Negativzinsen Was sind Negativzinsen?

Ein junger Geschäftsmann sitzt auf seinem Skateboard draußen in der Stadt und hört Musik auf dem Smartphone.
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Seit 2014 zahlen Banken für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Zinsen. Diesen „Strafzins“ geben viele Institute an ihre Privatkunden weiter. In diesem Artikel erklären wir, was Negativzinsen sind und warum es sie gibt. Außerdem erfahren Sie, wie hoch Minuszinsen auf Bankguthaben in der Regel ausfallen, ab welchem Betrag sie anfallen können und wie man sie vermeiden kann.

Was versteht man unter Negativzinsen?

Als Bankguthaben bezeichnet man Forderungen von Nichtbanken an Kreditinstitute. Normalerweise fallen für solche Forderungen Zinsen an. Das heißt: Die Bank als Schuldner zahlt dem Guthabeninhaber als Gläubiger ein Entgelt als Gegenleistung für vorübergehend überlassenes Kapital. Bei Negativzinsen tritt jedoch der umgekehrte Fall ein: Derjenige, der einem anderem Geld leiht, zahlt drauf. Was paradox erscheint, wird in Deutschland immer mehr zur Regel – zumindest bei Kontoeinlagen. Inzwischen verlangen nämlich viele Banken und Sparkassen ab einem bestimmten Betrag Negativzinsen auf Guthaben. Umgangssprachlich ist auch von einem „Strafzins“ die Rede. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Geldhäuser selbst durch die aktuelle Geldpolitik der Zentralbanken erheblich belastet sind.

Warum gibt es Negativzinsen?

Seit 2014 ist der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank (EZB) negativ. Das bedeutet, dass Banken, die kurzfristig Geld bei der EZB anlegen, keine Verzinsung erhalten, sondern selbst Zinsen dafür zahlen müssen. Der Negativzins der EZB liegt seit dem 18. September 2019 bei – 0,5 %. Viele Geldhäuser geben diesen „Strafzins“ nun an ihre Kunden weiter. Damit wollen sie verhindern, dass vor allem Neukunden größere Beträge anlegen.

Wann zahlt man Negativzinsen?

Negativzinsen werden inzwischen auf verschiedene Guthabenformen erhoben. So berechnen Banken Minuszinsen beispielsweise auf:

  • Girokonten
  • Tagesgeldkonten
  • Festgeldkonten
  • Verrechnungskonten

Negativzinsen auf Girokonto und Tagesgeldkonto

Viele Banken und Sparkassen verlangen von ihren Kunden ein „Verwahrentgelt“ auf Guthaben, das auf dem Giro- oder Festgeldkonto liegt. Manche Institute erheben den Strafzins nur auf Guthaben auf dem Girokonto, andere nur auf Tages- oder Festgeld. In vielen Fällen gilt der Negativzins sowohl für Girokonten als auch für Tages- bzw. Festgeld.

So können sich Negativzinsen nach 5 Jahren auf das Guthaben auswirken.

Gut zu wissen: Alle wichtigen Informationen zum Girokonto finden Sie im comdirect magazin.

Negativzinsen auf das Verrechnungskonto für das Depot

Auch mehrere Online-Broker geben den „Strafzins“ der EZB an ihre Kunden weiter. Dieser fällt auf Guthaben an, das auf dem Verrechnungskonto zum Depot liegt. Auch hier gelten verschiedene Freibeträge bzw. Cash-Quoten (d. h. das Verhältnis zwischen Depotwert und Guthaben auf dem Verrechnungskonto).

Gut zu wissen: Online-Broker erheben Negativzinsen in der Regel nur für Guthaben auf dem Verrechnungskonto, nicht für das Depot selbst.

Negativzinsen meistens bei hohem Guthaben

Auch wenn einige Banken schon ab dem ersten Euro Minuszinsen verlangen, gewähren viele Geldhäuser einen Freibetrag. Dieser liegt meist bei 100.000 Euro. Allerdings gibt es auch Geldhäuser, die einen niedrigeren Freibetrag gewähren – teilweise deutlich unter 100.000 Euro. Andererseits gibt es Banken, die den „Strafzins“ erst ab einem Guthaben von 250.000 oder sogar 1.000.000 Euro erheben.

Negativzinsen nur für Neukunden

Die nachträgliche Einführung von Negativzinsen in Bestandsverträge für Privatkunden ist unzulässig – zu diesem Urteil kam das Landgericht Tübingen schon im Januar 2018. Grundsätzlich sind Negativzinsen für Privatkunden jedoch nicht unzulässig, sodass in Neuverträgen eine entsprechende Vereinbarung geschlossen werden kann. Dementsprechend erheben Institute Verwahrentgelte meist nur bei Neukunden. Dies gilt sowohl für Giro- als auch für Tagesgeldkonten. Manche Banken bieten ihren Kunden an, im Rahmen einer Individualvereinbarung beispielsweise einen höheren Freibetrag festzulegen.

Gebühren als eine Art Negativzins

Manche Geldhäuser gehen andere Wege, um den Einlagesatz der EZB an Privatkunden weiterzugeben. So werden in einigen Fällen neuerdings Gebühren auf Tagesgeldkonten erhoben, die höher ausfallen als die Verzinsung des angelegten Geldes. Streng genommen handelt es sich dabei nicht um einen Negativzins. Die Wirkung ist aber dieselbe: Das Guthaben sinkt. Auch bei Girokonten kommt es vor, dass Banken eine Gebühr als Zuschlag zum Kontoführungsentgelt erheben und so faktisch ihre Kosten für die Verwahrung von Guthaben bei der Zentralbank auf Kunden umlegen.

Darstellung der wichtigsten Punkte zu Negativzinsen.
Die wichtigsten Punkte zu Negativzinsen in der Übersicht.

Wie hoch sind die Negativzinsen?

Seit dem 18. September 2018 beläuft sich der Einlagesatz der EZB auf −0,5 %. In den allermeisten Fällen geben Institute diesen „Strafzins“ eins zu eins an Kontoinhaber und Sparer weiter. In wenigen Fällen liegt der Zinssatz für Einlagen geringfügig darunter oder darüber. Generell reicht die Höhe des Verwahrentgelts von −0,4 % bis −0,6 % pro Jahr.

Welche Banken verlangen Negativzinsen?

Vor allem für Sparkassen und Raiffeisenbanken stellt der negative Einlagesatz der EZB eine erhebliche Belastung dar. Dementsprechend sind es zumeist diese Institute, die den Strafzins an ihre Privatkunden weitergeben. Inzwischen berechnen jedoch auch immer mehr private Geldhäuser ein Verwahrentgelt für Guthaben auf Giro-, Tages- oder Festgeldkonten. Insgesamt sind es in Deutschland aktuell rund 360 Banken und Sparkassen, die Negativzinsen auf Guthaben erheben (Stand 02/2021).

Gut zu wissen: Und auch viele Online-Broker geben den Minuszins an ihre Kunden weiter.

Wie vermeidet man Negativzinsen?

Als Privatkunde hat man mehrere Möglichkeiten die unbeliebten Negativzinsen zu umgehen. Da die Zahl der Banken, die bislang keine Negativzinsen erheben auch in Zukunft stark abnehmen wird, ist ein Wechsel des Geldinstituts nicht unbedingt die beste Lösung. Vielmehr bietet es sich an größere Sparbeträge auf mehrere Konten zu verteilen. Das Guthaben zum Sparen kann anhand der unterschiedlichen Freibetragsgrenzen aufgeteilt werden. Als Alternative können Anleger ihr Geld auch auf verschiedenen Kontoarten anlegen. Denkbar wäre zum Beispiel eine Mischung aus Tagesgeld, Festgeld und börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Die passenden Top-Preis ETFs für Ihre persönliche Anlagestrategie finden Sie bei comdirect. Bei dieser Form der Geldanlage gilt es jedoch zu bedenken, dass Wertschwankungen unvermeidbar sind und zudem Verlustrisiken bestehen.

Gut zu wissen: Selbst Tagesgeldkonten mit der höchsten Verzinsung liegen in der Regel unterhalb der aktuellen Inflationsrate. Deshalb nutzen viele Anleger das Tagesgeldkonto nur für Geldanlagen auf das sie jederzeit zugreifen können müssen.

Fazit: Negativzinsen betrifft mittlerweile viele Sparer

Mittlerweile erheben immer mehr Banken sogenannte Negativzinsen auf Geldanlagen. Zwar liegt der Freibetrag in der Regel bei 100.000 Euro – viele Banken verlangen die „Strafzinsen“ allerdings auch schon bei niedrigeren Summen. Wer Negativzinsen umgehen möchte, muss deshalb neue Wege für die Geldanlage finden. So kann die Sparsumme beispielsweise auf mehrere Konten verteilt werden oder aber auf verschiedene Anlagevarianten, wie etwa auf ein Tagesgeldkonto oder angelegt in ETFs oder Aktien.

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