Ratgeber Was ist ein Lombardkredit?

Eine Frau sitzt auf einem Fensterbrett und schaut nach draußen.
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Ein Lombardkredit ist eine Möglichkeit, kurzfristig Geld aufzunehmen, um damit Wertpapiere zu kaufen oder andere Anschaffungen zu finanzieren. In diesem Artikel haben wir den Lombardkredit einfach erklärt: Wie funktioniert ein Lombardkredit, was sind die Vor- und Nachteile und welche Risiken sind mit einem Wertpapierkredit verbunden?

Was sind Lombardgeschäfte?

Lombardgeschäfte sind Leihgeschäfte, bei denen Kreditgeber kurzfristig ein Kredit gegen die Verpfändung von Guthaben, Wertpapieren oder beweglichen Sachen gewähren. Der Kreditnehmer bleibt dabei weiterhin Eigentümer der Pfandgegenstände – der Gläubiger wird Besitzer. Kann der Kreditnehmer die Raten nicht wie vereinbart zurückzahlen, so hat der Gläubiger die Möglichkeit die Pfandgegenstände zu verwerten.

Gut zu wissen: Der Begriff Lombard leitet sich von der oberitalienischen Region Lombardei ab. Dort wurde bereits im Mittelalter Geld gegen Pfandsicherheiten verliehen.

Definition: Lombardkredit

Allgemein handelt es sich bei einem Lombardkredit um einen Kredit mit kurzer bis mittler Laufzeit, der mit einem Pfand abgesichert wird. Verpfändet werden können Wertpapiere, Bankguthaben oder bewegliche Sachen. Die Laufzeit eines Lombardkredits beträgt in der Regel maximal 2 Jahre. Die Höhe der Zinsen hängt von der Art der Sicherheit ab, wobei die Verpfändung von Bankguthaben meist die höchste Sicherheit bietet. Die gängigste Form des Lombardkredites ist der Wertpapierkredit oder Effektenlombardkredit.

Effektenlombardkredit

Der Effektenlombardkredit oder Wertpapierkredit ist der Pfandkredit, der am häufigsten in Anspruch genommen wird und für Verbraucher deshalb am relevantesten ist. Bei dieser Form des Pfandkredits dienen die Wertpapiere im Depot des Kreditnehmers als Sicherheit für das Darlehen. Zu den beleihbaren Effekten gehören neben Aktien auch Anleihen, ETFs und Fonds wie z. B. aktiv gemanagte Fonds.

Wie errechnet sich der Beleihungswert beim Wertpapierkredit?

Beim Wertpapierkredit hängt der Beleihungsfaktor von der Risikoklasse der Effekten ab: Wertpapiere mit einer geringerer Risikoklasse haben einen höheren Beleihungswert als risikoreiche, spekulative Assets. Letztere werden von der Bank zumeist nur zu einem geringen Teil oder gar nicht als Sicherheit berücksichtigt. Bei derivativen Anlageklassen wie z. B. Optionsscheinen und Zertifikaten ist meist keine Beleihung möglich. Allgemein reicht der Beleihungswert von 0 bis 80 % des Kurswerts bzw. Rücknahmepreises. Ein Effektenlombardkredit kann für den Wertpapierhandel – also beispielsweise, um weitere Aktien zu kaufen –, aber auch für andere Anschaffungen genutzt werden.

WertpapiereKurswertBeleihungsfaktorBeleihungswert
Aktien DAX 3012.500 Euro70%8.750 Euro
Ausländische Aktien7.500 Euro30%2.250 Euro
Inländische Euro-Anleihen2.750 Euro80%2.200 Euro
Optionsscheine2.250 Euro0%0 Euro
Gesamt25.000 Euro13.200 Euro

Warenlombardkredit

Auch Waren können als Sicherheit für einen Kredit an die Bank verpfändet werden. Dazu muss dem Kreditinstitut ein sogenanntes Traditionspapier übertragen werden, das die Übergabe der verpfändeten Waren ersetzt. Als Traditionspapiere gelten Konnossemente, Lade- und Lagerscheine. Der Warenlombardkredit wird generell von Unternehmen in Anspruch genommen, um den Kauf von Waren vorzufinanzieren. Der Beleihungswert ist in der Regel auf maximal zwei Drittel des Warenwerts begrenzt.

Edelmetalllombardkredit

Bei einem Edelmetalllombardkredit werden Edelmetalle wie zum Beispiel Gold oder Silber als Sicherheit für einen Kredit verpfändet. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist diese Form des Lombardkredits heute nur noch sehr selten und spielt hauptsächlich bei der Pfandleihe in Pfandhäusern eine Rolle. Um den Beleihungswert des Pfandes zu ermitteln, wird der effektive Wert des jeweiligen Edelmetalls herangezogen. Die gewährte Kreditsumme beträgt in der Regel höchstens 80 % des Werts.

Wechsellombardkredit

Bei einem Wechsellombardkredit dient ein sogenannter Wechsel als Pfand. Geschäftspartner eines solchen Pfandkredits sind laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Bundesbank ausschließlich Kreditinstitute, die diese Form des Lombardkredits zur Refinanzierung nutzen.

Wie funktioniert ein Lombardkredit?

Wie ein Lombardkredit funktioniert, lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären. Nehmen wir an, ein Anleger bewahrt in seinem Depot Wertpapiere mit einem aktuellen Kurswert von 25.000 Euro auf, die er als Sicherheit für einen Lombardkredit verpfänden möchte. Die Bank gewährt ihm für seinen Pfand einen Beleihungsfaktor in Höhe von 70 %. Der Kreditrahmen beträgt in diesem Fall also 17.500 Euro. Diesen Betrag kann der Anleger nach Beantragung und Gewährung des Kredits in Anspruch nehmen. Wie für jede Art von Darlehen fallen auch für einen Lombardkredit Zinsen an. Diese entfallen jedoch nur auf den Betrag, den der Kreditnehmer tatsächlich in Anspruch nimmt. Wenn er den Kredit plus Zinsen zurückzahlen kann, erhält er die verpfändeten Wertpapiere zurück. Ansonsten gehen die beliehenen Wertpapiere in das Eigentum des Kreditinstituts über, das den Pfand liquidieren kann.

Grafische Darstellung der Funktionsweise eines Lombardkredites.
So funktioniert ein Lombardkredit am Beispiel eines Wertpapierkredits.

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Was sind die Vor- und Nachteile eines Lombardkredits?

Ein Lombardkredit bietet sowohl Vor- als auch Nachteile

VorteileNachteile
Kurzfristig verfügbarNur prozentualer Anteil des Pfandwerts als Kreditsumme
Pfand als einzige SicherheitBeleihungswert kann durch Kursverluste sinken
Keine Schufa-Prüfung/-MeldungBei sinkendem Beleihungswert kann die Bank weitere Sicherheiten verlangen
Vergleichsweise niedrige ZinsenSehr hohe Zinsen bei Überziehung
Nur Verzinsung des beanspruchten BetragesEventuelle Nachschusspflicht
Zinsen fallen quartalsweise anWertpapiere können liquidiert werden

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Welche Risiken sind mit einem Lombardkredit verbunden?

Mit einem Lombardkredit sind mehrere Risiken verbunden. Das größte Risiko besteht in der Regel darin, dass die als Pfand hinterlegten Wertpapiere in das Eigentum der Bank übergehen, falls der Kreditnehmer den Wertpapierkredit nicht zurückzahlen kann. Ein weiteres Risiko ist, dass der Wert des Depots durch Kursverluste sinkt, denn dadurch verringert sich automatisch auch der Beleihungswert. Bei einer deutlichen Reduzierung des Beleihungswertes kann die Bank weitere Sicherheiten verlangen. Besonders problematisch wird es, wenn der Kreditnehmer durch den gesunkenen Beleihungswert in die Überziehung rutscht, denn dann fallen in der Regel deutlich höhere Zinsen an. Außerdem kann es sein, dass die Bank einen Teil der beliehenen Aktien liquidiert oder den Kredit vollständig ablöst. In manchen Fällen greift sogar eine Nachschusspflicht. In diesem Fall muss das Depot innerhalb einer bestimmten Frist mit Mitteln aus anderen Quellen ausgeglichen werden.

Übersicht: Welche Risiken sind mit einem Lombardkredit verbunden?

  • Geringerer Beleihungswert bei Kursverlusten
  • Bank verlangt weitere Sicherheiten oder Ablösung des Kredits
  • Überziehung bei ausgeschöpftem Kreditrahmen
  • Nachschusspflicht
  • Pfändung der beliehenen Wertpapiere

Fazit: Kurzfristige Liquidität mit Risiken

Wer über ein Wertpapierdepot mit einem entsprechenden Depotvolumen verfügt, hat mit einem Lombardkredit die Möglichkeit, gegen Verpfändung seiner Wertpapiere kurzfristig einen Kredit in Anspruch zu nehmen, um weitere Wertpapiere zu kaufen oder andere Anschaffungen zu tätigen. Ein Wertpapierkredit birgt jedoch immer Risiken, die man gerade als Privatanleger kennen sollte. Bei Kursverlusten sinkt nämlich auch der Beleihungswert des Depots. Wer dadurch seinen Kreditrahmen überzieht, zahlt deutlich höhere Zinsen und riskiert zudem, dass die beliehenen Aktien, Anleihen, ETFs oder Fonds von der Bank liquidiert werden.

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