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, erhält für jeden Monat einen lebenslangen Zuschlag von 0,5 % zur Rente – also maximal 6 % pro Jahr. Seit 2023 kannst du unbegrenzt viel zur Altersrente hinzuverdienen
Fazit: Altersarmut in Deutschland – frühzeitig privat vorsorgen ist heute ein Muss
Altersarmut in Deutschland hat sowohl strukturelle als auch individuelle Ursachen. Frauen, Selbstständige, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Brüchen in der Erwerbsbiografie sind im Alter am stärksten armutsgefährdet.
Sparen fürs Alter wird jedoch für immer mehr Menschen unverzichtbar. Inzwischen betrachten nämlich auch Teile der Politik die gesetzliche Rente nur noch als Basisabsicherung.
Umso wichtiger ist es, frühzeitig privat fürs Alter vorzusorgen – sei es mit einem Wertpapiersparplan, einer eigenen Immobilie oder staatlich geförderten Produkten wie der Basisrente oder ab 2027 dem neuen Altersvorsorgedepot.
Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.
Wenn du noch Fragen zu den Themen Vorsorgen und Versichern hast, nutze gerne unsere Volltextsuche auf www.comdirect.de. Dort findest du schnell und einfach viele Antworten auf die häufigsten Fragen. Solltest du dort keine passende Antwort finden, stehen wir dir gerne zur Verfügung – entweder über unser Kontaktformular auf der Website oder telefonisch unter 04106 – 708 25 00. Als comdirect Kundin oder Kunde halte bitte deine Zugangsdaten bereit.

