4-Tage-Woche – eine Frau praktiziert Yoga bei Sonnenaufgang an einem See.
4-Tage-Woche – eine Frau praktiziert Yoga bei Sonnenaufgang an einem See.
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4-Tage-Woche – das Arbeitszeitmodell der Zukunft?

Key Takeaways
  • Die 4-Tage-Woche ist ein alternatives Arbeitszeitmodell zur klassischen 5-Tage-Woche.
  • Die 4-Tage-Woche bedeutet gleiche Arbeit in weniger Zeit bei vollem Lohnausgleich.
  • Studien zeigen, dass Mitarbeitende gesünder, motivierter und produktiv sind.
  • In Deutschland startet ab Februar 2024 ein Pilotprojekt zur 4-Tage-Woche.

Definition: Was ist die 4-Tage-Woche?

Die 4-Tage-Woche ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem du 4 anstatt 5 Tage in der Woche arbeitest. Die 4-Tage-Woche ist also eine Alternative zum klassischen Modell der 5-Tage-Woche. In der Regel handelt es sich bei der 4-Tage-Woche jedoch nicht um ein Teilzeitmodell. Denn trotz eines zusätzlichen freien Tages musst du in einer 4-Tage-Woche dasselbe Arbeitspensum schaffen. Die gängige Formel für die 4-Tage-Woche lautet: 100 % Leistung in 80 % der Zeit bei 100 % Lohn.

40 Stunden vs. 32 Stunden: Wie viele Stunden arbeitet man bei einer 4-Tage-Woche?

Grundsätzlich gibt es 2 verschiedene Varianten der 4-Tage-Woche. Bei der ersten Variante der 4-Tage-Woche wird die Wochenarbeitszeit von 40 auf 32 Stunden reduziert. Beim zweiten Modell bleibt die Anzahl der Wochenarbeitsstunden gleich. Das heißt: Die 40 Stunden werden gleichmäßig auf 4 Tage verteilt, sodass sich die tägliche Arbeitszeit von 8 auf 10 Stunden erhöht.

Bei einer 4-Tage-Woche sinkt auch dein Urlaubsanspruch auf 80 %. Während du bei einer 5-Tage-Woche Anspruch auf 20 Urlaubstage pro Jahr hast, sind es bei einer 4-Tage-Woche nur 16 Urlaubstage pro Jahr. Auch bei der 4-Tage-Woche kannst du Anspruch auf Urlaubsgeld haben.

4-Tage-Woche bei gleichem Gehalt: Wie viel verdient man bei einer 4-Tage-Woche?

Tatsächlich wurde die 4-Tage-Woche in den meisten Studien und Pilotprojekten bei vollem Lohnausgleich umgesetzt. Die Beschäftigten absolvierten also dasselbe Arbeitspensum an 4 anstatt an 5 Tagen und bekamen dafür dasselbe Gehalt. Die Idee dahinter ist, dass die Beschäftigten bei einer 4-Tage-Woche motivierter und produktiver sind. Zudem soll die Arbeit effizienter gestaltet werden.

In welchen Ländern gibt es die 4-Tage-Woche schon?

Aktuell wurde die 4-Tage-Woche noch in keinem Land flächendeckend eingeführt. Es gibt jedoch mehrere Länder, die die 4-Tage-Woche im Rahmen von Studien und Pilotprojekten bereits getestet haben. Wir stellen dir hier 3 Länder vor, in denen die 4-Tage-Woche nach einer Probephase teilweise fortgeführt wurde.

4-Tage-Woche in Großbritannien

In Großbritannien haben 61 Unternehmen die 4-Tage-Woche von Juni bis September 2022 ein halbes Jahr lang getestet. Die Reduzierung der Arbeitszeit ging mit vollem Lohnausgleich einher. Die Unternehmen durften selbst entscheiden, ob sie einen festen freien Tag oder ein flexibles Arbeitszeitmodell einführten.

Die Auswertung der Daten ergab, dass die Produktivität in der Regel gleich blieb oder sogar stieg. Die Mitarbeitenden waren weniger gestresst, konnten Beruf und Privatleben besser vereinen und fehlten seltener krankheitsbedingt. 56 der 61 Unternehmen behielten die 4-Tage-Woche unmittelbar im Anschluss an die Studie bei. 30 % der teilnehmenden Unternehmen erklärten, dauerhaft auf die 4-Tage-Woche umstellen zu wollen.

4-Tage-Woche in Island

Auch in Island wurden 2 Pilotprojekte zur 4-Tage-Woche durchgeführt. In beiden Studien reduzierten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ihre Arbeitszeit von 40 auf 35 oder 36 Stunden. Die Leistung der Beschäftigten blieb jedes Mal gleich oder verbesserte sich sogar.

Auch in Island gaben die Teilnehmenden an, weniger gestresst zu sein und eine bessere Work-Life-Balance zu haben. Nach Abschluss der Pilotprojekte wurden Tarifverträge geschlossen, in denen den Beschäftigten eine Reduzierung der Arbeitszeit garantiert wird.

4-Tage-Woche in Belgien

In Belgien ist die 4-Tage-Woche sogar gesetzlich verankert. Dort haben Beschäftigte das Recht, ihre Arbeit an 4 Tagen zu erledigen – ohne Lohneinbußen. Die Gesamtarbeitszeit bleibt allerdings gleich. Das heißt: Wenn Arbeitnehmer ihre Arbeit an 4 Tagen erledigen, können sie sich einen zusätzlichen Tag freinehmen.

Die Einführung der 4-Tage-Woche in Belgien ist Teil einer Arbeitsmarktreform, die vor allem darauf abzielte, die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit im Land zu verringern.

Pilotprojekt: Wann kommt die 4-Tage-Arbeitswoche in Deutschland?

In Deutschland gehört z. B. die Gewerkschaft IG Metall zu den Befürwortern der 4-Tage-Woche. Auch die Partei „Die Linke“ spricht sich dafür aus, dass Arbeitnehmer frei wählen können, ob sie 4 oder 5 Tage pro Woche arbeiten wollen – bei vollem Lohnausgleich. Gesetzliche Pläne für die Einführung der 4-Tage-Woche gibt es in Deutschland jedoch nicht. Allerdings wollen mindestens 45 Unternehmen und Organisationen die 4-Tage-Woche in einem Pilotprojekt ab Februar 2024 probeweise für 6 Monate einführen.

Bei diesem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt soll untersucht werden, was mit der Produktivität und dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden passiert, wenn sie nur 4 Tage bei vollem Lohn arbeiten. Ziel dieses Pilotprojekts ist es, die theoretische Debatte um die 4-Tage-Woche mit praktischen Erfahrungen zu unterfüttern.

Was sind die Vor- und Nachteile der 4-Tage-Woche?

Die Ergebnisse bisheriger Studien zur 4-Tage-Woche fielen in der Regel durchweg positiv aus. In vielen Fällen waren Mitarbeitende motivierter, gesünder und produktiver. Dennoch gibt es auch Stimmen, die der 4-Tage-Woche kritisch gegenüberstehen und auf die potenziellen Nachteile verweisen. Die meisten Kritiker verweisen dabei auf mögliche negative gesamtgesellschaftliche Auswirkungen der 4-Tage-Woche.

Pro 4-Tage-Woche

  • Work-Life-Balance:
    In einer 4-Tage-Woche können Menschen Beruf, Familie und Freizeit besser vereinen.
  • Bessere Gesundheit:
    Studienteilnehmende geben meistens an, weniger gestresst und anfällig für Burnout-Symptome zu sein. Außerdem verbessere sich die Schlafqualität.
  • Attraktivität als Arbeitgeber:
    Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden eine 4-Tage-Woche anbieten, haben einen Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitnehmer. Auch die Mitarbeiterbindung kann steigen, weil Mitarbeitende zufriedener und motivierter sind.
  • Gleiche oder höhere Produktivität:
    In den bisherigen Studien zur 4-Tage-Woche konnte die Produktivität beibehalten oder sogar gesteigert werden.
  • Weniger Fehlzeiten:
    In Studien zur 4-Tage-Woche sanken in der Regel auch die Fehlzeiten. Für Unternehmen bedeutet dies bessere Planbarkeit.
  • Lösung des Fachkräftemangels:
    Die 4-Tage-Woche kann gerade für Frauen, die überdurchschnittlich häufig in Teilzeit arbeiten, ein Anreiz sein, wieder eine Vollzeitstelle anzutreten. Das höhere Arbeitsvolumen könnte den Fachkräftemangel zumindest entschärfen.
  • Mehr Konsum:
    Menschen, die mehr Freizeit haben, konsumieren in der Regel auch mehr. Tatsächlich hat die Einführung der 5-Tage-Woche in den 1960ern schon einmal gezeigt, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit den Konsum insgesamt ankurbeln kann.
  • Mehr Klimaschutz:
    Ein zusätzlicher freier Tag bedeutet auch, dass weniger Menschen zur Arbeit pendeln müssen. Das spart Emissionen und trägt zum Klimaschutz bei.

Contra 4-Tage-Woche

  • Längere Arbeitszeit:
    Längere tägliche Arbeitszeiten können die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit unter Umständen erschweren.
  • Gefahr von Krankheit:
    Eine Verdichtung der Arbeitszeit auf 4 Tage kann mehr Stress und ein höheres Krankheitsrisiko bedeuten, da dieselbe Arbeit in kürzerer Zeit geschafft werden muss bzw. die tägliche Arbeitszeit steigt.
  • Höherer Personalbedarf:
    Wenn die 4-Tage-Woche mit einer Reduzierung der Gesamtarbeitszeit einhergeht, müssen Stellen im Unternehmen mit mehreren Mitarbeitenden besetzt werden.
  • Arbeit nicht zu schaffen:
    Nicht nur Unternehmen, sondern auch manche Arbeitnehmer selbst sind der Ansicht, dass sich ihre Arbeit nicht auf 4 Tage verteilen lasse.
  • Mehr Fehlzeiten:
    Die Verdichtung der Arbeitszeit kann auch mit einem höheren Krankenstand einhergehen, da die Belastung für die Mitarbeitenden steigt.
  • Verschärfung des Fachkräftemangels: Gegner der 4-Tage-Woche argumentieren, dass die Einführung der 4-Tage-Woche den Fachkräftemangel noch verstärken würde, weil das Arbeitsvolumen sinkt und Arbeit teurer wird.
  • Wirtschaftliche Nachteile:
    Falls die Einführung der 4-Tage-Woche nicht mit mehr Effizienz und Produktivität einhergeht, kann es für Unternehmen zu Umsatzeinbußen kommen.
  • Nicht für alle Branchen geeignet:
    Die 4-Tage-Woche eignet sich nicht für alle Branchen. Gerade Tätigkeiten in Bereichen wie Pflege, Polizei oder im medizinischen Bereich erfordern die Präsenz des Personals.

Wie wirkt sich die 4-Tage-Woche auf die Rente aus?

Wie hoch deine monatliche Rente ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie viel du im Laufe deines Erwerbslebens verdienst. Denn die Rentenpunkte berechnen sich anhand des Durchschnittseinkommens. Je mehr Lohn du bekommst, desto höher ist später auch deine Rente.

Bei vollem Lohnausgleich wirkt sich die 4-Tage-Woche deshalb gar nicht auf die Rente aus. Nur wenn sich mit der Arbeitszeit auch der Lohn verringert, sinken deine Rentenansprüche. Kritiker mahnen daher an, dass sich mit Einführung der 4-Tage-Woche auch das Problem der Altersarmut in Deutschland verschärfen könnte.

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Fazit: 4-Tage-Woche – Pilotprojekt in Deutschland soll praktische Erkenntnisse bringen

Internationale Studien zeigen: Ein zusätzlicher freier Tag in der Woche macht Beschäftigte gesünder, motivierter und teilweise sogar produktiver. Unternehmen in Großbritannien und Island haben die 4-Tage-Woche daher nach einer Testphase fortgeführt. In Belgien ist die 4-Tage-Woche sogar gesetzlich verankert. Davon ist man in Deutschland noch weit entfernt. Dabei sprachen sich 71 % in einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung von 2023 für die 4-Tage-Woche aus – wenn auch nur bei vollem Lohnausgleich.

Kritiker der 4-Tage-Woche verweisen vor allem auf die möglichen gesamtgesellschaftlichen Folgen, z. B. eine Verschärfung des Fachkräftemangels. Im Februar 2024 startet in Deutschland ein Pilotprojekt zur 4-Tage-Woche. Dadurch könnte die hierzulande weitgehend theoretisch geführte Debatte zur 4-Tage-Woche mit praktischen Erfahrungen unterfüttert werden.

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Autor
comdirect Redaktion
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