Infos zum Bausparen Was ist ein Bausparvertrag?

Eine junge Frau steht mit Papieren in der Hand in einer Wohnung voller Umzugskartons.
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Auch wenn die Zahlen rückläufig sind: Mit rund 26 Millionen abgeschlossenen Verträgen gehört der Bausparvertrag in Deutschland noch immer zu den beliebten Finanzprodukten. In diesem Artikel haben wir die wichtigsten Fragen zum Thema Bausparen für Sie beantwortet: Was genau versteht man unter Bausparen und wie funktioniert ein Bausparvertrag? Was ist die Bausparsumme und wie lange dauert ein Bausparvertrag? Und: Ist ein Bausparvertrag überhaupt noch sinnvoll? Wir haben uns mit den Vor- und Nachteilen des Bausparens befasst und erklären Ihnen, welche staatlichen Förderungsmöglichkeiten es gibt.

Was versteht man unter Bausparen?

Beim Bausparen geht es darum, Geld zu sparen, um später einmal bauen zu können. Als Bausparer zahlt man monatlich einen bestimmten Betrag in einen Bausparvertrag ein und spart so Guthaben an, das verzinst wird. Das Bausparguthaben dient als Eigenkapital für eine Baufinanzierung. Gleichzeitig erwirbt man mit dem angesparten Guthaben das Recht auf ein Bauspardarlehen mit festen Zinsen. Dieses Darlehen wird gemeinsam mit dem angesparten Guthaben ausgezahlt und muss dann ebenfalls zu einem festen Zins getilgt werden.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag ist eine Kombination aus Sparplan und Immobilienfinanzierung. Sinn und Zweck eines Bausparvertrags ist es, Eigenkapital für ein Haus oder eine Eigentumswohnung aufzubauen und sich damit zugleich das Recht auf ein zweckgebundenes Immobiliendarlehen zu einem festen Darlehenszins zu sichern. Ein Bausparvertrag durchläuft dabei drei Phasen: die Ansparphase, die Zuteilungsreife und die Darlehensphase.

Was passiert in der Ansparphase?

In der Ansparphase wird monatlich oder jährlich Guthaben angespart. Die Höhe der monatlichen Sparrate wird bei Abschluss des Bausparvertrags festgelegt. Wie bei anderen Sparplänen erhält man auf das angesparte Guthaben Zinsen. Deshalb nutzen viele Sparer den Bausparvertrag auch als Form der Geldanlage. Der Guthabenzins wird ebenso, wie der spätere Darlehenszins, bei Vertragsabschluss vereinbart. Sobald ausreichend Guthaben angespart ist – in der Regel 30 bis 50 % der festgelegten Bausparsumme – beginnt die Phase der Zuteilung.

Wann ist der Bausparvertrag zuteilungsreif?

In der Zuteilungsphase kann der Bausparer entscheiden, ob er sich das angesparte Bausparguthaben plus Zinsen auszahlen lassen möchten oder ob er das Bauspardarlehen in Anspruch nimmt. In dieser Phase spricht man davon, dass der Bausparvertrag „zuteilungsreif“ wird. Für die Zuteilung des Bauspardarlehens müssen jedoch verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. So muss beispielsweise die vereinbarte Mindestlaufzeit eingehalten werden. Zu welchem Zeitpunkt das Darlehen zugeteilt wird, hängt außerdem von der erreichten Bewertungszahl ab.

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Gut zu wissen: Die Bewertungszahl ist ein Kriterium für die Zuteilung von Bausparverträgen. Mit ihr wollen die Bausparkassen sicherstellen, dass bestimmte Wartezeiten bis zur Zuteilung der Bausparsumme nicht unterschritten werden und alle Bausparkunden in Bezug auf die Zuteilung gleichwertig behandelt werden.

Wie funktioniert die Darlehensphase?

Entscheidet sich der Inhaber eines Bausparvertrags, das Baudarlehen in Anspruch zu nehmen, bekommt er dieses zusammen mit dem angesparten Guthaben ausgezahlt. In der nun beginnenden Darlehensphase muss er das Darlehen plus Zinsen in Raten zurückzahlen. Die Tilgungsdauer wird bei Abschluss des Bausparvertrags festgelegt und ist in der Regel genauso lang wie die Ansparphase.

Gut zu wissen: Erfahrungsgemäß macht ein Bauspardarlehen höchstens etwa 30 % der Gesamtfinanzierung aus und stellt deshalb meistens nur eine Komponente einer Baufinanzierung dar.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Was ist die Bausparsumme?

Die Bausparsumme ist das Geld, das der Bausparer ausgezahlt bekommt, wenn er sich entscheidet, das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Die Bausparsumme setzt sich aus dem angesparten Guthaben und dem Bauspardarlehen zusammen. Sie wird bei Vertragsabschluss festgelegt.

Gut zu wissen: Anders als bei vielen anderen Formen der Baufinanzierung bleibt am Ende der Laufzeit eines Bausparvertrags keine Restschuld bestehen.

Wie lange dauert ein Bausparvertrag?

Wie lange ein Bausparvertrag dauert, hängt davon ab, ob man sich entscheidet, das Bauspardarlehen zu beanspruchen oder nicht. Ein Bausparvertrag endet also spätestens, wenn das Darlehen vollständig getilgt ist – oder der Vertrag zuteilungsreif wird und man sich das angesparte Guthaben plus Zinsen auszahlen lässt. In der Regel ist die Zuteilungsreife nach 7 bis 10 Jahren erreicht. Grundsätzlich besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Ansparphase zu verlängern, sprich: einen zuteilungsreifen Bausparvertrag weiter zu besparen. Allerdings hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein Bausparvertrag zehn Jahre nach Erreichen der Zuteilungsreife von der Bausparkasse gekündigt werden kann.

Darüber hinaus hat man als Bausparer selbst jederzeit die Möglichkeit, einen Bausparvertrag aufzulösen und sich das angesparte Geld auszahlen zu lassen. Welche Verluste man dafür in Kauf nehmen muss und wie lange es dauert, bis das Bausparguthaben ausgezahlt wird, hängt davon ab, in welcher Phase sich der Bausparvertrag befindet. In der Ansparphase müssen Sie den Vertrag zunächst kündigen. In der Regel gilt eine Kündigungsfrist von 3 Monaten. Bei nicht fristgerechter Kündigung fällt häufig die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung an. Außerdem ist der Anspruch auf das Bauspardarlehen mit der Kündigung verwirkt.

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Was sind die Vor- und Nachteile eines Bausparvertrages?

Als einer der Vorteile eines Bausparvertrags wird häufig dessen Flexibilität genannt. In der Tat wird für die Ansparphase keine feste Laufzeit, sondern lediglich eine Mindestlaufzeit festgelegt. Somit kann der Bausparer selbst flexibel entscheiden, wie schnell er sein Bausparguthaben aufbauen möchte. Je nach Vertrag sind zudem Sonderzahlungen möglich. Planungssicherheit bietet ein Bausparvertrag durch den festen Darlehenszins, der Sparern bei Vertragsabschluss zugesichert wird. Als weiterer Vorteil gilt, dass man sich als Bausparer seinen Bausparvertrag unter bestimmten Voraussetzungen staatlich bezuschussen lassen.

Den Vorteilen eines Bausparvertrags stehen allerdings auch Nachteile gegenüber. Zum einen bekommt man als Bausparer auf das angesparte Guthaben vergleichsweise niedrige Zinsen, die heute im Schnitt zwischen 0,1 und 0,5 % liegen. Als Form der Geldanlage hat der Bausparvertrag somit im Gegensatz zu früher an Attraktivität eingebüßt. Zudem fallen bei Vertragsabschluss relativ hohe Abschlusskosten in Höhe von 1 bis 1,6 % auf die festgelegte Bausparsumme an, wodurch sich die effektiven Guthabenzinsen mindern. Angesichts der niedrigen Verzinsung und der hohen Abschlusskosten rechnet sich ein Bausparvertrag unter Umständen nur dann, wenn der zugesicherte Darlehenszins niedriger oder besser noch deutlich niedriger ausfällt als die Zinsen, die man auf einen Immobilienkredit ohne Bausparvertrag bekommen würde. Ob diese „Wette“ aufgeht, lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Letztlich ist auch die staatliche Förderung, wie die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage, an bestimmte Bedingungen geknüpft.

Tipp: Wer bereits Eigentümer einer Immobilie ist, kann einen Bausparvertrag gegebenenfalls auch für künftige Renovierungen oder Modernisierungen nutzen. Davor gilt es natürlich zu prüfen, ob ein Bauspardarlehen zinsgünstiger ausfällt als ein entsprechendes Darlehen der Bank.

Welche staatlichen Förderungsmöglichkeiten gibt es für das Bausparen?

Der Staat bezuschusst Bausparverträge mit der Wohnungsbauprämie und der Arbeitnehmersparzulage.

Wohnungsbauprämie

Die Wohnungsbauprämie wird jährlich ausgezahlt und richtet sich nach der Höhe der eingezahlten Beträge. Im Januar 2021 ist die Wohnungsbauprämie von vorher 8,8 % auf 10 % gestiegen. Gefördert werden nun pro Jahr 700 Euro für Alleinstehende bzw. 1.400 Euro für Ehepaare (Stand Januar 2021). Die maximale Fördersumme beträgt somit jährlich 70 Euro bzw. 140 Euro. Die Auszahlung der Wohnungsbauprämie ist daran gebunden, dass das geförderte Sparguthaben für „wohnwirtschaftliche Zwecke“ ausgegeben wird. Sprich: Das angesparte Geld muss tatsächlich in den Bau, den Erwerb oder die Renovierung von Wohneigentum fließen. Für die Wohnungsbauprämie liegt die Einkommensgrenze bei einem zu versteuernden Einkommen von 35.000 Euro pro Jahr (für Singles) bzw. 70.000 Euro pro Jahr (für Verheiratete) (Stand Januar 2021).

Arbeitnehmersparzulage

Wer als Arbeitnehmer vermögenswirksame Leistungen in einen Bausparvertrag investiert, kann außerdem von der Arbeitnehmersparzulage profitieren. Der Staat fördert die vermögenswirksamen Leistungen mit einem Bonus von 9 % bei einem Höchstbetrag von 470 Euro für Alleinstehende und 940 Euro für zusammenveranlagte Ehepartner (Stand Januar 2021). Auch diese Form der staatlichen Förderung ist an eine Einkommensgrenze gebunden: Förderberechtigt ist nur, wer ein zu versteuerndes Nettoeinkommen von bis zu 17.900 Euro (Singles) bzw. 35.800 Euro (Ehepartner) pro Jahr hat (Stand Januar 2021).

Tipp: Ein alter, bereits bestehender Bausparvertrag, der vor 2008 abgeschlossen wurde, bringt häufig mehr Zinsen als ein heutiges Tages- oder Festgeldkonto. Bausparexperten raten deshalb dazu, einen solchen Vertrag nicht aufzulösen und möglichst voll zu besparen.

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